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FH Südwestfalen etabliert Landnutzungsökologie

Für das Modul „Experimentelle Landnutzungsökologie“ haben die Studierenden eine Woche lang jeden Tag in der Natur verbracht und beispielsweise Regenwürmer gezählt.  Quelle: Sandra Pösentrup  Copyright: FH Südwestfalen
Für das Modul „Experimentelle Landnutzungsökologie“ haben die Studierenden eine Woche lang jeden Tag in der Natur verbracht und beispielsweise Regenwürmer gezählt. Quelle: Sandra Pösentrup Copyright: FH Südwestfalen
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Landschaft als Labor: Wechselwirkungen zwischen Landnutzung, Artenvielfalt
und Funktionen von Ökosystemen – Theorie zum Anfassen
Soest. „Verstehen“ geht über das Aneignen von theoretischem Wissen hinaus.
Ein Verständnis für komplexe Zusammenhänge bildet sich vielmehr in der
Verknüpfung von Theorie und Praxis aus. Wie beeinflusst zum Beispiel ein
Blühstreifen das Feld nebenan? Gibt es Wechselwirkungen zwischen Wald,
Grünland und Ackerflächen?

Um diese und andere Fragestellungen geht es im
Studiengang „Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement“ an der Fachhochschule
Südwestfalen. Als Professor für das neu geschaffene Fachgebiet
Landnutzungsökologie am Fachbereich Agrarwirtschaft geht Prof. Dr. Lukas
Beule mit Studierenden raus ins Freiland und löst damit ein Versprechen
ein, Ökologie und Biodiversität nicht nur theoretisch im Hörsaal zu
lehren.

Bei einstelligen Temperaturen in aller Frühe mitten im Feld auf einer
Bierbank sitzen und Regenwürmer bestimmen – genauso hatten sich die
Studierenden das vorgestellt. Prof. Dr. Lukas Beule versteht es, für sein
Fachgebiet zu begeistern. Er greift selbst zum Spaten, hebt quadratische
Erdproben aus, bringt Regenwürmer mit verdünnter Senföllösung dazu, an die
Oberfläche zu kommen und kommentiert enthusiastisch den unvorstellbar
reichhaltigen und vielfältigen Schatz an Organismen, der sich im Boden
befindet. „Als Bodenökologe schaue ich mir vor allem an, wie
Gemeinschaften von Mikroorganismen, Regenwürmern und Insekten
zusammengesetzt sind, wie sie sich auch verändern durch verschiedene
Landnutzungen“, so Beule, der seit September die Professur für
Landnutzungsökologie innehat.

An diesem Tag zieht die Gruppe noch zwei Mal mit Spaten, Bänken und
Sortierkästen um, vom Acker ins Grünland und in den Wald. Alle für das
Fachgebiet relevanten Formen der Landnutzung sind auf den gepachteten
Flächen des Landschaftslabors im Gerlinger Grund in Ense erfahrbar. Damit
finden der Ökologe und die studentische Forschungsgruppe hier
außergewöhnliche Bedingungen vor: „In der Landnutzungsökologie geht es vor
allem darum, dass wir lernen, zu verstehen, wie unsere verschiedenen
Landnutzungen funktionieren, aber auch miteinander interagieren. In einem
systemischen Ansatz schauen wir uns also nicht nur den Acker isoliert an,
wir befinden uns vielmehr in einem Mosaik aus verschiedenen
Landnutzungsformen und untersuchen und vergleichen auch, was macht der
Wald daneben, was passiert im Grünland, wie sind Übergangshabitate
gestaltet und wie stehen verschiedene Landnutzungen mit ihren
Ökosystemfunktionen miteinander in Wechselbeziehung? Wir wollen das Ganze
auf Landschaftsebene denken.“

Besonders aussagekräftig mit Blick auf Ökologie, Ökonomie und
Biodiversität ist dabei der Vergleich von Flächen, die intensiver
bewirtschaftet werden und Flächen, die extensiv, also nicht so stark durch
den Menschen geprägt sind. Bodenorganismen wie der Regenwurm können
wertvoller Indikator sein, um beispielsweise den Zusammenhang von
Biodiversität und Funktion für den Boden zu erschließen. Regenwürmer sind
überaus nützlich, weil sie unter anderem mit ihrer Grabaktivität für eine
bessere Durchlüftung und Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens sorgen. Je
nach Landnutzung- und Landnutzungsintensität sind unterschiedlich viele
Regenwürmer und Arten vorhanden – aber auch oberirdische
Insektengemeinschaften werden untersucht. Das Ziel dieser und weiterer
Erhebungen draußen im Feld ist es, von den Organismen auf die
Ökosystemfunktionen zu schließen, den wirtschaftlichen Wert zu erkennen,
aus den Erkenntnissen ein zusammenhängendes Ökosystemverständnis zu
generieren und zu bewerten, wie Landnutzung nachhaltig und zukunftsfähig
für kommende Generationen gestaltet werden kann. „Das ist uns ganz
wichtig, Studierenden zu vermitteln, dass sie nicht nur passiv zuschauen,
wenn sie die ganzen Umweltprobleme sehen, die multiplen Krisen, mit denen
sie jeden Tag konfrontiert werden – sie können selber etwas verändern. Sie
können große Schritte machen in Richtung Nachhaltigkeit, können andere
mitziehen. Dahingehend möchten wir sie ausbilden, ihnen die Werkzeuge an
die Hand geben, um sich verwirklichen zu können.“

Am meisten Freude bereitet es dem Professor – vor allem bei der
gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit im Feld – dass Studierende beginnen,
die Verbindung zwischen Biodiversität und Funktion zu sehen. Aus der
Vorlesung ist Einiges theoretisch bereits bekannt, in der Praxis gibt es
dann viele Aha-Erlebnisse. „Ich merke richtig, wie manche aufblühen,
begeistert und teilweise überrascht sind, das alles in echt zu sehen. Die
Studierenden stellen viele Fragen, mehr als in den Vorlesungen. Diese enge
Kopplung von Theorie und Praxis, dass wir rausgehen in unser einmaliges
Außenlabor im Landschaftsmaßstab, das gibt es in dieser Form nur an der
FH“, fasst Prof. Dr. Beule seinen Schwerpunkt Landnutzungsökologie
zusammen. Das Fachgebiet ist eingebettet in den Bachelorstudiengang
„Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement“. Weitere Informationen zum
Studienangebot finden Interessierte unter https://www.fh-swf.de/cms/oenm/.
Individuelle Fragen rund um den Studiengang können Studieninteressierte
auch im Rahmen einer Infoveranstaltung online am Dienstag, 2. Juni, ab 16
Uhr, stellen. Die Zugangsdaten zur Zoom-Sitzung sind auf der
Studiengangseite zu finden.