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Bisher unerkannte Handschrift aus der Bibliotheca Palatina wiederentdeckt

Einband des wiederentdeckten Codex aus der Bibliotheca Palatina  Quelle: UB Heidelberg
Einband des wiederentdeckten Codex aus der Bibliotheca Palatina Quelle: UB Heidelberg
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Bisher unerkannte Handschrift aus der Bibliotheca Palatina wiederentdeckt
Codex aus dem 15. Jahrhundert befindet sich seit 1937 im Bestand der
Universitätsbibliothek. Eine bemerkenswerte Entdeckung in der Universitätsbibliothek Heidelberg
rückt eine mittelalterliche Handschrift neu ins Licht: Der 1937 in einem
Antiquariat erworbene Codex aus dem 15. Jahrhundert ist als Teil der
Bibliotheca Palatina identifiziert worden – der bedeutendsten deutschen
Bibliothek der Renaissance, deren Bestände sich heute im Wesentlichen in
der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek in Rom sowie in der
Universitätsbibliothek Heidelberg befinden.

Da dieser Zusammenhang beim
Ankauf nicht erkannt wurde, gelangte dieser Codex, der über einen
kunstvoll ausgestatteten Einband verfügt, zunächst in den Handschriften-
Bestand der Universitätsbibliothek. Dr. Karin Zimmermann, Leiterin der
Abteilung Historische Sammlungen, konnte den Bezug der Handschrift zur
Bibliotheca Palatina jetzt nachweisen.

„Geschrieben wurde die Handschrift wohl in Konstanz und Basel für einen
gewissen Johannes Zeller, der im 15. Jahrhundert mehrere Ämter in den
dortigen Diözesen und Hochstiften innehatte“, erläutert Dr. Thorsten
Huthwelker, Mitarbeiter der Historischen Sammlungen, der die genauere
Untersuchung der Handschrift übernommen hat. Dass Johannes Zeller darüber
hinaus den Bischof von Konstanz beriet, spiegelt die Zusammenstellung der
im Codex versammelten Texte wider. Er enthält unter anderem den zwischen
1338 und 1340 im Kontext der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und
Papst entstandenen „Tractatus de iuribus regni et imperii Romanorum“ des
Rechtsgelehrten Lupold von Bebenburg. Darin wird, so Dr. Huthwelker, die
Position vertreten, dass der gewählte römische König auch ohne päpstliche
Bestätigung die volle Verfügungsgewalt über Reich und Imperium besitzt.
Ergänzt wird der Codex durch weitere Texte von verfassungsrechtlicher
Bedeutung.

Der kostbar gestaltete Einband des Codex geht auf den in Heidelberg
residierenden Kurfürsten Ottheinrich (1502 bis 1559) zurück – ein Hinweis
darauf, dass die Handschrift bereits Mitte des 16. Jahrhunderts Teil der
Bibliotheca Palatina war. 1623 wurde diese Büchersammlung im Zuge des
Dreißigjährigen Kriegs als Beute in den Vatikan verbracht. Im dortigen
Inventar von 1798 wird der Codex als vermisst geführt. Später taucht die
Handschrift in der Büchersammlung des englischen Aristokraten Frederick
North (1766 bis 1827) auf. Nach mehreren weiteren Stationen erwarb
offenbar der aus Heidelberg stammende Maler Wilhelm Trübner (1851 bis
1917) den Codex. Aus seinem Nachlass gelangte die Handschrift in den
Besitz eines Münchner Antiquariats, das den Codex 1937 an die
Universitätsbibliothek Heidelberg veräußerte.

Der Codex hat jetzt die neue Bibliothekssignatur „Cod. Pal. lat. 778“
erhalten und ist damit wieder Teil der Bibliotheca Palatina. Zudem wurde
die Handschrift digitalisiert und in das Portal „Bibliotheca Palatina –
digital“ integriert, das die Bestände aus Rom und Heidelberg virtuell
zusammenführt.