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Bär/Eicken: „Das Forschungsschiff Polarstern wandelt unser Verständnis für die Weltmeere

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär auf der Brücke der Polarstern  Quelle: Barbara Dombrowski  Copyright: Alfred-Wegener-Institut
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär auf der Brücke der Polarstern Quelle: Barbara Dombrowski Copyright: Alfred-Wegener-Institut
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Nach 183 Tagen in der Antarktis ist das Forschungsschiff Polarstern heute,
am 15. Mai, in seinen Heimathafen zurückgekehrt. In Bremerhaven wurde sie
im Beisein von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und dem Direktor
des Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung (AWI), Hajo Eicken, begrüßt. Von ihrer Reise bringt die
Polarstern wichtige Ergebnisse für die Ursachen des jüngsten
Meereisrückganges in der Antarktis und dessen Folgen mit.



Dazu erklärt die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Dorothee Bär: „Die Polarstern ist das bedeutendste Schiff unserer
Forschungsschiffflotte. Nach einem halben Jahr kommt sie heute mit
bedeutenden Ergebnissen für die Wissenschaft zurück. Dadurch wandelt sie
unser Verständnis für die Weltmeere. Sie führt uns vor Augen, dass auch
das Meereis der Antarktis vom Klimawandel betroffen ist. Das betrifft uns
alle. Ich danke den Forscherinnen und Forschern und der Besatzung an Bord,
sowie dem AWI, die es möglich gemacht haben, diesen Schatz für die
Forschung zu heben. Deutschland ist ganz vorne in der Meeresforschung
dabei. Damit wir auch zukünftig mit internationalen Partnern
Spitzenforschung in Arktis und Antarktis betreiben können, wird die
Polarstern ab 2030 – nach 40 über Jahren – von ihrem Nachfolgeschiff, der
Polarstern II, abgelöst werden.“

Dr. Hajo Eicken, wissenschaftlicher Direktor des AWI, betont:
„Die Polarstern bringt seit 40 Jahren immer wieder neue Erkenntnisse ans
Licht, die uns helfen, die prägende Rolle der Polargebiete im Erdsystem zu
verstehen. Gerade unser Verständnis der Antarktis hat sich durch die von
Polarstern ermöglichte Datengewinnung erheblich gewandelt. Die
Wechselwirkungen des Eisschildes mit dem Ozean und die vom Meereis
bestimmten Ökosysteme erscheinen nun wesentlich dynamischer und variabler
als das bei Indienststellung des Schiffs der Fall war. Die Auswirkungen
dieser Änderungen sind Gegenstand aktueller Forschung am AWI unter Einsatz
von Modellen und Daten aus Eisbohrungen und Sedimentkernen.“

Hintergrund

Zur Expedition
Die Ursachen des jüngsten Meereisrückganges standen im Fokus der letzten
Antarktis-Expedition der Polarstern. Während rund um den Nordpol der
Rückgang des Meereises seit Jahrzehnten dokumentiert ist, galt die
Antarktis lange Zeit als stabil. Seit 2017 geht die sommerliche
Meereisausdehnung jedoch auch im Süden stark zurück. Die Forschenden
erfassten die Meereisdicke entlang von 4.400 Kilometer durch Befliegungen
sowie an 35 Tagen bei der Fahrt durchs Eis. Diese Werte helfen, die
langfriste Entwicklung des antarktischen Meereises und deren Bedeutung für
das Leben einzuordnen.

Auch für den Artenschutz war die Expedition von Bedeutung: Ein
internationales Forschungsteam untersuchte, wie sich Artenvielfalt und
Ökosystemfunktionen im östlichen Weddellmeer verändern – einem Hotspot der
Biodiversität. Das Weddellmeer gilt als eines der letzten weitgehend
unberührten Meeresgebiete unserer Erde. Deutschland drängt seit Jahren auf
die Errichtung eines Meeresschutzgebietes im Weddellmeer, was die
erhobenen Daten erneut unterstützen.

WASCAL
Am letzten Fahrtabschnitt der Polarstern haben für zwei Wochen vierzehn
Masterstudierende aus westafrikanischen Ländern im Rahmen der WASCAL
Floating University teilgenommen. Im Rahmen des Transits von Mindelo (Cabo
Verde) nach Bremerhaven analysierten sie u.a. Ozeanproben.
Gemeinsam mit westafrikanischen Partnern gründete das Bundesministerium
für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) 2012 das
Klimakompetenzzentrum WASCAL (West African Science Service Centre on
Climate Change and Adapted Land Use). Das WASCAL-Graduiertenschulprogramm
wird in Zusammenarbeit mit dem GEOMAR, Helmholtz-Zentrum für
Ozeanforschung in Kiel durchgeführt.

Forschungsschiff Polarstern
Als eines der weltweit führenden Forschungsschiffe leistet die Polarstern
einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung beider Polarregionen, der Ozeane
und des globalen Klimas. 1982 lief das eisbrechende Forschungsschiff
Polarstern vom Stapel. Seither hat es in über 150 Expeditionen fast zwei
Millionen Seemeilen zurückgelegt. Die Polarstern ist Eigentum der
Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das BMFTR und wird vom AWI für
die Forschung betrieben. Das Schiff ist eine Forschungsplattform für
nationale und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
daneben dient sie der Versorgung der deutschen Antarktis-Forschungsstation
Neumayer III. Auf der letzten Expedition in antarktische Gewässer wurde
eine bisher unkartierte Insel im Weddellmeer entdeckt. Moderne
Forschungsschiffe sind unverzichtbare Plattformen einer modernen,
transferorientierten Klima- und Biodiversitätsforschung auf unseren Meeren
und Ozeanen. Es gibt sieben hochseefähige Forschungsschiffe im Bereich des
BMFTR.