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Gesundheit

Diabetes mellitus Typ 2: Frühzeitig auf Gefäßsteifigkeit achten

Nichtinvasive Diagnostik gibt verlässliche Hinweise auf peripheren
Gefäßstatus unabhängig von koronarer Herzerkrankung: Dies zeigt eine
Forschungsarbeit am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen (Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum).

Kann die Gefäßsteifigkeit bei Diabetes mellitus ein frühes Warnsignal für
Arteriosklerose sein? Mit dieser Frage hat sich Magdalene Jaeger in ihrer
Doktorarbeit am Diabeteszentrum des HDZ NRW, Bad Oeynhausen, beschäftigt
und dazu Untersuchungsdaten von 74 Patienten mit Diabetes wissenschaftlich
ausgewertet.

„Im Vergleich zu Gesunden ist das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen
bei Menschen mit Diabetes mellitus mindestens doppelt so hoch. Das
Auftreten lässt sich aber bislang nur unzureichend vorhersagen“, erklärt
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am
HDZ NRW, der die wissenschaftlichen Arbeiten gemeinsam mit
Forschungsleiter Privatdozent Dr. rer. nat. Bernd Stratmann betreut hat.
Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den häufigsten Folgeerkrankungen
des Diabetes mellitus Typ 2. Sie entsteht durch Plaquebildung an den
Innenwänden der Blutgefäße (Arteriosklerose), welche die Elastizität der
Gefäßwände zunehmend einschränken. Daneben führen arteriosklerotische
Veränderungen zur sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
(PAVK), die oft lange Zeit unbemerkt voranschreitet, bis Symptome
auftreten. Eine erhöhte arterielle Gefäßsteifigkeit geht der
Arteriosklerose voraus, die dann über die verminderte Durchblutung das
Risiko für chronische Wunden und Amputationen deutlich erhöht. Für
Menschen mit Diabetes ist dieses Risiko besonders hoch.

Den Grad der arteriellen Gefäßsteifigkeit hat Magdalene Jaeger bei 74
Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 untersucht, von denen 36 eine KHK
aufwiesen. Dazu wurden sowohl Laboruntersuchungen (ELISA) als auch eine
nichtinvasive Messung der aortalen Pulswellengeschwindigkeit und des
zentral-aortalen Blutdrucks (Arteriographie) durchgeführt. Zwar wies die
Patientengruppe mit KHK tendenziell erhöhte Werte für die Gefäßsteifigkeit
auf, aber auch in der Gruppe der Patienten ohne KHK ließen sich schon
pathologisch veränderte Werte im Sinne einer arteriosklerotischen
Veränderung nachweisen.

Die wichtigste Erkenntnis der Untersuchung fasst Magdalene Jaeger aber so
zusammen: „Diabetes mellitus ist wichtiger Treiber der Arteriosklerose in
verschiedenen Gefäßen. PAVK und KHK treten dabei unabhängig voneinander
auf, so dass eine Risikoabschätzung für eine KHK aufgrund des Vorliegens
einer erhöhten peripheren Gefäßsteifigkeit nicht zuverlässig möglich ist.“
Insgesamt scheint die nichtinvasive Bestimmung der arteriellen
Gefäßsteifigkeit eine effektive und im Vergleich zu den laborchemischen
Biomarkern auch verlässlichere Messmethode zur Bestimmung der allgemeinen
peripheren Gefäßsituation bei Menschen mit Diabetes mellitus zu sein, auch
wenn diese nicht zwangsläufig mit dem Zustand der Herzkranzgefäße
korreliere. Die Empfehlung an Diabetespatienten laute daher, eine solche
Messung mittels nichtinvasiver Arteriographie in Erwägung zu ziehen, um
einer beginnenden Arteriosklerose so früh wie möglich therapeutisch
begegnen zu können, betont Professor Tschöpe.

Magdalene Jaeger (32) hat ihr Studium der Humanmedizin an der Ruhr-
Universität Bochum abgeschlossen und arbeitet in der Klinik für Innere
Medizin am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum (Prof. Dr.
Ali Canbay).

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon
14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren
seiner Art in Europa.

Im Diabeteszentrum des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr.
h.c. Diethelm Tschöpe werden jährlich rund 2.000 Menschen mit allen Typen
des Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen behandelt. Zum
Leistungsspektrum gehört auch die Diagnostik und Therapie
endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen. Ein besonderer
Schwerpunkt ist die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von
Herz- und Gefäßerkrankungen im integrierten Versorgungskonzept. Zudem ist
das Diabeteszentrum auf die Behandlung von Nervenschäden und
Durchblutungsstörungen spezialisiert, dazu gehört auch die Wundheilung bei
diabetischem Fußsyndrom.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe
Direktor Diabeteszentrum
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum

Originalpublikation:
M. Jaeger, B. Stratmann, D. Tschoepe: Peripheral oscillometric arterial
performance does not depict coronary status in patients with type 2
diabetes mellitus. Diab Vasc Dis Res. 2021 Nov-
Dec;18(6):14791641211046522. doi: 10.1177/14791641211046522.

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Führungskräfte von morgen

Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen können sich an der SRH
Hochschule für Gesundheit im Master Gesundheits- und Sozialmanagement
akademisch weiterbilden.

„Unser Gesundheitssystem steht z. B. durch den Einsatz von Technologie und
die Ökonomisierung des Gesundheits- und Sozialbereiches vor einem
tiefgreifenden Wandel. Es erfordert gut ausgebildete Fach- und
Führungskräfte, um auf diesen Wandel angemessen und erfolgreich reagieren
zu können“, sagt Prof. Dr. habil. Bernhard Elsner, Studiengangsleiter im
Master-Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement an der SRH Hochschule
für Gesundheit.

Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen befinden sich im ständigen
Spannungsfeld zwischen Kund:innen- und Patient:innen-Orientierung auf der
einen und Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite. So steht oft die Frage
nach dem Nutzen von Therapien oder Medikamenten der Frage nach den Kosten
gegenüber. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bedarf es neben
Fachwissen auch der Berücksichtigung ethischer Aspekte. Unter diesem
Blickwinkel bildet die SRH Hochschule für Gesundheit bereits seit einigen
Jahren Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen zu Führungskräften und
Manager:innen weiter, die aufgrund ihres umfassenden Wissens diverse
Positionen, z. B. im Controlling, Qualitätsmanagement, Personalwesen oder
Projektmanagement einnehmen können.

In dem berufsbegleitenden Master-Studium Gesundheits- und Sozialmanagement
lernen die Studierenden, unternehmensspezifische Probleme zu erkennen und
strategisch relevante Lösungen zu entwickeln, um so die Marktposition
ihres Unternehmens zu stärken. Außerdem trainieren sie personale und
soziale Kompetenzen, um Mitarbeitende verantwortungsvoll zu führen. Da das
Studium in Teilzeit, in einer für die Hochschule typischen Blockstruktur,
stattfindet, beschränkt sich die Präsenzzeit auf sechs Blockwochenenden
pro Semester. Dieses Modell erlaubt nicht nur, langfristig zu planen,
sondern auch Studium, Beruf und Familie optimal miteinander zu
vereinbaren. Eine Besonderheit ist auch, dass Bewerber:innen, die über
keinen ersten akademischen Grad, aber eine Berufsausbildung in einem
fachlich verwandten Bereich und eine mindestens zweijährige
Berufserfahrung verfügen, ebenfalls zum Master zugelassen werden können.

Jeanette Schüller ist eine der Studierenden, die aktuell im Master-
Studiengang eingeschrieben sind, und zugleich Studiengangskoordinatorin.
Die gelernte Medizinische Fachangestellte absolvierte bereits ihren
Bachelor und Master in Medizinpädagogik an der Gesundheitshochschule der
SRH, bevor sie sich für ein weiteres Master-Studium entschied. „Als mir
die Geschäftsführung des Facharztzentrums Kaffeetrichter in Erfurt
angeboten wurde, wollte ich meine Position festigen und mich
weiterentwickeln. Das Studium in Gesundheits- und Sozialmanagement hat mir
bereits wertvolle Impulse für die Personalführung und das
Strategiemanagement gegeben“, resümiert sie.

Mehr zum Master-Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement erfahren?

Interessierte können sich unter https://www.srh-
gesundheitshochschule.de/2022/infonachmittag-august/ noch kurzfristig für
den nächsten Online-Infonachmittag am 23.08.2022 anmelden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/bernhard-elsner/

https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/jeanette-schueller/

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Neue Studie zur Chancengleichheit in der Hämatologie und Onkologie

Die Hämatologie und Onkologie ist eines der innova­tivsten Fachgebiete in
der gesamten Medizin und damit auf die Gewinnung von exzellent
ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten angewiesen. Darüber hinaus wird durch
den demografischen Wandel in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine
wachsende Anzahl von Patientinnen und Patienten mit Blut- und
Krebserkrankungen auf einem hohen medizinischen Niveau zu versorgen sein.
Doch wie ist es mit Blick auf die Chancengleichheit von Ärztinnen und
Ärzten im Bereich der Hämatologie und Onkologie bestellt?

Dieser Frage hat sich eine unter den Mitgliedern der DGHO Deutsche
Gesell­schaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. sowie der
österrei­chischen und den schweizerischen Fachgesellschaften durchgeführte
Umfrage gewidmet. Die Ergebnisse wurden nun im 19. Band der
Gesundheits­politischen Schriftenreihe der DGHO veröffentlicht.

Chancengleichheit: für das Fachgebiet unabdingbar

Bereits seit Ende der 90er Jahre machen Frauen mehr als die Hälfte der
Medizin­studierenden in Deutschland aus – inzwischen sind es etwa 64
Prozent. Doch während es immer mehr hochqualifizierte Ärztinnen gibt, sind
Frauenkarrieren in Spitzenpositionen noch eher selten. Dieses Phänomen des
‚Verlustes von Ärztinnen‘ im Rahmen beruflicher Karrieren wurde in
verschiedenen Untersu­chungen beschrieben. Dass sich sowohl die gesamte
Medizin als auch die Hämatologie diesen Verlust nicht leisten kann und auf
exzellent ausgebildete Ärztinnen angewiesen ist, machte Prof. Dr. med.
Hermann Einsele, Geschäfts­führender Vorsitzender der DGHO und Direktor
der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg, deutlich.
„Als Fachgesellschaft haben wir uns bereits 2015 in Form eines Bandes der
Gesundheitspolitischen Schriftenreihe intensiv mit dem Thema der Förderung
von Ärztinnen auseinandergesetzt und diesen Diskussionsprozess mit den
Positionspapieren ‚Gegenwart und Zukunft der Medizinischen Onkologie‘ und
‚Paritätische Positionierung von Frauen in der Hämatologie und
Medizinischen Onkologie‘ in den Jahren 2018 und 2019 fortge­führt. Dabei
haben wir immer betont, dass es ein zentraler Baustein unserer
Zukunftsarbeit sein muss, exzellent ausgebildete Ärztinnen sowohl für die
Hämato­logie und Onkologie zu gewinnen als auch Rahmenbedingungen zu
schaffen, die Karrieremöglichkeiten in unserem Fachgebiet eröffnen. Zur
Wahrheit gehört aber auch, dass wir mit der Chancengleichheit noch nicht
da angekommen sind, wo wir hinwollen. In diesem Zusammenhang war es Ziel
der durchgeführten Umfrage, ein realistisches Bild der Chancengleichheit
zu erhalten.“

Chancengleichheit: Wo stehen wir?

Diese Motivation zur Studie bestätigt Prof. Dr. med. Diana Lüftner, 1.
Vorsitzende des DGHO-Arbeitskreises ‚Frauen in der Hämatologie und
Onkologie‘ und Chef­ärztin an der Immanuel Klinik Märkische Schweiz.
„Obwohl in den Jahren 2015, 2018 und 2019, in denen die DGHO einen Band
ihrer Gesundheitspolitischen Schriftenreihe und ihre Positionspapiere
veröffentlicht hat, die eingeschränkte Chancengleichheit von Ärztinnen
gegenüber Ärzten zweifelsfrei existierte, gab es seinerzeit wenig
verfügbare – und vor allem belastbare – Zahlen. Dabei hat sich das Fehlen
dieser Daten auch in den Folgejahren nicht wesentlich geändert. Das hat
uns zu den Fragen geführt: Welche karriereförderlichen und -hinderlichen
Faktoren gibt es heute? Und wie steht es konkret um die Chancengleichheit
in der Hämato­logie und Onkologie?“

Die vom Verein zur Förderung der Weiterbildung in der Hämatologie und
Onkologie e. V. (WBHO) geförderte und unter den Mitgliedern der DGHO, der
Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
(OeGHO), der Schwei­zerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie
(SGMO) und der Schweizeri­schen Gesellschaft für Hämatologie (SGH)
durchgeführte Umfrage hatte nun eben genau das zum Ziel: die Erhebung des
Status quo und unter anderem die Identifizie­rung von karrierehinderlichen
Faktoren. Dabei, so Maike Busson-Spielberger M. A., Leiterin des
Studienteams und Sprecherin der bukof Kommission Klinika, zeige sich bei
der durchgeführten Umfrage mit Blick auf den Bereich der Gleichstellung
ein nahezu unveränderter Stand gegenüber den Vorjahren. „Unsere
Untersuchung hat gezeigt, dass Arbeitsorganisation, Arbeitszeitmanagement
und Führungskultur die Karriereoptionen von Ärztinnen und teilweise auch
von Ärzten in der Hämatologie und Onkologie nicht in einem wünschenswerten
und ausreichenden Umfang unterstützen. Dabei stehen
Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aller Altersstufen sowie für zu
pflegende Angehörige weiterhin auf der ‚Wunschliste‘ der Befragten.
Darüber hinaus fehlt es vielerorts noch an flexiblen
Teilzeitarbeitsmodellen. Vielfach gewünschte Teilzeitoptionen sowohl für
die Facharztweiterbildung als auch für Führungspositionen sind noch nicht
in einem ausreichenden Maße implementiert. Jobsharing und Topsharing
bleiben mithin Desiderata. Auch Diskriminierung auf­grund des Geschlechts
ist noch immer Teil des beruflichen Alltags von Ärztinnen. Für eine
nachhaltige Veränderung der Situation braucht es aus unserer Sicht sowohl
ein Umdenken in den Führungsstrukturen als auch ein Bündel an prakti­schen
Maßnahmen“, so Busson-Spielberger.

Chancengleichheit: Wo wollen wir hin?

Dass es zur Realisierung von wirklicher Chancengleichheit tatsächlich ein
ganzes Bündel an Maßnahmen braucht, betonte auch Prof. Dr. med. Katja
Weisel, 2. Vor­sitzende des DGHO-Arbeitskreises ‚Frauen in der Hämatologie
und Onkologie‘ und stellvertretende Direktorin des Universitären Cancer
Center Hamburg (UCCH). „Mit der Studie konnten wir nun – basierend auf den
Antworten der Befragten – Kernaspekte herausarbeiten, die unserer Meinung
nach für die Herstellung von Chancengleichheit wichtig sind. Zu den
Maßnahmen gehören aus unserer Sicht: die Bereitstellung eines aktuellen
und transparenten Gendercontrollings, die Steigerung des Frauenanteils in
den wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften und ihren Gremien,
Fortbildungsangebote für Ärztinnen zu Netzwerken, Gremien und kollegialer
Beratung, Frauen-Mentoring-Programme, verbindliche Rückkehrverein­barungen
für Ärztinnen und Ärzte, die Elternzeit antreten, diskriminierungsfreie
Neuformulierung der Weiterbildungsordnung mit Teilzeitoptionen,
Etablierung von Teilzeitoptionen für leitende ärztliche und
wissenschaftliche Tätigkeiten, Fort­bildungsangebote für Führungskräfte zu
zeitgemäßem Arbeitszeit- und Arbeits­organisationsmanagement,
Fortbildungsangebote zur Sensibilisierung gegenüber Alltagssexismus und
die Beachtung des Gebots zur öffentlichen Ausschreibung freier Stellen,
insbesondere freier oder freiwerdender oberärztlicher Stellen.“

In diesem Zusammenhang machte Prof. Dr. med. Maike de Wit, Mitglied im
Vorstand der DGHO und Chefärztin der Klinik für Innere Medizin –
Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln
und dem Auguste-Viktoria-Klinikum, deutlich, dass es sich bei den
Veränderungen von gewachsenen Strukturen immer um längere Prozesse
handele. „Wir können nicht alles von heute auf morgen verändern, aber wir
können Impulse geben und damit sowohl auf institutioneller als auch auf
kollegialer Ebene zu Diskussionen anregen. Und diese Diskussionen wiederum
können dann Ausgangspunkt für wirkliche Veränderungen sein.“

Der 19. Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO
„Ergeb­nisse der Umfrage zur Erfassung der Parität von Ärztinnen in
Führungsposi­tionen und Gremien in Deutschland, Österreich und der
Schweiz“ kann heruntergeladen werden unter:
https://www.dgho.de/publikationen/schriftenreihen/frauenfoerderung

Über die DGHO

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.800 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durch­führung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesund­heitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versor­gung von Patientinnen
und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten
Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung
der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie.
Informationen unter: https://www.dgho.de

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Ausgrenzung entgegenwirken: Wie Demenzerkrankte in der Langzeitpflege besser sozial integriert werden

Das Leben in einer Langzeitpflegeeinrichtung kann demenzerkrankte ältere
Menschen vor große Herausforderungen stellen: Ihr Alltag wird
reglementiert und kontrolliert durch Fachpersonal. Oft können sie nicht
mehr an wichtigen Aktivitäten innerhalb und außerhalb ihrer Einrichtung
teilnehmen. Dadurch erfahren sie soziale Ausgrenzung auf vielfältige Weise
– in den vergangenen Jahren sogar verstärkt durch die Auswirkungen der
Corona-Pandemie. Der Psychologe Professor Feliciano Villar von der
Universität Barcelona setzt sich mit seiner Forschungsarbeit dafür ein,
die Teilhabe dieser Menschen am sozialen und gesellschaftlichen Leben zu
verbessern.

„Wir müssen unsere Erwartungen an die Art der Pflege, die wir hier für
akzeptabel halten, überdenken. Nur so können wir die Situation auch
positiv ändern“, sagt er. Mit welchen konkreten Maßnahmen auf
unterschiedlichen Ebenen das gelingen kann, präsentiert Villar in seiner
Keynote-Lecture beim gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft
für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und
Geriatrie (DGGG), der vom 12. bis 15. September in Frankfurt am Main
stattfindet.

Villar unterscheidet drei Ebenen, in denen die Aktivitäten von
Demenzerkrankten in der Langzeitpflege verbessert, beziehungsweise
gefördert werden könnten: Selfcare, Teilhabe und Entscheidungsfindung bei
Aktivitäten innerhalb der Einrichtung sowie Bürgerbeteiligung in der
Gemeinschaft. „Demenzerkrankte sollen in die Lage versetzt werden können,
mehr Kontrolle über Aktivitäten zu haben, die ihre Selbstpflege
betreffen“, unterstreicht der Psychologe. Dafür wird er unter anderem ein
positives Beispiel aus seiner Forschung anführen, bei dem Menschen mit
Demenz bei ärztlichen Gesprächen über ihre weitere Behandlung mit
involviert wurden. „Das hat auch enorme Auswirkungen auf die Sichtweise
des Personals“, ergänzt er. Auch bei der Teilhabe an Aktivitäten in den
Pflegeeinrichtungen sieht Professor Villar Potenzial. So könnten
betroffene Bewohner oder Bewohnerinnen zum Beispiel mehr bei der
Gestaltung von Veranstaltungen wie Konzerten involviert werden, indem auch
ihre Präferenzen und Wünsche mitberücksichtigt werden.

Warum Demenzerkrankte auch mehr Bürgerrechte wahrnehmen sollten

„Pflegebedürftigen mit Demenz sollten die gleichen Bürgerrechte
zugestanden werden, zum Beispiel sollten sie ihr Recht zu wählen
wahrnehmen können“, sagt Villar. Auch die Mitgliedschaft in Organisationen
oder Verbänden außerhalb der Pflegeeinrichtung sollte gefördert werden, um
individuellen Interessen nachgehen zu können. „Diese dritte Ebene der
bürgerlichen Teilhabe ist sicherlich am schwierigsten umzusetzen. Ich
glaube aber, dass Verbesserungen auf den ersten beiden Ebenen der Teilhabe
auch den Weg dorthin vereinfachen, weil die Betroffenen dadurch
selbstständiger und selbstbewusster werden, um auch außerhalb ihrer
Einrichtung aktiv zu werden.“ Um diese Maßnahmen umzusetzen, bedarf es
natürlich auch struktureller Veränderungen: zum Beispiel kleinere
Langzeitpflegeeinrichtungen, die eine personenzentriertere Pflege
unterstützen.

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Zur Person:
Professor Feliciano Villar ist Psychologe an der Universität Barcelona.
Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit konzentriert sich seit vielen Jahren
auf die Psychologie des Alterns. Insbesondere befasst er sich mit den
Themen Generativität, Teilhabe und soziale Eingliederung älterer Menschen
sowie mit den Bereichen personenzentrierte Pflege, Rechte und
Humanisierung der Pflege für ältere Menschen, insbesondere für diejenigen,
die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Villar ist Generalkoordinator
des interuniversitären Masterstudiengangs Psychogerontologie, der
gleichzeitig an den Universitäten von Barcelona, Valencia, Santiago de
Compostela und Salamanca angeboten wird. Er ist Mitglied der Spanish
Society of Geriatrics and Gerontology.

Termin:
Prof. Feliciano Villar
Keynote-Lecture: Social inclusion and citizenship of people with dementia
living in institutions
Gerontologie- und Geriatrie-Kongress
Hörsaal 3, Westend-Campus, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Mittwoch, 14. September 2022
14:45 bis 15:30 Uhr

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