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Gesundheit

Liquid Biopsy zur Krebsdiagnostik am Auge: Schonende Suche nach Tumorspuren

Tumoren im Inneren des Auges stellen aufgrund ihrer Lage eine besondere
Herausforderung für Diagnostik und Therapie dar. Die Entnahme von
Gewebeproben zur genaueren Charakterisierung der schwer zugänglichen
Tumorherde ist immer mit großen Belastungen für das betroffene Auge sowie
die Patientinnen und Patienten verbunden. Um diese Belastung zu
verringern, ist in den zurückliegenden Jahren intensiv an Möglichkeiten
zur so genannten Flüssigbiopsie geforscht worden, für die der Tumor nicht
direkt angesteuert werden muss.

Wie weit dieses schonende Diagnoseverfahren entwickelt ist und welche
Aussagekraft es besitzt, diskutieren Experten am 29. September 2022 auf
einer Pressekonferenz zur Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen
Gesellschaft (DOG).

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Die beiden häufigsten bösartigen Tumoren des Augeninneren sind das von
Netzhautzellen ausgehende Retinoblastom und das Aderhautmelanom, bei dem
die pigmentierten Zellen der unterhalb der Netzhaut gelegenen Aderhaut zu
wuchern beginnen. „Bei beiden Erkrankungen wäre es ausgesprochen
hilfreich, auf schonende Weise Informationen über die genetischen
Besonderheiten des individuellen Tumors zu erhalten“, sagt Professor Dr.
med. Dr. h.c. Nikolaos E. Bechrakis, Direktor der Universitäts-Augenklinik
Essen. Mithilfe eines solchen genetischen Fingerabdrucks ließen sich
wichtige Tumoreigenschaften bestimmen und die Therapie besser planen.
Darüber hinaus mache der Nachweis – oder auch das Fehlen – tumoreigener
DNA es möglich, den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit der Therapie zu
beurteilen. „Besonders nach zunächst erfolgreicher Therapie bietet die
Flüssigbiopsie die Chance, eine mögliche Rückkehr der Erkrankung
frühzeitig zu erkennen und rasch darauf zu reagieren“, erklärt Bechrakis.

Bereits vor etlichen Jahren konnte in klinischen Studien gezeigt werden,
dass für die genetische Untersuchung von Augentumoren nicht unbedingt eine
Gewebeprobe direkt aus der Geschwulst notwendig ist. Vielmehr lässt sich
Tumormaterial – das gilt für Proteine ebenso wie für freie Tumor-DNA –
auch aus der viel leichter erreichbaren vorderen Augenkammer oder dem
Glaskörper des Auges gewinnen. „Die Beprobung solcher Flüssigkeitsräume
wird als Flüssigbiopsie bezeichnet“, erläutert Bechrakis.

Weil allerdings auch hierbei das Auge punktiert werden muss, sei
zusätzlich auch die Flüssigbiopsie aus dem in den Adern zirkulierenden
Blut untersucht worden. In der Essener Universitäts-Augenklinik haben
Bechrakis und sein Team hierzu umfangreiche Studien unternommen – mit
Erfolg. „Bei Patientinnen und Patienten mit Aderhautmelanom konnten wir
mit großer Zuverlässigkeit tumorspezifische DNA in Blutproben nachweisen“,
berichtet der DOG-Experte.

Von besonderer Bedeutung sei dies für die Früherkennung von Metastasen.
„Bei Patientinnen und Patienten, die nach der Entfernung des Primärtumors
Metastasen entwickelten, ist das DNA-Signal im Blut bereits zwei bis zehn
Monate vor dem Nachweis von Leber-Metastasen durch einen Ultraschall oder
eine Magnetresonanztomografie des Oberbauches sichtbar gewesen“, erklärt
Bechrakis. Mit hochmodernen Geräten und sehr hoher
Detektionsempfindlichkeit lassen sich hier 96 Prozent aller durch
Metastasen erkrankten Personen zuverlässig erkennen („Sensitivität“) und
80 Prozent aller nicht metastasierten Personen korrekt als nicht erkrankt
einstufen („Spezifität“). Auch beim Retinoblastom ist es möglich, Tumor-
DNA per Flüssigbiopsie sowohl in der vorderen Augenkammer als auch im Blut
festzustellen. „Hier geht es derzeit noch darum, die Sensitivität und
Spezifität des Verfahrens zu evaluieren“, sagt Bechrakis.

Mit zunehmender Nachweisempfindlichkeit rückt auch die Möglichkeit einer
vorgeburtlichen Diagnostik in greifbare Nähe – denn als frühkindlicher
Tumor betrifft das Retinoblastom hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder.
„Prinzipiell ist es denkbar, eine Tumorerkrankung des Embryos aus einer
einfachen Blutprobe der Mutter zu erkennen“, so Bechrakis. Diese Hürde sei
bislang aber weder technisch genommen, noch seien die damit verbundenen
ethischen und rechtlichen Fragen geklärt.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für
Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 8.000
Mitglieder, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln.
Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde
zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien,
veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften
heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen
Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor
allem für junge Forscherinnen und Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857
in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der
Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

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Terminhinweise:

• Online-Vorab-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 22. September 2022, 11.00 bis 12.00 Uhr
Link zur Anmeldung:
<https://attendee.gotowebinar.com/register/7928982293166185229>

• Hybrid-Kongress-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 29. September 2022, 12.30 bis 13.30 Uhr
Präsenz: Estrel Congress Center, Saal A, Sonnenallee 225, 12057 Berlin
Online: Link zur Anmeldung:
<https://attendee.gotowebinar.com/register/4210896862423190541>

• Symposium: „Liquid biopsy in der Augenheilkunde. Wo stehen wir und wohin
wollen wir?“
Termin: Samstag, 1. Oktober 2022, 16.45 bis 18.00 Uhr

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Medizin von Morgen: Mit Geroscience Alterskrankheiten vorbeugen

Bis zum Jahr 2050 werden sich die öffentlichen Ausgaben für vulnerable,
ältere Menschen in Deutschland voraussichtlich mehr als verdoppeln. Bis
dahin wird hierzulande jeder vierte Mensch 65 Jahre und älter sein.

„Unsere aktuelle medizinische Versorgung hat zwar nachweislich die
Lebenserwartung verlängert, nicht aber die Jahre, die in guter Gesundheit
und vollständig intakten Körperfunktionen verbracht werden. Daher brauchen
wir jetzt neue Präventionskonzepte, bei denen der Schutz vor
Gebrechlichkeit und die Erhaltung der körperlichen Funktion im Vordergrund
stehen“, sagt Professorin Heike A. Bischoff-Ferrari, Klinikdirektorin der
Universitären Klinik für Altersmedizin am Universitätsspital Zürich und
Stadtspital Zürich. Sie arbeitet an neuen Präventionsmöglichkeiten, die am
biologischen Alterungsprozess ansetzen. Über den aktuellen Stand ihrer
Forschung im Bereich der Geroscience berichtet sie im Rahmen des
Gerontologie- und Geriatrie-Kongresses, der vom 12. bis 15. September in
Frankfurt am Main stattfindet.

Das öffentliche Gesundheitswesen und die Medizin stehen vor der
Herausforderung, dass die Zahl der älteren Menschen mit Bedarf an
wirksamer Prävention gegen Vulnerabilität, Funktionsverlust und
Mehrfacherkrankungen rapide zunimmt. Bis zum Jahr 2050 wird sich die
Weltbevölkerung älterer Erwachsener voraussichtlich verdoppeln. Am
stärksten wird dies in Europa und den USA der Fall sein. „Die Medizin von
heute konzentriert sich auf die Behandlung manifester Krankheiten – die
Präventionsbemühungen beschränken sich weitgehend auf
Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gegen bestimmte Krankheiten. Ich
glaube aber, dass sich zukünftig das Modell der sogenannten Gerosience zu
einem globalen Schwerpunkt in der medizinischen Wissenschaft entwickeln
wird“, sagt Bischoff-Ferrari. „Ich sehe hier einen großen Bedarf und
glaube, dass dies in einer alternden Gesellschaft von größter Bedeutung
ist.“

Das Modell Geroscience: Alterungsprozesse messen und manipulieren

Geroscience basiert auf der Erkenntnis, dass der klassische medizinische
Ansatz, eine Krankheit nach der anderen zu behandeln, in einer alternden
Gesellschaft nicht mehr tragfähig ist. Alternativ hat Geroscience zum
Ziel, den Alterungsprozess genau zu messen und zu manipulieren, um damit
gleichzeitig mehrere Erkrankungen und das Risiko der Vulnerabilität zu
senken. „Im Rahmen meiner Keynote werde ich über die Identifizierung der
Hauptmerkmale des Alterns auf molekularer und zellulärer Ebene sprechen.
Damit verbunden zeige ich realistische Wege zur Prävention auf, die am
biologischen Alterungsprozess ansetzt“, sagt Bischoff-Ferrari. „Unsere
Aufgabe ist nun, die neu entstehenden Möglichkeiten weiter
voranzubringen.“

Neue Präventionsstrategien: Untersucht an mehr als 2.000 Erwachsenen

Heike A. Bischoff-Ferrari beschäftigt sich im Rahmen der vom siebten EU-
Forschungsrahmenprogramm geförderten DO-HEALTH-Studie mit
unterschiedlichen Präventionsstrategien. Es ist die größte Studie zu
gesundem Altern und Langlebigkeit in Europa. In den vergangenen zehn
Jahren wurden insgesamt 2.157 gesunde Erwachsene im Alter von 70 Jahren
und älter in die Untersuchung aufgenommen. Sie stammen aus der Schweiz,
Deutschland, Frankreich, Österreich und aus Portugal. An ihnen wurden drei
Präventionsstrategien getestet, die aufgrund ihres potenziellen Nutzens
für mehrere Organfunktionen und Gesundheitsergebnisse ausgewählt wurden:
die Versorgung mit Omega-3 und Vitamin D in Kombination mit regelmäßigen
Trainings. Einzigartig an der DO-HEALTH-Studie ist die umfassende
Phänotypisierung aller Teilnehmer, einschließlich zentraler
Lebensstilfaktoren wie Ernährung und körperliche Aktivität. Erhoben wurden
auch prospektiv Daten zur Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung und
zur Lebensqualität. „Die bisherigen Ergebnisse und Ausblicke bezogen auf
die Geroscience-Aspekte dieser Studie werde ich in meinem Vortrag beim
Gerontologie- und Geriatrie-Kongress ebenfalls vorstellen“, so Bischoff-
Ferrari. „In der Altersmedizin müssen wir das Thema Prävention neu und
umfassend aufnehmen – es sollte das zentrale Ziel einer älter werdenden
Gesellschaft sein.“

Neue Ansätze für die Praxis: Erfolg binnen weniger Monate messbar

Bischoff-Ferrari lädt Medizinerinnen und Mediziner dazu ein, sich
zukünftig verstärkt mit den Methoden neuer Präventionsmöglichkeiten
vertraut zu machen. „Die Geroscience stärkt unter anderem die Relevanz
verschiedener Lebensstilfaktoren als Hebel für eine wirksame Prävention.
Zu diesen Faktoren gehören neben der Ernährung und physischer Aktivität
beispielsweise auch Schlaf, mentale Gesundheit sowie soziale Interaktion.
Die Medizinerin sieht Geroscience als Medizin von Morgen – mit dem Ziel,
direkt den Alterungsprozess zu behandeln und damit Funktionsverluste und
altersbedingte Erkrankungen frühzeitig vorzubeugen, bevor irreversible
strukturelle Veränderungen vorhanden sind. „Durch die Messung von
Alterungsmerkmalen, den sogenannten Hallmarks of Aging, stehen zudem neue
Biomarker zur Verfügung, die mittlerweile binnen weniger Monate den Erfolg
präventiver Konzepte messbar machen. Früher vergingen dazu Jahre“, so
Bischoff-Ferrari. Damit ließen sich neue Konzepte schnell in die Praxis
bringen, um älteren Erwachsenen zu helfen, länger gesund und aktiv zu
bleiben. „Spannend ist zudem, dass die gleichen präventiven Maßnahmen zum
Verlangsamen des Alterungsprozesses auch Demenz, Krebsrisiko und Stürze
vorbeugen. Es ist also lohnenswert, frühzeitig verschiedene gesunde
Lebensstilfaktoren zu kombinieren.“

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Zur Person:
Die Schweizer Professorin Heike A. Bischoff-Ferrari ist Klinikdirektorin
der Universitären Klinik für Altersmedizin am Universitätsspital Zürich
und Stadtspital Zürich. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Geriatrie und
Altersforschung an der Universität Zürich. Darüber hinaus ist Bischoff-
Ferrari Gastprofessorin für Geroscience im Rahmen des INSPIRE-Programms am
Universitätsspital Toulouse in Frankreich. INSPIRE ist eine translationale
Geroscience-Forschungsplattform zur Verbesserung des gesunden Alterns.

Termin:
Prof. Dr. Heike A. Bischoff-Ferrari, DrPH
Keynote Lecture: Geroscience für die Prävention von Vulnerabilität
Gerontologie- und Geriatrie-Kongress
Hörsaal 5, Westend-Campus, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Mittwoch, 14. September 2022
14.45 bis 15.30 Uhr

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Eine Frage der Gene. Wie sich das Krankheitsrisiko von Mensch zu Mensch unterscheidet

Die Schering Stiftung zeichnet Sarah Kim-Hellmuth für ihre herausragenden
Arbeiten zur Erforschung des genetischen Einflusses auf die Variabilität
der Genaktivität im Menschen mit dem Friedmund Neumann Preis 2022 aus. Der
Forschungspreis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Vielen von uns mag der Gedanke bekannt sein: „Warum werde ich krank,
andere aber nicht – obwohl ich doch viel gesünder lebe?“ Eine Antwort auf
diese Frage ermöglicht die Forschung von Dr. Sarah Kim-Hellmuth. Sie
untersucht in ihren groß angelegten funktionellen Genanalysen das Erbgut
vieler hunderter Menschen gleichzeitig. Die Unterschiede im Erbgut
verknüpft sie mit der Genaktivität in verschiedenen Körpergeweben und dem
Risiko einer möglichen Erkrankung. Dabei wurde auch deutlich, dass ganz
unterschiedliche Bereiche im Erbgut einen Einfluss auf die Aktivität der
krankheitsassoziierten Gene haben. Mit diesem Wissen können nun
verbesserte und personalisierte Therapien für die Behandlung und
Prävention von Diabetes, Herzkreislauf-erkrankungen, Autoimmunerkrankungen
Schizophrenie und anderen Krankheiten entwickelt werden.

Sarah Kim-Hellmuth wird insbesondere für die Studienergebnisse, die sie
als Hauptanalystin im Verbund mit dem Genotype-Tissue Expression
(GTEx)-Konsortium erbrachte, ausgezeichnet. Ihr gelang es zu zeigen, dass
die genetische Regulation der Genaktivität stark kontextabhängig ist und
sich beispielsweise zwischen Zelltypen oder auch zwischen Frauen und
Männern unterscheiden kann. Ihre Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass
sie eine Vielzahl unterschiedlicher Gewebetypen im Körper hunderter
Spender*innen untersucht. So entsteht ein immenser Datensatz, der es
ermöglicht, gesunde und pathologische Genaktivität bei komplexen
Erkrankungen zu vergleichen. Zukünftig wird mit dem so gewonnenen Wissen
eine gezieltere krankheitsspezifische Forschung und die Identifizierung
von Targets für die Arzneimittelentwicklung möglich sein.

Die Fachärztin für Humangenetik und Forschungsgruppenleiterin Dr. Sarah
Kim-Hellmuth erhält am 29. September den Friedmund Neumann Preis 2022 für
ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Erforschung des genetischen Einflusses
auf die Variabilität der Genaktivität im Menschen. „Mit ihren Arbeiten hat
Frau Dr. Sarah Kim-Hellmuth unser Verständnis von krankheitsassoziierten
Genvarianten deutlich erweitert. Je besser wir verstehen, welchen Einfluss
unser Erbgut auf das Risiko einer Erkrankung hat, desto besser können wir
die persönliche Erbanlage bei Prävention und Behandlung berücksichtigen
und personalisierte Therapien entwickeln“, begründet Prof. Dr. Dr. h.c.
Stefan H. E. Kaufmann, Vorsitzender des Stiftungsrates der Schering
Stiftung, die Wahl der Jury.

Die Schering Stiftung vergibt den mit 10.000 € dotierten Preis seit 2011
an Nachwuchswissenschaftler*innen, die herausragende Leistungen in der
humanbiologischen, organisch-chemischen oder humanmedizinischen
Grundlagenforschung erbracht haben. Der Preis will exzellente
wissenschaftliche Leistung sichtbar machen, die frühe Entwicklung eines
eigenständigen Forschungsprofils honorieren und die wissenschaftliche
Etablierung der Preisträger*innen unterstützen.

Sarah Kim-Hellmuth wurde für den Friedmund Neumann Preis 2022 von Prof.
Dr. Eleftheria Zeggini, Direktorin des Instituts für Translationale
Genomik am Helmholtz Zentrum München, vorgeschlagen. Prof. Dr. Dr.
Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von
Haunerschen Kinderspital des Universitätsklinikum München, sagt über die
Preisträgerin: „Aus wissenschaftlicher und klinischer Sicht hat Sarah Kim-
Hellmuth und das Forscherteam des GTEx-Konsortiums zu einem Meilenstein
beigetragen, der eine schnellere und bessere Entdeckung von
Krankheitsmechanismen ermöglicht und den Weg zur personalisierten Medizin
ebnet.“

PREISVERLEIHUNG
29. September 2022, ab 17:00 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften | Markgrafenstr. 38 |
10117 Berlin | Leibniz-Saal

17:00 Uhr Ernst Schering Prize Lecture
Prof. Dr. Gisbert Schneider:
Wie Künstliche Intelligenz die Arzneistoffentwicklung revolutionierte

18:00 Uhr Preisverleihung Friedmund Neumann Preis und Ernst Schering Preis
Preisübergabe: Ulrike Gote, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und
Gleichstellung

Teilnahme nur mit Anmeldung möglich. Bitte akkreditieren Sie sich bei
Maren Isabel Fritz, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. .

VORTRÄGE VON DR. SARAH KIM-HELLMUTH
30. September 2022
Schüler*innen-Vortrag: Die faszinierende Welt der genetischen Vielfalt und
ihr Einfluss auf den menschlichen Körper
Oberstufenzentrum Lise Meitner – School of Science, Berlin-Neukölln (nicht
öffentlich)

4. Oktober 2022, 14:00 Uhr
Öffentlicher wissenschaftlicher Vortrag (online): Understanding the
diversity of genetic effects on gene expression in health and disease
Berliner Institut für Gesundheitsforschung in der Charité (BIH)
In englischer Sprache. | Eine Registrierung wird rechtzeitig auf
www.bihealth.org freigeschaltet.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Das GTEx-Konsortium hat den umfassendsten genetischen Atlas erstellt, der
15.201 RNA-Sequenzierungsproben aus 49 Geweben von 838 postmortalen
Spender*innen und Daten zur Sequenzierung des gesamten Genoms der
einzelnen Spender*innen enthält. Mit diesen immensen Daten haben Dr. Sarah
Kim-Hellmuth und andere Mitglieder des Konsortiums kartiert, wie
genetische Varianten die Genregulation beeinflussen und wie diese
zellulären Veränderungen zum genetischen Risiko für häufige und seltene
Krankheiten beitragen. Dr. Kim-Hellmuth leitete zusammen mit weiteren
Wissenschaftler*innen des GTEx-Projektes zwei Arbeiten zur
Zelltypspezifität und zu Geschlechtsunterschieden in der genetischen
Regulation der Genaktivität in bis zu 49 verschiedenen Körpergeweben von
838 Spender*innen. Darin zeigt die Preisträgerin z.B. auf, wie mittels
neuartiger, bioinformatischer Analysen die Untersuchung genetisch
modifizierter Krankheitsmechanismen auf Zelltypebene nicht nur in
aufwendigen Zellexperimenten, sondern auch in klinisch leichter
zugänglichen Mischgewebsproben möglich ist. In seiner Arbeit zu
Geschlechtsunterschieden fand das Forscherteam, dass bis zu einem Drittel
aller im Körper exprimierten Gene bei Frauen und Männern eine
unterschiedliche Aktivität aufweisen. Diese Gene sind an vielen
verschiedenen biologischen Prozessen beteiligt, darunter bei der Reaktion
auf Medikamente, der Kontrolle des Blutzuckerspiegels in der
Schwangerschaft und bei Krebserkrankungen. Beide Arbeiten trugen somit zum
bisher größten Ansatz des GTEx-Projektes bei, einen Atlas der Auswirkungen
genetischer Regulatoren zu erstellen. Kim-Hellmuth sagt über ihre Arbeit
im GTEx-Projekt: „Weltweit werden die Daten des GTEx-Projektes bereits von
zahlreichen Wissenschaftler*innen für ihre eigene Forschung genutzt: um
gesunde und pathologische Genaktivität bei komplexen Erkrankungen zu
vergleichen, krankheitsassoziierte Varianten und ihre Gene im passenden
Gewebe zu identifizieren und dieses Wissen konkret in die Entwicklung von
Medikamenten zu integrieren.

Sarah Kim-Hellmuth studierte Medizin an der LMU und TU München, war
Assistenzärztin am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums
Bonn, gefolgt von einem mehrjährigen Postdoc-Aufenthalt am New York Genome
Center und der Columbia-Universität in New York, wo sie als Hauptanalystin
des Genotype-Tissue Expression (GTEx)-Konsortiums tätig war. Seit 2021 ist
sie Fachärztin für Humangenetik und leitet seit Anfang 2022 eine Emmy-
Noether-Nachwuchsgruppe am Institut für Translationale Genomik des
Helmholtz Zentrums München und am Dr. von Haunerschen Kinderspital der
LMU.

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Wer die Nieren schützt, schont auch das Herz

Beide Organe hängen eng zusammen: Erkrankungen wie Herz- und
Nierenschwäche bedingen sich häufig gegenseitig. Was Betroffene wissen
sollten, erklären Herz- und Nierenspezialisten in der aktuellen „HERZ
heute“ mit Schwerpunkt Herz und Niere

Die Nieren zählen zu den wenig beachteten Organen des Körpers. Zu Unrecht,
denn sie filtern nicht nur das Blut, sondern regulieren auch den
Flüssigkeitshaushalt und schützen so das Herz vor Überlastung. Umgekehrt
führen kranke Nieren schnell zu Herzproblemen: Eine geschwächte Niere
lässt die Blutgefäße rasant verkalken und fördert Herzerkrankungen wie
Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Herzinfarkt. „Etwa jeder zweite
chronisch nierenkranke Patient leidet zugleich an einer Herz-Kreislauf-
Erkrankung“, betont Prof. Dr. Nikolaus Marx vom Wissenschaftlichen Beirat
der Herzstiftung. „Die meisten Patienten mit chronischer
Niereninsuffizienz sterben nicht an der Nierenerkrankung, sondern an einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung”, erklärt der Direktor für Kardiologie,
Angiologie und internistische Intensivmedizin der Universitätsklinik
Aachen unter <herzstiftung.de/herz-niere>. Die gute Nachricht ist: Werden
die Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und die
Zuckerkrankheit Diabetes mellitus konsequent behandelt, lassen sich die
Schäden an Herz und Nieren vermeiden oder zumindest vermindern. Den
Zusammenhängen der beiden Organe widmet sich der Schwerpunkt der aktuellen
Ausgabe von HERZ heute 3/2022 „Auch eine Herzenssache: die Niere“.
Renommierte Kardiologen und Nephrologen erklären, welche Erkrankungen der
Niere auch dem Herzen schaden und umgekehrt. Wissenschaftler berichten von
aktuellen Forschungsergebnissen zu Diagnose und Therapien. Ein
Probeexemplar der Ausgabe 3/2022 von HERZ heute kann kostenfrei bei der
Herzstiftung angefordert werden unter Tel. 069 955128-400 oder per Mail
unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Wie Herz und Niere zusammenhängen
Gesunde Nieren leisten viel: Rund 300-mal am Tag fließt das Blut des
Körpers durch die Organe und wird dabei von Abfallprodukten des
Stoffwechsels gereinigt. Ist das Herz allerdings geschwächt, pumpt es das
Blut nur noch mit verminderter Kraft durch den Kreislauf. Die Nieren
erhalten nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe. Als Folge arbeiten
sie nicht mehr wie gewohnt, halten Salz und Wasser im Körper zurück, der
Blutdruck steigt. Der erhöhte Druck wiederum schadet sowohl den Nieren
selbst als auch dem Herzen. Aus der ursprünglichen Herzschwäche hat sich
zusätzlich eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) entwickelt. Diese hat
wiederum zur Folge, dass die Arterienverkalkung stark fortschreitet und
das Herz weiter an Kraft verliert. „Das Zusammenspiel von Herz und Nieren
ist komplex und lässt sich nicht getrennt voneinander betrachten“, sagt
Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum
Würzburg. Nierenerkrankungen müssten als unabhängiger Risikofaktor für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker in den Fokus rücken. „Sind bereits
Herz und Nieren erkrankt, ist nicht mehr entscheidend, welches Organ
zuerst geschädigt war“, erläutert sein Kollege Prof. Dr. Kai Lopau.
Vielmehr gelte es, das vorherrschende Krankheitsbild zu therapieren und
die Behandlungspläne für beide Erkrankungen zu kombinieren.

Nierenerkrankungen frühzeitig erkennen
Die Herausforderung besteht allerdings darin, eine Nierenerkrankung
überhaupt frühzeitig zu erkennen, denn: Kranke Nieren verursachen nahezu
nie Schmerzen. Vielmehr nimmt die Filterfunktion allmählich ab, sodass
sich schleichend chronische Schäden entwickeln. Eine Schädigung der Nieren
frühzeitig zu erkennen ist aber außerordentlich wichtig – sowohl für das
Herz als auch für die Nieren selbst. Einen Hinweis auf eine beginnende
Nierenschädigung gibt beispielsweise die Konzentration von Albumin im
Urin. Sie lässt sich grob durch einen Schnelltest mittels Urinstreifen
bestimmen. Genauere Werte liefert ein Labortest, bei dem das Verhältnis
von Albumin und Kreatinin im Urin bestimmt wird (UACR-Labortest).
Um bereits bei gesunden Menschen das Risiko für eine Nieren- aber auch für
eine Herzerkrankung abschätzen zu können, empfehlen Nephrologen, das
sogenannte ABCDE-Profil bestimmen zu lassen. Die Buchstaben stehen für
folgende Tests:

A – Albumin im Urin
B – Blutdruckmessungen
C – Cholesterinwerte im Blut
D – Diabetes
E – Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR)

Zeigt sich anhand des ABCDE-Profils ein erhöhtes Risiko für eine Herz-
oder Nierenerkrankung, können Ärzte frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um
Folgeschäden zu minimieren. Denn sowohl für die Herz- als auch für die
Nierenschwäche gilt: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser
lässt sie sich behandeln und Folgen für das Herz-Kreislauf-System
vermeiden.
(cme)

Aktuelle HERZ heute: Jetzt Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Weitere Infos zum Thema
bietet die aktuelle Zeitschrift HERZ heute 3/2022 „Auch eine Herzenssache:
die Niere“. Ein kostenfreies Probeexemplar ist unter Tel. 069 955128-400
oder unter <www.herzstiftung.de/bestellung> erhältlich.

Für Redaktionen: Rezensionsexemplar der aktuellen HERZ heute
Ein Rezensionsexemplar dieser aktuellen Ausgabe von HERZ heute mit den
Beiträgen der zitierten Experten „Vom Herz und von der Niere“ (Nikolaus
Marx) und „Immer auf Herz und Niere prüfen“ (Christoph Wanner, Kai Lopau)
erhalten Sie gerne per E-Mail unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> oder per Tel.
unter 069 955128-114.

Service-Tipp:
Kostenfreier Herzstiftungs-Newsletter mit Informationen zu Vorbeugung und
Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tipps zum Erhalt der
Herzgesundheit. Anmeldung: <www.herzstiftung.de/newsletter>

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