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Politik

Ukraine-Krieg: „Neuer Eiserner Vorhang“ als realistisches Szenario

Einschätzungen von Prof. Dr. Claus Greiber von der FH Dortmund

 

Welche möglichen Auswirkungen hat der Krieg gegen die Ukraine auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung? Prof. Dr. Claus Greiber, Volkswirt mit Schwerpunkt Monetäre Ökonomik an der Fachhochschule Dortmund, hat dazu die ersten Ergebnisse vorliegender makroökonomischer Studien ausgewertet.

 

In einem öffentlichen Vortrag präsentierte Claus Greiber jüngst unter anderem, welche Effekte die Sanktionen gegen Russland haben und wie die Reaktionen der Finanzmärkte ausfallen. Im Kurzinterview beantwortet er dazu aktuelle Fragen.

 

Herr Greiber, führt die jetzige Situation erneut zu einem „Eisernen Vorhang“, wie wir ihn schon aus der Zeit des „Kalten Krieges“ kennen?

Politisch gesehen scheint das aktuell ein realistisches Szenario zu sein für das „neue“ Verhältnis des Westens und Russland. Aber auch ökonomisch könnte das eine passende Metapher werden. Die Handelsströme zwischen den beiden Wirtschaftsräumen wären weitgehend abgeschnitten; es stellt sich nur die Frage, ob wir, wie in den 70er-Jahren, Rohstoffe, insbesondere Gas, aus Russland importieren – so sieht es aktuell aus - oder ob wir, wie in den 60ern, weitgehend darauf verzichten (müssen).

 

Welche weiteren Folgen sind für Inflation, Konjunktur und Wachstum in Europa absehbar?

Wenn Europa, wie es Stand heute die Bundesregierung möchte, weiterhin vor allem Gas und auch Öl aus Russland bezieht, dürften die kurzfristigen konjunkturellen Folgen überschaubar sein. Das sich immer noch infolge der Corona-Krise erholende Wachstum würde etwas gedämpft. Der zusätzliche Inflationsschub, getrieben von den Preisanstiegen an den internationalen Rohstoffmärkten, würde vermutlich im Bereich von 1 bis 2 Prozent liegen. Allerdings gehen wir auch ohne diesen Zusatzeffekt bereits von einer Inflationsrate von etwa 4 Prozent im Jahr 2022 aus. Die Inflation läge mit 5 bis 6 Prozent also noch einmal spürbar über der des letzten Jahres. Das wäre also der Preis für den „Neuen Eisernen Vorhang“ ohne Energieembargo.

 

Wie sehr könnte ein Boykott russischer Exporte auch speziell Deutschland schaden?

Längerfristig, auf fünf bis zehn Jahre betrachtet, wären die ökonomischen Kosten eines solchen Boykotts für Deutschland beziehungsweise die meisten Länder in Europa gut zu kompensieren. Kürzerfristig wäre aber vor allem ein Boykott der Gaslieferungen volkswirtschaftlich sehr teuer, da es hier keine Ausweichmöglichkeiten für Industrie und Verbraucher gibt. Erste makroökonomische Prognosen sprechen in einem solchen Energie-Embargo-Fall von einem konjunkturellen Dämpfer im Bereich von minus drei, vielleicht minus 5 Prozent für unser Bruttoinlandsprodukt.

Die Politik ist hier momentan allerdings wesentlich vorsichtiger beziehungsweise risikoscheuer. Denn das Risiko in einem solchen Boykott-Szenario besteht nicht nur in möglichen Versorgungsengpässen, sondern vor allem in weiteren Preis-Eskapaden an den Rohstoffmärkten. Hier hatten die Preise vor allem für Gas kürzlich neue historische Höhen erreicht. Würden sich diese Entwicklungen fortsetzen, könnte es zu noch deutlich ausgeprägteren Inflationsschüben und Konjunktureinbrüchen kommen. Dieses Szenario eines abrupten Embargos und die weiteren Risiken ist die deutsche Regierung offenbar aber nicht gewillt zu tragen.

Ein solches Boykott-Szenario ist momentan an den Finanzmärkten nicht eingepreist. Auch die in den letzten Tagen wieder sinkenden Energiepreise spiegeln eher einen „Eisernen Vorhang“ der 70er-Jahre mit Energiehandel wider.

 

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Verantwortungsvoller Journalismus im Krieg – Wie berichten? - Hintergrund- Gespräch am 14. März um 11 Uhr

Die aktuelle Kriegssituation in der Ukraine stellt den Journalismus in
Deutschland und in allen anderen Staaten der Welt vor beträchtliche
Herausforderungen. Wie lassen sich nationalistische Töne vermeiden? Was
bedeutet ein ethisch verantwortungsvoller Umgang mit Bildern? Wie sind
glaubwürdigen Quellen in Russland und in der Ukraine erreichbar? Und wie
kann über die Situation der Flüchtenden berichtet werden, ohne zwischen
Flüchtlingen 1. und 2. Klasse zu unterscheiden? Zu diesen und weiteren
Fragen geben Wissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin Auskunft
im Rahmen eines digitalen Hintergrundgesprächs.

Die Veranstaltung für Journalistinnen und Journalisten findet auf Deutsch
statt, anschließend können Interviews auch auf Englisch geführt werden.

Zeit und Zugang:

- Montag, 14. März 2022, 11 Uhr
- Die Veranstaltung findet über die Plattform Webex statt; die
Zugangsdaten erhalten angemeldete Journalistinnen und Journalisten per
E-Mail rechtzeitig vor dem Termin

Als Interviewpartnerinnen erwarten Sie:

Dr. Anna Litvinenko, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften,
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Schwerpunkte: mediale Situation in Russland, Zivilgesellschaft und
russisch-ukrainische Beziehungen
Prof. Dr. Margreth Lünenborg, Fachbereich Politik- und
Sozialwissenschaften, Institut für Publizistik- und
Kommunikationswissenschaft
Schwerpunkte: Journalistik, Medien und Migration
Prof. Dr. Carola Richter, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften,
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Schwerpunkte: internationale Kommunikation; Medien, Auslands- und
Kriegsberichterstattung; Medien und Flucht

Um Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. wird gebeten; bitte geben Sie bei
der Anmeldung auch das Medium an, für das Sie berichten und bitte nennen
Sie in der Betreffzeile das Stichwort „Anmeldung zu Pressegespräch“.
Weitere Informationen

Stabsstelle Kommunikation und Marketing, Telefon: 030 / 838-73180, E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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China seit 1978. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft - Online-Vortrag von Prof. Dr. Nicola Spakowski am 14. März

Die Entwicklung der Volksrepublik China seit Beginn der 1978 eingeleiteten
Reform- und Öffnungspolitik ist das Thema eines Online-Vortrags der
Sinologin Prof. Dr. Nicola Spakowski am 14. März am Konfuzius-Institut an
der Freien Universität Berlin. Die Wissenschaftlerin der Albert-Ludwigs-
Universität Freiburg geht im Vortrag auf die Veränderungen in Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft ein. Die Veranstaltung findet über die
Plattform Cisco Webex statt. Die Zugangsdaten finden sich auf der Webseite
des Konfuzius-Instituts an der Freien Universität Berlin: www
.konfuziusinstitut-berlin.de.

Die Volksrepublik China hat Expertinnen und Experten zufolge seit Beginn
der unter Staatschef Deng Xiaoping eingeleiteten „Reform und Öffnung“ im
Jahr 1978 beachtliche Erfolge erzielt. Wirtschaftswachstum und
technologischer Fortschritt haben nicht nur zu einer deutlichen Erhöhung
des Lebensstandards beigetragen, sondern China in einzelnen Bereichen an
die Weltspitze gesetzt und das Land außenpolitisch zum „global player“
gemacht. Wie kann diese Entwicklung erklärt werden? Professorin Nicola
Spakowski zeigt in ihrem Vortrag die hohe Dynamik und das spezifische
Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Chinas seit 1978
auf. Sie geht dabei auf das Problem der Bewertung ein: Ist es
gerechtfertigt, die vergangenen mehr als vierzig Jahre der Geschichte
Chinas als Erfolgsgeschichte zu beschreiben? Oder sollten die repressiven
Seiten des Systems in den Vordergrund gestellt und China vor allem als ein
Systemkonkurrent betrachtet werden?

Nicola Spakowski ist seit 2010 Professorin für Sinologie an der Albert-
Ludwigs-Universität Freiburg. Zuvor war sie als Assistentin im Fach
Sinologie an der Freien Universität Berlin und als Professorin für
Außereuropäische Geschichte an der Jacobs University Bremen tätig. Sie
beschäftigt sich mit der Geschichte Chinas im 20. und 21. Jahrhundert. Zu
ihren Forschungsschwerpunkten gehören Geschichtsschreibung und
Geschichtsbewusstsein, Konzepte von Zukunft sowie Feminismus und
Frauenforschung in China.
Zeit und Ort:

• Montag, 14. März 2022, 18.15 Uhr

• Zugangsdaten: https://www.konfuziusinstitut-berlin.de/veranstaltungen
/china-seit-1978-politik-wirtschaft-gesellschaft/

Kontakt

Konfuzius-Institut an der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 /
838-72881
Webseite:

www.konfuziusinstitut-berlin.de, E-Mail: info@konfuziusinstitut-berlin.de

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Allianz von Kirche und Staat in Russland fördert Akzeptanz von Putins Krieg

Soziologe Detlef Pollack: Identifikation mit Orthodoxie und Nationalstolz
in Russland in vergangenen Jahrzehnten rasant gestiegen – Kopplung von
Kirche und Staat begünstigt Unterstützung für Putin – Patriarch und
Präsident geeint im Geschichtsbild und in der Ablehnung westlicher Werte –
„Hochgefährliches Gefühl der Demütigung einer einstigen Großmacht“

Die enge Allianz von Kirche und Staat in Russland fördert Forschern
zufolge die Akzeptanz für Putins Regime und Krieg. „Die große Nähe von
Präsident und Patriarch trifft auf eine Bevölkerung, deren Religiosität in
den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist, verbunden mit gestiegenem
Nationalstolz. Gemeinsame Auftritte von Putin und Kirill I. haben daher
eine hohe symbolische Kraft“, sagt der Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef
Pollack vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster. Die
Zahl derer, die sich mit der Orthodoxie identifizieren, stieg demnach von
1990 bis 2020 von einem Drittel auf mehr als zwei Drittel der Bevölkerung,
die Zahl der Gläubigen gar von 44 auf 78 Prozent. „Nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion wurde die Kirche zum Hoffnungsträger einer gedemütigten
Nation.“ Heute stütze der Patriarch Putins Krieg gegen die Ukraine, indem
er „böse Mächte“ für ihn verantwortlich mache, so Pollack. „Der Angriff
Russlands wird damit entpolitisiert und metaphysisch erhöht. Mit der
Rechtfertigung des Krieges als Kampf gegen Gay-Pride-Paraden konstruiert
Kirill ein Argument, um konservative Gläubige für einen ideologischen
Kulturkampf zu gewinnen.“ Zugleich unterstütze Putin die Russisch-
Orthodoxe Kirche auch finanziell. „Gemeinsam kämpfen sie gegen westliche
Werte wie Demokratie und plurale Lebensformen. Sie instrumentalisieren
sich gegenseitig.“

„Der starke Anstieg der Religiosität in Russland geht nicht auf tradierte
Volksreligiosität, familiäre Sozialisation oder soziale Angebote der
Kirche zurück“, so der Forscher, „sondern darauf, dass die orthodoxe
Kirche nach 1992 zum Träger nationaler Identität aufstieg. Seit
Jahrzehnten meint eine Mehrheit, um ein wahrer Russe zu sein, müsse man
orthodox sein.“ Das religiös aufgeladene Nationalbewusstsein sei alles
andere als harmlos. „Die meisten Russen halten die russische Kultur
gegenüber anderen für überlegen.“ Nach dem Ende der Sowjetunion sei der
Nationalstolz in Russland so niedrig wie in keinem anderen ost- und
ostmitteleuropäischen Land gewesen, führt Pollack aus. Inzwischen sei er
rasant gestiegen. „Waren es 1992 nur 13 Prozent, die die Russen als großes
Volk ansahen, dem ein spezieller Platz in der Weltgeschichte zukomme, so
sind es heute 62 Prozent. Parallel nahm die Identifikation mit der
Orthodoxie zu.“ Die Analysen basieren auf dem Grundlagenwerk „Religion in
der Moderne. Ein internationaler Vergleich“, von dem die
Religionssoziologen Prof. Dr. Detlef Pollack und Dr. Gergely Rosta soeben
eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage im Campus Verlag
veröffentlicht haben. Es ist eine der umfassendsten empirischen
Untersuchungen religiöser Trends weltweit.

Gegenseitige Instrumentalisierung von Kirche und Staat

Bestärkt wird die religiöse Renaissance in Russland durch die
unübersehbare Allianz zwischen Kirche und Politik, wie Soziologe Pollack
darlegt. „Die orthodoxe Kirche kommt seit Jahren in den Genuss
steuerlicher Privilegien und staatlicher Gelder und wird staatlicherseits
gegenüber anderen Religionsgemeinschaften bevorzugt. Immer wieder ist der
Präsident neben dem Patriarchen zu sehen.“ 2007 sei ein neues Schulfach
„Grundlagen der orthodoxen Kultur“ eingeführt worden, das an staatlichen
Schulen für alle Schüler, unabhängig davon, ob sie der Kirche angehören,
Pflichtfach sei. „Umgekehrt ist der Patriarch seit Jahren ein
verlässlicher Unterstützer der politischen Linie des Kreml.“ In einer
seiner jüngsten Predigten bezeichnete Kirill I. die Feinde Russlands als
„Kräfte des Bösen“. Putin und Kirill teilen, wie Pollack ausführt,
offenbar ein ähnliches Weltbild: Russland sei das angegriffene Opfer
westlicher Mächte, der Kampf Russlands ein Kampf des Guten gegen das Böse.
„Kultureller Pluralismus, Homosexualität und Meinungsvielfalt gefährden in
diesem Weltbild die Identität der russischen Kultur. Russland muss sich
schützen und für seine bedrohte Identität eintreten.“

Hinter dem gemeinsamen Kampf von Präsident und Patriarch gegen westliche
Werte steht dem Forscher zufolge der Versuch, Russland zu alter Größe
zurückzuführen. Für Putin und Kirill sei Russland eine große, unbesiegbare
Nation, wie schon der Große Vaterländische Krieg gezeigt hätte. Seit dem
Ende der Sowjetunion aber sei ihre einstige Bedeutung bedroht. „Aus dem
Gefühl der Bedrohung entsteht ein Bedürfnis nach kultureller
Selbstbehauptung, eine hochgefährliche Mischung von Demütigungsgefühlen
und Überlegenheitsansprüchen. Anstatt die Wirtschaftsleistung zu stärken,
verfolgt die Regierung das Projekt einer Stärkung des
Nationalbewusstseins, das die eigene Kultur überhöht und für alle Probleme
im Land den Westen verantwortlich macht, der Russland angeblich nicht
wertschätze“, so Pollack. Hier träfen sich die Geisteshaltungen Putins und
Kirills, denn nach orthodoxer Vorstellung sei Russland ein heiliges Land,
das seit der Taufe der „Kiewer Rus“ im Jahr 988 die Ukraine einschließe
und durch „fremde Kulturen“ nicht entweiht werden dürfe.

Das enge Verhältnis von Staat und Kirche hat in Russland eine lange
Tradition, die bis ins mittelalterliche Byzanz zurückreicht. „Während die
Katholische Kirche im lateinischen Westen zu dieser Zeit oft als
Gegengewicht zum Kaisertum agierte, bildeten Patriarchat und Kaisertum in
Ostrom eine enge Allianz. In der Zeit des Kommunismus, in der es
Verbindungen zwischen Kirche und Geheimdienst gab, verlor die Russisch-
Orthodoxe Kirche ihre Autonomie weitgehend“, erläutert der Soziologe. Nach
dem Zusammenbruch der Sowjetunion folgte nach seinen Worten aber nicht
eine Aufarbeitung der Verstrickungen der orthodoxen Kirche mit dem
kommunistischen Regime, sondern der schnelle Schulterschluss mit den neuen
Machthabern.

Genuin Religiöse mit eher individualistischen Werten bilden eine
Minderheit

Bei den Kirchenmitgliedern sind den Forschern zufolge auch gegenläufige
Tendenzen zu beobachten: „Unter dem Mantel der Politisierung des
Religiösen ist überraschenderweise auch ein Schutzraum für die Ausbreitung
einer verinnerlichten Religiosität entstanden, die eher durch
individualistische als durch konservative Werte charakterisiert ist“, sagt
Pollack. „Besonders Frauengruppen stellen in Russland die Verzahnung von
Staat und Religion in Frage.“ Auch gebe es in der jungen, gebildeten
Bevölkerung eine beachtliche Offenheit für Demokratie und liberale Werte.
„Ob diese Kräfte in Russland an öffentlicher Sichtbarkeit und Bedeutung
gewinnen, hängt zu einem großen Teil vom weiteren Kriegsverlauf ab“, sagt
Pollack.

Im Unterschied zur Russisch-Orthodoxen Kirche haben sich alle drei
orthodoxen Kirchen in der Ukraine gegen den Krieg ausgesprochen: „Neben
der unabhängigen orthodoxen Kirche und der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche
unter dem Kiewer Patriarchat hat sich erstaunlicherweise auch die dem
Moskauer Patriarchat unterstellte orthodoxe Kirche öffentlich gegen den
Krieg gestellt und ihn als ‚Bruderkrieg‘ bezeichnet“, betont der Forscher.
„Aktuell ist noch nicht absehbar, ob der Unmut auch in Russland zunehmen
und dies Kirills Kurs schwächen wird.“

In der Neuauflage des Standardwerks „Religion in der Moderne. Ein
internationaler Vergleich“ werten Detlef Pollack und Gergely Rosta ein so
reichhaltiges Datenmaterial für mehrere Kontinente aus wie kaum eine
andere Religionsstudie. Sie filtern politische, nationale und soziale
Einflussfaktoren auf Religion heraus und stellen einen Bedeutungsrückgang
des Religiösen in vielen modernen Gesellschaften fest. In den vergangenen
zehn Jahren seien dabei dramatische Prozesse der Entkirchlichung und
Säkularisierung in Ländern wie den USA, Italien, Polen und Irland zu
beobachten, in denen zuvor der Glaube noch recht ausgeprägt war. Das stehe
im Gegensatz zu anderen Ländern wie eben Russland, in denen sich ein
religiöser Aufschwung beobachten lasse. In den kommenden Wochen folgt
weiteres Pressematerial über neue zentrale Forschungsbefunde der beiden
Forscher. (apo/vvm)

Originalpublikation:
Detlef Pollack, Gergely Rosta: Religion in der Moderne. Ein
internationaler Vergleich („Religion und Moderne“, Band 1), 2.,
aktualisierte und erweiterte Auflage, Frankfurt am Main/New York: Campus
Verlag 2022.

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