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Gesundheit

Regelmäßige Bewegung stärkt die Gesundheit - BZgA informiert zum Tag der älteren Menschen am 1. Oktober 2022

Zum Internationalen Tag der älteren Menschen am 01. Oktober 2022 weist die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf die Bedeutung
regelmäßiger Bewegung für die Gesundheit hin. Körperliche Aktivitäten
haben zahlreiche positive Auswirkungen auf körperliche Einschränkungen und
Krankheiten und führen allgemein zu einem stark verbesserten physischen
und geistigen Wohlbefinden. Zum Thema Bewegung informiert die BZgA ältere
Menschen und ihre Angehörigen auf den Internetseiten https://www.gesund-
aktiv-aelter-werden.de und https://www.aelter-werden-in-balance.de/.

Je aktiver ältere Menschen körperlich sind, desto leichter erhalten sie
sich ihre Beweglichkeit und ihre Selbstständigkeit. Regelmäßige Bewegung
unterstützt das Herz-Kreislaufsystem, stabilisiert den Blutdruck und wirkt
auch der Entstehung von Arteriosklerose entgegen. Dabei müssen keine
sportlichen Höchstleistungen erzielt werden, jede Bewegung zählt: Wer
allein schon seinen Alltag aktiver gestaltet, die Treppen statt des
Aufzugs nimmt oder den kleineren Einkauf zu Fuß erledigt, bewegt sich und
verbessert somit seine Gesundheit. Tipps für mehr Bewegung bieten das
„Aktivprogramm für jeden Tag“ und die Bewegungspackung der BZgA.

Für ältere Menschen sind ausdauernde Bewegungsformen besonders geeignet:
Wandern, Schwimmen und Fahrradfahren. Empfehlenswert ist es auch, an
mindestens drei Tagen pro Woche Übungen für Gleichgewicht, Krafttraining
und Koordination aufzunehmen. Damit wird die körperliche
Leistungsfähigkeit verbessert und auch das Risiko für Stürze reduziert.

Weiterführende Informationen der BZgA:

Bewegung im Alter:
https://www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/gesundheitsthemen/bewegung-im-
alter/


Bewegungstipps für zu Hause:
https://www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/corona-covid-19/bewegungstipps-
fuer-zu-hause/woche-1/


Aktivprogramm für jeden Tag:
https://www.aelter-werden-in-balance.de/online-bewegungsangebote/aktiv-
programm-fuer-jeden-tag/


Übungsprogramm “Gleichgewicht und Kraft”:
https://www.gesund-aktiv-aelter-
werden.de/service/materialien/sturzpraevention/

Wandern im Alter:
https://www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/gesundheitsthemen/gesund-wandern
/wie-wandern-die-gesundheit-foerdert/


Die “Bewegungspackung” mit Übungen des Alltagstrainingsprogramms und die
Broschüre “20 Empfehlungen für Gesundheit und Lebensqualität im Alter”
sind kostenfrei zu bestellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bzga.de/
Fax: 0221/8992257 oder E-Mail: bestellung(at)bzga.de

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BZgA: Für immer mehr Menschen sind Impfungen grundsätzlich wichtig

Immer mehr Menschen in Deutschland haben eine positive Einstellung zum
Impfen: Hielten vor zehn Jahren nur 61 Prozent der Bevölkerung Impfungen
für wichtig oder sehr wichtig, sind es heute 81 Prozent. Das zeigen die
aktuellen Studiendaten zu „Einstellungen, Wissen und Verhalten von
Erwachsenen und Eltern gegenüber Impfungen“ der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2021 im Vergleich zum Jahr 2012. Die
Ergebnisse belegen ebenfalls, dass in der Corona-Pandemie das Wissen über
grundlegende Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Lüften, richtiges Husten
und Niesen deutlich zugenommen hat.

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA), betont: „Die positive Entwicklung in
der Einstellung zum Impfen ist erfreulich: Denn Impfen ist nach wie vor
der bestmögliche Schutz vor einigen ansteckenden und schwer verlaufenden
Infektionskrankheiten. Auch die positiven Veränderungen im
Hygieneverhalten der Menschen sind zu begrüßen. Dies kann im Zusammenhang
mit der Corona-Pandemie als wichtiges Ergebnis der gemeinsamen
Gesundheitskommunikation verstanden werden. Impfaufklärung und Information
über gutes und angemessenes Hygieneverhalten bleiben auch weiterhin ein
thematischer Schwerpunkt der Arbeit der BZgA.“

Schutzimpfungen

Schutzimpfungen für Erwachsene werden von der großen Mehrheit der
Befragten als wichtig eingestuft. Dies gilt sowohl für die von der
Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standardimpfungen als auch
für die seit Ende 2020 verfügbare Corona-Schutzimpfung: 87 Prozent der
Befragten bezeichnen diese als (sehr) wichtig.

Bei den Standardimpfungen steht die Impfung gegen Tetanus
(Wundstarrkrampf) mit 96 Prozent Zustimmung an erster Stelle, gefolgt von
den Impfungen gegen Polio (Kinderlähmung) (93 Prozent), Masern (88
Prozent), Röteln (82 Prozent) und Diphtherie (80 Prozent).

Informiertheit bezüglich Erwachsenenimpfungen

Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) fühlten sich in 2021 (sehr)
gut über Impfungen im Erwachsenenalter informiert. Dieser Anteil ist seit
2014 (53 Prozent) kontinuierlich angestiegen.

Hygieneverhalten

Auch das Hygieneverhalten der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren
teilweise deutlich verändert:

90 Prozent der Befragten halten regelmäßiges Lüften für hilfreich, um
Infektionen zu verhindern (2019: 71 Prozent).
Rund 87 Prozent der Befragten wissen, dass man sich oder andere vor einer
Ansteckung schützt, wenn man bei Begrüßungen auf Berührungen,
beispielsweise Händeschütteln, Umarmungen und Küsse, verzichtet (2012: 67
Prozent).
Die Empfehlung, in die Ellenbeuge oder den Ärmel zu husten oder zu niesen,
wird häufiger als in den Vorjahren beachtet (2021: 45 Prozent, 2014: 27
Prozent).

Die aktuelle repräsentative Befragung zum Infektionsschutz von 5.007
Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 16 bis 85 Jahren erfolgte zwischen
Juli und September 2021. Die Daten werden seit 2012 regelmäßig bundesweit
erhoben.

Der BZgA-Forschungsbericht „Einstellungen, Wissen und Verhalten von
Erwachsenen und Eltern gegenüber Impfungen – Ergebnisse der
Repräsentativbefragung 2021 zum Infektionsschutz“ steht online zur
Verfügung unter:
https://www.bzga.de/forschung/studien/abgeschlossene-studien/studien-
ab-1997/impfen-und-hygiene/


Zeitgleich mit dem Forschungsbericht erscheint im Deutschen Ärzteblatt als
Zusammenfassung der Ergebnisse der Artikel „Einstellungen der
Allgemeinbevölkerung (16–85 Jahre) zum Impfen vor und während der
COVID-19-Pandemie: Trends aus den repräsentativen Bevölkerungsbefragungen
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Impfen
(2012-2021)“ unter:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/artikel?nocache=1&id=227753

Weiterführende Informationen der BZgA zu Impfungen und aktuellen
Impfempfehlungen unter: https://www.impfen-info.de

Kostenlose Bestellung von BZgA-Materialien unter:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bzga.de/
Fax: 0221/8992257
E-Mail: bestellung(at)bzga.de

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Erste Kinderherztransplantation trotz unterschiedlicher Blutgruppe

Premiere am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen: Dank spezieller
Blutfilter-Methode bessere Überlebenschancen für schwer herzkranke Kinder
unter 2 Jahren

Im Kinderherzzentrum des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad
Oeynhausen hat ein kleines Mädchen am 16. September gemeinsam mit den
Eltern seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Das ist ein kleines Wunder.
Denn die zweijährige Dalyah lebt, weil die Herzspezialisten um Prof. Dr.
Stephan Schubert und Prof. Univ. Dr. Eugen Sandica ein neues komplexes
Verfahren der Blutfilterung (Gycosorb Filter, Glycorex) einsetzten, um die
Transplantation eines blutgruppenungleichen Spenderherzens zu ermöglichen.
Die in Bad Oeynhausen erfolgte Kinderherztransplantation dieser Art, eine
sog. AB0-inkompatible Herztransplantation, wurde zum allerersten Mal in
Deutschlands größtem Herztransplantationszentrum durchgeführt. Der Stand
der Forschung zu diesem Thema und klinische Erfahrungen aus dem Ausland
lassen hoffen, schwer herzkranken und dringend auf ein Spenderherz
wartenden Kindern so angesichts weiterhin zunehmender Wartezeit besser als
bisher helfen zu können, sagen die Experten.

Bei einer Herztransplantation bedeutet eine Blutgruppenungleichheit
zwischen Empfänger und Spenderorgan grundsätzlich ein lebensbedrohliches
Risiko. Das deutsche Transplantationsgesetz erlaubt eine
Herztransplantation daher nur bei Kindern, die noch nicht zwei Jahre alt
sind. Weil bis zu diesem Alter das Immunsystem in aller Regel noch nicht
so ausgereift ist, kann eine Abstoßungsreaktion des Spenderorgans bei
entsprechender Vorbereitung  während und nach der Operation vermieden
werden.

„Als Dalyah vor fünf Monaten zu uns kam, litt sie an einer nicht
heilbaren, genetisch bedingten Herzmuskelerkrankung“, berichtet Professor
Dr. Stephan Schubert, Klinikdirektor der Kinderkardiologie am HDZ NRW. „Im
Juli wurde sie auf die Warteliste für ein Spenderherz aufgenommen.“ Das
Problem: Die Chancen, ein geeignetes Spenderorgan zu erhalten, sind bei
sehr kleinen Kindern oft sehr gering. Oft überleben sie die Wartezeit
nicht. „Bei einigen Patienten gelingt eine Überbrückung dann auch nur mit
einer künstlichen Herzunterstützung. Diese Therapie ist im Vergleich zu
einer Herztransplantation gerade bei kleinen Kindern aber auch mit Risiken
verbunden, und die wollten wir bei Dalyah möglichst umgehen.“

Vorbereitung auf die Operation

In enger interdisziplinärer Abstimmung aller Voruntersuchungen erörtern
die Experten im HDZ den Fall ihrer kleinen Patientin mit dem Ergebnis,
dass eine Herztransplantation die vielversprechendste Therapiemöglichkeit,
dabei eine AB0-inkompatible Herztransplantation die am ehesten
wahrscheinliche Lösung darstellt. Dafür wurde die medikamentöse
Herzinsuffizienztherapie angepasst. „Auf der Kinderstation hat unsere
Patientin regelmäßig Unterstützungsmedikamente erhalten, so dass die Herz-
Kreislauffunktion vor der Transplantation stabil gehalten werden konnte“,
erläutert Professor Schubert. Überraschend meldet Eurotransplant schon im
August ein zur Verfügung stehendes Spenderherz mit der passenden Größe.
Wie erwartet, stimmen die Blutgruppen des verstorbenen Kindes und der
Patientin allerdings nicht überein.

Blutfiltration und Herz-Lungen-Maschine im OP-Saal

Professor Dr. Eugen Sandica zählt zu den erfahrensten Kinderherzchirurgen
in Europa. Gemeinsam mit einem 9-köpfigen und perfekt eingespielten
Operationsteam führt er Dalyahs Herztransplantation durch, die fünf
Stunden dauert. Möglich ist diese AB0-inkompatible Transplantation durch
ein erstmalig in Deutschland angewendetes komplexes Verfahren der
intraoperativen Blutfiltration. Hierbei wird an der Herz-Lungen-Maschine
zunächst das Blutplasma von den Blutzellen getrennt und anschließend
gefiltert, um Blutgruppen-Antikörper zu entfernen. Das von Antikörpern
reduzierte Plasma wird anschließend wieder dem Blutstrom zugeführt. Die
Filtration erfolgt so lange, bis ein kritischer Antikörper-Wert (sog.
Titer) unterschritten wird. Hierdurch wird eine Reaktion des Körpers
aufgrund der Blutgruppenunterschiede verhindert, ohne dass es notwendig
ist, das Blut der kleinen Patientin über massive risikobehaftete
Bluttransfusionen auszutauschen.

Die Kinderherz-Anästhesisten Prof. Dr. Andreas Koster und Henning Starke
sowie die Kardiotechniker Rainer Block und Michael Kaufmann übernahmen
neben der wichtigen Überwachung und Steuerung der Vitalwerte die mehrfache
Erhebung der Laborwerte, mit der die Antikörper-Titer während der Zeit an
der Herz-Lungen-Maschine überwacht werden.  Das setzt auch ein extrem
leistungsfähiges Labor voraus, da die Messergebnisse der aufwendigen
Labortests in kürzester Zeit zur Verfügung stehen müssen, um die Therapie
entsprechend anzupassen.

In Bad Oeynhausen warten aktuell drei Kinder (bis 15 Jahre) auf ein
Spenderherz, eines davon ist erst wenige Monate alt.  Vor allem im
Kinderbereich ist seit Jahren mit zunehmenden Wartezeiten zu rechnen. „Die
Möglichkeit einer Herztransplantation trotz Blutgruppenungleichheit würde
ihre Überlebenschancen signifikant erhöhen und vor allem die Wartezeit
verringern“, sagen die Klinikdirektoren des Bad Oeynhausener
Kinderherzzentrums. Über 200 Kinder unter 18 Jahren haben hier bereits ein
Spenderherz erhalten, das Jüngste war ein zwei Tage alter Säugling.
Von ihrer schweren Operation hat sich Dalyah inzwischen erholt.  Am
Entlassungstag dürfen ihre Eltern sie glücklich in die Arme und mit nach
Hause nehmen. Dort wollen sie noch viele Geburtstage miteinander feiern.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Das Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler des HDZ NRW
wird von Prof. Dr. Stephan Schubert, Direktor der Klinik für
Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler, und Prof. Univ. Dr. Eugen
Sandica, Direktor der Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler,
gemeinsam geleitet. Es zählt zu den international führenden Kliniken zur
Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler und ist
zertifiziertes Zentrum für die Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen
Herzfehlern (EMAH). Zur ausgewiesenen Expertise des Zentrums zählt die
Therapie des gesamten Spektrums von angeborenen Herzfehlbildungen im
Neugeborenen-, Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Jährlich werden hier
über 1.000 Patienten mit herausragenden Ergebnissen auch im
internationalen Vergleich stationär sowie 4.500 bis 5.000 Patienten
ambulant betreut.

Hintergrundinformation
329 Herzen wurde 2021 in Deutschland transplantiert, davon 63 in Bad
Oeynhausen.
2022: In diesem Jahr sind am größten deutschen Herztransplantationszentrum
in Bad Oeynhausen bereits 70 Herztransplantationen durchgeführt worden
(Stand: 20.09.2022), davon 5 Herztransplantationen bei Kindern (drei von
ihnen waren jünger als 3 Jahre alt)

Auf der aktiven Warteliste auf ein Spenderherz befinden sich derzeit rd.
130 Patientinnen und Patienten aus Bad Oeynhausen (darunter 3 Kinder bis
15 Jahre).
Insgesamt warten in Deutschland 727 Patientinnen und Patienten aktuell auf
eine Herztransplantation (Stand: September 2022).

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Herzinfarkt unter 50? Blutfette beachten und Lipoprotein(a)-Wert bestimmen!

Neben den Blutfetten LDL-Cholesterin und Triglyceride ist auch
Lipoprotein(a) ein neuartiger Risikofaktor für Herzinfarkt und
Schlaganfall. Ein Aktionsbündnis aus Patientenorganisationen sowie Herz-
und Gefäßgesellschaften sensibilisiert für die Wichtigkeit von erhöhtem
Lp(a) in der Infarktprävention. Aufklärungsaktion zum Weltherztag am 29.
September.

Für die Betroffenen ist es ein Schock: Herzinfarkt – und das mit nicht mal
40 Jahren! Im Zuge der routinemäßigen Blutuntersuchung stellt sich bei
jüngeren Infarktpatient*innen oftmals heraus, dass der Wert eines
bestimmten Blutfetts: Lipoprotein(a), kurz Lp(a), stark erhöht ist. Lp(a)
ist ein Cholesterin-Partikel, das dem LDL-Cholesterin (LDL-C/LDL=Low
Density Lipoprotein), einem wichtigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen, ähnelt. Auch stellt sich meist heraus, dass auch bei
Familienangehörigen der Betroffenen bereits im jüngeren Lebensalter
Herzinfarkte aufgetreten sind. „Das macht Lp(a) neben LDL-C zu einem
weiteren lipidbasierten Marker für kardiovaskuläre Komplikationen wie
Herzinfarkt und Schlaganfall. Das gilt besonders bei jüngeren Frauen und
Männern und wenn keine klassischen Risikofaktoren vorliegen“, betont Prof.
Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
„Ärztinnen und Ärzte müssen in der medizinischen Versorgung von
Patient*innen mit Fettstoffwechselstörungen auch das Lp(a) als relativ
neuen Risikofaktor auf dem Schirm haben. Aber auch die Bevölkerung muss
über Lp(a) und Fettstoffwechselstörungen insgesamt gut informiert sein, um
Risiken für Herz und Gefäße rechtzeitig vorzubeugen“, fordert der
Herzstiftungs-Vorsitzende gemeinsam mit einem Aktionsbündnis der Deutschen
Gesellschaften für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), für
Angiologie (DGA), für Prävention und Rehabilitation von Herz-
Kreislauferkrankungen (DGPR), zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen
und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) sowie der LipidHilfe-Lpa.
Unter dem Motto „Herzinfarkt unter 50? Blutfette beachten, Lp(a)-Wert
bestimmen!“ sensibilisiert das Aktionsbündnis Ärzt*innen und die
Bevölkerung für die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall durch
Fettstoffwechselstörungen wie hohe Cholesterin-, Triglycerid- und
Lp(a)-Werte und informiert anlässlich des Weltherztags unter
www.herzstiftung.de/weltherztag und www.herzstiftung.de/podcast-
lipoprotein

Was macht Lp(a) zum bösartigen Blutfett für die Gefäße?
Lp(a) gehört zu den Transportproteinen für Cholesterin, so wie LDL, dem es
strukturell ähnelt. An Lp(a) ist zusätzlich ein weiteres Eiweiß, das
Apolipoprotein A, kurz Apo(a), gebunden. Dieses Apo(a), kann im
Gefäßsystem chronische Entzündungen verursachen und in der Gefäßwand
abgelagert werden und so die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
beschleunigen. Auch hat dieses an Lp(a) gebundene und als „Kringle“
bezeichnete Apo(a) eine prothrombotische Wirkung, indem es zur Bildung von
Blutgerinnseln beiträgt. Diese drei bösartigen Eigenschaften von Lp(a)
erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt und
Schlaganfall sowie Herzklappenverengungen, darunter die
Aortenklappenstenose (5).

Lp(a) meist genetisch bestimmt: Gesamtrisiko rückt in Fokus der Therapie
Die Lp(a)-Konzentration im Blut ist ganz überwiegend (> 90 %) genetisch
bestimmt und bleibt somit im Leben weitgehend gleich. Eine Senkung des
Lp(a)-Spiegels durch einen gesunden Lebensstil (Sport, Ernährung) und mit
Medikamenten ist daher (noch) nicht möglich. Klinische Studien für eine
medikamentöse Therapie des Lp(a) laufen derzeit. „Vor diesem Hintergrund
ist für Personen mit erhöhtem Lp(a)-Wert umso wichtiger, ihr individuelles
kardiovaskuläres Gesamtrisiko zu senken. Vorhandene Risikofaktoren können
beispielsweise Rauchen, Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin und
Diabetes mellitus sein. Liegt erhöhtes Lp(a) zusätzlich zu diesen
Risikokrankheiten vor, ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
stark erhöht“, warnt Prof. Dr. Bernhard Schwaab, Präsident der DGPR. „Bei
erhöhter Lp(a)-Konzentration im Blut sollten Ärzt*innen deshalb Betroffene
dazu animieren, generell ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu
senken, indem sie nicht rauchen, sich regelmäßig ausdauernd bewegen,
gesund ernähren und Übergewicht vermeiden. Auch sollten sie ihren
Blutdruck, Blutzucker und Blutfette wie LDL-C und Triglyceride regelmäßig
kontrollieren“, so Schwaab. Dieses Vorgehen gilt ganz besonders auch für
Personen mit erhöhtem Lp(a) und Durchblutungsstörungen als Folge der
Arteriosklerose wie koronare Herzkrankheit (KHK) oder periphere arterielle
Verschlusskrankheit (pAVK). Nach den Empfehlungen einer Expert*innengruppe
der European Atherosclerosis Society (EAS) in einem Konsensus-Statement
liegt ein erhöhtes Risiko bei Werten zwischen 30-50 mg/dl oder 75-125
nmol/l vor (1). Nach Expertenangaben weisen bis zu 20 % der
Allgemeinbevölkerung erhöhte Lp(a)-Spiegel auf (3).

Jeder soll einmal im Leben seinen Lp(a)-Wert bestimmen lassen
Jede/r Erwachsene sollte einmalig seinen/ihren Lp(a)-Wert mit einem
Bluttest bestimmen lassen. Dadurch sollen vor allem Personen mit sehr
hohen Lp(a)-Spiegeln (>180 mg/dl bzw. >430 nmol/l) identifiziert werden
mit einem vergleichbar hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (4).
Die Kosten für den Bluttest tragen in der Regel die Krankenkassen, wenn
ein begründeter Verdacht oder ein erbliches Risiko vorliegt. Den
einmaligen Bluttest propagieren übereinstimmend die Herzstiftung und ihre
Partner im Aktionsbündnis und folgen damit einer Empfehlung der EAS. „Alle
Erwachsenen und Familienangehörige von Personen mit Gefäßverkalkungen im
mittleren und jüngeren Lebensalter, die beispielsweise an einer koronaren
Herzkrankheit leiden oder einen Herzinfarkt erlitten, sollten ihren
Lp(a)-Wert im Blut bestimmen lassen“, raten DGPR-Präsident Prof. Schwaab
und der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer. „Aufgrund der
erblichen Komponente sollten auch die Kinder von Personen mit erhöhtem
Lp(a)-Wert einem Blut-Check unterzogen werden“, fügt Dr. Christoph
Altmann, Mitinitiator des Aktionsbündnisses und Ehrenvorsitzender des
Landesverbands Sachsen der DGPR (LVS/PR) hinzu. Desweiteren ist eine
Lp(a)-Bestimmung sinnvoll insbesondere bei folgenden Personen (2):
- bei Patienten mit einer Arteriosklerose vor dem 60. Lebensjahr (Männer)
- bei Patienten mit einer Familiären Hypercholesterinämie (FH)
- bei Patienten, bei denen eine Arteriosklerose oder eine KHK
voranschreitet, obwohl der LDL-C-Zielwert medikamentös erreicht ist

Lipoprotein-Apherese (Blutwäsche): Therapieoption für wen?
Die Blutwäsche in Form der Lipoprotein-Apherese kann für eine bestimmte
Patientengruppe mit rasch fortschreitenden arteriosklerotischen
Erkrankungen (KHK, pVAK) und hohen Lp(a)-Konzentrationen erwogen werden.
Die Apherese ist ein der Dialyse ähnliches Verfahren außerhalb des
Körpers. Lp(a) und LDL-C werden innerhalb von 1,5 bis 3 Stunden aus dem
Blut herausgefiltert. Je nach Lp(a)-Konzentration muss die Apherese
wöchentlich oder alle zwei Wochen durchgeführt werden, weil sich rasch die
Lp(a)-Werte wieder erhöhen. Für betroffene Patient*innen, die wegen stark
erhöhter Lp(a)-Werte einen oder mehrere Infarkte erlitten haben, ist die
Apherese derzeit eine Option, den Lp(a)-Wert im Blut immer wieder zu
senken und so einen weiteren Infarkt zu vermeiden.

(wi)

Quellen:
(1) Kronenberg F. et al., Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular
disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus
statement, European Heart Journal, ehac361,
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac361
(2) DGFF (Lipid-Liga) (Hg.), Lipoprotein(a) – ein Risikofaktor für Herz-
Kreislauf-Erkrankungen, Frankfurt a. M. 2022.
(3) Buchmann N. et al., Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 270-6; DOI:
10.3238/arztebl.m2022.0153
(4) Wienbergen H. et al, Dtsch Arztebl 2021; 118(15): [16]; DOI:
10.3238/PersKardio.2021.04.16.05
(5) Video-Clip „Hohes Lipoprotein(a) – Was tun?“ mit Prof. Dr. Ulrich
Laufs
(Leipzig): www.youtube.com/watch?v=5NNo64NMjbY&t=

Service-Tipps:
Unter dem Motto „Herzinfarkt unter 50? Blutfette beachten, Lp(a)-Wert
bestimmen!“ bietet das  Aktionsbündnis anlässlich des Weltherztags
umfangreiche Informationen zum Thema Fettstoffwechselstörungen (hohes
Cholesterin) und Lp(a) unter www.herzstiftung.de/weltherztag

Lp(a) im Herzstiftungs-Podcast: Der Podcast „Herzinfarkt-Risiko: Das
sollten Sie über Lipoprotein (a) wissen“ mit dem Kardiologen und Lipid-
Spezialisten Prof. Dr. Ulrich Laufs (Universitätsklinikum Leipzig) ist
abrufbar unter www.herzstiftung.de/podcast-lipoprotein

Ratgeber zum Thema Hohes Cholesterin/Lp(a): Was tun?
Informationen über Ursachen und Folgen hoher Cholesterin-/Lp(a)-Werte
sowie zu den aktuellen Therapieempfehlungen finden Betroffene unter
www.herzstiftung.de/cholesterin bzw. in der Sprechstunde unter
www.herzstiftung.de/lipoprotein-senken

Der kostenfreie Ratgeber „Hohes Cholesterin: Was tun?“ ist unter
www.herzstiftung.de/bestellung oder per Tel. unter 069 955128-400
anzufordern.

Den Ratgeber „Lipoprotein(a) – ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen“ bietet die DGFF (Lipid-Liga) kostenfrei (PDF) unter www
.lipid-liga.de/buecher/lipidprotein-a

Video-Clips zu Lp(a)
Patientinnen-Portrait „Herzinfarkt unter 50? Blutfette beachten!
Lipoprotein(a) bestimmen!“: Eine Lp(a)-Patientin berichtet eindrücklich
über ihren Herzinfarkt mit 30 Jahren, auch Lipid-Experten kommen zu Wort:
www.youtube.com/watch?v=gd0926Oo5ng

Experten-Film für Ärzt*innen „Herzinfarkt unter 50? Blutfette beachten!
Lipoprotein(a) bestimmen!“ mit Herz- und Gefäßspezialistin Dr. Gesine Dörr
(DGA): www.youtube.com/watch?v=e2eCX_QpKNc

Experten-Statements aus dem Aktionsbündnis

Vorstand, Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA):

„Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) haben ein
sehr hohes Risiko für arterielle Gefäßerkrankungen. Erhöhtes LDL-
Cholesterin und ein erhöhtes Lipoprotein (a) sind unabhängige, genetisch
determinierte Risikofaktoren für das Auftreten von Stenosen im
Gefäßsystem. Das frühzeitige Erkennen und die Behandlung dieser
Risikofaktoren ist ein essenzieller Bestandteil der Primär- und
Sekundärprävention. Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie unterstützt
daher dieses Aktionsbündnis, um Patienten mit hohem Risiko frühzeitig zu
erkennen und eine nachhaltige Behandlung von Fettstoffwechselstörungen zu
gewährleisten.“

Dr. med. Anja Vogt, stellv. Vorsitzende, Deutsche Gesellschaft zur
Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF
(Lipid-Liga):

„Seine LDL-Cholesterin-, Lp(a)- und Triglyzeridwerte sollte jeder kennen
und früh aktiv werden, wenn sie erhöht sind. Denn dann fördern sie
Atherosklerose und man riskiert Herzinfarkt, Schlaganfall und
Durchblutungsstörungen der Beine. Diese schweren Erkrankungen kommen eben
oft nicht aus heiterem Himmel. Und da viele Fettstoffwechselstörungen
vererbt sind, muss man auch an Verwandte denken. Den Menschen das
nahezubringen, ist die Triebfeder der DGFF (Lipid-Liga), beim
Aktionsbündnis dabei zu sein.“

Dr. med. Manju Guha, Sprecherin der AG14, Arbeitsgemeinschaft „Präventive
und rehabilitative Kardiologie“ der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK):

„Herzinfarkte bei Jüngeren sind häufiger als vermutet. Am Bremer
Herzzentrum wurde 2015 gezeigt, dass jeder 15. Infarktpatient jünger als
45 Jahre ist. Der Infarkt ist oft schwer, mehr als bei Älteren überleben
das erste Jahr nicht, belastend für junge Betroffene ohne klassisches
Risikoprofil. Angeborene Störungen, wie ein hoher Lipoprotein(a)-Spiegel
(Lp(a)), steigern das Risiko für einen Herzinfarkt. Lp(a) ist ein
eigenständiger Risikofaktor und sollte bei jedem einmal im Leben bestimmt
werden.“

Weitere Infos zum Thema

Überschüssige Fette im Blut
Grundsätzlich ist Cholesterin kein schädlicher Stoff, sondern sogar
lebenswichtig als Baustein für Zellwände sowie als Ausgangsstoff für die
Bildung von Gallensäuren und verschiedenen Hormonen. Problematisch wird
es, wenn zu viel von der fettähnlichen Substanz im Blut anfällt.

LDL: Das Low Density Lipoprotein (LDL) arbeitet im Körper als
Transportvehikel. Es bringt das Blutfett Cholesterin von der Leber (wo
Cholesterin zu etwa drei Vierteln hergestellt wird, der Rest wird mit der
Nahrung aufgenommen) zu den Organen. Sie nutzen Cholesterin als Baustein,
um etwa Hormone oder Vitamin D zu produzieren. Zirkuliert zu viel LDL-
Cholesterin im Blut, lagert es sich in den Wänden der Gefäße ab. Dadurch
entsteht eine Gefäßverkalkung. Gemeinsam mit anderen Risikofaktoren
steigern diese Verkalkungen das Risiko für Durchblutungsstörungen von
Organen und schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
Ziel einer Behandlung ist daher in erster Linie, dieses Risiko zu senken
und Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern.  Sind die Werte nur
leicht erhöht, reicht häufig bereits eine Umstellung der Ernährungs- und
Bewegungsgewohnheiten, um das Risiko deutlich zu senken. Bei stark
erhöhten Werten oder wenn Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichen, sollte
eine medikamentöse Therapie erfolgen. Informationen über aktuelle
Therapiemöglichkeiten und -empfehlungen finden Betroffene unter
www.herzstiftung.de/cholesterin

Lipoprotein(a): Mit der Nahrung aufgenommene Fette können nicht einfach
frei im Blut schwimmen. Sie werden von Lipoproteinen in Empfang genommen
und transportiert. Das Lipoprotein(a) ist dem LDL-Cholesterin sehr
ähnlich; liegen zu hohe Konzentrationen im Blut vor, führt es zu Gefäß-
und Herzklappenerkrankungen. Die Höhe an Lp(a) im Körper ist vererbt. Der
Lebensstil hat nur einen minimalen Einfluss. Lp(a) sollte bei jedem
Menschen einmal im Leben bestimmt werden, insbesondere bei
Familienangehörigen von Personen mit Gefäßverkalkungen in jüngerem
Lebensalter. Bei hohem Lp(a) ist eine sorgfältige Senkung aller
Risikofaktoren und des LDL-Cholesterins notwendig (Infos:
www.herzstiftung.de/podcast-lipoprotein).

HDL: Das High Density Lipoprotein ist ein weiterer für Cholesterin
zuständiger Transporter. HDL transportiert Cholesterin zwischen
verschiedenen Transportern und der Leber. Nicht jedes HDL hat eine
positive Funktion. Daher kann ein hoher HDL-Wert ein hohes LDL nicht
wettmachen.

Triglyceride (Neutralfette): Natürlich vorkommende Fette, die mit der
Nahrung aufgenommen werden, etwa mit Butter, Fleisch oder Milchprodukten.
Was der Körper nicht unmittelbar verwertet, speichert er im Fettgewebe.
Erhöhte Triglycerid-Werte begünstigen die Arteriosklerose. Hohe
Triglyceride können durch Kalorienreduktion (insbesondere Verzicht auf
Alkohol) und Sport günstig beeinflusst werden.

Quelle: Deutsche Herzstiftung (Hg.), Hohes Cholesterin: Was tun?,
Frankfurt a. M. 2021

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