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Gesundheit

Krankheitserreger einfach abwaschen: BZgA informiert zum Internationalen Händewaschtag am 15. Oktober 2022

Anlässlich des Internationalen Händewaschtags am 15. Oktober 2022 erinnert
die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) daran, das eigene
Händewasch-Verhalten zu prüfen und die Hygiene-Alltagsroutine
aufzufrischen.

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der BZgA: „Wer sich
regelmäßig die Hände wäscht, schützt sich und andere wirksam vor
Infektionen. Händewaschen schützt vor Ansteckung mit Erregern über Hände
und Oberflächen. Dabei senkt sorgfältige Händehygiene das Risiko,
Krankheitserreger an andere weiterzugeben. Es hilft, sich immer wieder
bewusst zu machen, worauf es beim Händewaschen ankommt.“

Die wichtigsten Regeln für wirksames Händewaschen im Überblick:

- Die Hände unter fließendem Wasser nass machen. Gut zu wissen: Die
Wassertemperatur spielt für den Wascherfolg kaum eine Rolle!

- Die Handflächen und Handrücken, Fingerzwischenräume und Fingerspitzen
einseifen. Hände mit Seife zu waschen ist deutlich wirksamer als nur mit
Wasser.

- Das gründliche Einschäumen der Hände dauert mindestens 20 bis 30
Sekunden – und zwar nicht nur, wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind.

- Alle Seifenreste unter fließendem Wasser abwaschen.

- Anschließend die Hände mit einem sauberen Tuch abtrocknen.

Informationen der BZgA zum Thema:
https://www.infektionsschutz.de
https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen
https://www.infektionsschutz.de/mediathek

Bestellung kostenfreier BZgA-Materialien unter:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bzga.de
Fax: 0221/8992257 oder E-Mail: bestellung(at)bzga.de

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Darmkrebsrisiko bei Menschen mit Diabetes Typ 2 doppelt so hoch: Betroffene nehmen Vorsorgeangebote zu selten wahr

Krebs ist die häufigste Todesursache bei Menschen mit Diabetes Typ 2.
Krebsprävention und -früherkennung ist für Betroffene daher besonders
wichtig. Doch wird sie gerade von dieser Patientengruppe – insbesondere
bei Darmkrebs – zu selten in Anspruch genommen, kritisieren die
Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Krebs“ der Deutschen Diabetes
Gesellschaft (DDG) sowie die Stiftung „LebensBlicke“. Die
Darmkrebsfrüherkennung per Stuhltest (IFOBT) ist unkompliziert und schnell
zu Hause durchführbar.

Zusätzlich erstatten einige Krankenkassen seit etwa einem Jahr auch
jüngeren Hochrisikopatientinnen und -patienten unter 50 Jahren
Vorsorgekoloskopien, die Darmkrebs und seine Vorstufen noch zuverlässiger
als IFOBTs aufspüren und verhindern. Die DDG und die Stiftung
„Lebensblicke“ fordern Ärztinnen und Ärzte dazu auf, ihre Patientinnen und
Patienten vermehrt über diese niederschwelligen Vorsorgemöglichkeiten
aufzuklären und raten Betroffenen zur Wahrnehmung dieser Angebote.

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Bei Menschen mit einem Diabetes Typ 2 bilden sich – im Vergleich zu ihren
gesunden Mitmenschen – häufiger bösartige Zellveränderungen im Dickdarm
und anderen Geweben. „Das Darmkrebsrisiko ist etwa doppelt so hoch wie bei
Stoffwechselgesunden. Besteht darüber hinaus noch eine familiäre
Vorbelastung, erkranken Diabetespatientinnen und -patienten im Schnitt
sogar bis zu 18 Jahre früher an dieser Krebsart“, erklärt Professor Dr.
med. Hans Scherübl, Sprecher und 1. Vorsitzender der AG „Diabetes und
Krebs“ der DDG.
Ursache für das erhöhte Erkrankungsrisiko bei Typ-2-Diabetes sind
bestimmte Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse durch das mit der
Stoffwechselerkrankung häufig assoziierte Übergewicht, sowie die Wirkung
des zugesetzten Insulins, oder ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel.
„Besonders darmkrebsgefährdet sind daher übergewichtige Menschen mit einem
insulintherapierten Diabetes Typ 2“, führt Professor Dr. Jürgen F.
Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „LebensBlicke“ und
emeritierter Direktor der Medizinischen Klinik C am Klinikum Ludwigshafen,
aus. „Gravierend ist, dass sich Adipositas und Diabetes weltweit zu
regelrechten Epidemien entwickelt haben, sie in einer Wechselwirkung
miteinander stehen und dadurch Krebserkrankungen begünstigen.“ So
erkranken immer mehr jüngere Erwachsene unter 50 Jahren an Darmkrebs.
„Umso problematischer ist es, wenn Betroffene die niederschwelligen
Angebote der Darmkrebsvorsorge nicht wahrnehmen oder darüber zu wenig
aufgeklärt werden“, mahnt Scherübl, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin
am Vivantes-Klinikum Am Urban in Berlin. In einigen europäischen Ländern,
wie den Niederlanden und England, betrage die Teilnahmerate bei der
Darmkrebsvorsorge mit Stuhlbluttests rund 70 Prozent. In Deutschland
nehmen lediglich zehn bis zwanzig Prozent diese Angebote wahr. Dabei seien
die Maßnahmen zur Darmkrebsfrüherkennung sehr niederschwellig: „Stuhltests
erfordern keine Vorbereitung, sind nichtinvasiv und können von
Patientinnen und Patienten selbst zu Hause angewendet werden“, ergänzt
Riemann.
Liegen neben einem Diabetes mellitus weitere Risikofaktoren wie Tabak-
oder Alkoholkonsum, Übergewicht oder eine familiäre Belastung vor,
übernehmen einige Krankenkassen inzwischen auch die Kosten für eine
frühere Vorsorgekoloskopie – bei Männern bereits ab dem 40. Lebensjahr und
bei Frauen ab dem 45. Lebensjahr. „Dieses Angebot sollten diese
Hochrisikopatienten unbedingt nutzen“, empfiehlt Gastroenterologe Riemann.
„Darmkrebs ist gut heilbar – aber nur, wenn er früh erkannt wird.“
Die Experten weisen darauf hin, dass in Zukunft die Darmkrebsvorsorge noch
effektiver sein wird. Derzeit werde sehr erfolgreich an innovativen
Bluttests, die mit Biomarkern arbeiten und die mikrobielle Erbsubstanz
detektieren, sowie neuen Stuhltests, wie Multitarget-Stuhl-DNA-Tests,
gearbeitet.
Literatur:
Scherübl H. Typ-2-Diabetes-mellitus und Krebsrisiko, Dtsch Med Wochenschr
2021; 146(18): 1218-1225, DOI: 10.1055/a-1529-4521DOI:10.1055/a-1529-4521
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Über die Stiftung LebensBlicke - Früherkennung Darmkrebs (SLB)
Die Stiftung LebensBlicke informiert seit 1998 die Öffentlichkeit über
Möglichkeiten der Darmkrebsvorsorge und -früherkennung und motiviert die
Bevölkerung zur Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen. Sie leistet dies
durch Öffentlichkeitsarbeit in Print- und elektronischen Medien,
bundesweite Veranstaltungen über ein Netz von Regionalbeauftragten und
durch Teilnahme am Darmkrebsmonat März jeden Jahres. Namhafte
Persönlichkeiten unterstützen die Aktivitäten der Stiftung. Neben der
Primär- und Sekundärprävention zählt auch die Tertiärprävention zum
Aufgabenbereich.

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Patiententag „Aktiv gegen den Schmerz“

Wer mit chronischen Schmerzen leben muss, ist auch psychisch stark
belastet. Schmerzen erzeugen Stress, Muskelverspannungen und Angst.
Ständige Verspannung erzeugt noch mehr Schmerzen. Ein Dauerschmerz kann
schließlich in eine Depression führen. Wie Betroffene diesen Teufelskreis
durchbrechen können, ist Thema beim Patiententag des Deutschen
Schmerzkongresses am Samstag, den 22. Oktober 2022, ab 11 Uhr im
Mannheimer Dorint Hotel.

Unter dem Motto „Aktiv gegen den Schmerz“ gehen Schmerzexpertinnen und
-experten den Fragen nach: Wann ist bei einer Schmerzerkrankung eine
Psychotherapie notwendig? Wie können physiotherapeutische Maßnahmen
helfen? Und was können Patientinnen und Patienten für ihren
Behandlungserfolg selbst beitragen? Dabei geht es um die Krankheitsbilder
chronischer Schmerzerkrankungen und Migräne.

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Chronische Schmerzerkrankungen sind komplex und vielschichtig. An ihrer
Entstehung und Aufrechterhaltung sind neben biologischen Ursachen auch
psychische und soziale Komponenten beteiligt. „Die psychischen Anteile
bestimmen in erheblichem Ausmaß die Beeinträchtigung eines Betroffenen“,
sagt Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Ulrike Kaiser, leitende Psychologin der
Ambulanz und interdisziplinärer Tagesklinik am Dresdner Universitäts-
Schmerz-Centrum und Kongresspräsidentin des Deutschen Schmerzkongresses
2022 in Mannheim. Um chronische Schmerzen zu behandeln oder ihnen
vorzubeugen, sei idealerweise die Expertise von Medizinern, Psychologen
und Physiotherapeuten notwendig. Alle drei Berufsgruppen sollten zwingend
bei der Behandlung der Betroffenen Hand in Hand arbeiten.

Einige Menschen besitzen eine genetische Prädisposition für die
Entwicklung von chronischen Schmerzen. Kommen Konflikte und Stress in der
Familie oder bei der Arbeit hinzu, kann das dann schnell eine
Abwärtsspirale auslösen. Wie man diesem Teufelskreis entrinnen kann, wird
der Psychologe Dr. Paul Nilges beim Patiententag aufzeigen. Nilges war bis
zu seinem Ruhestand leitender Psychotherapeut am DRK Schmerzzentrum in
Mainz. Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit setzt er
sich für die Etablierung einer qualifizierten Schmerzpsychotherapie in
Deutschland ein.

Rund 20 Prozent aller Frauen und acht Prozent der Männer leiden in
Deutschland an einer Migräne. Studien zeigen, dass Physiotherapie die
Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken minimieren kann – vor
allem, wenn sie präventiv angewendet wird. Die Professorin Kerstin Lüdtke
von der Universität zu Lübeck hat im Rahmen einer Studie die Wirkung von
Physiotherapie bei Migräne-Patienten wissenschaftlich untersucht. Sie wird
beim Patiententag erläutern, wie eine physiotherapeutische Behandlung bei
Migränegeplagten aussehen sollte und wann sie idealerweise zum Einsatz
kommt.

Schmerzpatientinnen und -patienten können auch selbst zu ihrem
Behandlungserfolg beitragen. „Gerade Menschen mit einer chronischen
Erkrankung, wie es auch bei Schmerzpatienten der Fall ist, informieren
sich häufig im Internet – hier gilt aber Vorsicht“, warnt Heike Norda,
Vorsitzende der Patientenorganisation UVSD SchmerzLOS e.V. Sie wird sich
gemeinsam mit ihrem Vorstandskollegen Dr. med. Nicolas Jakobs mit dem
Thema „Mündiger Patient“ befassen. In ihrem Vortrag geht es um den
mündigen Patienten aus der Sicht des Behandlers und aus der Sicht des
Patienten.

Am Patiententag sind die Patientenorganisationen UVSD SchmerzLOS e. V.,
die MigräneLiga e.V. Deutschland, die Deutsche Restless Legs Vereinigung
RLS, das CRPS Netzwerk gemeinsam stark e.V. und die Deutsche Fibromyalgie
Vereinigung (DFV) beteiligt. Zusätzlich wird es einen Stand der CSG
(Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfegruppen e.V.) geben. Der
Patiententag beginnt um 11 Uhr mit Infoständen der Patientenorganisationen
vor dem Veranstaltungsraum. Sie informieren umfassend über ihre Arbeit und
ihre Angebote. Nach den Vorträgen besteht bis 14 Uhr die Möglichkeit, ins
Gespräch zu kommen.

Bei Abdruck, Beleg erbeten.

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Patiententag:

Termin: Samstag, 22.10.2022 11:00 – 14:00 Uhr
Ort: Dorint Hotel, Mannheim Raum: Ludwig van Beethoven
Moderation: Veronika Bäcker, Migräneliga Deutschland

11:30 Uhr
Grußwort der Kongresspräsident:in
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Ulrike Kaiser (Universitätsklinikum Schleswig-
Holstein und TU Dresden)
PD Dr. med. Torsten Kraya (Klinikum St. Georg Leipzig)

ab 11:40 Uhr
Der lange Weg chronischer Schmerzen von der psychischen Störung zur
eigenständigen Diagnose: Konsequenzen für die Psychotherapie
Dr. Paul Nilges (Mainz)

Physiotherapie bei Migräne und chronischen Schmerzen
Prof. Kerstin Lüdtke (Universität zu Lübeck)

Der mündige Patient?! Die Sicht des Behandlers und der Schmerzpatientin
Dr. med. Nicolas Jakobs, Heike Norda (UVSD SchmerzLOS e.V.)

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Terminhinweis:

Online-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses
(19. bis 22. Oktober 2022) der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der
Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG)

„Schmerzmedizin heute und morgen: Bilanz und Ausblick“

Termin Mittwoch, 19. Oktober 2022, 11.30 bis 12.30 Uhr
Link zur Anmeldung
<https://attendee.gotowebinar.com/register/2561977966074363405>

Vorläufige Themen und Referenten:

Kopfschmerzen nach Schädel-Hirn-Trauma: Oft unerkannt und falsch
behandelt? Neue Erkenntnisse und Therapien
Privatdozent Dr. med. Torsten Kraya, Chefarzt der Klinik für Neurologie am
Klinikum St. Georg Leipzig und Kongresspräsident des Deutschen
Schmerzkongresses 2022

Der lange Weg vom Versorgungsproblem zum gesundheitlichen
Dienstleistungsprodukt: Wie Präventionsmaßnahmen beim chronischen Schmerz
zur Kassenleistung werden
Apl. Professor Dr. med. Winfried Meißner, Präsident der Deutschen
Schmerzgesellschaft e. V., Leiter der Sektion Schmerztherapie, Klinik für
Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie Leiter der Abteilung
Palliativmedizin, Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Jena

Cannabinoide in der Schmerztherapie: Im Spannungsfeld zwischen aktueller
Studienlage und widersprüchlichen Empfehlungen
Professor Dr. med. Frank Petzke, Leiter Schmerzmedizin, Klinik für
Anästhesiologie, Universitätsmedizin Göttingen und Sprecher der Ad-hoc-
Kommission „Cannabis in der Medizin“ der Deutschen Schmerzgesellschaft e.
V.

Moderne Kopfschmerzmedizin der nächsten Generation: Innovative Therapien
verhindern zuverlässig und nebenwirkungsarm Migräneattacken
Dr. med. Robert Fleischmann, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für
Neurologie, Universitätsmedizin Greifswald

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Post-COVID und Apherese – vielversprechende Therapie oder ein Geschäft mit der Verzweiflung?

Gute Wissenschaft braucht Zeit, während leidende Patientinnen und
Patienten sofort wirksame Therapien benötigen. Ein Dilemma. Doch die Liste
an Verfahren und Medikamenten, die nach ersten positiven
Erfahrungsberichten in großen Studien enttäuschten, ist lang. Die Deutsche
Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) mahnt, Registerauswertungen und erste
Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Apheresetherapie bei Long-COVID
abzuwarten. Denn derzeit könne man nicht sagen, ob es sich dabei um eine
vielversprechende Therapie handelt oder um ein Geschäft mit der
Verzweiflung der Betroffenen.

Die DGfN wird immer wieder von verzweifelten Post-COVID-Betroffen
adressiert und gefragt, wer im Lande Aphereseverfahren anbietet, um ihnen
zu helfen. Oft herrscht Unverständnis darüber, dass Nephrologinnen und
Nephrologen nicht ihren Wirkungskreis erweitern und Aphereseverfahren, die
ansonsten nur bei seltenen Erkrankungen, z.B. seltenen Lipidstörungen oder
seltenen Immunerkrankungen, zur Anwendung kommen, breiter anbieten. Der
Fachgesellschaft wird dann oft Untätigkeit oder gar Ignoranz gegenüber dem
Leiden der Betroffenen vorgeworfen.

In einer Stellungnahme vom 11.08.2022 (https://www.dgfn.eu/stellungnahmen-
details/apheresetherapie-long-post-covid-syndrom.html
) hat sich die
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) differenziert dazu geäußert,
warum sie aus ihrer Sicht keine Empfehlung für den breiten Einsatz dieser
Verfahren geben kann, solange keine ausreichende Datenbasis die
Wirksamkeit und letztlich auch die Sicherheit belegen. Zwar gilt die
Apherese wie die Dialyse als ein recht sicheres Verfahren, dennoch kann es
zu Nebenwirkungen kommen. Das Blut wird über einen Schlauch aus den Körper
in das Filtergerät geleitet. Dort werden Medikamente hinzugefüht, damit
das Blut beim Aphereseprozess nicht gerinnt, anschließend wird es in den
Körper zurückgeführt. Es handelt sich also um ein invasives Verfahren, das
für den Körper auch nicht ganz unstrapaziös ist. Wie bei der Dialyse kann
es zu Kreislaufproblemen kommen, viele Patientinnen und Patienten fühlen
sich nach der Behandlung geschwächt. „Nutzen und Risiken müssen bei jeder
Therapie gegeneinander abgewogen werden, was aber dann schwer möglich ist,
wenn der Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist, wie das für
Aphereseverfahren bei Long-COVID der Fall ist“, erklärt Prof. Julia
Weinmann-Menke, DGfN-Pressesprecherin auf der Pressekonferenz der DGfN-
Jahrestagung in Berlin. „Wir haben viele Fallberichte, aber zum einen sind
sie eben genau das: Fallberichte und keine randomisierten Studien mit
Beweiskraft. Hinzu kommt, dass auch nicht alle dieser Berichte einen
‚Lazerus-Effekt‘ beschreiben. Wir wissen auch von Patientinnen und
Patienten, denen das Verfahren nicht geholfen hat oder nur vorübergehend.“

Die Aufgabe der Wissenschaft ist nun, die Evidenzlage zu verbessern und zu
untersuchen, ob die Verfahren helfen, wenn ja, in welchem Schema und bei
welchen Gruppen von Patientinnen und Patienten mit Post-COVID (z.B. jene,
bei denen bestimmte Autoantikörper im Blut gefunden werden). Die
‚International Society for Apheresis‘ hat Anfang Oktober ein Post-COVID-
Aphereseregister aufgelegt [1]. Das soll alle derzeit gebräuchlichen
Behandlungsansätze dokumentieren und zugleich die Evaluation des
klinischen Beschwerdebildes systematisieren. Die Initiatoren hoffen, dass
damit für Patientinnen und Patienten wie behandelnden Ärzte in einem
überschaubaren Zeitraum Informationen zusammengetragen werden, die im
Idealfall in Empfehlungen für weiterführende, randomisierte
Therapiestudien münden könnten.

„Doch angesichts des Leidensdrucks der Patientinnen und Patienten wollen
wir die Register-Empfehlungen nicht abwarten. Stattdessen sind bereits an
mehreren Universitätskliniken die Vorarbeiten zu Studien angelaufen, an
denen Nephrologinnen und Nephrologen beteiligt sind. Die DGfN bemüht sich
nun darum, die Studienprotokolle zu harmonisieren, damit die Daten
perspektivisch gepoolt ausgewertet werden können und eine stärkere Evidenz
erreicht wird.“

Die Studien, von denen hier die Rede ist, werden die Wirksamkeit  der
Immunadsorption untersuchen, ein Verfahren, das Antikörper bzw.
Autoantikörper, von denen vermutet wird, dass sie ursächlich für das Post-
COVID-Syndrom sind, aus dem Blut herausfiltern. „Allerdings ist das nur
eine von mehreren Hypothesen zur Erklärung des Phänomens Post-COVID.
Ebenso könnten beispielsweise subklinische Entzündungsreaktionen die
Krankheit auslösen. Wäre das der Fall, würde die Immunadsorption z.B. gar
keinen Effekt haben können.“

Das Problem, so betont die Wissenschaftlerin, sei, dass Betroffene
hartnäckig eine Therapie einfordern, von der man nicht wisse, ob sie
tatsächlich einen klinischen Nutzen bringt, weil man nicht einmal wisse,
ob, das, was die Therapie im Körper bewirkt, überhaupt zur Krankheit
beiträgt. Angesichts dieser Datenlage sei es grenzwertig, zum jetzigen
Zeitpunkt diese Verfahren zu bewerben und außerhalb von wissenschaftlichen
Studien durchzuführen. „Die Betroffenen zahlen z.T. viel Geld für eine
Behandlung, von der sie nicht wissen, ob sie wirkt bzw. mit welcher
Wahrscheinlichkeit sie wirkt, wie lange sie wirkt und warum sie überhaupt
wirken könnte. Erweist sich die Therapie als unwirksam oder nur kurz
wirksam, werden sich die Betroffen übervorteilt fühlen. Als medizinische
Fachgesellschaft sehen wir uns daher in der Pflicht, zur Besonnenheit zu
mahnen und zu raten, die Ergebnisse aus dem Register und den Studien
abzuwarten. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht einmal sagen, ob es
sich bei der Apheresetherapie bei Post-COVID um eine vielversprechende
Therapie handelt, und wir möchten uns keinesfalls am Geschäft mit der
Verzweiflung der Betroffenen beteiligen“, erklärt Prof. Weinmann-Menke.

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