Zum Hauptinhalt springen

Gesundheit

Schlaganfallgefahr durch Vorhofflimmern: Wie schütze ich mich?

Herzstiftung erläutert, wer besonders gefährdet ist, einen Schlaganfall
als Folge von Vorhofflimmern zu erleiden, und welche Schlaganfall-
Warnzeichen jeder kennen sollte

Vorhofflimmern ist eine tückische Volkskrankheit. Denn nur bei etwa zwei
Drittel der schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Patienten mit
Vorhofflimmern in Deutschland macht sich die Herzrhythmusstörung mit
spürbaren Beschwerden wie Herzstolpern und unregelmäßigem oder chaotischem
Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Luftnot,
Schwindelgefühl oder Leistungsschwäche bemerkbar. Bei den anderen tritt
Vorhofflimmern ohne Symptome oder größere Beschwerden auf. „Wird die
Rhythmusstörung allerdings nicht erkannt, beziehungsweise nicht behandelt,
kann es zu schwerwiegenden Folgen wie Schlaganfall oder Herzmuskelschwäche
kommen“, warnt der Kardiologe Privatdozent Dr. med. Gerian Grönefeld vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Gerade ein
Schlaganfall trifft oft Menschen mit Vorhofflimmern, die von ihrer
Herzrhythmusstörung gar nichts wissen und somit auch nicht die schützende
Therapie zur Blutgerinnungshemmung erhalten haben.“ 20 bis 30 % der
(ischämischen) Schlaganfälle in Deutschland gehen auf Vorhofflimmern
zurück. Heute weiß man aufgrund vieler Untersuchungen, dass sich bei
Vorhofflimmern durch die gestörte Herzbewegung und Umbauprozesse im Herzen
die fein austarierte Balance der natürlichen Gerinnungsfähigkeit des
Blutes in Richtung einer lebensbedrohlichen Gerinnselbildung verschiebt,
wie die Deutsche Herzstiftung anlässlich der bundesweiten Herzwochen
berichtet. Diese widmen sich in diesem Jahr dem Motto „Turbulenzen im
Herz“. Unter www.herzstiftung.de/herzwochen bietet die Herzstiftung daher
umfangreiche Patienteninformationen mit Herzwochen-Begleitbroschüre
„Zurück in den Takt“, Podcasts, Video-Clips und Veranstaltungs-Tipps zu
Vorhofflimmern.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko: Was kann man dagegen tun?
„Der Schlaganfall ist die größte Gefahr, die vom Vorhofflimmern ausgeht.
Vor allem ältere Patienten über 65 Jahre, bei denen gehäuft Herz-
Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und koronare
Herzkrankheit auftreten, haben ein hohes Risiko, Vorhofflimmern zu
bekommen und sollten sich regelmäßig daraufhin untersuchen lassen“,
empfiehlt Chefarzt PD Grönefeld, der die 1. Medizinische Abteilung für
Kardiologie an der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg leitet. Junge,
herzgesunde Menschen mit Vorhofflimmern hingegen sind wenig
schlaganfallgefährdet. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt deshalb
besonders älteren Menschen über 65 Jahren und Herzkranken, regelmäßig
ihren Puls zu messen oder zu fühlen. „Ist der Puls unregelmäßig oder liegt
er in Ruhe über 100 Schläge pro Minute, sollte man zeitnah seinen Arzt
aufsuchen, um klären zu lassen, ob Vorhofflimmern vorliegt“, so Grönefeld.
Infos zur Pulsmessung: www.herzstiftung.de/puls-messen Wie sich
Risikopatienten vor Vorhofflimmern und seinen Folgen schützen und wie sich
ein Schlaganfall erkennen lässt, ist unter www.herzstiftung.de
/schlaganfall-durch-vorhofflimmern abrufbar.

Schlaganfall-Warnzeichen rechtzeitig erkennen: Jede Minute zählt!
Aufgrund der unregelmäßigen elektrischen Aktivierung schlagen die
flimmernden Herzvorhöfe nicht mehr koordiniert. Das Blut staut sich in den
Vorhöfen und es bilden sich kleine Blutgerinnsel, besonders häufig in
einer Ausbuchtung im linken Vorhof (sog. Herzohr). Werden diese
ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, können sie ein
Hirngefäß verstopfen: Es kommt zum Schlaganfall. Für die betroffene Person
zählt jetzt jede Minute. Wer ein Schlaganfall-Symptom wie unten aufgeführt
bei sich oder einer anderen Person bemerkt, sollte sofort den
Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren. Um keine Zeit zu verlieren, lässt
sich mit dem sog. FAST-Test (engl. für „schnell“) rasch abklären, ob der
dringende Verdacht auf einen Schlaganfall besteht:

- F (engl. Face=Gesicht): Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln.
Sieht das Gesicht asymmetrisch aus? Hängt ein Mundwinkel herab? Der
Schlaganfall kann die Gesichtsmuskeln beeinträchtigen.
- A (engl. Arms=Arme): Kann die betroffene Person beide Arme gleichzeitig
nach vorne heben und die Handflächen nach oben drehen? Sinkt ein Arm
herab, dreht er sich, hängt ein Arm tiefer? Bei einem Schlaganfall können
die Arme nicht gehoben werden; es fällt auch schwer, die Arme so zu
koordinieren, dass die Handflächen nach oben zeigen.
- S (engl. Speech & Sight=Sprache & Sehfähigkeit): Lassen Sie die
betroffene Person einen einfachen Satz nachsprechen. Kann sie die Worte
korrekt wiederholen? Klingt die Sprache undeutlich oder verwaschen? Der
Schlaganfall kann das Sprachzentrum im Gehirn stören. Auch anhaltende
Sehstörungen, Doppelbilder oder starker Schwindel sind verdächtig.
- T (engl. Time=Zeit): Hat ein Mensch mit einer dieser Aufgaben Probleme,
rufen Sie sofort den Notarzt (112) an. Teilen Sie der Leitstelle den
Verdacht auf einen Schlaganfall mit, damit der Arzt vorab informiert ist
und schnelle Hilfe leisten kann.

Und: Nicht immer kommt der Schlaganfall aus heiterem Himmel. Oft treten
einzelne Symptome bereits Tage oder Wochen vorher auf, verschwinden aber
nach kurzer Zeit wieder. Meist handelt es sich bei diesen „Vorboten“ um
fast die gleichen Symptome wie bei einem Schlaganfall. Anders als bei
einem „echten“ Schlaganfall bessern oder verschwinden solche Warnsignale
dieser „Transitorischen Ischämischen Attacke“ (TIA) nach kurzer Zeit
jedoch wieder. Anzeichen einer TIA sollte jeder Herzpatient kennen. Ihr
Auftreten ist stets als Notfall wie ein echter Schlaganfall zu werten und
es sollte sofort den Notruf 112 gewählt werden.
Tipps, wie sich Herzpatient*innen vor einem Schlaganfall schützen, sind
unter www.herzstiftung.de/schlaganfall abrufbar oder nachzulesen in der
Herzwochen-Begleitbroschüre „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen
von Vorhofflimmern bewahren“, anzufordern unter
www.herzstiftung.de/bestellung

Der beste Schutz: Auch Begleiterkrankungen konsequent behandeln
Wichtigste erste Maßnahme nach der Diagnose Vorhofflimmern ist die
Behandlung mit einem gerinnungshemmenden Medikament („Blutverdünner“).
Heute werden bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern in erster Linie die
neuen/direkten oralen Antikoagulanzien (NOAK/DOAK) Dabigatran, Apixaban,
Edoxaban oder Rivaroxaban verordnet. Nur noch wenige Patient*innen
benötigen die Vitamin-K-Antagonisten aus der Wirkstoffgruppe der Cumarine
(z. B. Marcumar oder Falithrom). Diese vorbeugende Therapie wird
allerdings nicht per se jedem Patienten mit Vorhofflimmern verordnet,
sondern auf Grundlage des individuellen Schlaganfallrisikos der
betroffenen Person. Dieses wird mit Hilfe einer Zählskala, dem sogenannten
CHA2DS2-VASc-Score, bestimmt. Risikorelevante Punkte sind z. B.
Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes, weibliches Geschlecht und
fortgeschrittenes Alter (über 65 Jahre) sowie ein abgelaufener
Schlaganfall in der Vergangenheit. Neben der Einnahme gerinnungshemmender
Medikamente ist es ebenso wichtig, die Grund- oder Begleiterkrankung der
Vorhofflimmerpatient*innen konsequent zu behandeln. Neben Bluthochdruck
fallen darunter insbesondere die koronare Herzkrankheit (KHK),
Herzklappenerkrankungen, Herzschwäche, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion,
COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), das Schlafapnoesyndrom und
Fettleibigkeit/Übergewicht.

Risikofaktor Bluthochdruck: der häufigste Verursacher von Vorhofflimmern
Bei ca. 60 % der Patienten mit Vorhofflimmern liegt Bluthochdruck vor.
Eine Erweiterung des linken Vorhofs ist ein erstes Zeichen dafür, dass das
Herz durch den hohen Blutdruck bereits geschädigt ist. Hochdruckpatienten
sollten daher ihren Blutdruck und Puls regelmäßig messen und therapeutisch
gut eingestellt sein, um ihr Schlaganfallrisiko zu minimieren. So kann bei
einem Bluthochdruck die Senkung des oberen Wertes um nur 10 mmHg das
Schlaganfallrisiko um mehr als 20 % verringern. „Patienten mit
Bluthochdruck und Vorhofflimmern sind zweifach belastet: Zum einen erhöht
der Bluthochdruck aufgrund der Gefäßbelastung selbst das Herzinfarkt- und
Schlaganfallrisiko, zum anderen besteht durch das Vorhofflimmern die
Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden, die wiederum einen Schlaganfall
auslösen können“, betont Grönefeld.

Regelmäßig Puls messen
Herz-Kreislauf-Patient*innen sowie Gesunde ab 65 sollten zu Hause ihren
Puls regelmäßig kontrollieren. So können sie ihr Risiko für einen
Schlaganfall senken. Unbemerkte Pulsunregelmäßigkeiten zeigen sich häufig
schon bei der automatischen Blutdruckmessung mit elektrischen Messgeräten,
man kann aber auch ganz einfach selbst 2- bis 3-mal täglich seinen Puls
fühlen. Infos zur Pulsmessung bietet die Herzstiftung unter
www.herzstiftung.de/puls-messen Auch sind einige moderne Armbanduhren
heute in der Lage, den Puls regelmäßig zu messen und Auffälligkeiten
anzuzeigen. Spezielle „Wearables“ oder „Smartwatches“ mit Pulsmess- und
EKG-Funktion, spezielle Apps fürs Smartphone werden ständig
weiterentwickelt. Sie ermöglichen es zunehmend, auch ein Vorhofflimmern,
das nur sehr selten auftritt, direkt zu dokumentieren und dem Arzt oder
der Ärztin zu senden. Allerdings sollte die Dokumentation der Wearables
stets nochmals von ärztlicher Seite beurteilt werden, um die richtige
Diagnose zu stellen, wie die Deutsche Herzstiftung rät.

(wi)

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema
Vorhofflimmern unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen
www.herzstiftung.de/vorhofflimmern
www.herzstiftung.de/smartwatches-herzpatienten
www.herzstiftung.de/puls-messen

Videos zum Thema Vorhofflimmern:
https://www.youtube.com/DeutscheHerzstiftung

Podcasts zum Thema Vorhofflimmern:
www.herzstiftung.de/podcasts

  • Aufrufe: 113

Wenn COVID-19 Spuren hinterlässt – wissenschaftliches Symposium zum Post- COVID-Syndrom

Noch Monate nach einer COVID-19-Erkrankung sind manche Menschen nicht mehr
so belastbar wie vor der Infektion: Sie haben Schwierigkeiten sich zu
konzentrieren, sind müde, leiden unter Kopfschmerzen und Atemproblemen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von fünf Deutschen Zentren der
Gesundheitsforschung (DZG) kommen am 31. Oktober 2022 zusammen, um den
aktuellen Wissensstand zu den Spätfolgen zu diskutieren. Auch
Journalistinnen und Journalisten sind auf dem Kongress in der Deutsche
Bank Arena in Frankfurt am Main willkommen.

Laut Bundesärztekammer leiden 15 Prozent aller an COVID-19-Erkrankten an
einem Post-COVID-Syndrom (PCS). PCS bezeichnet Beschwerden, die noch drei
Monate nach der akuten Infektionsphase mit SARS-CoV-2 bestehen und immer
wiederkehren oder mindestens zwei Monate anhalten. Dabei kann eine
Infektion Spuren in vielen Organen hinterlassen und das Herz-Kreislauf-
System, den Atmungstrakt, den Stoffwechsel und das Nervensystem betreffen.
In fünf Sessions erläutern Forschende des Deutschen Zentrums für Herz-
Kreislauf-Forschung (DZHK), des Deutschen Zentrums für Lungenforschung
(DZL), des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des Deutschen
Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und des Deutschen
Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) ihre aktuellen Erkenntnisse zu
Corona-Spätfolgen. Prof. Susanne Herold vom Universitätsklinikum Gießen
eröffnet die Veranstaltung mit einem Vortrag zu den Folgen für das Herz-
Lungen-System bei Post-COVID.

Geringe psychosoziale Belastbarkeit ist ein PCS-Risikofaktor

Zwei Risikofaktoren für PCS haben sich bereits herauskristallisiert. Neben
dem eher erwartbaren Faktor Erkrankungsschwere fanden Prof. Thomas Bahmer
vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und seine Kollegen
heraus, dass auch Menschen mit einer geringen psychosozialen Belastbarkeit
und schwächeren Resilienz ein höheres Risiko haben, ein PCS zu entwickeln.
Außerdem entwarfen sie ein Klassifizierungssystem, mit dem erfasst werden
kann, ob ein PCS vorliegt und wie schwerwiegend es ist. Bahmer spricht in
der von DZL-Sprecher Prof. Werner Seeger geleiteten Session, in der es
auch um Lungenschäden und die Rolle bildgebender Verfahren bei Long-COVID
geht. Letztere stellt Prof. Hans-Ulrich Kauczor vor, der am
Beratungsleitfaden der WHO zur Anwendung bildgebender Verfahren bei
COVID-19 beteiligt war.

Wie sich psychosoziale Aspekte auf die Symptome und den Schweregrad bei
PCS auswirken, erforscht auch DZIF-Forscherin Dr. Christine Allwang vom
Münchner Universitätsklinikum rechts der Isar der Technischen Universität
München. Die langsame Genesung, körperliche und psychische Beschwerden
beeinträchtigen die Lebensqualität der betroffenen Personen erheblich.
Allwang analysiert die spezifischen Bedürfnisse dieser Menschen, um
Lebensqualität und die allgemeine Funktions- und Leistungsfähigkeit zu
verbessern. Darauf aufbauend will sie Unterstützungsangebote entwickeln,
die etwa Strategien zum Umgang mit den anhaltenden Symptomen vermitteln.
Prof. Sandra Ciesek vom Uniklinikum Frankfurt leitet die Session des DZIF.

Thromboseneigung und andauernde Herzbeschwerden

Häufig kommt es bei schweren COVID- 19-Verläufen zu Lungenembolien oder
Thrombosen in den Venen. DZHK-Forscher Prof. Steffen Massberg vom Klinikum
der Universität München sucht nach Mechanismen, die zu derartigen
Komplikationen führen, und beleuchtet deren Bedeutung für Corona-
Spätfolgen. Thrombose und Entzündung sind physiologisch gesehen zwei
getrennte Prozesse. Doch mittlerweile weiß man, dass sie wechselwirken:
Durch Krankheitserreger hervorgerufene Entzündungen können das
Blutgerinnungssystem aktivieren. Damit soll verhindert werden, dass sich
die Erreger über den Blutkreislauf im ganzen Körper ausbreiten. Dieser als
Immunthrombose bezeichnete Prozess kann bei SARS-CoV-2-Infektionen zu
einer erhöhten Thromboseneigung im gesamten Körper führen.

Massberg skizziert, was daraus für die Therapie von COVID-19 abgeleitet
werden kann und wie man solche Blutgerinnungsstörungen möglicherweise
verhindern könnte. In der von Prof. Andreas Zeiher geleiteten Herz-
Kreislauf-Session stellt außerdem Prof. Eike Nagel vom Frankfurter
Universitätsklinikum vor, welche Aufschlüsse das Herz-MRT bei Post-COVID
gibt. In einer Studie mit über 300 Teilnehmern konnte er vier bis elf
Monate nach einer Coronainfektion bei über der Hälfte der Teilnehmer eine
leichte, andauernde Herzentzündung feststellen. Sie könnte erklären, warum
viele an COVID-19 -Erkrankte noch Monate nach der Infektion unter
Herzrasen, Brustschmerzen und einer geringeren Belastbarkeit des Herz-
Kreislauf-Systems leiden.

Erhöhtes Demenz-Risiko und entgleister Stoffwechsel

Neurologische Beschwerden treten nicht nur während der akuten Infektion
auf, sondern auch in den Monaten danach. Studien zeigen, dass Menschen
nach COVID ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für eine Demenz haben.
Auch Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Depressionen werden in
Zusammenhang mit PCS genannt. Prof. Harald Prüß, Neurologe an der Charité
Berlin, konnte mit seiner DZNE-Forschungsgruppe nachweisen, dass sich
Virus-Antikörper auch gegen Gehirnstrukturen richten. Seine aktuellen
Ergebnisse stellt er in der DZNE-Session vor.

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Adipositas erhöhen das Risiko
für eine schwer verlaufende COVID-19-Erkrankung. Umgekehrt werden bei
COVID-19-Patienten auch erhöhte Blutzucker-Werte, Entgleisungen des
Stoffwechsels, Diabetes und schwere metabolische Komplikationen eines
vorbestehenden Diabetes beobachtet. Wie PCS, Stoffwechsel und Diabetes
zusammenhängen, stellt DZD-Forscher Prof. Stefan Bornstein vom
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden vor.

Sport nach COVID-19

Im Anschluss an das wissenschaftliche Symposium findet eine öffentliche
Bürgerveranstaltung unter dem Motto „Wieder fit und sportlich aktiv nach
COVID-19“ statt: mit Prof. Winfried Banzer, Wissenschaftlicher Leiter der
medizinischen Abteilung der Eintracht Frankfurt und Mannschaftsarzt, Prof.
Martin Halle, Ärztlicher Direktor der Präventiven Sportmedizin und
Sportkardiologie der Technischen Universität München und Prof. Andreas
Zeiher, Universitätsklinikum Frankfurt am Main und Sprecher des Standortes
RheinMain des DZHK. Moderiert wird die Veranstaltung von Sascha Zoske,
Frankfurter Allgemeine Zeitung.


Programm und Anmeldung

Das detaillierte Programm und die Anmeldung zum wissenschaftlichen
Symposium finden Sie hier (Konferenzsprache englisch):
https://deutschezentren.de/veranstaltungen/post-covid-symposium/

Anmeldung und Informationen zur Bürgerveranstaltung gibt es hier:
https://deutschezentren.de/veranstaltungen/post-covid-buergerdialog/

  • Aufrufe: 82

Förderung der Forschung zur Gesundheit in der Arbeitswelt/ BMAS und BAuA rufen Forschungsförderprogramm ins Leben

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat gemeinsam mit der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein neues
Forschungsförderprogramm ins Leben gerufen, um Forschungsstrukturen im
Bereich der Forschung zur Gesundheit bei der Arbeit zu stärken. Mit der
Förderrichtlinie zur „Förderung der Forschung und Lehre zur Gesundheit in
der Arbeitswelt“ (FoGA) sollen Projekte mit Bezug zur betrieblichen
Praxis, wissenschaftliche Nachwuchsgruppen sowie Stiftungsprofessuren
gefördert werden. Bis zum 31. Januar 2023 können interessierte
Institutionen ihr Interesse an einer Förderung bekunden.

Dortmund - Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig fundierte
Erkenntnisse zur Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt sind. Seit
mehreren Jahren sind Strukturdefizite in Forschung und Lehre, aber auch in
der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erkennbar. Mit der neuen
Förderrichtlinie „Förderung der Forschung und Lehre zur Gesundheit in der
Arbeitswelt“ möchten das BMAS und die BAuA den Ausbau der Forschung und
Lehre vorantreiben. Dafür ist eine breite Beteiligung verschiedener
arbeitsbezogener Disziplinen und Institutionen aus Wissenschaft und Praxis
erforderlich.

Die Förderung erstreckt sich auf folgende fünf Handlungsfelder:

• aus der COVID-19-Pandemie lernen für eine zukünftig bessere Vernetzung
von Primär-,
Sekundär- und Tertiärprävention
•       Prävention im Betrieb – das betriebsärztliche Handeln
weiterentwickeln
•       Präventive Erwerbsverlaufsgestaltung unter Berücksichtigung der
Vulnerabilität
verschiedener Personengruppen und der Vielfalt der Erwerbsbevölkerung
•       Flexibilisierung der Arbeitswelt – Chancen nutzen, Risiken
vermeiden
•       mit dem Wandel Schritt halten – die wissenschaftliche Methodik
fortentwickeln

Die Bundesanstalt unterstützt das BMAS von Beginn an bei der inhaltlichen
Schwerpunktsetzung und Ausgestaltung der Förderrichtlinie. Im Zuge der
Projektförderung übernimmt die BAuA die fachliche Begleitung geförderter
Projektvorhaben.

Gefördert werden Einzel- und Verbundprojekte, wissenschaftliche
Nachwuchsgruppen sowie Stiftungsprofessuren, die einen Beitrag zu den fünf
Handlungsfeldern leisten. Die einzelnen Handlungsfelder werden in
Bekanntmachungen sukzessive ausgeschrieben. Die Anträge auf Fördermittel
müssen sich auf das jeweilige ausgeschriebene Handlungsfeld beziehen. Der
erste Förderaufruf fokussiert die Themen COVID-19-Pandemie und Prävention
im Betrieb. Die geförderte Laufzeit beträgt in der Regel drei Jahre für
Projekte und Nachwuchsgruppen, bzw. fünf Jahre bei Stiftungsprofessuren.

Alle Details zum Programm „Förderung der Forschung und Lehre zur
Gesundheit in der Arbeitswelt“, zur Auftaktveranstaltung, sowie zum
Prozess der Antragstellung inklusive der notwendigen Antragsformulare gibt
es unter www.foga-foerderprogramm.de.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des
BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den
Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und
bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden
arbeiten rund 800 Beschäftigte.

  • Aufrufe: 84

"Die Verschreibungshoheit bei immunsuppressiven Therapien muss in ärztlicher Hand bleiben"

Apothekerinnen und Apotheker dürfen nun transplantierte Menschen beraten
und ihre Medikation umstellen. Die Deutsche Transplantationsgesellschaft
(DTG) und die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) warnen
ausdrücklich davor und befürchten, dass es zu Komplikationen und
Transplantatverlusten kommen kann. Nur die behandelnden Ärztinnen und
Ärzte kennen die persönliche Krankengeschichte, erwartbare Komplikationen,
individuelle Therapieresistenzen oder Gegenanzeigen aufgrund von
Komorbiditäten. Auch immunologische Untersuchungen des Blutserums, die vor
jeder Dosisänderung oder Medikamentenumstellung erfolgen sollten, können
in Apotheken nicht gemacht werden.

Transplantierte Patientinnen und Patienten dürfen seit Kurzem eine
erweiterte Medikationsberatung in Apotheken bei Immunsuppression in
Anspruch nehmen. Sinn ist die detaillierte Prüfung der gesamten
Medikation, bei der im Rahmen der Beratung der Hintergrund der
immunsuppressiven Therapie sowie Handhabungs- und Anwendungsprobleme
erörtert werden sollen. Ebenso sollen Bedenken und Sorgen bezüglich der
Therapie mit den versicherten Personen besprochen und einer Lösung
zugeführt werden.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft
für Nephrologie nehmen die Aufnahme dieser Dienstleistungen in den Katalog
der pharmazeutischen Dienstleistungen mit der Möglichkeit, die Leistung zu
Lasten der Krankenversicherung abzurechnen, mit Unverständnis und großer
Sorge zur Kenntnis.

Medikationsberatung im Rahmen der Therapie und Nachsorge von
Organtransplantierten gehört aus Sicht beider Fachgesellschaften alleinig
in die Verantwortung der betreuenden ärztlichen Kolleginnen und Kollegen.
Die immunsuppressive Therapie nach Organtransplantation ist hochkomplex
und erfordert neben der profunden Kenntnis der Krankengeschichte der
Betroffenen, ihrer Komorbiditäten und der individuellen
Transplantationshistorie fachärztliche Kenntnis im Rahmen der Nachsorge.
„Es gibt einen eklatanten Mangel an Spenderorganen, die Betroffenen warten
oft viele Jahre auf eine Transplantation. Daher sollte keine
Abstoßungsreaktion riskiert werden. Diese kann aber bereits durch kleinere
Wirkstoffschwankungen entstehen, erst recht durch eine leichtfertige
Umstellung der Immunsuppression. Die optimale Einstellung von
transplantierten Patientinnen und Patienten ist höchst individuell, um die
Balance zwischen ausreichender Immunsuppression und Nebenwirkungen perfekt
auszutarieren, bedarf es immunologischer, laborchemischer Untersuchungen,
die in Apotheken nicht geleistet werden können“, erklärt Prof. Julia
Weinmann-Menke, Pressesprecherin der DGfN.

„Aus unserer Sicht kann daher eine Medikationsberatung in diesem sensiblen
Patientenkollektiv nicht von einer Apothekerin oder einem Apotheker
erbracht werden, selbst wenn die dafür erforderlichen Kenntnisse auf Basis
des Curriculums der Bundesapothekerkammer erworben wurden“, ergänzt Prof.
Dr. Mario Schiffer, Generalsekretär der DTG. „Eine Veränderung des
therapeutischen Regimes, das von den Transplantationszentren festgelegt
wurde, ist gefährdend für den erfolgreichen Transplantaterhalt. Abgesehen
von einer unnötigen Verunsicherung der Betroffenen, wenn Arzt und
Apotheker unterschiedliche Empfehlungen geben, erwarten wir durch diese
Neuregelung in den Transplantationszentren erhöhte Komplikationsraten
durch die nicht ärztliche Umstellung der Medikation transplantierter
Menschen.“

Erschwerend komme hinzu, dass es keine digitalen Schnittstellen zwischen
Transplantationszentren und Apotheken gibt wie in anderen europäischen
Ländern, die ähnliche Mitberatungsmodelle durch Apotheken etabliert haben.
Diese wäre aber aus Sicht der DTG und DGfN eine zwingend erforderliche
Grundvoraussetzung. „Eine Veränderung der medikamentösen Therapie darf
nicht ohne Einbindung des Transplantationszentrums und ohne Absprache mit
den behandelnden Ärztinnen und Ärzten erfolgen. Nur sie kennen die
persönliche Krankengeschichte, erwartbare Komplikationen, individuelle
Therapieresistenzen oder Gegenanzeigen aufgrund von Komorbiditäten. Wir
schätzen unsere pharmakologischen Kolleginnen und Kollegen und wünschen
uns eine verstärkte Zusammenarbeit, z.B. im Bereich der Ahärenzschulung
oder bei der Beratung von Arneimittelinteraktionen. Eine Einbindung und
Vergütung qualifizierter Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in den
jeweiligen Transplantationszentren ist daher absolut wünschenswert. Die
Verschreibungshoheit bei immunsuppressiven Therapien muss aber in
ärztlicher Hand bleiben, wir riskieren sonst Transplantatverluste“, so
Schiffer.

  • Aufrufe: 96