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Gesundheit

Gesundheitspsychologie untersucht problematisches Essverhalten bei Menschen mit Diabetes Typ 1 – Teilnehmende gesucht

Dysfunktionales Essverhalten bis hin zu Essstörungen in der psychosozialen
Diabetesforschung bisher wenig beachtet – JGU startet DEBBI-Studie

Menschen mit einem Typ-1-Diabetes leiden unter einem Mangel an Insulin,
ein Hormon, das vor allem für die Regulation des Blutzuckers erforderlich
ist. Die Erkrankung beginnt oft schon im Kindes- oder Jugendalter und ist
zwar behandelbar, aber nicht heilbar. Die Betroffenen müssen sich Insulin
lebenslang regelmäßig zuführen. Während Begleiterscheinungen wie
Angststörungen oder Depressionen bei Diabetespatienten recht gut
untersucht sind, wurde problematischem Essverhalten in der Forschung
bisher weniger Beachtung geschenkt. Die Abteilung für
Gesundheitspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
führt daher eine Onlinestudie durch, die Essverhalten bei Menschen mit
Typ-1-Diabetes untersucht.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der
Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. In
Deutschland sind Schätzungen zufolge daran mehr als 370.000 Menschen
erkrankt. „Die Erkrankung nimmt unter der Bevölkerung stetig zu und stellt
für die Betroffenen einen starken Einschnitt in ihrem Alltag dar“, erklärt
Lilli-Sophie Priesterroth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der
Abteilung Gesundheitspsychologie der JGU. Diabetes-Typ-1-Patienten haben
zwar keine Einschränkungen bei ihrer Nahrungsauswahl, aber sie müssen ihre
Insulindosis stets auf die Mahlzeiten abstimmen. Das Thema Ernährung ist
deshalb allgegenwärtig. Ein Teil der Betroffenen leidet unter einem
gestörten Essverhalten bis hin zu einer Essstörung, beispielsweise in Form
einer gezielten Unterdosierung von Insulin oder einer selektiven Auswahl
von Nahrungsmitteln. „Betroffene von Diabetes Typ 1 verlieren aufgrund des
Insulinmangels häufig an Gewicht, bevor die Diagnose feststeht. Wenn sie
dann unter der Insulingabe wieder zunehmen beziehungsweise zu ihrem
Normalgewicht zurückkehren, ist das oft eine schwierige Situation“,
bemerkt Lilli-Sophie Priesterroth.

Die Abteilung Gesundheitspsychologie hat vor diesem Hintergrund die Studie
„DEBBI – Dysfunktionales Essverhalten und Essstörungen bei Diabetes Typ 1“
gestartet. Ziel ist es, problematisches Essverhalten zu charakterisieren
und Risiko- und Schutzfaktoren zu ermitteln. Dazu wird die Studie
Erhebungen über einen längeren Zeitraum vornehmen, um Veränderungen im
Lauf der Zeit zu erfassen. Die Initiatorinnen und Initiatoren der Studie
hoffen, damit die Versorgung von Menschen mit dieser Form von Diabetes
langfristig zu verbessern und dazu beizutragen, Betroffene mit
problematischem Essverhalten in Zukunft bestmöglich unterstützen zu
können.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Online-Studie gesucht

Für die vollständig anonyme Onlinestudie werden noch Teilnehmende gesucht
– insbesondere Männer und auch Personen, die keine Probleme mit dem Essen
haben. Sie erhalten eine Reihe von Fragebögen zur Beantwortung, unter
anderem zum Essverhalten und zum psychischen Wohlbefinden. Die Teilnahme
dauert etwa 30 Minuten und kann am Computer oder Smartphone erfolgen. Um
Entwicklungen nachverfolgen zu können, werden die Teilnehmenden nach 6, 12
und 18 Monaten erneut per E-Mail um eine Teilnahme gebeten. Die
Teilnahmevoraussetzungen sind Volljährigkeit und eine Diagnose
Typ-1-Diabetes seit mindestens 12 Monaten.

Die Studie ist über den Link https://www.soscisurvey.de/debbi/ zu
erreichen. Bei Fragen zu dem Projekt oder der Studienteilnahme können sich
Interessierte gerne unter der E-Mail-Adresse lilli.priesterroth@uni-
mainz.de an Lilli-Sophie Priesterroth wenden, die die Studie im Rahmen
ihrer Promotion leitet.

Weiterführende Links:
https://www.gesundheit.psychologie.uni-mainz.de/ - Abteilung
Gesundheitspsychologie am Institut für Psychologie der JGU
https://www.soscisurvey.de/debbi/ - Link zur DEBBI-Studie
https://www.bzga-essstoerungen.de/ - Anlaufstelle bei Sorgen ums
Essverhalten

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total zentral: die Leber!“: Leberzellkrebs – warum die Früherkennung wichtig ist

Leberzellkrebs zählt zu den gefährlichsten Tumorarten. Nur wenn dieser
frühzeitig entdeckt und behandelt wird, ist eine Heilung möglich – aktuell
werden jedoch 80 Prozent der Leberzellkrebs-Erkrankungen erst in bereits
fortgeschrittenen Stadien entdeckt. Darauf machen die Ausrichter des 23.
Deutschen Lebertages am 20. November 2022 – Gastro-Liga e. V., Deutsche
Leberhilfe e. V. und Deutsche Leberstiftung – im Vorfeld des Aktionstages
aufmerksam. Mit dem diesjährigen Motto: „total zentral: die Leber!“ werden
die Bedeutung der Leber als zentrales Stoffwechselorgan des menschlichen
Körpers und die Notwendigkeit einer Senkung der Dunkelziffer durch
Früherkennung von Lebererkrankungen betont.

Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) tritt in den meisten
Fällen nach einer langjährigen chronischen Lebererkrankung auf. Die
Hauptursachen für ein HCC sind neben der chronischen Virushepatitis (B, C
und D) unter anderem die Folgen einer unbehandelten nicht-alkoholischen
Fettleberhepatitis (NASH) oder einer unbehandelten alkoholischen
Fettleberhepatitis (ASH). Die steigende Zahl von Menschen, die nach einer
chronischen Lebererkrankung an Leberzellkrebs erkranken, macht eine
Aufklärung der Öffentlichkeit über Früherkennung und Prävention notwendig.

Neben dem Deutschen Lebertag, der in diesem Jahr am 20. November zum 23.
Mal stattfindet, gibt es weitere Aktionstage, mit denen die wichtigen
Themen Leber und Lebererkrankungen in den Fokus gerückt werden.

„Die Einführung des Einmalscreenings auf Virushepatitis B und C im Rahmen
der ‘Gesundheitsuntersuchung‘, vormals ‘Check-up 35‘, ist ein wichtiger
Schritt, um die Morbidität und Mortalität bei diesen Lebererkrankungen in
der deutschen Bevölkerung zu senken. Jede Früherkennung der Virushepatitis
B und C, die zu den Hauptursachen für die Entstehung eines
Hepatozellulären Karzinoms (HCC) zählen, ist zugleich eine
Krebsprävention. Leberzellkrebs gehört zu den Krebsarten mit der
schlechtesten Prognose und ist weltweit die vierthäufigste
Krebstodesursache. Leberzellkrebs kommt bei vergleichsweise jungen
Menschen vor und ist somit die Krebsart mit den zweitmeisten verlorenen
Lebensjahren. Zum Zeitpunkt der Diagnose können 80 Prozent der Fälle von
Leberzellkrebs nicht mehr operiert werden“, erläutert Professor Dr. Peter
R. Galle, Direktor der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik der
Universitätsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Lebererkrankungen und somit auch die Entstehung von Leberzellkrebs sind in
vielen Fällen vermeidbar. Neben Virusinfektionen zählen Übergewicht,
Bewegungsmangel sowie ungesunde Ernährung, Diabetes mellitus, Rauchen und
übermäßiger Alkoholkonsum zu den Risikofaktoren. Ernährungs- und
Bewegungsgewohnheiten können geändert werden. Gegen die Hepatitis B, die
chronisch werden und zum HCC führen kann, gibt es wirksame Impfungen.
Aktuelle Studiendaten haben gezeigt, dass auch bei selteneren Erkrankungen
wie beispielsweise akuter intermittierender Porphyrie und Morbus Gaucher
ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines HCC vorliegen kann. In der
kürzlich aktualisierten deutschen Leitlinie wird eine regelmäßige
Früherkennung auch dieser Patientengruppen empfohlen: „Vor kurzem wurde
die S3-Leitlinie zum Hepatozellulären Karzinom und zu biliären Karzinomen
aktualisiert. Die überarbeitete Fassung enthält unter anderem neue
Empfehlungen zu seltenen Erkrankungen als Risikofaktoren für
Leberzellkrebs“, sagt Professor Galle und stellt fest: „Damit steht ein
Instrument zur Verfügung, um die Diagnostik und Therapie des
hepatozellulären Karzinoms zu verbessern und betroffenen Patienten
angemessene, wissenschaftlich begründete und aktuelle Verfahren in der
Diagnostik, Therapie und Rehabilitation anzubieten.“

Mehr Infos zum 23. Deutschen Lebertag und alle bislang im Rahmen des
diesjährigen Deutschen Lebertages veröffentlichten Presseinformationen
unter: http://www.lebertag.org

Alle Institutionen, die im Rahmen des 23. Deutschen Lebertages mit einer
Veranstaltung aufklären und informieren möchten, werden von den
Ausrichtern bei der Pressearbeit und mit Veranstaltungsmaterialien
unterstützt. Informationen, Anmeldungen und Downloads unter:
http://www.lebertag.org

Die Ausrichter des 23. Deutschen Lebertages am 20. November 2022:

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten
von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des
Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Tel 0641 – 97 48 10
<geschaeftsstelle@gastro-liga.de>   |   https://www.gastro-liga.de

Deutsche Leberhilfe e. V.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln
Tel 0221 – 28 29 980
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>   |   https://www.leberhilfe.org

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Vorhofflimmern: Katheterablation stoppt Störfeuer im Herzen

Gezielte Verödungen am Herzen bringen unregelmäßigen Herzschlag in den
richtigen Takt. Das ermöglicht es, auf Medikamente zu verzichten. Welche
Patienten profitieren besonders von der Katheterablation und was
versprechen neue Technologien?

(Frankfurt a. M., 24. Oktober 2022) Herzrhythmusstörungen sind für
Betroffene meist mit Ängsten, hohem Leidensdruck und Leistungseinbußen
verbunden. Rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an
Vorhofflimmern, der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung. Das
Risiko, dass das Herz unregelmäßig schlägt, steigt mit zunehmendem Alter
an. Ab 55 Jahren beträgt es fast 40 %. Beschwerden, die durch
Vorhofflimmern verursacht werden, sind zum Beispiel Herzrasen, Luftnot,
Brustschmerzen, Schwindel oder auch eine eingeschränkte Belastbarkeit. Es
gibt aber auch Menschen, bei denen verursacht das Vorhofflimmern gar keine
Symptome. Bei ihnen wird die Diagnose meist zufällig gestellt.
Die Folgen eines unerkannten und unbehandelten Vorhofflimmerns können
gravierend sein. So erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden
um das Fünffache. „Schätzungsweise 20 bis 30 Prozent aller Schlaganfälle
gehen auf Vorhofflimmern zurück“, betont Prof. Dr. med. Stephan Willems,
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung und
Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin in
der Asklepios-Klinik St. Georg in Hamburg. Bei manchen Menschen kann
Vorhofflimmern, vor allem bei hoher Herzfrequenz (Puls), zu einer
Herzschwäche führen. „Es ist daher wichtig, Vorhofflimmern frühzeitig zu
erkennen und zu behandeln“, so der Herzspezialist anlässlich der
bundesweiten Herzwochen, die sich unter dem Motto „Turbulenzen im Herz“
unter <www.herzstiftung.de/herzwochen> dem Vorhofflimmern widmen.
Der unregelmäßige Herzschlag tritt zunächst nur kurz, anfallsartig und
selten auf. Die Mediziner sprechen vom „paroxysmalen Vorhofflimmern“.
Unbehandelt schreitet die Erkrankung fort. Es folgen andauernde und häufig
auftretende Episoden, bis das Vorhofflimmern schließlich dauerhaft
vorhanden ist. Es handelt sich dann um ein „persistierendes
Vorhofflimmern“.

Zunehmend wird die Katheterablation eingesetzt
Ursache des Vorhofflimmerns sind Herzmuskelfasern, die vom linken Vorhof
in die Lungenvenen ragen. Die Lungenvenen sind dafür verantwortlich das
sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in das linke Herz zu transportieren.
Diese Muskelbrücken senden störende elektrische Signale aus und bringen
den Herzschlag durcheinander. Um ihn wieder zu normalisieren, gibt es die
Möglichkeiten, den Herzschlag mit Medikamenten zu verlangsamen oder auch
wieder in den richtigen Takt zu bringen. Dies war viele Jahre der
Therapiestandard. Die andere Option, mit einem minimalinvasiven Eingriff,
einer sogenannten Katheterablation, die Störung direkt am Herzen zu
beseitigen, hält mehr und mehr Einzug in die Kardiologie. Der Katheter ist
ein feiner Kunststoffschlauch, der – unter vorheriger Gabe eines leichten
Beruhigungsmittels und örtlicher Betäubung – über die Leistenvene zum
Herzen vorgeschoben wird.

Minimalinvasiver Eingriff mit 60- bis 90-prozentigem Heilungserfolg
Am Ende des Katheters können Hitze, Kälte oder Mini-Stromstöße gezielt die
für die „Störfeuer“ verantwortlichen Herzmuskelfasern veröden. Ziel ist
es, sie dauerhaft auszuschalten. „Studien haben gezeigt, dass die
Katheterablation der medikamentösen Therapie hinsichtlich des
langfristigen Erhalts des normalen Herzrhythmus‘ überlegen ist“, erklärt
Prof. Willems. „Mithilfe der Katheterablation kann das Vorhofflimmern
sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 90 Prozent geheilt werden,
je nachdem wie lange es schon besteht.“

Neue Technik: „Elektroporation“ lässt Störfeuer versiegen
Hier einige der wesentlichen Verfahren im Überblick, die die
Herzspezialist*innen bei einer Katheterablation anwenden:

•       Bei der „Hochfrequenzstrom-Ablation“, lange Zeit der Goldstandard
in der Katheterablation, vernarben sie die Herzmuskelfasern, die in die
Lungenvenen ragen und das Wirrwarr der elektrischen Signale verursachen,
punktgenau mit einer Energie von 25 bis 40 Watt für zirka 30 bis 60
Sekunden.
Die ersten Katheterablationen erfolgten lediglich unter Röntgenkontrolle.
Bei der Hochfrequenzstrom-Ablation kommen zusätzlich dreidimensionale
Mappingsysteme zum Einsatz. Sie erstellen computergestützt eine
geometrische Karte des Herzinneren, zeigen sehr präzise die Störungen der
elektrischen Erregung des Herzens und ermöglichen, diese treffsicher mit
dem Katheter zu behandeln. Durch Verwendung des dreidimensionalen
Mappingsystems kann der/die Untersucher*in die notwendige Röntgenstrahlung
reduzieren.
•       Neu und eine Optimierung der „Hochfrequenzstrom-Ablation“ ist das
„High Power Short Duration (HPSD)“-Verfahren (hohe Energie, kurze Dauer),
bei der die Ärzt*innen für 4 bis 7 Sekunden eine Energie von 70 bis 90
Watt verwenden. Die kurze und starke Hitzeeinwirkung erlaubt es, die
Störzellen noch fokussierter zu veröden und umliegendes Gewebe zu schonen.
Die Behandlungsdauer ist kürzer, sicherer und wirkt langfristig besser.
Das lassen klinische Studien vermuten.
•       Bei der „Kryo- oder Kälteablation“ bringen die Fachärzte mit dem
Katheter einen „Kryoballon“ vor jede Lungenvene und kühlen diese für 2 bis
4 Minuten auf minus 40 bis minus 60 Grad Celsius herunter. „Kryos“ ist
altgriechisch und bedeutet „Eis“. Dieses Verfahren wird wie auch die
anderen Techniken stetig weiterentwickelt.
Die Hochfrequenzstrom- und die Kälteablation sind, was Sicherheit und
Erfolg insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit „paroxysmalem
Vorhofflimmern“ angeht, gleichwertig und gut geeignet. Die Kryoablation
bietet ein schnelles und schonendes Verfahren zur Behandlung von
Vorhofflimmern.
•       Die „Pulsed Field Ablation“ (PFA) ist eine völlig neuartige
Technologie für die Katheterablation, die erst seit Kurzem verfügbar ist.
Sie wird auch als „Elektroporation“ bezeichnet. Mithilfe des Katheters
werden zielgenau ultraschnelle elektrische Felder erzeugt. Diese führen zu
mikroskopisch kleinen Poren in den Membranen der Herzmuskelzellen, die mit
ihren Signalen das Herz aus dem Takt bringen. Die Zellen sterben ab, die
Störfeuer versiegen, das angrenzende Gewebe wird nicht beschädigt. Wie bei
der „Kryo- oder Kälteablation“ wird jede Lungenvene einzeln behandelt.
„Die PFA ist eine sehr effektive und schonende Methode mit nur wenig
Komplikationen“, erklärt der Hamburger Herzspezialist Willems. „Es stehen
allerdings noch umfangreiche Studien aus, aber der berichtete Erfolg
erster Untersuchungen scheint vielversprechend.“

Die Katheterablation ist insgesamt effektiv und sicher
In Deutschland wurden im Jahr 2020 schätzungsweise etwas mehr als 94.000
Katheterablationen vorgenommen (Deutscher Herzbericht 2021). In nur rund
ein Prozent der Eingriffe kommt es zu Komplikationen. So können Blutungen
im Herzbeutel, Schlaganfälle durch verschleppte Blutgerinnsel und
Blutungen in Hirngefäßen oder Blutergüsse an der Einstichstelle der Leiste
auftreten. Potenziell lebensbedrohlich ist es, beim Eingriff die
Speiseröhre zu verletzen. „Das kommt jedoch sehr selten vor“, sagt
Chefarzt Willems. „Insgesamt sind die Verfahren der Katheterablation zur
Behandlung von Vorhofflimmern sehr effektiv und sicher.“ Entscheidend sei,
die Ablation möglichst früh und in spezialisierten Zentren vorzunehmen.

Jeder zweite Betroffene wird geheilt
„Bei etwa jeder zweiten betroffenen Person, die mit einer Katheterablation
behandelt wurde, kehrt das Vorhofflimmern nicht wieder“, betont Prof.
Willems. Beim anfallsartigen Vorhofflimmern sei das nach einem Jahr sogar
bei 70 bis 80 % der Fall, nach wiederholten Eingriffen bei bis zu 90 % der
Patienten. Betroffene, die bereits längere Zeit an anhaltendem
Vorhofflimmern leiden, haben bislang geringere Aussichten, dauerhaft
gesund zu werden. „Doch die Techniken der Katheterablation werden stetig
weiterentwickelt und so hoffen wir, auch diese Patienten in Zukunft besser
behandeln zu können.“
(weg)

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema
Vorhofflimmern unter:
<www.herzstiftung.de/herzwochen>
<www.herzstiftung.de/vorhofflimmern>
<www.herzstiftung.de/vorhofflimmern-behandlung>

Videos zum Thema Vorhofflimmern (und zur Katheterablation):
<https://www.youtube.com/DeutscheHerzstiftung>

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Wie digitale Geräte Vorhofflimmern erkennen

Frühe Diagnose ist entscheidend, Wearables können ersten Hinweis geben.
Deutsche Herzstiftung erklärt Vor- und Nachteile der Messung per
Smartwatch

Die Volkskrankheit Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende
Herzrhythmusstörung mit 1,5 bis 2 Millionen Betroffenen in Deutschland.
„Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, weil sie
unbemerkt und unbehandelt zur lebensbedrohlichen Gefahr bis hin zu
Herzschwäche und Schlaganfall werden kann“, warnt der Herzspezialist und
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer. Auch Demenz und eine verminderte Lebensqualität sind weitere
mögliche Folgen dieser Herzrhythmusstörung.
Eine frühzeitige Diagnose von Vorhofflimmern ist daher entscheidend, um
die Risiken zu mindern, doch in einigen Fällen gestaltet sich das
schwierig: „Wenn eine Rhythmusstörung nur kurz anhält, ist es eine
Herausforderung, sie mit einem herkömmlichen EKG zu dokumentieren“,
erläutert Prof. Dr. Christian Veltmann, Kardiologe und Elektrophysiologe
am Klinikum Links der Weser in Bremen. Moderne Smartwatches und andere
tragbare Geräte mit EKG-Sensoren oder vergleichbarer Technik, sogenannte
„Wearables“, könnten dann bei der Diagnose unterstützen. „Wearables können
Vorhofflimmern mit einer hohen Treffsicherheit erkennen, können die
Diagnose beim Arzt aber nicht ersetzen“, betont der Kardiologe. Anlässlich
der bundesweiten Herzwochen zu Vorhofflimmern informiert die Deutsche
Herzstiftung unter <www.herzstiftung.de/herzwochen> welche digitalen
Geräte bei der Diagnose helfen können, wie sie funktionieren und welche
Vor- und Nachteile sie bieten.

Vorhofflimmern bleibt häufig unbemerkt
Bei vielen Patienten äußert sich das Vorhofflimmern durch Herzstolpern
oder Herzrasen, einer Einschränkung der Belastbarkeit, Enge in der Brust,
Schwindel oder Schwäche. Bei einigen Betroffenen verursacht die
Herzrhythmusstörung allerdings keinerlei Symptome. Doch auch diese
Patienten sind von Schlaganfall und Herzschwäche bedroht. Wegen der
möglichen schwerwiegenden Folgen empfehlen kardiologische
Fachgesellschaften inzwischen, Risikopatienten regelmäßig auf
Vorhofflimmern zu testen (Screening). „Alle Menschen über 75 Jahre sowie
Patienten über 65 Jahre mit weiteren Risikofaktoren für einen Schlaganfall
sollten regelmäßig auf Vorhofflimmern untersucht werden“, erklärt
Veltmann. Um die Rhythmusstörung zu erkennen, setzen Ärzte entweder ein
klassisches 12-Kanal-EKG, ein Langzeit-EKG oder einen sogenannten
Ereignisrekorder ein. Eine besondere Herausforderung für die Diagnose ist
es, wenn das Vorhofflimmern nur gelegentlich auftritt. „Zum Screening auf
Vorhofflimmern eignen sich Wearables deshalb besonders gut, weil sie
sowohl ein regelmäßiges – etwa einmal am Tag – als auch ein gelegentliches
Screening – immer mal wieder – ermöglichen“, erklärt Veltmann.

So funktioniert die Messung per Smartwatch
Für die Messung der elektrischen Aktivität des Herzens per Smartwatch
werden zwei Verfahren eingesetzt: Beim 1-Kanal-EKG sind zwei Elektroden in
der Smartwatch integriert. Die Elektrode an der Rückseite des Gerätes hat
Kontakt mit dem Trägerarm, die zweite Elektrode an der Oberseite der Uhr
wird durch Berühren mit dem Finger der anderen Hand aktiviert.
Völlig anders funktioniert die sogenannte Photoplethysmographie (PPG), bei
der die Herzfrequenz optisch mittels Infrarotlicht gemessen wird. Bei
diesem Verfahren sendet die Smartwatch Infrarotlicht in die Haut und misst
gleichzeitig, wie viel Licht die Haut reflektiert. Diese Menge ist
abhängig davon, wie viel Blut durch die oberflächlichen Kapillaren fließt.
Das Gerät rechnet die reflektierte Lichtmenge in eine Pulswelle um und
erkennt Unregelmäßigkeiten wie Herzrhythmusstörungen mit großer
Zuverlässigkeit.

Beide von Wearables genutzten Verfahren – ob mit Elektroden oder
Photoplethysmographie – sind in der Lage, Vorhofflimmern mit einer
Treffsicherheit von über 90 Prozent zu erkennen. Der Vorteil: Regel- oder
Unregelmäßigkeiten werden vom Gerät in bestimmten zeitlichen Abständen
unbemerkt vom Träger aufgezeichnet und ausgewertet. Ergeben sich Anzeichen
von Vorhofflimmern, erhält der Anwender den Hinweis, sich ärztlich auf
Vorhofflimmern untersuchen zu lassen. „Wearables sind in der Lage
Vorhofflimmern zu erkennen und zu dokumentieren, allerdings bedarf es
immer einer Bestätigung der Diagnose für die erfasste Rhythmusstörung
durch den Facharzt“, betont Prof. Voigtländer. Um Unsicherheiten und
Fehlinterpretationen zu vermeiden, sollten die Geräte am besten gezielt
und in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden.

Smartwatches und ihre Grenzen: erfassen keine Durchblutungsstörungen
Besonders wichtig für Anwender von Smartwatches ist der Punkt, dass die 1
-Kanal-EKG-Erfassung dieser Geräte nicht die Erkennung von
Durchblutungsstörungen des Herzmuskels ermöglichen. „Smartwatches sind
nicht dafür geeignet, einen Herzinfarkt oder bösartige
Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Bei Schmerzen im Brustraum, die auf
einen Herzinfarkt hinweisen könnten, dürfen Betroffene daher keine Zeit
mit der Smartwatch verlieren, sondern müssen nach wie vor sofort den
Notruf unter 112 verständigen“, sagt der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof.
Voigtländer.

Weitere Informationen zur Funktionsweise sowie zu Vor- und Nachteilen von
Wearables der Deutschen Herzstiftung:

Online-Beitrag „Nutzt eine Smartwatch Herzpatienten wirklich?“
<www.herzstiftung.de/smartwatches-herzpatienten>

„Digitale Diagnosehelfer - Wearables können den Puls erfassen und vor
Vorhofflimmern warnen“ veröffentlicht in der neuen Herzstiftungs-Broschüre
„Turbulenzen im Herzen: Vorhofflimmern – Zurück in den Takt“. Kostenfrei
zu beziehen über <www.herzstiftung.de/herzwochen>, Telefon 069/955128400,
E-Mail <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Betreff VHF).

Herzwochen-Veranstaltungen
Über Ursachen und Symptome, aktuelle Diagnose- und Therapieverfahren bei
Vorhofflimmern sowie die Gerinnungshemmung informieren Herzspezialisten
bundesweit. Die Veranstaltungstermine sind unter
www.herzstiftung.de/herzwochen abrufbar oder telefonisch unter 069
955128400 zu erfragen.

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema
Vorhofflimmern unter:
<www.herzstiftung.de/herzwochen>
<www.herzstiftung.de/vorhofflimmern>

Videos zum Thema Vorhofflimmern:
<https://www.youtube.com/DeutscheHerzstiftung>

Podcasts zum Thema Vorhofflimmern:
<www.herzstiftung.de/podcasts>

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