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Gesundheit

Boehringer-Ingelheim-Preis: Neue Erkenntnisse zu Blutkrebs und Immunsystem

Dr. Sabine Muth vom Institut für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz wird mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis für theoretische Medizin ausgezeichnet.  Peter Pulkowski
Dr. Sabine Muth vom Institut für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz wird mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis für theoretische Medizin ausgezeichnet. Peter Pulkowski

Die Boehringer Ingelheim Stiftung zeichnet den Mediziner Dr. Michael Kühn
und die Biologin Dr. Sabine Muth mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis aus.
Kühn erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für klinische Medizin. Er hat
herausgefunden, dass sich mit einer Kombination zweier Medikamente eine
häufige Blutkrebserkrankung wesentlich effektiver behandeln lässt als
bisher. Muth erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für theoretische
Medizin. Sie hat einen Signalweg entdeckt, über den Bakterien der
Darmflora das Immunsystem aktivieren. Die Erkenntnisse haben hohe
klinische Relevanz, weil sie neue Möglichkeiten für Therapien eröffnen.
Die Preise sind jeweils mit 15.000 Euro dotiert.

„Ich freue mich sehr für die beiden Preisträger:innen, die sich mit solch
wichtigen Forschungsthemen beschäftigen und diese mit großer
Professionalität vorantreiben – ein Beleg dafür, dass die Forschung an der
Universitätsmedizin Mainz einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis
von Erkrankungen leistet. Weiterhin danke ich der Boehringer Ingelheim
Stiftung, dass sie die Nachwuchswissenschaftler:innen der
Universitätsmedizin Mainz bereits seit so vielen Jahren würdigt“, sagt der
Wissenschaftliche Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin Mainz,
Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann.

„Wir sehen derzeit noch deutlicher, wie wichtig medizinische Forschung für
uns alle ist. Daher freuen wir uns, dass wir mit dem Boehringer-Ingelheim-
Preis exzellente Talente fördern, motivieren und anspornen können. Dr.
Kühn und Dr. Muth haben einmal mehr gezeigt, welch hohes Niveau die
Forschung an der Universitätsmedizin Mainz hat. Ich gratuliere beiden
herzlich im Namen der Stiftung“, sagt Christoph Boehringer, Vorsitzender
des Vorstandes der Boehringer Ingelheim Stiftung.

Der Boehringer-Ingelheim-Preis wird seit 1969 jährlich an
Nachwuchsforscher:innen der Universitätsmedizin Mainz verliehen. Den
Preisträger:innen sind unter anderem grundlegende Erkenntnisse über das
Immun-, das Herz-Kreislauf- und das Nervensystem, über
Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder über Krebs zu verdanken. Rund
dreißig von ihnen leiteten oder leiten inzwischen Kliniken oder Institute
an Universitätskliniken.

Zur Arbeit von Dr. Michael Kühn:

Dr. Michael Kühn, Oberarzt und Leiter einer Emmy Noether-Forschungsgruppe
an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin
Mainz, erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für klinische Medizin für
seine Arbeit: „Synergistic targeting of FLT3 mutations in AML via combined
menin-MLL and FLT3 inhibition“, veröffentlicht in der Fachzeitschrift
„Blood“.

Kühn hat mit einem Forschungsteam aus Wissenschaftler:innen
herausgefunden, dass sich durch die Kombination von zwei neuen
Medikamenten eine bestimmte Form der sogenannten akuten myeloischen
Leukämie (AML), einer häufigen Blutkrebserkrankung, wesentlich besser
eindämmen lässt, als wenn die Medikamente einzeln verabreicht werden.

Für die aktuelle Studie haben Kühn und sein Team im Labor zunächst
untersucht, wie eine neue Klasse von molekular zielgerichteten
Medikamenten (sogenannte Menin-Hemmstoffe) genau auf die Leukämiezellen
wirken. Dadurch stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass die
Medikamente ein bestimmtes Gen, FLT3 genannt, hemmen. „Das ist
bemerkenswert, denn es war bereits bekannt, dass eine Mutation dieses Gens
in etwa 30 Prozent der Fälle zur Leukämieentwicklung beiträgt“, sagt Kühn.
Schon vor einiger Zeit waren Medikamente entwickelt worden, welche die
Aktivität des Enzyms hemmen, das durch das FLT3-Gen produziert wird. Diese
sogenannten FLT3-Hemmer drängen die Leukämie anfangs häufig zurück und
wirken lebensverlängernd. Sie heilen die Krankheit aber nicht. Und ihre
Wirkung lässt mit der Zeit bei vielen Patient:innen nach, da die
Krebszellen Resistenzen gegen diese Medikamente entwickeln können. In
früheren Arbeiten hatte Kühn bereits herausgefunden, dass sich bei der
untersuchten Blutkrebsart in den kranken Zellen zwei bestimmte Proteine,
Menin und MLL, miteinander verbinden und so die Krankheit auslösen.

Im nächsten Schritt hat das Team um Kühn deshalb geprüft, was passiert,
wenn sie Patient:innen zusammen mit den FLT3-Hemmer Medikamente geben, die
die Produktion von Menin und MLL hemmen. „Im Ergebnis zeigt sich eine
synergistische Wirkung der Kombinationstherapie, das heißt, dass sich
dadurch der Effekt der Medikamente nicht bloß verdoppelt hat, sondern eine
vielfach erhöhte Wirksamkeit gegen die Leukämiezellen erzielt wird.
Gleichzeitig deuten unsere Daten darauf hin, dass Resistenzen gegen
FLT3-Hemmstoffe überwunden werden können“, sagt Kühn. „Deshalb ist es
naheliegend, dass wir diesen vielversprechenden therapeutischen Ansatz
bald in klinischen Studien überprüfen werden.“ Sollte sich die
Medikamentenkombination bewähren, könnte man so AML-Patient:innen mit
FLT3-Mutation mit weniger Nebenwirkungen behandeln. Bisher lässt sich AML
grundsätzlich nur durch eine aggressive Chemotherapie heilen. Diese hat
aber schwere Nebenwirkungen und kommt für die oft älteren Patient:innen
daher nicht in Frage.

Originalpublikation:
MM Dzama, M Steiner, J Rausch, D Sasca, J Schönfeld, K Kunz, MC Taubert,
GM McGeehan, Chun-Wei Chen, A Mupo, P Hähnel, M Theobald, T Kindler, RP
Koche, GS Vassiliou, SA Armstrong, MWM Kühn. Synergistic targeting of FLT3
mutations in AML via combined menin-MLL and FLT3 inhibition. Blood 2020
136(21): 2442-2456. DOI: 10.1182/blood.2020005037.

Zur Arbeit von Dr. Sabine Muth:

Dr. Sabine Muth, Postdoktorandin am Institut für Immunologie der
Universitätsmedizin Mainz, erhält den Boehringer-Ingelheim-Preis für
theoretische Medizin für ihre Arbeit „Microbiota-Induced Type I
Interferons Instruct a Poised Basal State of Dendritic Cells”,
veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Cell“.

Muth ist es mit einem Team von Wissenschaftler:innen gelungen, einen
Signalweg aufzudecken, über den Bakterien der Darmflora das Immunsystem
beeinflussen. Das Team fand heraus, dass der Körper ständig auf diese
Bakterien reagiert, indem er geringe Mengen an Botenstoffen namens
Typ-1-Interferonen produziert. Diese Botenstoffe wiederum halten bestimmte
Zellen des Immunsystems, sogenannte dendritische Zellen, in einer Art
Habachtstellung. So können diese Zellen schnell reagieren und weitere
Teile des Immunsystems alarmieren, wenn Viren oder andere
Krankheitserreger eindringen.

„Die Menge an Typ-1-Interferonen, die der Körper in Reaktion auf seine
eigene Darmflora produziert, ist zwar sehr gering. Die durch sie
verursachte Voraktivierung der dendritischen Zellen ist aber notwendig,
damit diese überhaupt Immunantworten auslösen können“, sagt Muth. „Jedoch
bringt diese Voraktivierung der dendritischen Zellen das Risiko von
fehlgeleiteten Immunreaktionen und damit der Entstehung von
Autoimmunerkrankungen mit sich, wenn sie nicht konstant durch
Sicherheitsmechanismen des Immunsystems, wie regulatorische T-Zellen,
unterdrückt wird.“ Das Team zeigte, dass die Darmflora auch Immunzellen in
der Milz oder den Lymphknoten im Hals aktiviert. Dies ist bemerkenswert,
da diese Zellen keinen direkten Kontakt zu den Bakterien im Darm haben. In
Milz oder im Hals produzieren sogenannte plasmazytoide dendritische Zellen
als Antwort auf die Bakterien im Darm die geringen Mengen an
Typ-I-Interferonen und transportieren so die Signale der Darmflora in den
ganzen Organismus. Diese Erkenntnisse über das Zusammenspiel von
Immunsystem und Darmflora können helfen, neue Therapien für Krankheiten zu
entwickeln, bei denen die Darmflora gestört ist.

Originalpublikation:
L Schaupp, S Muth ,L Rogell, M Kofoed-Branzk, F Melchior, S Lienenklaus,
SC Ganal-Vonarburg, M Klein, F Guendel, T Hain, K Schütze, U Grundmann, V
Schmitt, M Dorsch, J Spanier, PK Larsen, T Schwanz, S Jäckel, C Reinhardt,
T Bopp, S Danckwardt, K Mahnke, GA Heinz, MF Mashreghi, P Durek, U
Kalinke, O Kretz, TB Huber, S Weiss, C Wilhelm, AJ Macpherson, H Schild, A
Diefenbach, HC Probst. Microbiota-Induced Type I Interferons Instruct a
Poised Basal State of Dendritic Cells. Cell 2020 181: 1-17. DOI:
10.1016/j.cell.2020.04.022.

Über den Boehringer-Ingelheim-Preis:
Der Boehringer-Ingelheim-Preis für exzellente wissenschaftliche Leistungen
auf dem Gebiet der klinischen und der theoretischen Medizin wird seit 1969
vergeben. Eine Fachjury der Universitätsmedizin Mainz wählt die
Preisträger:innen aus. Seit 1995 dotiert die Boehringer Ingelheim Stiftung
den Preis.

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Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Wie hoch ist das Risiko durch Covid-19 und Corona-Impfung?

Herzstiftung informiert über Risiken einer Myokarditis durch Covid-19 und
mRNA-Impfung. Experte: „Risiko durch Covid-Infektion – in jeder
Altersklasse – sehr viel höher als Risiko einer Myokarditis durch mRNA-
Impfung.“

Die Herzmuskelentzündung prominenter Fußballspieler wie Alphonso Davies
hat erneut die Frage aufgeworfen: Wie gefährlich ist Covid-19 für das Herz
– auch bei jüngeren Menschen? Und wie hoch ist das Risiko einer
Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder einer Herzbeutelentzündung
(Perikarditis) im Nachgang einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff? „Das
Auftreten einer impfbedingten Myokarditis oder einer Perikarditis ist
außerordentlich selten“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas
Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.
Zugleich gibt er zu bedenken: „Das gesundheitliche Risiko durch eine
Covid-Infektion ist – in jeder Altersklasse – sehr viel höher
einzuschätzen als das Risiko einer Myokarditis/Perikarditis durch Impfung
mit einem mRNA-Impfstoff.“ So ist das Myokarditis-Risiko durch eine
Covid-19-Erkrankung mindestens um das Vierfache höher als das einer
impfbedingten Herzmuskelentzündung, wie Studien aus den USA,
Großbritannien und Israel zeigen (1, 2, 3). Zudem erhöht sich für
Ungeimpfte deutlich das Risiko für andere Herzrisiken, etwa
Rhythmusstörungen und Herzinfarkt, sowie für akute Nierenschäden und
Lungenembolien (3, 5). „Wir appellieren daher an alle, ganz besonders
Ältere und Personen mit einem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf,
sich vollständig impfen, beziehungsweise ihren Impfschutz mit einem
Booster auffrischen zu lassen“, so der Herzstiftungs-Experte. Wie die
Risikolage für Gesunde und Herzkranke hinsichtlich der Gefahr einer
Myokarditis nach einer Covid-Schutzimpfung oder einer Covid-19-Erkrankung
nach aktuellen Studiendaten einzuordnen ist, wird unter
www.herzstiftung.de/corona-impfung-myokarditis und im aktuellen Podcast
unter www.herzstiftung.de/herzschaeden-nach-covid-impfung erläutert.
Erklärt wird dort auch, mit welchen, teils unspezifischen, Symptomen sich
eine Myokarditis bemerkbar machen kann.

Aktuelle Daten zur impfbedingten Myokarditis
Die Häufigkeit einer impfbedingten Herzmuskel- oder einer
Herzbeutelentzündung durch einen mRNA-Impfstoff beträgt im Schnitt ein bis
zehn Fälle pro 100.000 Impfungen. (1). Zum Beurteilen der Risikolage
liegen mittlerweile Daten aus über 300 Millionen Covid-19-Impfungen
weltweit in unterschiedlichen Ländern vor. Das lässt auch eine sichere
Aussage zum Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Impfung gegen Covid-19 zu mit
dem Ziel, schwere Krankheitsverläufe und Tod durch eine SARS-
CoV-2-Infektion zu vermeiden. „Das Risiko einer schweren akuten
Herzschädigung ist bei einer Infektion mit dem Erreger SARS-CoV-2 offenbar
merklich größer als bei einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zum Schutz
vor Covid-19“, sagt Meinertz und verweist auf eine Vielzahl an Studien,
darunter eine Auswertung der Daten von rund 1,7 Millionen Menschen mit und
ohne Impfung aus Israel (3) und eine Studie aus Großbritannien mit Daten
von 38 Millionen geimpften Menschen, die Fällen von Myo-/Perikarditiden
und Herzrhythmusstörungen sowie SARS-CoV-2-Infektionsdaten
gegenübergestellt wurden (1).
Impfdaten für Deutschland zeigen, dass das Risiko einer Myokarditis nach
einer mRNA-Impfung zwar vorhanden ist, aber sehr gering. Wie das Paul
Ehrlich-Institut (PEI) in seinem Sicherheitsbericht vom Dezember 2021 (4)
betont, treten die Fälle in Übereinstimmung mit anderen, internationalen
Daten (u. a. Israel, USA, Europa) überwiegend bei männlichen Jugendlichen
und jungen Erwachsenen bis 29 Jahren auf – meist innerhalb von wenigen
Tagen und häufiger nach der zweiten Dosis einer mRNA-Covid-19-Impfung. Die
ganz überwiegende Mehrheit der Patienten mit einer Myo-/Perikarditis nach
Impfung mit mRNA-Impfstoffen spricht laut PEI gut auf Behandlung und Ruhe
an und sie fühlen sich schnell besser, auch wenn im Einzelfall
schwerwiegendere Verläufe beobachtet wurden. Generell sollen Patienten und
Ärzte/medizinisches Fachpersonal nach einer Covid-19-Impfung auf die
Zeichen einer Herzentzündung achten, rät das PEI.

Was sind typische Symptome einer Myokarditis?
Ein einzelnes Leitsymptom einer Myo-/Perikarditis gibt es nicht. „Im Fall
einer Covid-19-Erkrankung gehen die ersten Anzeichen einer Herzmuskel-
oder Herzbeutelentzündung in den allgemeinen Infektionsbeschwerden unter
und werden nicht aufs Herz bezogen“, erklärt Kardiologe Meinertz.
Aufmerksam sollte man werden, wenn nach dem Abklingen der
Infektionssymptome (Fieber, Schwindel, Muskelschmerzen, Durchfall) diese
Beschwerden anhalten bzw. neu auftreten:

- Atemnot bei Anstrengung,
- Herzrasen,
- Herzstolpern (Rhythmusstörungen),
- Herzschmerzen (vor allem bei einer Perikarditis)
- unerklärliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit,
- körperliche Schwäche.

So unspezifisch die Symptome sind, so schwierig ist gerade bei milden
Verlaufsformen auch die Diagnose. Für die Klärung des Verdachts setzt der
Arzt an erster Stelle zunächst EKG, Röntgenbild und Echokardiographie ein.
Wichtig sind im weiteren Verlauf auch eine Magnetresonanztomographie des
Herzens (kMRT) und Blutuntersuchungen für den Laborwert Troponin.

Bei einer Myokarditis unbedingt schonen
Intensive sportliche Aktivitäten sollten nach einer sicher anzunehmenden
Myokarditis etwa sechs Monate vermieden werden und erst nach einer
kardiologischen Kontrolluntersuchung mit unauffälligen Befunden wieder
aufgenommen werden. Die Langzeitprognose nach einer akuten, nicht
wesentlich kompliziert verlaufenen Virusmyokarditis ist überwiegend
positiv. Bei etwa 70 % der Patienten ist von einer kompletten Heilung
auszugehen. Bei einigen Betroffenen bleiben leichte Beschwerden durch eine
Vernarbung im Herzmuskel, u.a. leichte Rhythmusstörungen, zurück. Bei
Patienten mit bereits vorhandener ausgeprägter Herzinsuffizienz ist die
Prognose hingegen deutlich schlechter.

Verdachtsfälle vor allem bei jungen Männern nach Covid-19-Impfung
Laut PEI-Sicherheitsbericht (4) sind bei insgesamt über 107 Millionen
Impfdosen Comirnaty/Biontech und Spikevax/Moderna, die bis einschließlich
30.11.2021 in Deutschland verimpft wurden, 1.554 Verdachtsfälle einer
Myo-/Perikarditis – unabhängig vom ursächlichen Zusammenhang mit der
jeweiligen Impfung – gemeldet worden. Eine Gesamtmelderate für alle
Altersgruppen und alle Impfungen lag nach Berechnungen für
Comirnaty/Biontech bei knapp 0,8 Verdachtsfällen pro 100.000 Impfungen bei
Frauen und bei 1,5 Verdachtsfällen pro 100.000 Impfungen bei Männern. Für
Spikevax/Moderna lag eine Melderate von 1,28 Verdachtsfällen pro 100.000
für Frauen bzw. 4,6 für Männer vor.
Die Melderate einer Myo-/Perikarditis liegt für Comirnaty/Biontech bei
jungen Männern (18-29 Jahre) nach der zweiten Impfung bei rund neun
Verdachtsfällen pro 100.000 Impfdosen (Frauen gleichen Alters 1,5 Fälle).
Für Spikevax/Moderna war die Melderate bei jungen Männern (18-29 Jahre)
nach der zweiten Dosis mit über 25 Verdachtsfällen pro 100.000 Impfungen
am höchsten (Frauen knapp sechs Fälle). Die Ständige Impfkommission
(STIKO) empfiehlt daher vorsorglich nur den Impfstoff Comirnaty für
Personen unter 30 Jahren.
Über die gemeldeten Verdachtsfälle im PEI-Bericht hinaus, gibt es
inzwischen etliche Studien, die klinische Fälle ausgewertet haben: „Alle
Daten deuten darauf hin, dass eine klinisch nachgewiesene Myokarditis nach
mRNA-Impfung insgesamt sehr selten ist. Zudem wurden 95 Prozent der Fälle
als mild beschrieben mit einem zumeist kurzen Krankenhausaufenthalt“, so
der Kardiologe und Pharmakologe Meinertz. Über die Studienlage informiert
die Seite www.herzstiftung.de/corona-impfung-myokarditis

Fazit nach Erfahrungen aus der Praxis
Aus den bisherigen Studiendaten lassen sich folgende gemeinsame
Erkenntnisse herauslesen, die auch von Wissenschaftlern so immer wieder in
der Praxis bestätigt werden:

- Das Risiko einer Myokarditis nach einer mRNA-Impfung ist vorhanden, aber
sehr gering.
- Das Risiko ist unter dem mRNA-Impfstoff Comirnaty/Biontech geringer als
unter einer Impfung mit Spikevax/Moderna.
- Es trifft mehr junge Männer unter 30 Jahren als Frauen (höchstes Risiko
zwischen 15 und 29 Jahren).
- Beschwerden, Symptome einer Myokarditis treten in der Regel innerhalb
weniger Tage nach der Impfung (meist der zweiten) auf.
- Der Verlauf bei einer Myokarditis wird übereinstimmend als in der Regel
mild beschrieben ohne Folgeschäden.
- Das gesundheitliche Risiko durch eine Covid-Infektion wird – in jeder
Altersklasse – sehr viel höher eingeschätzt als das Risiko einer
Myokarditis/Perikarditis durch Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Zusatz-Info

Was ist eine Myokarditis/Perikarditis?
Die Myokarditis ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels
(Myokard), bei der häufig Erreger (überwiegend Viren) das Herzmuskelgewebe
befallen. Sie dringen in die Zellen ein, was zur Zerstörung des
Herzmuskelgewebes führen kann. Der Prozess kann regional im Herzen
begrenzt sein, aber im schlimmsten Fall auch den ganzen Herzmuskel
betreffen. Oft kann die körpereigene Immunabwehr diesem Prozess
entgegenwirken und eine Ausheilung erreichen. Art, Ausmaß, Dauer und
verbleibender Endzustand dieses Entzündungsvorgangs (Inflammation) und der
Gewebeschädigung sind individuell stark unterschiedlich, sodass Verlauf
und Prognose einer Myokarditis schwer vorherzusagen sind. Grundsätzlich
werden drei Verlaufsformen einer Myokarditis unterschieden:

- subklinische Myokarditis (oft gar nicht bemerkt, heilt i.d.R. ohne
schwere Komplikationen ab)
- akute Myokarditis (klassische Form mit akuter Beeinträchtigung der
Herzfunktion)
- chronische Myokarditis (Entzündungsvorgänge im Herzgewebe bestehen mehr
oder minder aktiv fort)

Bei einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) laufen ähnliche
Entzündungsprozesse wie bei der Myokarditis ab und betreffen in diesem
Fall die Bindegewebshülle (Perikard), die das Herz komplett umschließt und
in seiner Form hält. Das Perikard grenzt direkt an das Herzmuskelgewebe.
Auch hier werden ein akuter und ein chronischer Verlauf unterschieden.

Infos: www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzmuskelentzuendung

Quellen:
(1) Nat Med 2021; https://doi.org/10.1038/s41591-021-01630-0
(2) JAMA, 4. Oktober 2021; doi:10.1001/jamainternmed.2021.5511
(3) NEJM 2021, online 25. August, doi: 10.1056/NEJMoa2110475
(4) Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Sicherheitsbericht vom 23.12.2021:
https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-20-bis-30-11-21.pdf?__blob=publicationFile&v=9
(5) The Lancet, 29. Juli 2021:
DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)00896-5

  • Aufrufe: 99

Rückenschmerzen – Vorbeugen und das Leben (wieder) genießen

Prof. Dr. Tobias Erhardt gibt Interessierten gemeinsam mit Studierenden
Hilfestellungen bei Rückenschmerzen an die Hand.

Bedingt durch Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeit am Arbeitsplatz und zu
wenig Sport leidet etwa eine von 20 Personen unter chronischen
Rückenschmerzen. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahr
weiterhin verschärfen.

Prof. Dr. Tobias Erhardt ist Studiengangsleiter im ausbildungsintegrienden
Bachelor-Studiengang Physiotherapie an der SRH Hochschule für Gesundheit.
Gemeinsam mit seinen Studierenden möchte er diesem Trend etwas
entgegensetzen. Daher wird am 9. Februar 2022 um 16:00 Uhr eine
interaktive Online-Veranstaltung zum Thema „Rückenschmerzen – Vorbeugen
und das Leben (wieder) genießen“ stattfinden.

Gesundheit im Fokus
Zu Beginn der Veranstaltung wird Prof. Dr. Tobias Erhardt mit Studierenden
der Physiotherapie des Campus Karlsruhe im Rahmen eines kurzen
Rollenspiels eine Einführung in das Thema geben. Darin eingebettet wird
ein kurzer theoretischer Abriss der Problematik sein, der den aktuellen
Forschungsstand umfassen wird. Interessierten werden im Anschluss Übungen
mitgegeben, die einfach in den Alltag zu integrieren sind. Es werden
außerdem Verhaltens- und Handlungsmuster nähergebracht, die
Rückenschmerzen vorbeugen oder diese mindern können.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?
Interessenten sind herzlich willkommen und melden sich bitte im Vorfeld
kostenfrei unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder direkt über die Webseite an.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/tobias-erhardt/

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Impfungen für alle vom 19.–22. Januar auf dem Campus der Berliner Hochschule für Technik

Auf dem Zentralcampus der Berliner Hochschule für Technik (BHT),
Luxemburger Straße 10 in 13353 Berlin-Wedding, werden vom 19. bis 22.
Januar, 9 bis 18 Uhr, Impfungen gegen COVID-19 angeboten. Zur Auswahl
stehen die Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Die Aktion wird organisiert vom Corona-Krisenstab der BHT und durchgeführt
von der Aino Betriebsmedizin GmbH. Sie richtet sich nicht nur an
Studierende, Mitarbeitende und Lehrende der Hochschule, sondern an alle
Personen ab 18 Jahren, die noch eine Erst-, Zweit- oder
Auffrischungsimpfung benötigen.

Bereits in der vergangenen Woche wurde auf dem BHT-Campus in Kooperation
mit Aino geimpft, 1039 Impfungen wurden an drei Tagen durchgeführt.

Termine können bequem über Doctolib vereinbart werden.

Weitere Informationen und Terminbuchung
www.bht-berlin.de/impfen

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