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Gesundheit

Rettungsschirm ist gut, Krankenhausreform ist besser

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat gestern einen Entwurf zur Verlängerung des Krankenhaus-Rettungsschirms vorgelegt. Darin ist vorgesehen, die Ausgleichszahlungen für die Krankenhäuser bis zum 18. April und die Versorgungsaufschläge bis zum 30. Juni 2022 zu verlängern.

Dazu sagt Prof. Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD): „Wir sind zunächst sehr erleichtert, dass das BMG auf unsere Argumente eingegangen ist und aufgrund der hohen Infektionszahlen doch noch kurzfristig den Rettungsschirm für die Krankenhäuser verlängert. Dies ist grundsätzlich ein positives Zeichen. Allerdings betont der Entwurf auch explizit, dass diese Zahlungen und Zuschläge letztmalig verlängert werden sollen. Damit sind die Krankenhäuser in einer zu erwartenden neuen Infektionswelle im Herbst auf sich gestellt.“

Dies wäre gerade für die Universitätsklinika eine besondere Herausforderung. Sie müssen nicht nur eine steigende Zahl COVID-Erkrankter versorgen, sondern auch unter Pandemiebedingungen die Behandlung Schwersterkrankter sicherstellen. Dabei waren die Universitätsklinika bereits vor der Pandemie wirtschaftlich angegriffen. Durch die besonderen Hygienemaßnahmen in der Pandemie, die Konzentration auf schwer erkrankte COVID-Patientinnen und Patienten, Kostensteigerungen sowie vermehrte Personalausfälle hat sich die Situation noch einmal verschärft.

Jens Bussmann, Generalsekretär des VUD: „Die zeitlich sehr begrenzte Verlängerung des Rettungsschirms ist keine verlässliche Grundlage für die Finanzierung der Universitätsklinika und reicht so noch nicht für das Jahr 2022 aus. Versorgungsaufschläge und Freihaltepauschalen müssen stattdessen entsprechend des weiteren Pandemieverlaufs verlängert werden können. Außerdem muss kurzfristig auch der Ganzjahresausgleich so angepasst werden, dass den Universitätsklinika nicht wie derzeit zwei Prozent Budgetverlust droht.“

Prof. Scholz ergänzt: „Mit kurzfristigen Hilfen werden wir die wirtschaftliche Situation der Universitätsklinika nicht nachhaltig verbessern können. Wir brauchen jetzt eine Krankenhausreform, die entsprechend des Koalitionsvertrages die Universitätsklinika als höchste Versorgungsstufe etabliert. Damit kann dauerhaft eine stabile finanzielle Grundlage geschaffen werden, die es den Universitätsklinika erlaubt, ihre besondere Rolle als Rückgrat des Gesundheitssystems zu festigen. So können sie auch in Zukunft für eine hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten sorgen.“

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Die Entwicklung von Tumorstrukturen – vielfarbig, zell- und mikrometergenau

Die Pathologie am Universitätsklinikum Jena nutzt einen modernen
Multispektral-Fluoreszenz-Scanner, um mit Hilfe von Mehrfachfärbungen in
Gewebeproben Mechanismen der Tumorentstehung und –therapie zu untersuchen.
Das Gerät wurde vom Freistaat Thüringen mit Mitteln aus dem EFRE-Fonds
gefördert.

Welche Proteine sind aktiviert, wenn sich eine Hautzelle in eine wandernde
Krebszelle umwandelt, über welche Moleküle kommunizieren Tumorzellen mit
ihrer unmittelbaren Umgebung, welche Botenstoffe beeinflussen das
Immunsystem und wie kann man diese als Marker für die Früherkennung oder
für die Verbesserung der Therapie einer Krebserkrankung nutzen? Die
Beantwortung solcher Fragen nehmen Forscher und Forscherinnen am
Universitätsklinikum Jena nun auch mit Hilfe eines Multispektral-
Fluoreszenz-Scanners in Angriff. Die erstmals in Jena zur Verfügung
stehende Multiplex-Immunfluoreszenz-Markierungs- und Bildgebungstechnik
ermöglicht die vielfache molekülspezifische Färbung des Gewebes mit
Immunfluoreszenzfarbstoffen in einer einzelnen Probe, die ortsgenaue
Proteinanalyse im Zell- und Mikrometerbereich und eine KI-basierte
Zuordnung zueinander und zu Gewebekompartimenten für quantitative
Auswertungen. „Mit den neuen Möglichkeiten werden wir vor allem unsere
tumorbiologische Grundlagenforschung vorantreiben können, aber auch in
translationalen Projekten mit klinischem Material wird die Technik zum
Einsatz kommen“, betont Prof. Dr. Nikolaus Gaßler (M.A.), Leiter der
Sektion Pathologie, die das neue System betreut. Die Geräteanschaffung
wurde vom Freistaat Thüringen mit über 300.000 Euro aus dem Europäischen
Fonds für Regionale Entwicklung gefördert.

Nach einer pandemiebedingten Verzögerung der Inbetriebnahme und der
Einarbeitung in die aufwändige Probenpräparation nutzt das Forschungsteam
der Pathologie das System in aktuellen Forschungsprojekten. „Unser
Interesse gilt den molekularen Mechanismen der Tumorentstehung in Darm und
Leber“ so der Biologe apl. Prof. Dr. Alexander Berndt. „Die Multiplex-
Bildgebung ermöglicht es uns, für daran beteiligte Entzündungs- und
Stoffwechselprozesse örtlich aufgelöste Proteinprofile zu erstellen. Das
macht es möglich, typische Muster zu erkennen, wie ein Tumor das
umliegende Gewebe infiltriert und wie er mit den Zellen dort
kommuniziert.“ Das Forschungsteam arbeitet vor allem mit formalinfixierten
und in Paraffin eingebetteten Proben; die Eigenfluoreszenz dieser
Hilfsstoffe kann das neue Gerät effektiv herausfiltern. Seine Multiplex-
Imaging-Expertise bietet das Team auch anderen Arbeitsgruppen für
Kooperationsprojekte an. Gemeinsam mit dem Plazentalabor der Klinik für
Geburtsmedizin untersucht es beispielsweise Alterungsprozesse im
Plazentagewebe, eine Kooperation mit der Klinik für Urologie zur
Untersuchung von Blasentumoren steht in den Startlöchern.

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Herzchirurgischer Notfall Aortendissektion: Frankfurter Forscher für bessere Früherkennung und Therapie gefördert

Forscher des Universitätsklinikum Frankfurt erhalten für Studie zur
lebensbedrohlichen Aortendissektion Typ A rund 152.000 Euro von Deutscher
Herzstiftung und Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung

Eine akute Aortendissektion ist ein höchst gefürchteter Notfall, der
häufig tödlich endet und in den allermeisten Fällen unmittelbar operativ
versorgt werden muss. Bei der Aortendissektion reißt die innerste
Wandschicht (Intima) der Hauptschlagader (Aorta) ein und Blut gelangt
zwischen die darunter liegenden Wandschichten und bildet einen neuen mit
Blut gefüllten Gefäßinnenraum. Dieser kann von der Aorta abgehende Gefäße
zum Kopf oder die Herzkranzgefäße abdrücken und je nach Lage der
Dissektion die Blutversorgung innerer Organe verhindern oder zu Lähmungen,
Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod führen. Auch wenn er sofort chirurgisch
behandelt wird, sind bei diesem lebensbedrohlichen Notfall die
Komplikationsrate und die Sterblichkeit gegenüber planbaren Eingriffen
deutlich erhöht. Wird die akute Aortendissektion Typ A etwa nicht sofort
operiert, versterben statistisch gesehen innerhalb der ersten 48 Stunden
mit jeder Stunde, die diese akute Aortenkomplikation unbehandelt bleibt,
ein bis zwei Prozent der Patienten. Zwar gibt es bei Patienten mit akuter
Typ-A-Aortendissektion konkrete Risikofaktoren wie eine Erweiterung im
aufsteigenden Teil der Aorta (Aorta ascendens) sowie Alter, unbehandelter
Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare
Herzkrankheit (KHK), die in der Prävention eine Rolle spielen. „Allerdings
benötigen wir dringend weitere eindeutigere Kriterien auf Basis von
Patientendaten vor und nach einer Typ-A-Aortendissektion, um
Risikopatienten noch vor einem notfallartigen Verlauf ihrer Erkrankung
identifizieren und vor schwerwiegenden Komplikationen schützen zu können“,
betont Prof. Dr. med. Thomas Walther, Direktor der Klinik für Herz- und
Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Innovative Forschung für neue präventive Strategien
Um mit Hilfe gezielter Forschungsarbeit ebensolche Kriterien für eine
zuverlässigere Vorhersage einer Typ-A-Aortendissektion aufzustellen,
stellt die Deutsche Herzstiftung Prof. Walther und seinem Forscher-Team
umfangreiche Fördermittel in Höhe von rund 152.000 Euro für die Dauer von
zwei Jahren zur Verfügung. Die Finanzierung des Forschungsvorhabens* wird
insbesondere auch mit der Unterstützung der Horst-Haas-und-Irene-Haas-
Scheuermann-Stiftung, Frankfurt am Main, ermöglicht. Die Stiftung stellt
mit 80.000 Euro einen beträchtlichen Teil der benötigten Mittel über die
Herzstiftung zur Verfügung. „Nur mit Hilfe neuer Forschungserkenntnisse
auf dem Gebiet der Typ-A-Aortendissektion können wir zu mehr
Patientensicherheit und einer besseren Überlebensprognose dieser
schwerstkranken Patienten beitragen. Die klinische Bedeutung des Vorhabens
für neue präventive Strategien ist sehr hoch“, wie der
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer betont. Deshalb habe sich die Herzstiftung gemeinsam mit der
Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung für die Förderung dieses
„auch international einzigartigen Vorhabens“ entschieden. „Wir freuen uns,
dass wir zusammen mit der Herzstiftung dieses einmalige Projekt, das viele
Leben retten wird, unterstützen können. Unsere Stifter wären sehr stolz
darauf gewesen, zu dieser Spitzenforschung einen finanziellen Beitrag zu
leisten“, hebt Josef Weyrich, Vorstandsvorsitzender der Horst-Haas-und-
Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung, hervor. Ein „enormer Schub“ für ihr
Forschungsvorhaben sei die Unterstützung der beiden Frankfurter
Stiftungen, erklärt Klinikdirektor Prof. Walther bei der Scheckübergabe
auf dem Campus des Universitätsklinikums: „Wir danken der Herzstiftung und
der Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung für diese umfangreiche
Forschungsförderung.“

Anatomische Auffälligkeiten der Aorta: Welche lassen Notfall vorhersagen?
Im Zuge des Alterns oder aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(Arteriosklerose, unbehandelter Bluthochdruck), der genetischen
Veranlagung oder durch Rauchen können sich Abschnitte an Arterien
krankhaft aufweiten. Auch angeborene Herzfehler wie das Marfan-, Loeys-
Dietz- und Ehlers-Danlos-Syndrom sowie die biskupide Aortenklappe zählen
zu den Risikofaktoren der Aortendissektion. Neben diesen bekannten
Faktoren nimmt die geförderte Studie am Universitätsklinikum Frankfurt
unter der Leitung von Prof. Walther anatomisch-geometrische Messparameter
wie Durchmesser, Länge, Wanddicke und Winkel der aufsteigenden Aorta zu
Aortenbasis und Aortenbogen in den Fokus ihrer Untersuchungen. Unter
anderem, weil sich dadurch Rückschlüsse auf Areale in der Aorta ascendens
mit ersten Rissen und somit auch das Risiko einer Aortendissektion Typ A
ergeben können. Auch andere Auffälligkeiten wie die Plaquebildung in der
Aorta sollen Gegenstand der Untersuchungen sein. „Wir gehen vor allen
Dingen der Frage nach, inwiefern der Durchmesser der Aorta ascendens an
verschiedenen Stellen bei Patientinnen und Patienten mit
Typ-A-Aortendissektion bereits vor dem chirurgischen Eingriff erhöht ist,
und sich dieser Befund als zuverlässiger Indikator einer Aortendissektion
mit all ihrem Gefahrenpotenzial für Komplikationen oder Tod eignet“,
erläutert der Herz- und Gefäßchirurg. Im Schnitt kommt die
Aortendissektion bei 4,6 bis 12 pro 100.000 Einwohnern pro Jahr vor.

Integration in weltweit einzigartiges GERAADA-Register
Projektleiter Prof. Walther und sein Team werten für ihre Studie
Computertomographie (CT)-Daten von Patienten bei der Diagnosestellung
einer Typ-A-Aortendissektion und, falls verfügbar, auch Daten früherer CTs
sowie Daten aus den Nachuntersuchungen, also nach dem chirurgischen
Eingriff, aus. Ein enormer Vorteil gerade für die rückwirkende
(retrospektive) Datenauswertung früher Patientenfälle ist, dass die
multizentrisch angelegte retro- und prospektive Studie von Walther und
seinem Team in das 2006 etablierte Deutsche Register für akute
Aortendissektion Typ A (GERAADA) integriert ist. An etablierte Strukturen
des Registers anzuknüpfen, erleichtert den Einschluss neuer Patienten.
Ziel von Prof. Walther ist es, bis zu 500 neue Patienten prospektiv für
die Studie in den kommenden 2 Jahren zu rekrutieren. „Dieses Register gilt
als eines der weltweit umfangreichsten Sammlungen von Patientenfällen mit
Typ-A-Aortendissektion. Eingeschlossen sind bereits über 3.300
Patientenfälle, darunter auch zahlreiche aus dem Universitätsklinikum
Frankfurt“, bestätigt Walther. 50 deutschsprachige Herzzentren nahmen
bisher an GERAADA teil. Eine Steuerungsgruppe aus den zehn größten
Herzzentren des GERAADA-Registers soll mit Walther und seinem Team am
Universitätsklinikum Frankfurt für die Studie kooperieren. Als
Studienzentrum fungiert das interdisziplinär ausgerichtete „Aortenzentrum“
am Universitätsklinikum Frankfurt. „Hier bündeln wir für die Erhebung und
Auswertung der Daten die notwendigen Kompetenzen aus der Herzchirurgie,
Radiologie und Gefäß- und Endovaskularchirurgie“, erklärt Walther.

*Projekttitel: „Analyse der verschiedenen Diameter, Angulationen und der
Wandbeschaffenheit der Aorta ascendens als Prädiktoren für das Auftreten
von und für das Outcome nach einer Typ-A Aortendissektion“

Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschung unter
www.herzstiftung.de/herzstiftung-und-forschung

Die Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung fördert unter anderem
die Herzforschung und Stiftungen, die sich für benachteiligte und
behinderte Menschen einsetzen. Das Stifterehepaar – echte Frankfurter –
hat bestimmt, dass ihre Stiftung nur in erster Linie Frankfurter
Institutionen fördert.

Zur Hauptschlagader (Aorta)
Die Aorta hat die Aufgabe, das aus dem Herzen kommende sauerstoffreiche
Blut im Körper zu verteilen. So fließen etwa 200 Millionen Liter Blut im
Lauf eines Lebens aus dem Herzen in die Aorta und verteilen sich im
Körper, um Organe wie das Herz, das Gehirn, das Rückenmark, die Muskeln,
die Bauchorgane sowie Arme und Beine mit dem lebenswichtigen Sauerstoff zu
versorgen. Die Aorta entspringt direkt der linken Herzkammer und weist
beim gesunden Erwachsenen einen Durchmesser von etwa 2,5 bis 3,5 cm auf.
Sie hat die Form und den Verlauf eines Wanderstocks, der von rechts vorne
nach hinten links gedreht ist und nach unten entlang der Wirbelsäule
verläuft.

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Wiederkehrender Enddarmkrebs ist vielfach operabel – Zweitmeinung an großem Zentrum wichtig

Bei fortgeschrittenen Tumoren im Enddarm (Rektum) besteht die Gefahr, dass
sie nach erfolgter Operation nach einiger Zeit wieder nachwachsen, sich
sogenannte Rezidive bilden. Nur wenn der wiederkehrende Tumor durch eine
Operation vollständig entfernt wird, besteht Aussicht auf Heilung. Der
chirurgische Eingriff bei solchen Rezidiven ist meist hoch komplex und
erfordert das Zusammenspiel unterschiedlicher Fachdisziplinen. Die
Operation wiederkehrender Tumoren sollte daher nur an großen,
spezialisierten Zentren vorgenommen werden.

Anlässlich des Darmkrebsmonats März empfiehlt das Nationale Centrum für
Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) am Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden Patientinnen und Patienten mit einem wieder aufgetretenen
Rektumkarzinom, so früh wie möglich eine Zweitmeinung an einem großen
Zentrum wie dem NCT/UCC einzuholen.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist eine
gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf (HZDR).

Darmkrebs ist deutschlandweit die zweithäufigste Tumorerkrankung bei
Frauen und die dritthäufigste bei Männern. Knapp ein Drittel der Darm-
Tumoren entwickeln sich im Enddarm, auch Mastdarm oder Rektum genannt.
Aufgrund ihrer anatomischen Lage im kleinen Becken sind Tumoren des
Enddarms besonders schwer zu operieren. Wenn die Geschwulst bereits die
äußere Schicht der Darmwand erreicht hat oder in benachbartes Gewebe
eingewachsen ist, steigt die Gefahr, dass Tumorreste oder einzelne
Tumorzellen trotz einer Operation im Körper verbleiben. Dies kann dazu
führen, dass der Krebs nach einiger Zeit wiederkehrt. Ein solches Rezidiv
tritt abhängig vom Stadium des ursprünglichen Tumors und der Qualität des
chirurgischen Eingriffs in etwa fünf bis 15 Prozent der Fälle auf. Der
wiederauftretende Tumor ist dann meist nicht mehr auf Gewebeschichten des
Darms beschränkt, sondern wächst an und in der Beckenwand und kann in
Knochen, Blutgefäße und Nerven vordringen. Diese Rezidive werden häufig
als inoperabel eingestuft und die Patientinnen und Patienten palliativ
behandelt. „Auch bei wiederkehrenden Rektumkarzinomen ist aber in vielen
Fällen eine Operation mit dem Ziel einer Heilung möglich. Dabei handelt es
sich oftmals um einen großen Eingriff, der viel Erfahrung und das
exzellente Zusammenspiel verschiedenster Fachdisziplinen erfordert. Wir
möchten Betroffenen daher dringend raten, sich eine Zweitmeinung an einem
großen Zentrum einzuholen“, sagt Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik
für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums
Dresden und Mitglied im Geschäftsführenden Direktorium des Nationalen
Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC).

Mehr als 100 Darmkrebs-Operationen werden jährlich an der Klinik für
Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Dresden
vorgenommen, davon etwa 15 bei wiederkehrendem Rektumkarzinom. Bei diesen
hochkomplexen Eingriffen arbeiten verschiedene Spezialistinnen und
Spezialisten wie Gefäßchirurgen – die unter anderem auf die Rekonstruktion
von Blutgefäßen spezialisiert sind, Expertinnen und Experten für
Bauchraum-Chirurgie (Viszeralchirurgie), Gynäkologen, Urologen und
Traumatologen – Experten für die Chirurgie des knöchernen Skeletts – eng
zusammen.

Vor jeder Therapie wird am NCT/UCC in so genannten Tumorboards –
Besprechungen zu denen sich Spezialistinnen und Spezialisten aus den
verschiedenen an der Behandlung einer Krebserkrankung beteiligten
Fachabteilungen treffen – eine für jede Patientin und jeden Patienten
individuelle Therapieempfehlung erarbeitet. Dabei wägen die Expertinnen
und Experten intensiv ab, ob die jeweilige Patientin oder der Patient eine
solch große Operation mit oft langwieriger Wundheilung verkraften kann.
Besprochen wird beispielsweise auch, ob in Kombination mit einer Operation
eine Chemo- oder Strahlentherapie erfolgen kann. Am Universitätsklinikum
Dresden steht hierfür auch die besonders schonende Form der
Protonentherapie zur Verfügung.

„Die Operation ist die einzige Möglichkeit, um die Prognose des Patienten
erheblich zu verbessern und im besten Fall eine Heilung herbeizuführen.
Sowohl die Folgen einer Operation einerseits wie auch das fortschreitende
Wachstum des Tumors im Körper andererseits können die Lebensqualität
allerdings erheblich einschränken. Hier besprechen wir mit den Betroffenen
sehr intensiv, welchen der möglichen Wege sie gehen möchten“, erklärt
Prof. Weitz.

Forschende untersuchen am NCT/UCC zudem, wie sich die therapeutischen
Möglichkeiten weiter verbessern lassen. „Im Rahmen einer Studie konnten
wir beispielsweise zeigen, in welchen Fällen eine präoperative
Strahlentherapie bei wiederkehrendem Rektumkarzinom ratsam ist. Hier gilt
es – wie auch in Bezug auf eine Operation – jeweils sehr genau abzuwägen,
welcher Therapieplan optimal ist “, erklärt Dr. Johannes Fritzmann von der
Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums
Dresden. Ein wichtiges Anliegen der Forschung ist es zudem, die
Rezidivwahrscheinlichkeit weiter zu senken. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler am NCT/UCC entwickeln daher computergestützte
Assistenzsysteme, die die Chirurgen künftig bei ihrer schwierigen
Millimeterarbeit unterstützen sollen. Im Zusammenspiel mit modernsten
robotergestützten Verfahren sollen sie eine noch präzisere Entfernung des
Tumors ermöglichen und gleichzeitig das gesunde Gewebe bestmöglich
schonen.

Eine Zweitmeinung am NCT/UCC Dresden können Patientinnen und Patienten
über ihren Onkologen, ihren Hausarzt oder auf eigene Initiative hin
einholen. In der Regel genügt es, zunächst alle verfügbaren Befunde
zuzuschicken. Eine möglicherweise längere und beschwerliche Anreise ist
zunächst nicht nötig. Nur wenn aufgrund der Befunde eine Operation denkbar
erscheint, sollten sich Betroffene auch persönlich vorstellen.

Kontakt für Patienten oder Ärzte, die Interesse an einer Zweitmeinung bei
wiederkehrendem Rektumkarzinom haben: Klinik für Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Dresden, Tel.: 0351 458-3200
(Chirurgische Poliklinik/Spezialsprechstunden), E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., Internet: ukdd.de/vtg

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