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Herzbericht: Sterbefälle wegen Herzkrankheiten steigen

Alle Herzkrankheiten verzeichnen – teilweise leichte – Anstiege. Regionale
Unterschiede in Sterblichkeit bei Herzinfarkt und anderen Herzleiden
bestehen fort. Herzstiftung mahnt „mehr Resilienz“ der medizinischen
Versorgung in Krisenphasen an.

Nach einer Phase leichter Rückläufigkeit, steigt die Sterblichkeit durch
Herzkrankheiten wieder an. Nach den Zahlen des aktuellen Deutschen
Herzberichts – Update 2024 starben im Jahr 2022 insgesamt 216.944 Menschen
an den Folgen einer Herzkrankheit (2021: 205.581). Die Sterberate lag
damit bei 224,2 an einer Herzkrankheit Gestorbenen pro 100.000 Einwohner
(2021: 215,2). Die Herzkrankheit mit den meisten Sterbefällen sind
weiterhin Durchblutungsstörungen durch Herzkranzgefäßverengungen, die
koronare Herzkrankheit (KHK), mit 125.984 Sterbefällen (2021: 121.172) –
davon am akuten Herzinfarkt 46.608 Sterbefälle – und einer Sterberate von
133,3 an KHK-Gestorbenen pro 100.000 Einwohner (EW) (2021: 129,7)
(Herzinfarkt 2022: 49 Gestorbene pro 100.000 EW). „Diese Anstiege
gegenüber dem Vorjahr bedürfen der genaueren Analyse, sie stellen jedoch
in der Gesamtschau noch keine Trendwende dar. Ganz klar muss allerdings
das Ziel aller für die herzmedizinische Versorgung verantwortlichen
Institutionen sein, die Sterblichkeit durch Verbesserungen in Prävention,
Therapie und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken“,
betont der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender
Deutschen Herzstiftung, bei der Vorstellung des neuen Deutschen
Herzberichts – Update 2024. Dieser kann unter
<www.herzstiftung.de/herzbericht> kostenfrei als ePaper abgerufen werden.
Besonders fällt bei den Anstiegen die erhöhte Todesrate der Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) ins Auge. „Bei der Sterblichkeit der Herzschwäche
könnte sich nach mehreren Jahren der Rückläufigkeit eine Trendwende
abzeichnen, die wir genauer beobachten müssen“, so Voigtländer. Erstmalig
steigt nämlich die Sterberate der Herzschwäche nach einer Phase der
kontinuierlichen Abnahme von 2015 (51,9 Gestorbene pro 100.000 EW) bis
2021 (auf 35,8) wieder an auf 37,7 Gestorbene pro 100.000 EW. Die
chronische Herzschwäche ist in den meisten Fällen das Endstadium von
verschiedenen anderen Herzkrankheiten wie KHK/Herzinfarkt,
Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen und angeborenen
Herzfehlern. Zugleich stellt diese Volkskrankheit die häufigste
Einzeldiagnose für vollstationäre Krankenhausaufnahmen mit 446.814
vollstationären Fällen (2022) dar. Nicht umsonst hat die Deutsche
Herzstiftung den Fokus ihrer Bemühungen um eine verstärkte
Patientenaufklärung und intensive Herz-Forschung auf die Herzinsuffizienz
mit den bundesweiten Herzwochen im November beziehungsweise einer
umfangreichen Sonderforschungsförderung „Herzinsuffizienz“ in Höhe von
einer Million Euro gesetzt.

Zusätzliche Krankheitslast durch Bluthochdruck und hohes Cholesterin
Die koronare Herzkrankheit, die Grunderkrankung des Herzinfarkts, und die
Herzschwäche sind immer noch die häufigsten Todesursachen und maßgeblich
für den Plötzlichen Herztod verantwortlich. Beide Herzkrankheiten gehen in
aller Regel mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck,
Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern und
Vorhofflattern, aber auch chronischer Nierenschwäche einher. Dies
dokumentiert der aktuelle Herzbericht anhand von Zahlen aus der
stationären und hausärztlichen Versorgung. „Die konsequente Behandlung von
Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen durch zu viel LDL-Cholesterin
im Blut mit gesundem Lebensstil und Medikamenten ist der entscheidende
Hebel zum Eindämmen der KHK und Herzschwäche“, betont der Herzstiftungs-
Vorsitzende Prof. Voigtländer. Hoher Blutdruck ist laut Herzbericht sowohl
in der hausärztlichen als auch in der stationären Versorgung die häufigste
Begleitdiagnose von Herzinsuffizienz (hausärztlich: 74,2/stationär: 74,6
Prozent) und von KHK (hausärztlich: 74,1/stationär: 75,3 Prozent), gefolgt
von Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Vorhofflimmern/Vorhofflattern.
„All diese Begleiterkrankungen sind mit einem hohen Schadenspotenzial für
Herz und Gefäße durch die Gefahr von Schlaganfällen und Herzinfarkten
verbunden – besonders dann, wenn sie unbehandelt bleiben“, betont
Voigtländer.

Auch Herzkrankheiten früh erkennen, bevor es zum Eingriff kommt
In der Summe sind auch die vollstationären Krankenhausaufnahmen wegen
Herzkrankheiten 2022 leicht angestiegen. In absoluten Zahlen von 1.560.441
(2021) Krankenhausaufnahmen auf 1.574.352 im Jahr 2022. „Die
vollstationären Krankenhausaufnahmen bewegen sich weiterhin auf einem
hohen Niveau, allen voran bei der KHK, den Herzrhythmusstörungen und der
Herzinsuffizienz, die zusammengenommen rund 1,4 Millionen vollstationäre
Fälle ausmachen“, betont Prof. Voigtländer. Allein die KHK führte 2022 zu
538.277 Krankenhausaufnahmen, Herzrhythmusstörungen zu 460.962
Klinikeinweisungen. Bei Männern setzt der Anstieg der Krankenhausaufnahmen
wegen KHK früh ein: mit dem 45. bis 50. Lebensjahr. Bei den
Herzrhythmusstörungen setzt ein Anstieg ab dem 50. bis 55. Lebensjahr ein.
„Umso wichtiger ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser
Herzkrankheiten, bevor es zur Notwendigkeit von Eingriffen kommt“, so
Herzspezialist Prof. Voigtländer. „Dank wesentlicher Weiterentwicklungen
in der Herz-Diagnostik durch neue bildgebende Verfahren wie beispielsweise
dem Kardio-MRT und der nicht-invasiven Koronaren CT-Angiographie, kurz:
CCTA, haben wir sehr zuverlässige Verfahren für eine bessere Versorgung
von Menschen mit einer KHK und einem Risko für Herzinfarkt und plötzlichen
Herztod“, berichtet der Ärztliche Direktor des Agaplesion Bethanien-
Krankenhauses in Frankfurt am Main. Kardio-MRT und die CCTA, die 2024 nach
einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in den
Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen aufgenommen wurde, können
Veränderungen der Herzkranzgefäße (Plaques, Verengungen) und deren
Auswirkung auf die Durchblutung des Herzmuskels frühzeitig erfassen.
„Dadurch reduzieren wir invasive Herzkatheterdiagnostik und stationäre
Aufenthalte“, erklärt Voigtländer.

Pandemiejahr 2022: Stationäre Versorgung rückläufig – „Resilienz der
medizinischen Versorgung im Fokus behalten“
Die bereits für die Pandemiejahre 2020 und 2021 dokumentierte
Covid-19-bedingte Rückläufigkeit in der kardiologischen und
herzchirurgischen Versorgung von Erwachsenen und Kindern, insbesondere bei
den sogenannten elektiven, d. h. planbaren Eingriffen und in der
kardiologischen Reha, setzte sich 2022 fort. Von 2018 zu 2022 kam es
teilweise zu einer moderaten, aber teilweise auch zu einer deutlichen
Abnahme bei herzchirurgischen und kardiologischen Eingriffen wie
Koronarangiographien (-4,1 Prozent), PCIs (Herzgefäßaufdehnung durch
Stent/Ballon) (-1 Prozent), Schrittmacher-/ICD-Implantationen (-3/-15,7
Prozent) beziehungsweise isolierten Koronaroperationen (-25,9 Prozent).
„Diese rückläufigen Zahlen lassen darauf schließen, dass auch noch in 2022
Patienten entweder aus Angst vor einer Infektion einen
Krankenhausaufenthalt vermieden oder umgekehrt Kliniken ihre Aufnahmen
zweitweise auf Notfälle beschränkt haben und selbst für diese nicht immer
ausreichende Kapazitäten vorhalten konnten. Welche Effekte diese
vermeintliche Nichtinanspruchnahme der Krankenhausversorgung auf
kardiovaskuläre Sterblichkeit haben wird, bedarf der Analysen“, so der
Herzstiftungs-Vorsitzende und Kardiologe Voigtländer. „Für die Zukunft
muss auch die Resilienz der herzmedizinischen Versorgung in
Ausnahmesituationen wie der Covid-Pandemie im Fokus der Herzmedizin
bleiben“, so sein Fazit.

Ungenutztes Therapie- und Innovationspotenzial?
Dass die Sterblichkeit bei KHK/Herzinfarkt und Herzschwäche in den
vergangenen Jahrzehnten gesunken ist, hingegen die Zahlen der Patienten
mit Herzinsuffizienz und damit verbunden auch die vollstationären
Krankenhausaufnahmen kontinuierlich steigen, führen Experten unter anderem
auf verbesserte medikamentöse, interventionelle und chirurgische Therapien
zurück. „Auch dank dieser Verfahren können Menschen mit ihren zwar
behandelten, aber chronisch bleibenden Rhythmusstörungen, Klappen- und
Koronarerkrankungen sowie angeborenen Herzfehlern eine bessere Prognose
erhalten, so dass ihnen eine Herzschwäche erspart oder zumindest um Jahre
hinausgezögert werden kann“, erklärt Prof. Voigtländer. Zu nennen seien
hier vor allem:

-       Akutversorgung des Akuten Koronarsyndroms (ACS) (Herzinfarkt,
instabile Angina pectoris) mittels PCI (Gefäßaufdehnung durch
Stent/Ballon); bei bestimmten komplexen Mehrgefäßerkrankungen und
komplexen Stenosen des linken Hauptstamms die koronare Bypassoperation
-       kathetergestützter Aortenklappenersatz (TAVI) oder operativ zur
Behandlung der Aortenklappenstenose
-       kathetergestützte/chirurgische Therapie der
Mitralklappeninsuffizienz
-       katheterbasierte Vorhofflimmer-Ablation – seltener auch
chirurgisch als kombinierter Eingriff mit anderen herzchirurgischen
Eingriffen
-       Schrittmacher- und Defibrillator-(ICD)-Therapien zur Prävention
lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen nach einem großen Herzinfarkt,
bei Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien, Myokarditis)

„All diese Verfahren verbessern die Durchblutung des Herzmuskels,
stabilisieren diesen oder verhindern wie im Fall der Stenttherapie oder
Bypass-Chirurgie Todesfälle. Bei Nicht-Behandlung erhöhen sie die Gefahr
für Herzinsuffizienz und Komplikationen wie Herzinfarkt, plötzlicher
Herztod oder Schlaganfall wie im Fall des Vorhofflimmerns“, betont
Voigtländer. Es müsse aber in Deutschland gewährleistet sein, dass auch
außerhalb der Ballungsgebiete herzkranke Menschen Zugang zu Kliniken mit
einer entsprechenden kardiologischen Ausstattung hätten, so Voigtländer.
Etwa zu den Chest-Pain-Units (CPU), ausgestattet mit einem Katheterlabor
bei einer 24/7-Erreichbarkeit. CPUs sind eine wichtige Notfall-Einheit in
der Versorgung schwerwiegender Erkrankungen wie dem ACS, aber auch anderer
lebensbedrohlicher kardialer Ereignisse wie Lungenembolie, dekompensierte
Herzschwäche oder krisenhaft erhöhten Bluthochdruckwerten.

Regionale Unterschiede in der Versorgung von Herzpatienten bestehen fort
Die in Deutschland weiterhin unterschiedliche Versorgungsdichte mit
Kliniken, die ein Katheterlabor oder eine CPU vorhalten, hat zur Folge,
dass in Regionen mit einer niedrigeren Versorgungsdichte
behandlungsbedürftige Erkrankungen zu spät oder schlimmstenfalls gar nicht
behandelt werden. „Rund 47.000 Herzinfarkte pro Jahr und 65.000 plötzliche
Herztodesfälle, darunter eine Vielzahl aufgrund unentdeckter und nicht
oder zu spät behandelter Herzkrankheiten, sind das beste Beispiel dafür“,
so der Frankfurter Kardiologe und Intensivmediziner. So bestehen auch
heute regionale Unterschiede in der Verbreitung beispielsweise von
Kinderherzzentren, EMAH-Ambulanzen und überregionaler EMAH-Zentren, ebenso
in der Verbreitung von CPUs und in der Kardiologendichte. Kommen
beispielsweise in Hamburg auf einen Kardiologen 12.872 Einwohner, sind es
im Saarland 49.633 Einwohner pro Kardiologe.
Regionale Unterschiede zeigen sich darüber hinaus in der Sterblichkeit und
den Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten, wie der aktuelle Deutsche
Herzbericht dokumentiert.  Östliche Bundesländer haben weiterhin die
höchste Sterblichkeit durch KHK und Herzinfarkt. So haben 2022 die höchste
Sterbeziffer (altersbereinigt) Sachsen-Anhalt mit 181 KHK- und 65
Herzinfarkt-Sterbefällen pro 100.000 EW, gefolgt von Mecklenburg-
Vorpommern mit 180 KHK- und 68 Herzinfarkt-Gestorbenen und Sachsen mit 157
KHK- und 56 Herzinfarkt-Gestorbenen pro 100.000 EW. Am niedrigsten sind
die Sterbeziffern für KHK und Herzinfarkt in Hamburg (KHK: 91/Herzinfarkt:
34), Nordrhein-Westfalen (111/33) und in Baden-Württemberg (121/50).
Bei der Herzinsuffizienz sind die höchsten Sterbeziffern in Sachsen-Anhalt
mit 53 und Thüringen mit 50 Gestorbenen pro 100.000 EW, in Niedersachsen
mit 48 und in Bremen 43 mit Gestorbenen pro 100.000 EW. „Die genauen
Ursachen für diese teils ausgeprägten regionalen Gefälle bedürfen der
Analyse. Mögliche Einflussfaktoren neben Alter und Geschlecht, die
berücksichtigt werden müssen, sind Raucheranteil, Erwerbsstatus,
Arbeitslosenquote und die Häufigkeit von Begleiterkrankungen“, so
Voigtländer.

Effekte von Präventionsprogrammen im Kindesalter nutzen
Die Diskussion um das Gesunde-Herz-Gesetz hat die öffentliche
Aufmerksamkeit insbesondere auf Defizite in den Präventionsbemühungen
Deutschlands zur Vermeidung von kardiovaskulären Erkrankungen gelenkt.
Zwar haben neben Fortschritten in Diagnostik, Therapie und nicht zuletzt
auch verstärkte Präventionsaktivitäten – insbesondere gegen die
Risikofaktoren Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (hohes
LDL-Cholesterin), Diabetes mellitus, Übergewicht sowie psychosozialer
Stress – zur Senkung der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit durch die KHK und
Herzinsuffizienz in den vergangenen Jahrzehnten gesorgt. Allerdings zeigen
Studiendaten (1) auch, dass Deutschland bei der durchschnittlichen
Lebenserwartung im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern weit
hinten steht. Die Gründe hierfür sehen die Studienautoren u.a. in
Defiziten bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben Alter
und Genetik sind durch einen ungesunden Lebensstil verursachte
Risikofaktoren wesentlich am Entstehen von KHK und anderen Herzkrankheiten
wie Herzschwäche beteiligt. „Wir müssen für eine Verbesserung der
Herzgesundheit in der Bevölkerung neben bestehenden Instrumenten der
medizinischen Therapie, Screenings und Vorsorge-Check-Ups verstärkt die
Effekte von frühzeitigen Präventionsprogrammen im Kindesalter für mehr
Bewegung, gesunde Ernährung und Wissen über die Herzgesundheit  nutzen“,
fordert der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung.
(wi)

Hinweis – Bei Abdruck/Nutzung der Presse-Information bitten wir um
folgende Angabe: Der Deutsche Herzbericht – Update 2024 wird von der
Deutschen Herzstiftung zusammen mit den wissenschaftlich-medizinischen
Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie (DGTHG), für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler
(DGPK)
und für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen
(DGPR) alljährlich herausgegeben. Infos und ePaper:
<www.herzstiftung.de/herzbericht>

Service
Der Deutsche Herzbericht – Update 2024 ist kostenfrei als ePaper mit
vielen weiteren Infos abrufbar unter: <www.herzstiftung.de/herzbericht>
Infos für Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet die
Herzstiftung kostenfrei unter <www.herzstiftung.de> an.

Tipp
Podcast: Was der Herzbericht - Update 24 über Herzschwäche verrät
Der Herzbericht fasst die aktuellen Daten zu den wichtigsten
Herzerkrankungen zusammen. Bei der Herzschwäche etwa zeigt sich
Handlungsbedarf. Dies ist Thema der aktuellen Podcastfolge mit
Expert:innen aus allen Bereichen der Herzmedizin und der Herzpatientin
Tamara Schwab.
<www.herzstiftung.de/podcast-herzbericht-2024>

Herzinfarkt-Risikotest: Die Herzstiftung bietet unter
www.herzstiftung.de/risiko einen kostenfreien Herzinfarkt-Risikotest an.

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Bewegung senkt das Krebsrisiko – Nationale Krebspräventionswoche 2024: „Gemeinsam bewegen – Krebsrisiko senken“

Viele Menschen bewegen sich
hierzulande zu wenig – und damit steigt ihr Risiko für zahlreiche
Krankheiten, darunter auch Krebs. Schätzungsweise sechs Prozent aller
Krebsneuerkrankungen in Deutschland entstehen als Folge von
Bewegungsmangel. In der Nationalen Krebspräventionswoche vom 9. bis 15.
September informieren die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche
Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebsgesellschaft über den
Zusammenhang von körperlicher Aktivität und Krebs und fordern täglichen,
unbenoteten Schulsport, um Kindern frühzeitig den Spaß an Bewegung zu
vermitteln, sowie niedrigschwellige Bewegungsangebote über alle
Altersstufen hinweg.

Wer sich täglich bewegt, kann das individuelle Krebsrisiko senken.
Insbesondere das Risiko für einige häufige Krebsarten wie Brustkrebs (nach
den Wechseljahren) und Darmkrebs kann durch körperliche Aktivität um 20
bis 30 Prozent reduziert werden. Auch für weitere Tumorarten, darunter
Krebs der Blase und der Nieren, des Magens und der Speiseröhre, gibt es
Hinweise, dass Bewegung das Erkrankungsrisiko verringern kann.

Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger:
„Wandern, Spazierengehen, Schwimmen – so einfach können wir etwas Gutes
für unsere Gesundheit tun. Denn regelmäßige Bewegung kann das Risiko, an
Krebs zu erkranken, signifikant verringern. Als Bundesministerium für
Bildung und Forschung setzen wir deshalb mit der Nationalen Dekade gegen
Krebs sowohl auf die Stärkung der Krebsforschung als auch auf die Stärkung
der Krebsprävention. Jeder sollte wissen, dass man mit wortwörtlich
wenigen Schritten einen Unterschied machen kann.“

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach: „Bewegungsmangel ist
nicht nur ein individuelles Problem, sondern ein wachsender Risikofaktor
für unsere gesamte Gesellschaft. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und
Diabetes sind nur einige der Herausforderungen, die uns vor Augen führen,
wie wichtig regelmäßige Bewegung ist. Sportliche Aktivität kann das
Risiko, an Krebs zu erkranken, im Durchschnitt um 20 bis 30 Prozent senken
– ein  überzeugender Grund, Bewegung fest in unseren Alltag zu
integrieren. Der Bewegungsgipfel und die Ergebnisse des „Runden Tisches
Bewegung und Gesundheit“ waren bereits vielversprechende Schritte in die
richtige Richtung. Doch es ist entscheidend, dass wir als Politik und
Gesellschaft weiter an einem Strang ziehen, um präventive Maßnahmen zu
fördern.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen
Krebsforschungszentrums: „Regelmäßige Bewegung muss kein Leistungssport
sein. Auch Alltagsbewegungen wie spazieren gehen oder Treppen steigen
statt Aufzug fahren wirken sich positiv auf die körperliche Gesundheit
aus. Studien deuten darauf hin, dass bereits sehr kurze Einheiten einen
positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Daher ist jede kurze Aktivität
besser als keine Bewegung. Wichtig ist, dass regelmäßige Bewegung zu einer
Gewohnheit wird.“

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 150 bis 300 Minuten moderate
oder 75 bis 150 Minuten intensive Bewegung pro Woche. Diese Dauer
erreichen jedoch nur ein Drittel der Frauen und etwa die Hälfte der
Männer. Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutsche Krebshilfe und Deutsche
Krebsgesellschaft fordern daher niedrigschwellige Bewegungsangebote, die
es allen Menschen leichter machen, sich ausreichend zu bewegen.
Beispielsweise sollen Städte und Kommunen den öffentlichen Raum
bewegungsförderlich gestalten, etwa mit einem sicheren Fahrradwegenetz und
beleuchteten Laufstrecken.

Besonders wichtig ist, Menschen schon im Kindesalter für körperliche
Aktivität zu begeistern. „Die Freude an Bewegung ist uns eigentlich in die
Wiege gelegt. Doch viele Kinder verlernen aus verschiedenen Gründen den
Spaß an körperlicher Aktivität und wachsen zu Bewegungsmuffeln heran“,
sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Wir
fordern daher an allen Schulen eine tägliche, unbenotete Schulsportstunde,
damit Kinder mit Freude in Bewegung bleiben.“

Auch für Krebspatient*innen ist es von Vorteil, regelmäßige Bewegung in
den Alltag zu integrieren oder gezielt Sport zu treiben. „Auch wer an
Krebs erkrankt ist, profitiert von sportlicher Betätigung. Eine
Bewegungstherapie kann Betroffenen während und nach der Krebsbehandlung
dabei helfen, die Erkrankung besser zu bewältigen sowie
Therapienebenwirkungen wie etwa Fatigue – eine chronische Erschöpfung –
abzumildern“, so Prof. Dr. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen
Krebsgesellschaft. Expert*innen empfehlen Krebsbetroffenen nach einer
Eingewöhnungsphase pro Woche 150 Minuten mäßig oder 75 Minuten körperlich-
anstrengend aktiv zu sein.

Online-Kampagne: #MitMirGehen
Anlässlich der Nationalen Krebspräventionswoche 2024 initiieren die drei
Organisationen eine Social Media-Kampagne unter dem Motto „Willst du mit
mir gehen?“. Ziel ist es, dass sich Menschen gegenseitig zu gemeinsamer
Bewegung motivieren und das gemeinsame Erlebnis unter dem Hashtag
#MitMirGehen auf Instagram, Facebook, X oder LinkedIn teilen.

Über die Nationale Krebspräventionswoche
Die Nationale Krebspräventionswoche ist eine gemeinsame Initiative der
Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums und der
Deutschen Krebsgesellschaft. Die drei Organisationen machen damit auf das
große Potenzial der Prävention aufmerksam. Die Vision: Krebs soll gar
nicht erst entstehen. Die Krebspräventionswoche findet jährlich im Monat
September statt. Im Fokus steht jedes Jahr ein anderer Lebensstil-Faktor,
der das Krebsrisiko beeinflusst.

Weitere Informationen zur Krebspräventionswoche unter:
https://krebsgesellschaft.de/krebspraeventionswoche_2024.html
https://dkfz.de/krebspraeventionswoche
https://krebshilfe.de/krebspraeventionswoche

Weitere Quellen:
https://wcrf.org/diet-activity-and-cancer/risk-factors/physical-activity-
and-cancer-risk/

https://leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin
Leitzmann et al., 2015: European Code against Cancer 4th Edition: Physical
activity and cancer (iarc.fr)
Behrens et al., 2018: Cancers Due to Excess Weight, Low Physical Activity,
and Unhealthy Diet - PMC (nih.gov)

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Neue Leitlinie zur Gicht veröffentlicht Gicht besser behandeln: die neue S3-Leitlinie im Überblick

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.
V. (DGRh) veröffentlicht erstmals eine evidenzbasierte S3-Leitlinie zur
Diagnostik und Therapie der Gicht. Die weitverbreitete
Stoffwechselerkrankung zeigt sich vor allem durch Entzündung in Gelenken.
Unbehandelt drohen schwere Gelenkschäden und ein erhöhtes Herz-Kreislauf-
Risiko. Was sich in der Behandlungspraxis sowohl in der allgemeinmedi-
zinischen als auch in der fachärztlichen Versorgung ändern wird, ist Thema
der digitalen Vorab-Pressekonferenz anlässlich des Rheumatologiekongresses
am 12. September 2024. Die neue Leitlinie setze Standards, um Gichtanfälle
und Gelenkschäden durch die Volkskrankheit zu vermeiden.

Korrekte Diagnose und schnelle Entzündungshemmung
„Trotz ihrer Häufigkeit wird die Gicht oft nicht angemessen diagnostiziert
und behandelt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer Leitlinie, an
der insgesamt sieben wissenschaftliche Fachgesellschaften beteiligt wa-
ren“, sagt Privatdozentin Dr. med. Uta Kiltz, Oberärztin am Rheuma-zentrum
Ruhrgebiet in Herne, die zusammen mit Privatdozentin Dr. med. Anne-Kathrin
Tausche, Dresden, die Leitlinienentwicklung koordi-niert hat. Entscheidend
sei die frühzeitige Diagnose der Gicht, um rasch mit einer wirksamen
Therapie beginnen zu können. Im akuten Gichtan-fall empfiehlt die aktuelle
Leitlinie den Einsatz von entzündungshem-menden Medikamenten wie
Colchicin, Glukokortikoiden oder nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR).
„Gerade hier sehen wir noch Defizi-te in der Versorgung. Denn eine rasche
Symptomkontrolle ist von ent-scheidender Bedeutung, um den Schaden am
Gelenk zu minimieren und die Schmerzbelastung der Patienten schnell zu
lindern“, betont Dr. Kiltz.

Am Zielwert der Serumharnsäure orientieren
Ursache für wiederkehrende Anfälle und schwere Gelenkschäden sind
chronisch erhöhte Harnsäurewerte im Blut der Betroffenen. Um dies zu
vermeiden, empfiehlt die Leitlinie eine sogenannte „Treat-to-
Target“-Strategie, bei der eine medikamentöse Senkung der Serumharnsäure
auf Werte unter 6 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Blut angestrebt wird.
„Die Senkung der Serumharnsäure muss zielgerichtet erfolgen, um
langfristige Gelenkschäden zu verhindern und damit entscheidend zur
Lebensqualität der Patient:innen beizutragen“, erklärt Professor Dr. med.
Christof Specker, Präsident der DGRh aus Essen. Dafür müssen allerdings
die Ärztin/der Arzt für jede einzelne Patientin oder Patienten individuell
den optimalen Zielwert ermitteln und die Medikation daran anpassen. Auf
diese Weise lassen sich therapeutischer Nutzen und me-dikamentöse
Belastung durch Medikamente ins Gleichgewicht bringen.

Einbeziehung der Patient:innen und interdisziplinäre Zusammen-arbeit
Ein wesentlicher Fortschritt bei der Erstellung dieser Leitlinie ist die
enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Fachgesell-
schaften und die aktive Beteiligung von Patientenvertreter:innen. Haus-
ärzt:innen übernehmen eine zentrale Rolle, da sie meist Menschen mit
akuten Gichtanfällen behandeln und gleichzeitig mit den Patient:innen die
langfristigen Behandlungsziele erörtern und die Therapie beginnen. In
schwereren Fällen ist die Überweisung an eine:n Fachärzt:in für
Rheumatologie wichtig. Die neue Leitlinie empfiehlt, bereits beim ersten
Gichtanfall alle Therapieoptionen mit den Patient:innen zu besprechen, um
die Akzeptanz der Behandlung zu verbessern.

Prävention und Aufklärung
Das Risiko, eine Gicht zu entwickeln, steigt mit dem Alter an und ist bei
Männern dreimal höher als bei Frauen. „Die Therapie der Gicht als chro-
nischer Erkrankung erfordert eine zuverlässige Mitarbeit der Betroffe-nen.
Dies gilt umso mehr für die begleitenden präventiven Maßnahmen.
Patient:innen sollten darüber aufgeklärt werden, dass unter anderem
Risiken wie Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko für
Gichtanfälle erhöhen“, so Privatdozentin Dr. Kiltz. Den Harnsäurespiegel
erhöhende Medikamente, wie etwa Mittel zur Entwässerung, seien nur zu
verwenden, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Bedeutung für die Praxis
Die neue S3-Leitlinie ist ein entscheidender Schritt hin zu einer verbes-
serten Versorgung von Gichtpatient:innen, so auch die Einschätzung von
Professor Specker. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die aktive
Einbindung der Patient:innen würde dazu beitragen, die Lebens-qualität der
Betroffenen nachhaltig zu steigern. „Mit dieser Leitlinie set-zen wir neue
Standards in der Behandlung der Gicht. Unser Ziel ist es, Gichtanfälle zu
verhindern, Gelenkschäden zu minimieren und die Le-bensqualität unserer
Patient:innen langfristig zu verbessern“, so das Fazit der Rheumatologin
Kiltz.

Zur Leitlinie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-005

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Rekord für eine lebensrettende Kinderherztherapie

Im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, werden insgesamt acht
Kinder zeitgleich mit einer künstlichen Herzunterstützung versorgt. Ein
Behandlungsspektrum in dieser Größenordnung ist einzigartig. Die Therapie
ist nur in speziellen Zentren möglich.

Dankbarkeit für eine segensreiche Therapie und klinische Rundumversorgung,
welche die gesamte Familie in die Behandlung miteinbezieht: So lässt sich
die Stimmung beim Treffen von Emma, Leo, Theo, Luis, Charlotte, Leni,
Smaranda und Nico, ihren Eltern und den engsten Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern beschreiben, die sich auf dem Spielplatz des
Kinderherzzentrums im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen, mit dem Fotografen zu einer außergewöhnlichen Gruppenaufnahme
verabredet haben.

„Das war für uns alle ein bewegender Moment“, betonen die Klinikdirektoren
Prof. Univ. (assoc.) Dr. Eugen Sandica (Herzchirurgie) und Prof. Dr.
Stephan Schubert (Kinderkardiologie). „Denn eine
Herzunterstützungstherapie ist immer auch eine Therapie auf ungewisse
Zeit. Sie kann wenige Tage dauern oder auch viele Monate oder Jahre.“ Fest
steht: Auch den erfahrenen Experten ist weltweit keine andere Einrichtung
bekannt, in der jemals acht Kinder gemeinsam mit einem solchen
Kunstherzsystem (engl. VAD= Ventricular Assist Device) versorgt worden
sind.

Herzunterstützung für alle Altersstufen

Ihren künstlichen Herzpumpen haben die acht Patientinnen und Patienten im
Alter von zehn Monaten bis zu neun Jahren, die Schubert und Sandica im HDZ
NRW betreuen, ihr Leben zu verdanken. Professor Sandica und sein Team
haben die Systeme in jeweils mehrstündigen Operationen unter Einsatz der
Herz-Lungen-Maschine direkt am Herzmuskel implantiert. Die Mehrzahl der
Patienten benötigen dieses System aufgrund einer akuten
Herzmuskelschwäche. Nur ein Hersteller weltweit bietet diese
Medizintechnik in verschiedenen Größen und Zusammensetzungen für Kinder
aller Altersstufen an. Eine Kabelverbindung führt zu einem externen, akku-
betriebenem Antriebssystem (Excor® Active mobil, Berlin Heart), auf das
die Kinder solange angewiesen sind, bis ein geeignetes Spenderherz zur
Verfügung steht oder sich das kranke Herz dank der Entlastung wieder
erholt.

Neu dazugekommen sind von Professor Sandica entwickelte Systeme für
Kinder, die mit nur einer funktionsfähigen Herzkammer geboren wurden. Dank
einer herzchirurgischen Korrektur dieser angeborenen Fehlbildung kann die
verbleibende Herzkammer für eine gewisse Zeit die gesamte Herzarbeit
übernehmen. Bei zwei Patientinnen drohte diese sogenannte Fontan-
Zirkulation zu versagen. Professor Sandica setzte beiden Mädchen diese
individualisierten Systeme erstmals weltweit in Bad Oeynhausen ein.

Gegenwärtig wird für die meisten der acht Kinder die Herztransplantation
anvisiert. Dabei überprüfen die Herzspezialisten überprüfen regelmäßig, ob
das Unterstützungssystem und eine entsprechende medikamentöse Therapie
möglicherweise auch zur Erholung der kranken Herzen führen. Denn aufgrund
des Mangels an Spenderorganen sollen nur diejenigen Kinder transplantiert
werden, die keine Aussicht mehr auf eine Entwöhnung vom VAD-System haben.

Durch die zusätzliche Möglichkeit, jetzt auch den Fontankreislauf bei
Einkammer-Herzkindern zu unterstützen, erweitert sich das klinische
Versorgungsspektrum für Patienten mit VAD-Systemen im Kindesalter. Dieses
ist angesichts knapper Ressourcen in der Kinderherzmedizin eine weitere
Herausforderung, der sich die Kinderherzzentren stellen müssen.
„Mehr denn je benötigen wir ausreichend qualifiziertes Personal, aber auch
medizinische Ressourcen im Bereich Arzneimittel und Medizinprodukte“,
betonen die Klinikdirektoren, die auch aufgrund der überregionalen
Patientenzuweisung in das HDZ NRW weiterhin mit Engpässen rechnen müssen.
Etwa ein bis zwei Jahre verbringen Kinder mit einem versagenden Herzen
durchschnittlich in einem Krankenhaus. Für ältere Jugendliche und junge
Erwachsene stehen zwar Herzunterstützungssysteme zur Verfügung, die eine
Entlassung nach Hause erlauben. Kinder sind jedoch nach wie vor auf eine
stationäre Versorgung angewiesen.

Wartezeit auf eine Herztransplantation

Auch wenn das mobile Excor® System, das Professor Sandica 2019 erstmals in
Deutschland in den klinischen Einsatz aufnahm, eine akzeptable
Lebensqualität bietet, ist die Belastung für die Familien während der
Unterstützungszeit enorm, in der gesunde Kinder Zeit zuhause verbringen,
in den Kindergarten oder in die Schule gehen, Freundschaften schließen,
Sport treiben.

„Wir wissen, wie wichtig hier individuelle und variable
Unterstützungsangebote sind, die unser Zentrum bereits bereithält, um die
oft schwierige und lange Zeit gemeinsam zu meistern und zu helfen, wo wir
können“, betont Professor Schubert. „Dabei arbeiten unsere Teams Hand in
Hand. Viele verschiedene Berufsgruppen sind involviert, um den mit einer
solchen Therapie verbundenen Risiken, aber auch den mit dem
Klinikaufenthalt verbundenen Sorgen und Nöten adäquat zu begegnen.“
Insgesamt 67 Patienten unter 16 Jahren sind bisher in Bad Oeynhausen mit
einem Berlin Heart Excor® System versorgt worden, davon wurden 43
transplantiert, elf entwöhnt und acht Patienten befinden sich zurzeit im
stationären Aufenthalt in der Klinik. Das HDZ NRW, Bad Oeynhausen, ist
seit vielen Jahren das größte Herztransplantationszentrum in Deutschland.

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Hintergrundinformation:

Das mechanische, pulsatile Herzunterstützungssystem EXCOR® Pediatric wird
zur Unterstützung der links- und/oder rechtsventrikulären Pumpfunktion bei
lebensbedrohlich erkrankten Kindern und Jugendlichen mit Herzversagen
eingesetzt, wenn andere Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. In
seltenen Fällen erholt sich das Herz wieder. Bei den meisten Betroffenen
ist jedoch ein Spenderherz der letzte Ausweg, um weiterzuleben. Das
speziell für die Altersgruppe von Kindern und Jugendlichen entwickelte
System ist weltweit das einzige, für die pädiatrische VAD-Therapie
zugelassene Herzunterstützungssystem, mit dem die Wartezeit auf eine
Herztransplantation überbrückt werden kann (VAD= engl. Ventricular Assist
Device).

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.500 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Das Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler des HDZ NRW
wird von Prof. Dr. Stephan Schubert, Direktor der Klinik für
Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler, und Prof. Univ. (assoc) Dr.
Eugen Sandica, Direktor der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene
Herzfehler, gemeinsam geleitet. Es zählt international zu den führenden
und größten Kliniken zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit
angeborenem Herzfehler und ist zertifiziertes Zentrum für die Behandlung
von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Zur ausgewiesenen
Expertise des Zentrums zählt die Therapie des gesamten Spektrums von
angeborenen Herzfehlbildungen im Neugeborenen-, Kindes-, Jugend- und
Erwachsenenalter. Jährlich werden hier weit über 1.000 Patienten mit
herausragenden Ergebnissen auch im internationalen Vergleich stationär
sowie ca. 4.500 Patienten ambulant betreut.

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