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Netzhautschäden durch einen Diabetes mellitus bleiben oft lange unbemerkt

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Rund jeder vierte Mensch mit Typ-1-Diabetes und 10 bis 15 Prozent der
Menschen mit Typ-2-Diabetes sind von einer diabetischen Retinopathie
betroffen. Dabei sind die kleinen Gefäße der Netzhaut infolge des Diabetes
geschädigt, was oft lange ohne Beschwerden bleibt. Anlässlich des Tages
der Netzhaut am 26. September 2026 erklären Experten der Deutschen
Diabetes Gesellschaft (DDG), welche Warnzeichen Betroffene kennen sollten,
wann Kontrollen nötig sind und wie sich das Risiko für Sehverlust senken
lässt.



Bei der diabetischen Retinopathie schädigt Diabetes die kleinen Blutgefäße
der Netzhaut. Betrifft die Erkrankung die Makula – also die Stelle des
schärfsten Sehens – kann die zentrale Sehschärfe nachlassen. Bei bis zu 16
Prozent aller Menschen mit Typ-2-Diabetes bestehen bereits zum Zeitpunkt
der Diabetesdiagnose Netzhautveränderungen. „Die Erkrankung kann
fortschreiten, obwohl Betroffene noch gut sehen“, warnt Professor Dr. med.
Stefan Kopf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Auge der DDG
und Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Klinik 1,
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Lübeck.

Handeln, bevor Warnzeichen auftreten

Frühe Stadien verursachen meist keine Beschwerden. Doch da treten bereits
unbemerkt kleinste Gefäßaussackungen, Blutungen und Ablagerungen auf. Sind
Symptome bemerkbar, kann die Erkrankung bereits fortgeschritten sein und
Gefäßverschlüsse sowie eine Unterversorgung der Netzhaut entstanden sein.
Dies kann zur Bildung krankhafter neuer Blutgefäße führen, die Blutungen
und im weiteren Verlauf sogar eine Ablösung der Netzhaut verursachen
können. Typische Symptome für eine beginnende Einblutung sind „Rußregen“
vor dem Auge. Dabei sieht man viele kleine schwarze Pünktchen oder
Wölkchen, die sich wie feiner Ruß oder Regen im Sichtfeld bewegen.
Symptome der diabetischen Netzhautablösung können Lichtblitze sein oder
können kaum wahrnehmbar sein, bis die Sehschärfe stark abnimmt, wenn sich
die Makula ablöst.

Eine besondere Bedeutung hat zudem die diabetische Makulopathie. Werden
die Gefäßveränderungen im Zentrum der Netzhaut wirksam, kann Flüssigkeit
austreten und die Makula anschwellen. Die Folge kann eine Verschlechterung
der zentralen Sehschärfe sein. Hinweise sind dann plötzlich schlechteres
oder verschwommenes Sehen, Leseschwierigkeiten, Störungen der
Farbwahrnehmung sowie dunkle Flecken oder rote Schleier.

„Plötzliche Veränderungen des Sehens müssen zeitnah augenärztlich
abgeklärt werden“, betont Professor Dr. med. Rainer Guthoff, designierter
zweiter Vorsitzender der AG Diabetes & Auge der DDG sowie
stellvertretender Direktor der Klinik für Augenheilkunde und Leiter des
Studienzentrums der Augenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD).
„Noch wichtiger ist jedoch, nicht erst auf Warnzeichen zu warten.
Regelmäßige Kontrollen nach einer Diabetesdiagnose können Veränderungen
entdecken, bevor das Sehvermögen nachlässt.“
Wann ist die Augenuntersuchung fällig?

Menschen mit Typ-1-Diabetes sollen fünf Jahre nach der Diagnose erstmalig
untersucht werden. Bei Typ-2-Diabetes ist die Kontrolle direkt nach
Feststellung der Erkrankung vorgesehen. „Sind weder Netzhautveränderungen
noch weitere Risikofaktoren bekannt, reicht in der Regel eine Untersuchung
alle zwei Jahre. Bei erhöhtem Risiko ist sie jährlich nötig. Besteht
bereits eine Retinopathie, legt die Augenärztin oder der Augenarzt
kürzere, dem Stadium angepasste Abstände fest.

Zu den Risikofaktoren zählen eine lange Diabetesdauer, dauerhaft erhöhte
Blutzuckerwerte, Bluthochdruck, eine diabetische Nierenschädigung und
Rauchen. Auch Schwangerschaft und Pubertät können den Erkrankungsverlauf
beeinflussen.

Trotz guter Blutzuckereinstellung Augen immer prüfen lassen

„Ist eine Retinopathie bereits vorhanden, reicht eine gute
Stoffwechseleinstellung allein aber nicht aus“, erklärt Endokrinologe und
Diabetologe Kopf. „Dann müssen Behandlung und Kontrollabstände eng
aufeinander abgestimmt werden.“ Denn schon eine leichte Retinopathie kann
rasch in eine schwere Form übergleiten, die das Sehvermögen erheblich
einschränkt.
Je nach Stadium kann eine Laserbehandlung (panretinale Laserkoagulation)
zum Einsatz kommen, oder es helfen Medikamente, die direkt in das Auge
gegeben werden (intravitreale Anti-VEGF-Therapien). „Auch operative
Verfahren, die das Fortschreiten bremsen und einen Sehverlust verhindern,
sind eine Option“, ergänzt Ophthalmologe Guthoff.

Neue Technologien eröffnen zusätzliche Möglichkeiten

Zudem könnte die Digitalisierung eine Früherkennung künftig verbessern.
Moderne Fundusfotografie in Verbindung mit künstlicher Intelligenz kann
dabei helfen, Menschen mit behandlungsbedürftigen Netzhautveränderungen
frühzeitig zu identifizieren. Entscheidend ist eine zuverlässige
Diagnostik und die enge Anbindung auffälliger Befunde an die
augenärztliche Versorgung.

Das können Menschen mit Diabetes für ihre Augen tun:
1.      Blutzucker und Blutdruck im Blick behalten: Werte regelmäßig
kontrollieren und die gemeinsam vereinbarten Therapieziele verfolgen.
2.      Augenarzttermine wahrnehmen: Auch dann, wenn das Sehvermögen
unverändert erscheint.
3.      Risikofaktoren reduzieren: Nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen
und ausgewogen ernähren.
4.      Warnzeichen ernst nehmen: Verschwommenes Sehen, dunkle Flecken,
Schleier oder „Rußregen“ rasch ärztlich abklären lassen.
5.      Besondere Situationen ansprechen: Bei einer Schwangerschaft oder
vor einer schnellen und deutlichen Senkung des Blutzuckers klären, ob
zusätzliche Augenkontrollen erforderlich sind.

Diabetes schädigt nicht nur die kleinen Gefäße der Netzhaut, sondern kann
gleichzeitig auch die Nieren betreffen. Veränderungen am Augenhintergrund
können daher ein Hinweis sein, auch die Nierenfunktion und insbesondere
die Albuminausscheidung im Urin im Blick zu behalten. Umgekehrt zählt eine
diabetische Nierenschädigung zu den Risikofaktoren für eine Retinopathie.
Bei Menschen mit Diabetes sollten deshalb Augen und Nieren immer gemeinsam
mitgedacht werden.

Die DDG greift dieses Thema am 18. November 2026 im Online-Vertiefungskurs
„Diabetologie DEEP - Diabetes & Niere“ für diabetesversierte Ärztinnen und
Ärzte sowie Gesundheitsfachkräfte auf. Die Veranstaltung gibt ein
kompaktes Update zu Früherkennung, Diagnostik, aktuellen Leitlinien und
modernen Therapieansätzen bei diabetesassoziierten Nierenerkrankungen.

Terminhinweis:
Diabetologie DEEP - Diabetes & Niere: Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V.
https://www.ddg.info/veranstaltungen/veranstaltungskalender/diabetologie-
deep-diabetes-niere

18.11.2026, 18.00 bis 20.00 Uhr
Online

Literatur:
S3-Leitlinie Spezielle Diagnostik und Therapie von Netzhautkomplikationen
bei Diabetes
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/045-024

Stefan Kopf, Horst Helbig, Hans-Peter Hammes, Klaus Dieter Lemmen, Bernd
Bertram, DDG Praxisempfehlung „Diabetische Retinopathie und Makulopathie“,
Diabetol Stoffwechs 2025; 20:S325–S331. DOI: 10.1055/a-2592-8536

Stadieneinteilung und Therapie der diabetischen Retinopathie und
Makulopathie - IFDA und AGDA 2021,
https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/IFdA_Broschuere_2021_download_Kopie_2.pdf

Horst Helbig, Klaus Dieter Lemmen, Georg Spital, Rainer Guthoff, Focke
Ziemssen, Stefan Kopf, Diabetes und Augenerkrankungen in Deutscher
Gesundheitsbericht Diabetes 2026:
https://www.ddg.info/politik/veroeffentlichungen/gesundheitsbericht