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ERC Starting Grant für DDZ-Forscherin: Wie Muskeln Stoffwechsel und Krebs beeinflussen

Mit ihrem Team erforscht Dr. Melanie Mittenbühler Myokine; Botenstoffe, die von der Skelettmuskulatur freigesetzt werden, insbesondere während körperlicher Aktivität.  Copyright: DDZ
Mit ihrem Team erforscht Dr. Melanie Mittenbühler Myokine; Botenstoffe, die von der Skelettmuskulatur freigesetzt werden, insbesondere während körperlicher Aktivität. Copyright: DDZ
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Wie beeinflusst die Skelettmuskulatur über körpereigene Botenstoffe den
Stoffwechsel und die Entstehung von Krebs? Diese Fragestellung untersucht
Dr. Melanie Mittenbühler, Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe Crosstalk
am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), in den kommenden fünf Jahren im
Projekt MYOSCAN. Für das Projekt erhält sie eine renommierte
Forschungsförderung des Europäischen Forschungsrats (European Research
Council, ERC) in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Der ERC Starting Grant zählt
zu den bedeutendsten Förderungen für exzellente
Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Europa.

Regelmäßige Bewegung schützt die Muskulatur und kann das Krebsrisiko
senken. Ein Effekt, der mit zunehmendem Alter besonders ins Gewicht fällt,
wenn das Risiko für Typ-2-Diabetes, Krebs und Sarkopenie (der
altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft) gleichzeitig
steigt. Besonders bei einer alternden und insulinresistenteren Bevölkerung
kann Sarkopenie zu Gebrechlichkeit, dem Verlust der Selbstständigkeit und
einer erhöhten Sterblichkeit führen. Warum Bewegung die Muskulatur schützt
und gleichzeitig das Krebsrisiko senken kann, ist auf molekularer Ebene
bislang jedoch nur unzureichend verstanden.

Hier kommt die Skelettmuskulatur ins Spiel, die weit mehr ist als nur ein
Bewegungsorgan. Sie steht im Zentrum von MYOSCAN: Über Botenstoffe,
sogenannte Myokine, kommuniziert sie mit anderen Organen und beeinflusst
den Stoffwechsel sowie zahlreiche weitere Prozesse im Körper. Bewegung
verändert die Freisetzung dieser Botenstoffe und trägt so zu ihren
gesundheitsfördernden Effekten bei. Mit zunehmendem Muskelabbau verändert
sich diese Kommunikation jedoch. Vermutet wird, dass die geschwächte
Muskulatur vermehrt Botenstoffe freisetzt, die chronische Entzündungen
fördern und dadurch auch die Entstehung von Krebs begünstigen können.

Myokine: Wie Muskeln mit dem Körper kommunizieren

Genau hier setzt MYOSCAN an. „Wir untersuchen erstmals systematisch,
welche Myokine die Skelettmuskulatur abhängig von Bewegung und
altersbedingtem Muskelverlust freisetzt“, erklärt Dr. Melanie
Mittenbühler, Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe Crosstalk am
Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ). 4.807 Forschende hatten sich für diese
Förderperiode auf einen ERC Starting Grant beworben, nur etwa jede
beziehungsweise jeder 11. Antragstellende wird vom Europäischen
Forschungsrat gefördert. Mit dem Grant kann Melanie Mittenbühler ihre
Forschungsgruppe um drei neue Mitarbeitende erweitern.

Für ihre Untersuchungen nutzt das Team einen hochmodernen Ansatz, der die
extrazellulären Flüssigkeiten der Skelettmuskulatur analysiert. „So können
wir untersuchen, welche Proteine trainierte und somit gesunde sowie
altersbedingt geschwächte Muskulatur freisetzt. Unser Ziel ist es, neue
Myokine zu identifizieren, insbesondere solche, die Krebswachstum fördern
oder ihm entgegenwirken“, sagt Mittenbühler. Während bekannt ist, dass
Krebs zu Muskelschwund führen kann (Kachexie), ist bislang auf molekularer
Ebene ungeklärt, ob eine geschwächte Muskulatur umgekehrt selbst die
Krebsentstehung fördern kann.

Das Forschungsprojekt ist von großer Bedeutung für die Diabetesforschung,
betont Prof. Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und
Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Klinik für
Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Die
Skelettmuskulatur spielt eine Schlüsselrolle im Glukosestoffwechsel.
Erkenntnisse darüber, wie Muskelzellen mit anderen Organen kommunizieren,
können neue Ansatzpunkte für die Prävention und Behandlung von Diabetes
sowie weiterer altersbedingter Erkrankungen liefern. Der ERC Starting
Grant unterstreicht die wissenschaftliche Relevanz der Forschung von Dr.
Melanie Mittenbühler.“

Relevant könnte MYOSCAN auch im Hinblick auf Abnehmspritzen sein:
GLP-1-Präparate verbessern zwar den Blutglukosestoffwechsel, führen aber
häufig zu Muskelabbau; ein Effekt, der sich besonders bei älteren Menschen
nur schwer rückgängig machen lässt. Ob dieser Effekt in Kombination mit
Sarkopenie das Krebsrisiko zusätzlich erhöht, ist bislang unbekannt.

Über den ERC Starting Grant

Der ERC Starting Grant richtet sich an talentierte
Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nach ihrer Promotion
und gehört zu den renommiertesten und wettbewerbsintensivsten
Förderprogrammen Europas. Der Europäische Forschungsrat unterstützt damit
exzellente Grundlagenforschung mit hohem Erkenntnispotenzial.