Herzinfarkt, Schlaganfall, Sepsis – Warnzeichen erkennen und Leben retten
Gemeinsame Aufklärungsaktion zum Tag des Notrufs 112: Expert:innen fordern
mehr Aufklärung über die drei häufigsten lebensbedrohlichen Notfälle
Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 44.000 Menschen an einem
Herzinfarkt, etwa 36.000 an einem Schlaganfall und mindestens 85.000 an
Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar, wenn Betroffene und
Ersthelfer:innen die Warnzeichen kennen und rechtzeitig den Rettungsdienst
unter 112 alarmieren würden.
Anlässlich des Tags des Notrufs 112 führen
das Aktionsbündnis Patientensicherheit, die Deutsche Herzstiftung und die
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Berlin eine gemeinsame
Aufklärungsaktion durch, um die wichtigsten Warnzeichen dieser drei
lebensbedrohlichen Komplikationen bekannter zu machen.
Herzinfarkt, Schlaganfall und Sepsis ereignen sich meist nicht im
Krankenhaus, sondern in ganz alltäglichen Lebenssituationen. Deshalb
sollte jeder in der Lage sein, die kritischen Warnzeichen bei sich und bei
anderen zu erkennen und im entscheidenden Moment den Rettungsdienst über
die Notrufnummer 112 zu alarmieren.
Allen drei Notfällen gemeinsam ist, dass sie sich oft mit unspezifischen
Symptomen bemerkbar machen können. Das führt häufig zu folgenschweren
Verzögerungen in der medizinischen Versorgung. Dabei ist Zeit der
entscheidende Faktor: Werden sie zu spät erkannt oder behandelt, können
diese Notfälle zu dauerhaften Organschäden, schweren Behinderungen oder
zum Tod führen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die
Überlebenschancen und desto geringer die Langzeitfolgen.
Herzinfarkt: Bei diesen Warnzeichen sofort den Notarzt (112) alarmieren
Beim Herzinfarkt sind plötzlich einsetzende starke Schmerzen, die länger
als fünf Minuten anhalten und überwiegend im Brustkorb oder auch hinter
dem Brustbein auftreten, typische Warnzeichen. Schmerzen können ebenso in
Arme (meist links), Oberbauch, Hals, Kiefer oder Schulterblätter
ausstrahlen. Viele Betroffene verspüren ein massives Engegefühl („Elefant
auf der Brust“), Druck oder ein heftiges Brennen in der Brust sowie
Atemnot. Unspezifische Symptome können sein: Schmerzen im Oberbauch, oft
mit Magenschmerzen verwechselt (häufiger bei Frauen), oder unerklärliche
Übelkeit.
„Wir erleben leider täglich, dass Infarktpatient:innen viel zu spät die
Klinik erreichen, weil sie oder Angehörige die Symptome unterschätzen oder
zu lange vor dem Notruf 112 zögern“, berichtet Prof. Dr. Ulf Landmesser
vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der
Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Deutschen
Herzzentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Beim Herzinfarkt
ist das Zögern vor der 112 fatal, weil der Infarkt zum Absterben von
Herzmuskelgewebe führt und eine Herzschwäche droht.“ Auch kann der
Herzinfarkt jederzeit in lebensgefährliches Herzkammerflimmern übergehen,
das innerhalb weniger Sekunden zum Herzstillstand führt und eine sofortige
Wiederbelebung erfordert.
Schlaganfall: Mit FAST-Test schnell reagieren
Ein Schlaganfall äußert sich häufig durch plötzlich auftretende
Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen
oder Schwindel. Mit dem FAST-Test können Laien einen Schlaganfall schnell
erkennen: Face (Gesichtslähmung), Arms (Armschwäche), Speech
(Sprachstörung), Time (Zeit ist entscheidend, 112 wählen).
Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat eine App herausgebracht, die
in den Stores kostenlos erhältlich ist. Mit drei einfachen Fragen zu den
häufigsten Symptomen können Laien einen Schlaganfallverdacht prüfen und
direkt den Notruf 112 auslösen. Die App ist dreisprachig deutsch, englisch
und türkisch und mit einer Audiofunktion ausgestattet, in der die Fragen
vorgelesen werden.
Prof. Dr. Darius G. Nabavi, stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und Chefarzt der Klinik für
Neurologie am Vivantes Klinikum Neukölln, betont: „‘Time is brain’ heißt
praktisch: Jede Minute ohne Behandlung verschlechtert die Chancen für eine
Genesung. Mit dem Notruf 112 wird die Schlaganfall-Rettungskette in Gang
gesetzt – vom Rettungsdienst bis zur strukturierten Versorgung in einer
Stroke Unit.“
Sepsis: Der unterschätzte Notfall bei Infektionen
Sepsis entsteht immer aus einer Infektion heraus und ist die schwerste
Verlaufsform, bei der der Körper mit einer lebensbedrohlichen Überreaktion
auf die Infektion reagiert. Die Warnzeichen einer Sepsis sind: starke
Schmerzen, ein nie gekanntes Krankheitsgefühl, Verwirrtheit oder
Wesensveränderung, Atemnot, Herzrasen, niedriger Blutdruck sowie kalte,
feuchte und fleckige Haut. Tritt bei einer Infektion eines oder mehrere
dieser Symptome auf, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
„Sepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation, die aus jeder Infektion
entstehen kann“, erklärt Dr. Ruth Hecker, Initiatorin der Kampagne
#DeutschlandErkenntSepsis des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit e.
V. „Die wenigsten Menschen wissen, woran sie eine Sepsis erkennen. Diese
Wissenslücke kostet täglich hunderte Menschenleben. Dabei könnten die
meisten Sepsis-Todesfälle durch Früherkennung und schnelle Behandlung
verhindert werden. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder die Warnzeichen
kennt und bei Verdacht sofort die 112 wählt.“
Aufklärungsaktion am Berliner Hauptbahnhof mit gemeinsamem Flyer
Auf dem Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof können sich Passant:innen
über die Warnzeichen von Herzinfarkt, Schlaganfall und Sepsis informieren.
Die drei Organisationen haben einen gemeinsamen Informationsflyer
erstellt, der die wichtigsten Warnzeichen aller drei Notfälle auf einen
Blick zeigt. An einem gemeinsamen Informationsstand erhalten am Aktionstag
Interessierte kostenlos diesen Flyer und weiteres Informationsmaterial.
Der sogenannte Euronotruf 112 ist europaweit rund um die Uhr kostenlos
erreichbar und verbindet direkt mit der Rettungsleitstelle. Der
Europäische Tag des Notrufs 112 wird seit 2009 jedes Jahr am 11.2.
begangen, um diese lebensrettende Nummer noch bekannter zu machen. Bei
Herzinfarkt, Schlaganfall und Sepsis zählt jede Minute. Wer die
Warnzeichen kennt und im Notfall schnell die 112 wählt, kann Leben retten.
Aus der akuten Not heraus: Die Initiative zur Notrufnummer 112
Die Initiative zur 112 wurde in Deutschland durch Ute und Siegfried
Steiger, die Gründer der Björn Steiger Stiftung, ins Leben gerufen. Bis
heute sieht die Stiftung ihre zentralen Aufgaben in der kontinuierlichen
Verbesserung des Rettungsdienstes und der Notfallhilfe. Dafür fordert sie
eine grundlegende Reform des Rettungswesens – etwa durch eine
bereichsübergreifende Vernetzung innerhalb des Notfallversorgungssystems
sowie durch eine effektivere Patientensteuerung in den Leitstellen, damit
der Rettungsdienst für echte Notfälle verfügbar bleibt.
„Entscheidend ist, was nach dem Wählen der 112 passiert. Deshalb braucht
es endlich einen politischen Kraftakt: Unsere Leitstellen müssen auf
international anerkannte Abfragestandards gebracht werden, die heute in
über 95 Prozent der deutschen Leitstellen nicht erreicht werden – und
gleichzeitig müssen wir das Wissen in der Bevölkerung stärken. Denn bei
einem außerklinischen Herzstillstand ist der Rettungsdienst einzig und
allein auf die sofortige Herzdruckmassage durch Laien angewiesen“, betont
Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. „Deutschland
braucht mehr potenzielle Lebensretter und vor allem mehr
gesellschaftlichen Mut zur Hilfeleistung bei einem beobachteten
Herzstillstand. Deshalb befähigen wir die Bevölkerung mit kostenfreien
Schulungen zur Reanimation.“
Hintergrundinformationen:
Herzinfarkt
• Etwa 44.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland
• Risikopatienten (auch für den Schlaganfall): Raucher, Patienten
mit Arteriosklerose wie Koronare Herzkrankheit (KHK) oder periphere
Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), mit Fettstoffwechselstörungen
(hohes LDL-Cholesterin), Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck.
• Typische Symptome: Starke Brustschmerzen über 5 Minuten,
Ausstrahlung in Arme/Kiefer, Atemnot
• Bei Frauen teilweise untypisch: Oberbauchschmerzen, Übelkeit
• Wichtig: Sofort Notruf 112 wählen – jede Minute zählt
• Weitere Infos: <www.herzstiftung.de/herzinfar
<www.herzstiftung.de/herzinfar
• Chest Pain Unit (CPU), auf Deutsch Brustschmerzeinheit, ist ein
spezialisierter Bereich in einem Krankenhaus, wo die akuten Brustschmerzen
schnell diagnostiziert und behandelt werden können, um lebensbedrohliche
Zustände wie Herzinfarkte frühzeitig zu erkennen oder auszuschließen.
Schlaganfall
• Etwa 36.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland
• Rund 270.000 Menschen erleiden jährlich einen Schlaganfall
• Typische Symptome: Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen, starke
Kopfschmerzen
• FAST-Test hilft beim Erkennen
• Stroke Units in Deutschland: mehr als 350 zertifizierte Einheiten
• Zeit ist Gehirn: Pro Minute sterben 2 Millionen Nervenzellen
Sepsis
• Mindestens 85.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland
• Mindestens 230.000 Erkrankungen jährlich
• Entsteht immer aus einer Infektion
• Typische Symptome: Extremes Krankheitsgefühl, Verwirrtheit,
Atemnot, Herzrasen, kalte fleckige Haut
• 20–30 Prozent aller Todesfälle durch Sepsis gelten als vermeidbar
• Wichtig: Bei Infektion mit Sepsis-Warnzeichen sofort 112 wählen
• Weitere Informationen zu Sepsis: <www.deutschland-erkennt-
sepsis.de/wissen-und-informier
Europäischer Notruf 112
• 112 ist die europaweite Notrufnummer und in der gesamten EU und
den meisten weiteren europäischen Staaten kostenlos erreichbar – aus dem
Festnetz und mobil
• Über die 112 erreichen Anrufer:innen je nach Land die passende
Hilfe (Rettungsdienst, Feuerwehr und teils auch Polizei), eine Leitstelle
koordiniert oder verbindet weiter.
• In Deutschland gilt: 112 = Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 =
Polizei.
• Der Europäische Tag des Notrufs 112 wird jedes Jahr am 11. Februar
begangen.
• Die Björn Steiger Stiftung hat die Einführung eines einheitlichen
Notrufsystems in Deutschland maßgeblich vorangetrieben; die bundesweite
Einführung von 110/112 wurde 1973 beschlossen, 1991 die europaweite
Einführung.
• Weitere Informationen: <www.steiger-stiftung.de/was-w
/notruf-forschung/notruf-112/
