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Politik

Sonntagsfrage: Talfahrt bei der Union Starke Bewegung in der Wahlabsicht – Große Verluste bei der Union, Gewinne bei den Grünen, der FDP und der SPD

27 Prozent der wahlberechtigten Bundesbürgerinnen und Bundesbürger geben an, CDU/CSU zu wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Dieser Wert liegt um 6 Prozentpunkte niedriger als im Februar 2021 und um 9 Prozentpunkte niedriger im Vergleich zum Januar-Ergebnis (36 Prozent). Das Ergebnis der SPD kann hingegen erneut einen Punkt gutmachen: Die Sozialdemokraten landen im März bei 17 Prozent. Die Grünen können um 3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat zulegen und kommen auf 21 Prozent. Auch die FDP kann im März erneut punkten und landet mit 2 Prozentpunkten mehr im Vergleich zum Februar bei 10 Prozent bei der Wahlabsicht der deutschen Wahlberechtigten. AfD und Linke bleiben im Vergleich zum Vormonat stabil (AfD 11 Prozent, die Linke 8 Prozent). Die sonstigen Parteien erreichen 6 Prozent der Wählerstimmen.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Sonntagsfrage, für die 1.637 Personen unter 2.054 wahlberechtigten Umfrageteilnehmern ihre Wahlabsicht zwischen dem 25.03.2021 und 29.03.2021 abgegeben haben.

Söder gilt am häufigsten als führungsstark, Laschet als bürgernah, Habeck & Baerbock als sympathisch & klug

Unter jenen Deutschen, die die Anwärter für die Kanzlerkandidatur von Union (Armin Laschet und Markus Söder) und den Grünen (Robert Habeck und Annalena Baerbock) kennen, schreiben 66 Prozent dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder Führungsstärke zu. Über Armin Laschet und Robert Habeck sagen dies jeweils nur 13 Prozent, über Annalena Baerbock aber 26 Prozent. Auch bei dem Aspekt „Tatkraft“ schneidet Söder am besten ab: 59 Prozent der Kenner bezeichnen ihn als tatkräftig, über Baerbock sagen dies 30 Prozent der Kenner, über Laschet 25 Prozent und über Habeck 22 Prozent. Während Annalena Baerbock bei den beiden genannten Eigenschaften (Führungsstärke & Tatkraft) jeweils besser abschneidet als ihr Parteikollege Robert Habeck, so gelten beide doch als gleich sympathisch (jeweils 49 Prozent unter Kennern). Markus Söder finden 30 Prozent sympathisch und Armin Laschet 23 Prozent.

Dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet wird hingegen unter Kennern am häufigsten Bürgernähe zugesprochen (42 Prozent vs. 37 Prozent für Habeck, 33 Prozent für Baerbock und 25 Prozent für Söder). Bei Verständigkeit & Klugheit, also Sachverstand, punkten Grünen-Chefin und -Chef: 42 Prozent der Kenner halten Annalena Baerbock für klug und verständig, 41 Prozent Robert Habeck. Markus Söder schreiben 32 Prozent der Kenner Sachverstand zu und Armin Laschet 27 Prozent.

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Geheime Verträge: Studie enthüllt Chinas Kreditvergabepraxis der Belt and Road Initiative

Einem Forschungsteam unter Beteiligung des IfW Kiel gelang erstmals der
Zugang zu 100 Originalverträgen chinesischer Gläubiger und damit die
Enthüllung bisher unbekannter Details über Chinas Kreditvergabepraxis an
Entwicklungsländer. Die Kontrakte enthalten demnach ungewöhnliche
Geheimhaltungsbestimmungen sowie Klauseln, die zulasten anderer
internationaler Geldgeber gehen. Chinesische Banken positionieren sich
bewusst als vorrangige Gläubiger und schränken die Handlungsoptionen der
Schuldnerländer im Falle einer Zahlungsunfähigkeit teilweise stark ein.
Der Schuldendienst ist zudem oft durch Auslandskonten und Projekteinnahmen
abgesichert.

„Durch die Belt and Road Initiative ist China zum größten öffentlichen
Gläubiger für Entwicklungsländer aufgestiegen, die finanzierenden
Staatsbanken treten als sehr versierte Kreditgeber auf, die ihre
Verhandlungsmacht gekonnt zu ihrem Vorteil ausnutzen“, sagt Christoph
Trebesch (https://www.ifw-kiel.de/de/experten/ifw/christoph-trebesch/),
Forschungsdirektor am IfW Kiel und Mitautor von How China Lends. Die
Studie entstand in Kooperation von AidData at William & Mary, dem Center
for Global Development, dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel)
und dem Peterson Institute for International Economics. Die Autorinnen und
Autoren untersuchen darin 100 chinesische Kreditverträge mit 24 Ländern,
viele davon sind Teil der Belt and Road Initiative.

Die Auswertung von Originalverträgen chinesischer Kredite ist in dieser
Form einzigartig und die bislang erste systematische Analyse der
rechtlichen Konditionen von Chinas Kreditvergabe im Ausland. Die Verträge
fanden sich auf Regierungswebseiten der Schuldnerländer und waren
offensichtlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Der von AidData
zusammengestellte Vertragsdatensatz ist die bislang größte Quelle für
Schuldverträge zwischen staatlichen chinesischen Kreditgebern und
Entwicklungsländern und über eine Online-Datenbank öffentlich einsehbar
(Link siehe unten).

„Die Diskussion um Chinas Auslandskredite hat sich bislang in einem
Fakten-Vakuum abgespielt“, so Anna Gelpern, Professorin für Recht an der
Georgetown University und Nonresident Senior Fellow am Peter G. Peterson
Institute for International Economics. „Kaum einer von Chinas
Schuldenverträgen – und kaum ein Schuldenvertrag aus einem anderen Land –
wurde je veröffentlicht oder untersucht.“

Die Forscherinnen und Forscher verglichen die chinesischen Kreditverträge
mit 142 öffentlich zugänglichen Verträgen anderer großer Gläubigerländer
und fanden mehrere ungewöhnliche Merkmale:

- Chinas Verträge enthalten ungewöhnlich weitreichende
Vertraulichkeitsklauseln, die Kreditnehmer daran hindern, die Bedingungen
oder manchmal sogar die Existenz der Kredite offenzulegen. Dabei
unterlagen Chinas Verträge im Laufe der Zeit immer strengeren
Geheimhaltungsklauseln. Seit 2014 enthält jeder untersuchte Vertrag eine
Vertraulichkeitsklausel. Damit sind sie für Steuerzahler, die am Ende für
die Rückzahlung aufkommen müssen, intransparent und ebenso für andere
Kreditgeber, die dadurch die Bonität eines Landes nicht zuverlässig
einschätzen können.

- Die Verträge enthalten auch Bestimmungen, die chinesischen Staatsbanken
Vorrang vor anderen Gläubigern geben. Fast ein Drittel der Verträge
verlangte von den kreditnehmenden Ländern, erhebliche Barguthaben auf
Bank- oder Treuhandkonten zu halten, die chinesische Banken im Falle eines
Zahlungsausfalls beschlagnahmen können. Diese informellen
Sicherheitsvereinbarungen setzen die chinesischen Kreditgeber an die
Spitze der Rückzahlungslinie, da die Banken auf die Konten ihrer
Kreditnehmer zugreifen können, um unbezahlte Schulden einzutreiben. In den
meisten Verträgen wurde den Kreditnehmern auch ausdrücklich untersagt,
ihre Schulden in Abstimmung mit anderen Gläubigern umzustrukturieren, so
dass es allein im Ermessen Chinas liegt, ob, wann und wie es in Not
geratenen Ländern einen Schuldenerlass gewährt.

- Die Verträge geben China auch einen großen Spielraum, Kredite zu
kündigen oder die Rückzahlung zu beschleunigen, wenn es mit der Politik
eines Kreditnehmers nicht einverstanden ist. Beispielsweise behandelt die
China Development Bank (CDB) den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu
China als ein „Ausfallereignis“. Weitreichende Cross-Default- und Cross-
Cancellation-Bestimmungen geben chinesischen Kreditgebern zudem mehr
Einfluss auf Kreditnehmer und andere Gläubiger, als bisher angenommen
wurde.

„Chinas Praktiken erschweren es Ländern, die sich beispielsweise aufgrund
der Corona-Pandemie in einer finanziellen Notlage befinden, ihre
Schuldensituation in den Griff zu bekommen“, sagt Trebesch. IfW-Forscher
Sebastian Horn (https://www.ifw-kiel.de/de/experten/ifw/sebastian-horn/)
ergänzt: „Die meisten chinesischen Kreditverträge enthalten Klauseln, die
es den Schuldnerregierungen untersagen, chinesische Kredite in
Koordination mit anderen Gläubigern umzuschulden.“

Laut Scott Morris, Senior Fellow am Center for Global Development, „hat
China in der G20 einen kooperativen Ton in Schuldenfragen angeschlagen,
aber einige der Bestimmungen in seinen Kreditverträgen stehen eindeutig im
Widerspruch zu den Zielen des gemeinsamen Rahmenwerks zum Thema
Verschuldung, auf das sich die G20-Minister vor sechs Monaten geeinigt
haben.“

„Einige Entwicklungsländer haben derzeit Schwierigkeiten, ihre
ausländischen Schulden zu bedienen“, so Brad Parks, AidData's Executive
Director. „Nicht-chinesische Kreditgeber sind aber zunehmend zögerlich,
Rückzahlungsbedingungen neu zu verhandeln, solange sie nicht wissen, ob
sie tatsächlich an der Spitze der Rückzahlungslinie stehen und wie Chinas
Forderungen im Detail aussehen.“

Die Autoren von How China Lends fordern, dass Staatsschulden grundsätzlich
mit Blick auf ihre Höhe und ihre Kreditkonditionen transparent und
öffentlich sein müssen, damit Bürgerinnen und Bürger ihre Regierungen
dafür zur Rechenschaft ziehen können.

Zur Studie “How China Lends: A Rare Look into 100 Debt Contracts with
Foreign Government”: https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/journal-
article/2021/how-china-lends-a-rare-look-into-100-debt-contracts-with-
foreign-government-0/


Ein Online-Datenbank mit digitalisierten Kopien der Originalverträge kann
unter https://www.aiddata.org/how-china-lends (https://www.aiddata.org
/how-china-lends) aufgerufen und nach Kreditgeber, Kreditnehmer, Sektor
und Vertragsklausel durchsucht werden.

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Grüner Aufschwung: Ist die EU auf dem richtigen Weg?

„Green Recovery Tracker“ des Wuppertal Instituts und E3G bewertet
Klimaschutz-Beitrag der nationalen Konjunkturmaßnahmen

Die Aufbau- und Resilienzfazilität – auch Recovery and Resilience Facility
– der EU stellt rund 672,5 Mrd. Euro für die von den Mitgliedstaaten
nationalen Konjunkturpläne bereit. Im Juli 2020 haben sich die
europäischen Staats- und Regierungschefs darauf verständigt, dass sie mit
einer grünen Transformation in Einklang gebracht werden müssen. Werden die
vorgeschlagenen Maßnahmen der Mitgliedstaaten diesen Ambitionen auch
gerecht? Der „Green Recovery Tracker“ des Wuppertal Instituts und E3G
nimmt das genauer unter die Lupe. Erste Ergebnisse stellen sie heute vor.

Berlin/Wuppertal, 17. März 2021: Der „Green Recovery Tracker“ bewertete
bisher neun nationale Konjunkturpläne der EU aus Frankreich, Deutschland,
Spanien, Portugal, Bulgarien, Lettland, Polen, der Slowakei und Slowenien.
Weitere Analysen folgen in den kommenden Wochen, sobald weitere
Konjunkturpläne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die EU auf einem guten
Weg zu einem grünen Aufschwung befindet. Bisher wurden rund 133 Milliarden
Euro zur Unterstützung der grünen Transformation bereitgestellt.

„Wir freuen uns, dass die EU-Mitgliedstaaten die Gelegenheit ergreifen,
dringend benötigte Investitionen in eine grüne wirtschaftliche Erholung zu
tätigen“, sagt Johanna Lehne, Senior Policy Advisor bei E3G. „Die Pläne,
die wir bisher gesehen haben, sind mehr als nur fiskalische Anreize mit
Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und
Übergangsinfrastruktur.“ Polen beispielsweise nutzt die Konjunkturmittel,
um seine Offshore-Windenergie-Industrie auszubauen. Spanien plant
umfangreiche Investitionen in eine inklusivere Energiewende und will seine
Ziele für erneuerbare Energien beschleunigen. Bulgarien unterstützt die
Energieeffizienz- und erneuerbare Heizungsmaßnahmen für freistehende
Häuser, die nicht an Wärme- und Gasnetze angeschlossen sind.

Noch ist nicht sicher, dass die Wirtschaft auf den richtigen Weg für
langfristige Herausforderungen ist. Denn bei vielen Plänen liegen die
Details noch nicht vor, wie beispielsweise Maßnahmen umgesetzt und welche
konkreten Projekte gefördert werden sollen. Die Daten des „Green Recovery
Tracker“ belegen, dass rund 76 Milliarden Euro oder 21 Prozent der
geplanten Gesamtausgaben in Maßnahmen fließen, deren Klimaeffekt noch
nicht abschätzbar ist. Diese könnten nach der Umsetzung sowohl positiv als
auch negativ sein.

Es stehen in den kommenden Wochen und Jahren wichtige Entscheidungen an,
in denen die Pläne der Mitgliedstaaten fertiggestellt und von den
europäischen Institutionen überprüft werden, sobald sie umgesetzt werden.

„Es bleibt abzuwarten, ob die EU den wirtschaftlichen Aufschwung mit dem
langfristigen Ziel der Klimaneutralität in Einklang bringen kann“, sagt
Timon Wehnert, Leiter Büro Berlin und Senior Researcher am Wuppertal
Institut, und ergänzt: „Das Risiko ist hoch, dass Maßnahmen, die auf den
ersten Blick „grün“ aussehen, letztlich fossile Energieträger unterstützen
oder auch einige Pläne schädliche Maßnahmen enthalten.“
Beispiele hierfür seien etwa Investitionen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro
in dringend benötigte Effizienzmaßnahmen in Polen, mit denen auch
Erdgaskessel gefördert werden könnten, Investitionen von rund 244 Millonen
Euro in die bulgarische Gasinfrastruktur, wobei derzeit unklar ist, ob
diese Infrastruktur auch für Wasserstoff genutzt werden kann, sowie rund
723 Millionen Euro für das Straßennetz in Portugal.

Die meisten bisher vorliegenden Entwürfe für Konjunkturprogramme wurden
nicht von effektiven Steuerungsmechanismen oder Reformen begleitet. Oft
werden die Gelder zur Finanzierung bereits vereinbarter Programme
verwendet, anstatt neue transformative Maßnahmen aufzusetzen. Darüber
hinaus fehle es oft an Leistungsindikatoren und Schritten, um die
Anpassung der Sanierungsmaßnahmen an den breiteren politischen Rahmen der
Energiewende sicherzustellen.

Politischer Kontext der nationalen Konjunktur- und Resilienz-Pläne

Alle EU-Mitgliedstaaten müssen bis Ende April 2021 nationale
Konjunkturpläne vorlegen, um die Mittel der 672,5 Milliarden Euro schweren
Recovery and Resilience Facility (RRF) abrufen zu können. Die RRF-
Verordnung sieht vor, dass mindestens 37 Prozent der Gelder, die in den
nationalen Plänen ausgegeben werden, die Klimaziele unterstützen, während
der Rest der Gelder dem grünen Übergang „keinen signifikanten Schaden“
zufügen sollen. Um diese Kriterien zu erfüllen, überprüft die Europäische
Kommission die Pläne formal sobald sie vorliegen. Das Europäische
Parlament kontrolliert diese anschließend.

Launch des „Green Recovery Tracker“


Der Green Recovery Tracker wird heute, 17. März 2021 um 14 Uhr offiziell
während des Launch-Events „Is Europe on Track for a Green Recovery“
vorgestellt. Im Rahmen der Veranstaltung präsentieren die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Wuppertal Instituts und E3G
die neusten Ergebnisse zum Stand der Recovery-Pläne der EU-
Mitgliedstaaten.

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SUTTER THE SWISS Eine historische Geschichte von Anna Rybinski 4. Teil

Tausende Goldgräber im Rausch Wiener Zeitung
Tausende Goldgräber im Rausch Bild Wiener Zeitung

Ich hatte alles ausgehalten – vielleicht zu lange. Warum? Es war mir weh ums Herz beim Gedanken, meine sanftmütige, fröhliche Ahyoka mit den zwei Kleinen zu verlassen. Die Welt um uns hatte sich aber stark verändert.

Das Ende von New Helvetia

Hafen von St. Francisco Eduard  Hildebrandt
Hafen von St. Francisco Eduard Hildebrandt

Man baute in der Sierra ein Wegenetz aus, mit Stützpunkten und Hilfeleistungen. Hunderttausende kamen auf den ausgetretenen Pfaden herüber. Es war kein Vergleich mit den lebensgefährlichen Reisen in den Pionierjahren. Gewalttätige Einwanderer – Squatters genannt – besiedelten ohne Erlaubnis neue Gebiete, rodeten die Wälder, stahlen das Vieh von unserer Farm. Sie zur Rechenschaft zu ziehen war gefährlich; ein geladenes Gewehr hatten sie immer in Reichweite. Sutter wusste weder aus noch ein. Er wollte Land verkaufen und unterschrieb Vollmachten, um wenigstens Bargeld zu bekommen. Die meisten Farmen waren aber schon verpfändet, er hätte sie gar nicht verkaufen dürfen. Er verhandelte allerdings wieder mit Betrügern, die keine Vorzahlung leisten konnten, und es wurde nichts aus dem Verkauf. Wer wollte eigentlich wen bei diesen Geschäften reinlegen?

Als wir einmal mit der Barkasse zum Hafen hinunterruderten, wehte dort schon die amerikanische Fahne und rundherum hielten Yankee-Soldaten die Wache.

»Yerba Buena nau american?«, fragte ich einen von ihnen erstaunt.

»Notting Yerba Buena, feller. San Francisco!« antwortete er stolz, mit ebenso schlechtem Englisch.

Kalifornien wurde also ein Bundesstaat von Amerika. Wir hofften alle, dass die Gesetzlosigkeit ein Ende nehmen würde und Sutter erwartete von der Regierung Schadenersatz für seine grossen Verluste in der Landwirtschaft und eine Beteiligung am Goldgewinn: viele Millionen Dollar!

Er begann einen endlosen Kampf gegen den amerikanischen Staat.

Sollten die Landschenkungen des besiegten Mexiko von den USA anerkannt werden? Diese schwierige Frage konnte vorläufig niemand beantworten. Winkeladvokaten und ähnliche Wortverdreher witterten jedoch gleich das grosse Geschäft und kamen in Scharen zu uns; unzählige Schriftstücke wurden aufgestellt und weitergeleitet.

Washington aber – ohne vorerst irgendwelche Landansprüche gelten zu lassen – erkannte Sutters Hilfeleistungen für die amerikanischen Einwanderer und gab ihm einen pompösen Titel: Er wurde Generalmajor der kalifornischen Miliz.

Zum wievielten Male eine neue Anrede? Dieser Titel war allerdings der schönste.

 

Major-General John A. Sutter – nur ein Ehrenamt

Goldgräber circa 1850
Goldgräber circa 1850

Leider war es mit hohen Kosten verbunden. Der titelsüchtige Mann wurde aber in seiner eigenen Eitelkeit gefangen und ein letztes Mal kamen in ihm Glücksgefühle auf. Es war wieder wie in vergangenen Zeiten: grosse Feste mit erlesenen Weinen und Zigarren für die Gratulanten, Paradeuniformen für sich selbst und seine wenigen Angestellten. Gott weiss, wo er erneut Geld auftreiben konnte, seine Kasse war ja leer; wir Schweizer wussten es am besten.

Ich war empört. Während die Taugenichtse mit Pasteten gefüttert wurden, konnte er seit Jahren keinen Sold zahlen. Er gab uns höchstens hie und da ein kleines Stück Ackerland, was aber niemand kaufen wollte. Ich fühlte mich auch einsam; die anderen Schweizer waren schon von dannen und die rohen Sitten der Squatters widerten mich an.

Als ich mich endlich entschied, in die Heimat zurückzukehren, hatte Sutter schon alles bereut und mit Tränen in den Augen nahm er Abschied von mir.

»Ich war so dumm … sie betrogen mich vorne und hinten.«

Wie wahr! Viele Schurken hatte er reich gemacht – den wenigen, die ehrlich waren, konnte er bloss freundliche Worte geben.

Ich dachte ernsthaft daran, Ahyoka und die Kleinen mitzunehmen. Sutter gab mir den Rat: »Tu es nicht! Sie würden in deinem Schweizer Dorf zugrunde gehen. Lass sie zu ihrem Stamm zurückkehren! Sie ist jung, wird noch einen neuen Mann finden. Es ist besser so für alle.«

Wie Recht er hatte! Ausgestossen, unverstanden in einer fremden Welt zu leben ist für Indianer schlimmer als der Tod.

 

Sutter's Fort ruins painting by  Calthea Vivian
Sutter's Fort ruins painting by Calthea Vivian

Einmal war es so weit. Ich drückte die letzten Goldklümpchen, die ich insgeheim bewahrte, in Ahyokas Hand, küsste die halbnackten Kleinen, die friedlich im Staub spielten und marschierte mit meinen Siebensachen den Hügel hinunter zu New Helvetia. Es hiess jetzt Sacramento-City und war die Hauptstadt von ganz Kalifornien. Auf dem Fluss ruderte ich zum Hafen, der immer amerikanischer wurde, man hörte kaum mehr ein spanisches Wort. Bald ergab sich die Gelegenheit, mit einem Frachtschiff als Hilfsmatrose ohne Bezahlung die grosse Reise anzutreten.

Ich ging so arm heim wie einst gekommen.

 

In meinem Heimatdorf war fast alles beim Alten

 

Schweizer im Goldrausch
Schweizer im Goldrausch

Die Eltern lebten nicht mehr, ihr kleines Bauernhaus hatte ich ausgebessert und in Besitz genommen. Oft dachte ich mit Wehmut an meine Indianer-Familie zurück: Werden meine Kinder sich ans freie Leben gewöhnen können? Wird der Stamm noch genug Jagdgründe haben?

Doch die Erinnerungen wurden nach einer Weile blass, und die Zukunft schien mir immer wichtiger. Mit 40 Jahren konnte ich noch ans Heiraten denken und hoffen, dass ich meine Schweizer Kinder heranwachsen sehe.

Nachrichten aus Amerika erreichten mich hie und da.

Der arme General war den brutalen Neusiedlern im Weg. Als sie zuletzt sein Wohnhaus in Brand steckten, machte er sich auf nach Washington, um für seine Sache zu kämpfen. Irgendeine Pension aus Gnade wurde ihm vorläufig zugesprochen, doch die Gesetzvorlage zu seinen Gunsten wurde vom Kongress immer wieder vertagt.

In der Basler Zeitung las mein Sohn neulich einen kurzen Bericht über seinen Tod in der amerikanischen Hauptstadt. Er starb wohl an gebrochenem Herzen.

 

Johann August Sutter Gemälde von Franz Buchser
Johann August Sutter Gemälde von Franz Buchser

Ich grübelte viel über Sutter – seine Laufbahn hatte Höhen und Tiefen erreicht wie kaum bei einem anderen Menschen.

Wer war er wirklich?

Ein echter Pionier und Held, wie wir ihn in seinen grossen Jahren erlebten – oder ein Kleinkrimineller, der in der Schweiz steckbrieflich gesucht wurde?

Einerseits war er ein Prahler und Lügner – andererseits ein guter Mensch, das kann ich selbst bezeugen. Aber wie konnte er seine eigene Familie  jahrelang in der  bittersten Armut leben lassen?

Sutter starb 1880 im Mades Hotel  Washington
Sutter starb 1880 im Mades Hotel Washington

Er verstand nichts von der Industrie, trotzdem schuf er Werkstätten, Fabriken, Mühlen und damit die Anfänge der kalifornischen Industrie.

Ohne landwirtschaftliche Erfahrung hatte er den Mexikanern bewiesen, dass man im grossen Binnental Weizen anbauen kann. Später zeigten seine prächtigen Obstanlagen den Amerikanern, was der gesegnete Boden dort hergibt.

Ordnungsgemäss Geschäft führen konnte er nie, sonst wäre er vielleicht der reichste Mann Amerikas geworden.

Er war ein Betrüger und wurde selbst während seiner glanzvollen Laufbahn so oft bitter betrogen!

Soldat war er am allerwenigsten, trotzdem beendete sein Leben als Major-General der amerikanischen Armee.

All diese Widersprüche in Sutter haben mich immer wieder beschäftigt und über meine eigenen Gefühle war ich nie im Klaren. Habe ich ihn bewundert, verachtet oder beneidet?

Zuletzt ganz gewiss tief bedauert.

Er war ein Mensch voller Wiedersprüche – wer wird ihn jemals verstehen?

Anno Domini 1880

Text. www.annarybinski.ch

Homepages der andern Kolumnisten:

www.gabrielabucher.ch

www.leonardwuest.ch www.herberthuber.ch

www.noemiefelber.ch/

http://paul-lascaux.ch/

Link auf den ersten Teil der SUTTER Story von Anna Rybinski:

SUTTER THE SWISS Eine historische Geschichte 1. Teil von Anna Rybinski

Link auf den zweiten Teil der SUTTER Story von Anna Rybinski:

SUTTER THE SWISS Eine historische Geschichte von Anna Rybinski 2. Teil Sutter gründet ein Reich

Link auf den dritten Teil der SUTTER Story von Anna Rybinski:

SUTTER THE SWISS, eine historische Geschichte von Anna Rybinski 3. Teil, Die Welt im Rausch

 

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