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IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten

IWH-Insolvenztrend: Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland (Stand: 9. April 2026)  Quelle: IWH
IWH-Insolvenztrend: Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland (Stand: 9. April 2026) Quelle: IWH
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Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer
heute veröffentlichten Analyse feststellt, stieg die Zahl der Insolvenzen
von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im März
überraschend deutlich an. Im ersten Quartal 2026 gab es so viele
Firmenpleiten wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr.



Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in
Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im März bei 1.716 (vgl.
Abbildung 1). Das sind 17% mehr als im Februar, 18% mehr als im März 2025
und 71% mehr als in einem durchschnittlichen März der Jahre 2016 bis 2019,
also vor der Corona-Pandemie. Zuletzt lag die monatliche Zahl der
insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften im Juni 2005 höher.

Eine branchenspezifische Aufschlüsselung für insolvente Personen- und
Kapitalgesellschaften wird vom Statistischen Bundesamt nicht
veröffentlicht; entsprechende Daten werden vom IWH seit Januar 2020
erhoben. Im März 2026 wurden die höchsten jemals gemessenen Werte im
Baugewerbe, im Handel und in den sonstigen wirtschaftlichen
Dienstleistungen erfasst. Regionale Höchstwerte (seit 2020) gab es im März
in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und
dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen
Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert
zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen
Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im März in den größten 10%
der insolventen Unternehmen etwa 14.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit
liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten 40% unter dem Vormonatswert
und 15% unter dem Niveau von März 2025, aber 77% über dem Durchschnitt
eines typischen März der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (vgl. Abbildung
2). Der starke Zuwachs bei der Anzahl der Insolvenzen geht somit auf eine
Häufung von Pleiten kleinerer Unternehmen zurück.

Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland 4.573 Insolvenzen von
Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Das ist der höchste Stand
seit dem dritten Quartal 2005, und somit liegen die Insolvenzzahlen auch
höher als im Zuge der großen Finanzkrise 2009. Insgesamt waren etwa 54.000
Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen, der höchste Wert seit dem dritten
Quartal 2020 (damals u. a. große Unternehmen wie Esprit, Vapiano und
Wirecard). Wie in den Vorquartalen entfiel auch im ersten Quartal 2026 der
größte Anteil der betroffenen Arbeitsplätze auf das Verarbeitende Gewerbe
mit rund 16.000 Jobs.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis
drei Monate vorauslaufen. Die Frühindikatoren sind in den vergangenen
Monaten kontinuierlich angestiegen und erreichten im Februar und März
ungewöhnlich hohe Werte. „Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite
Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus“, sagt Steffen Müller, Leiter der
IWH-Insolvenzforschung. „Wir erwarten weiterhin sehr hohe Insolvenzzahlen.
Es ist möglich, dass sich die sehr hohen Werte aus dem März wiederholen.“

IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-
Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen
für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur
geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei
Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl.
Abbildung 3).

Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das
Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen
wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen
Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener
Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-
Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden
Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen für Kapital- und
Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90% der von
Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95% der Forderungen.
Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen
Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.

Auch die amtliche Statistik weist monatlich vorläufige Insolvenzzahlen
aus. Diese beziehen sich jedoch auf alle Regelinsolvenzen.
Regelinsolvenzen umfassen neben den im IWH-Insolvenztrend erfassten
Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig
relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Zudem werden auch bestimmte
natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige
mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende
Gesellschafter und Einzelunternehmer gemeldet.

Regelinsolvenzen sind also nicht mit Unternehmensinsolvenzen
gleichzusetzen. Die Zahl der insolventen Personen- und
Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen
aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen
können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbedeutender
Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften
unterscheiden.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-
Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung