Lithium als Baustein für der Energiewende: Herausforderungen für ländliche Räume in Mitteldeutschland
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO) und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) starten
gemeinsam mit dem Institute for Technologies and Economics of Lithium
(ITEL) das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Wissenschaftliche
Erforschung der gesellschaftlichen Akzeptanzfaktoren für die
Lithiumwertschöpfung in Mitteldeutschland“ (LITHIUM_AKZEPTANZ).
Im Fokus
steht die unabhängige und wissenschaftlich fundierte Untersuchung der
Akzeptanzfaktoren für die Lithiumwertschöpfung in Mitteldeutschland –
einem Schlüsselrohstoff wie auch kritischer Rohstoff für die Energiewende
in Deutschland und Europa.
Lithium ist ein zentraler Baustein in der Herstellung von Batterien und
damit für die Reduzierung von Kohlenstoffdioxid-Emissionen im Verkehr und
in der Energieversorgung essenziell. Angesichts der Abhängigkeit Europas
von Importen und der geopolitischen Unsicherheiten erfährt die regionale
Gewinnung und Verarbeitung von Lithium zunehmend an Bedeutung. Das
Forschungsprojekt untersucht, wie der Lithiumabbau und die
Lithiumverarbeitung in Mitteldeutschland sozialverträglich, ökologisch
verantwortungsvoll und wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden kann und
welche Faktoren die gesellschaftliche Akzeptanz beeinflussen.
„Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft kann nur
gelingen, wenn die betroffenen Regionen mitgenommen werden. Wir wollen
verstehen, welche Erwartungen, Sorgen und Werte dort aufeinandertreffen
und wie daraus tragfähige Lösungen entstehen können“, sagen Prof. Dr.
Vladislav Valentinov (Projektleiter) und Associate Professor Dr. Stefan
Hielscher (Projektkoordinator) am IAMO.
„Rohstoffresilienz bedeutet nicht nur, unabhängiger von globalen
Lieferketten zu werden, sondern auch, regionale Potenziale im Einklang mit
Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft verantwortungsvoll zu nutzen“, erklärt
Dr. Felix Schultz, Projektleiter an der MLU.
Der Abbau von Lithium beinhaltet Potenziale für die regionale
Wertschöpfung und die Entwicklung ländlicher Räume. Zugleich stellt dies
aber auch große Herausforderungen in Hinsicht Umweltbelastungen, Konflikte
um Landnutzung und die Sorge um die Lebensqualität der Anwohner und
Anwohnerinnen dar. Das Projekt analysiert, wie unterschiedliche
Interessengruppen – von Bürger und Bürgerinnen über Unternehmen bis hin
zur Kommunalpolitik – den Lithiumabbau und die regionale
Lithiumwertschöpfung wahrnehmen und welche Bedingungen für Vertrauen,
Dialog und Mitgestaltung erforderlich sind.
In ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombiniert das interdisziplinäre Team
sozialwissenschaftliches Erfahrungswissen mit praktischer Dialogarbeit vor
Ort. In Interviews, Workshops und Diskussionsveranstaltungen werden
Akteure und Akteurinnen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und
Wissenschaft zusammengebracht, um gemeinsam Perspektiven für eine
verantwortungsvolle Rohstoffgewinnung und -verarbeitung zu erarbeiten.
Dabei stehen Strukturwandel und Entwicklung ländlicher Räume, ökologische
Umweltfaktoren und Nachhaltigkeit sowie Chancen für die Wirtschaft und den
Arbeitsmarkt in Mitteldeutschland im Mittelpunkt.
Das Forschungsprojekt „Wissenschaftliche Erforschung der
gesellschaftlichen Akzeptanzfaktoren für die Lithiumwertschöpfung in
Mitteldeutschland“ (LITHIUM_AKZEPTANZ) wird vom Leibniz-Institut für
Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) und der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg (MLU), Bereich Wirtschaftsethik, als
Verbundpartner sowie vom Institute for Technologies and Economics of
Lithium (ITEL) als assoziierter Partner begleitet. Das Projekt wird vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert.
Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich GmbH (PT-J). Die
Projektlaufzeit ist von November 2025 bis Oktober 2028 vorgesehen.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebseite:
https://www.iamo.de/forschung/
Über das IAMO
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft
sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich
von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-,
Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet
dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen,
strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es
die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor
sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung
werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik
abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das
IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft
an.
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
Theodor-Lieser-Straße 2
06120 Halle (Saale)
https://www.iamo.de
