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Assistenzroboter für die Pflege: Forschende stellen neuen Garmi vor

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Die Technische Universität München (TUM) hat einen neuen
Assistenzroboter entwickelt.
- Dafür haben Robotik-Forschende des Munich Institute of Robotics and
Machine Intelligence (MIRMI) und Designerinnen und Designer des Munich
Design Instituts (MDI) eng zusammengearbeitet.
- Bei einem Besuch im Garmischer Forschungszentrum hat das Forschendenteam
der Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention Judith Gerlach
den neuen Roboter nun erstmals öffentlich vorgestellt.



Der neue Garmi hat sich verändert: Auf einer kippsicheren fahrbaren Basis
ist der Oberkörper des neuen Pflegeroboters an einer Hubsäule angebracht,
die bei Bedarf ausgefahren werden kann. Zwei Arme befinden sich rechts und
links von der Hubsäule. Darüber ein Kopf mit wachen, ab und zu zwinkernden
Augen. Die neue Generation des Garmi verfügt über diverse Sensoren: Auf
Augenhöhe sind Kameras montiert, um Bewegungen im Umfeld wahrzunehmen, auf
Beinhöhe hält ein Lidar Gegenstände in direkter Umgebung auf ausreichende
Distanz und künftig sichern und koordinieren 3D-Kameras die Bewegungen der
beiden Arme zusätzlich. Auf Brusthöhe befindet sich zudem ein Bildschirm.

Robotik-Forschende: Integratoren von Technik und Design

„Der neue Garmi versteht Sprache, entwickelt eigenständig einen Plan und
bringt etwas zu trinken “, sagt Alexander König, dessen Team die neue
Plattform entwickelt und umgesetzt hat. Auf Basis des neuen Designs sind
nun erste Funktionalitäten entwickelt worden, die für den Einsatz später
relevant sind. Der MIRMI-Professor sagt: „Ein Roboter muss funktionieren,
bedienbar sein und zugleich Menschen ansprechen. Deswegen kooperieren wir
mit Design-Expertinnen und -Experten.“ Robotiker König sieht sein
Garmischer Forschungsteam als Integrator, der Technik und Design
zusammenbringt. Dazu gehört etwa, dass Garmi präzise greift (Perzeption)
und exakt an den Ort gelangt, an dem er Aufgaben erledigen soll
(Navigation). Das Design soll Menschen zudem darin unterstützen, mit dem
Roboter zu interagieren und zu kommunizieren und gleichzeitig Vertrauen
und Sicherheit vermitteln.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte: „Der neue
Entwicklungsansatz von ‚Garmi‘ ist äußerst spannend. Die TUM schafft am
Forschungsstandort in Garmisch-Partenkirchen innovative Lösungen, die
hervorragend dafür geeignet sind, Pflegekräfte zu entlasten. Gleichzeitig
kann die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen verbessert werden“.

Der Vizepräsident der TUM Gerhard Kramer ergänzt: „Das Geriatronik-
Forschendenteam in Garmisch beweist einmal mehr, dass es nah an den
Bedürfnissen von Pflegenden und älteren Menschen dran ist. Nur so lassen
sich Lösungen finden, die Pflegebedürftige am Ende optimal unterstützen.
Schön zu sehen, dass der neue Garmi in so enger Zusammenarbeit auch mit
dem Munich Design Institut entstanden ist.“
Anforderungen von Pflegenden, älteren Menschen, Ärztinnen und Ärzten sowie
Robotik-Forschenden berücksichtigt

„Während der ursprüngliche Garmi als vielseitige Forschungsplattform
konzipiert war, wurde der neue Garmi gezielt für den Pflegekontext
weiterentwickelt“, sagt Annette Diefenthaler, die als Professorin für
Design und Transdisziplinarität und Leiterin des Munich Design Instituts
(MDI) zusammen mit einem externen Partner das Design des neuen Roboters
entwickelt hat. Wichtige Anhaltspunkte für die Gestaltung der neuen
Generation eines Assistenzroboters gaben mehrere Workshops, an denen
Pflegende, ältere Menschen, Ärztinnen und Ärzte sowie Robotik-Forschende
teilnahmen. „Empathisch, kompetent, professionell, vertrauenswürdig und
freundlich“ stand auf der Wunschliste von Teilnehmenden eines Design-
Workshop Ende letzten Jahres. Bei aller Technik, so war klar, spielt die
Akzeptanz und emotionale Nähe zu einem Pflegeroboter eine mitentscheidende
Rolle. Nicht zuletzt deswegen ist er auch in Loden gehüllt: „Der Stoff
verbindet Tradition und Zukunft, verleiht dem Roboter Wärme sowie
Regionalität und macht ihn vertrauenswürdiger“, kommentiert Prof.
Diefenthaler.

Der neue Garmi: “Ein freundliches Wesen, das Technik steuert“

Zwar ähnelt der Roboter mehr einer mobilen Plattform als einem Humanoiden.
„Doch war uns von Beginn an klar, dass der Roboter einen freundlichen,
nahbaren Charakter erhalten soll – mit subtilen menschenähnlichen Zügen“,
sagt Diefenthaler. Die neue Plattform sieht nicht aus wie ein Mensch: „Es
ist ein freundliches Wesen, das Technik steuert. So rückt die Maschine in
den Hintergrund und der Roboter baut eine emotionale Verbindung auf.“
Der neue Garmi kann Gegenstände vom Boden aufheben, aber auch von hoch
oben herunterholen. Anders als beim Garmi der ersten Generation sind
Gesicht und Bildschirm getrennt. Wenn künftig eine Ärztin oder ein Arzt
für eine Fernuntersuchung zugeschaltet wird, erscheint wie bei einem
Videoanruf dessen Kopf auf dem Bildschirm. Im nächsten Schritt wird der
neue Garmi nun abgesichert, damit ein Einsatz sowohl in
Pflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Umfeld von Senioren möglich
wird. Etwas zu trinken zu bringen ist nur der erste Schritt. „Beim
Aufstehen behilflich sein, Kommunikation und Teilhabe am Sozialleben
ermöglichen, an Medikamente erinnern – die Anwendungsmöglichkeiten sind
vielfältig“, sagt Prof. König.

Mehr Informationen
-       Die Designentscheidungen auf einen Blick
Der Roboter wirkt wie ein sozialer Begleiter. Die Interaktionsmodi
zwischen Gesicht und Bildschirm sind getrennt, soziale Interaktion
passiert über das Gesicht, während die Ferndiagnostik/Video-Konsultation
über den Bildschirm stattfindet, über den auch Informationen eingespielt
werden können. Diese Trennung macht die Nutzung intuitiver und reduziert
die kognitive Belastung für ältere Menschen.
Neues Konzept für die Roboterarme: Die Arme sind nicht Teil des „Wesens“,
sondern bewusst als funktionale Werkzeuge gestaltet. Sie werden vom
Charakter gesteuert, gehören aber visuell und emotional zur Maschine.
Diese Entscheidung stärkt die „emotionale Lesbarkeit“ des Roboters und
reduziert mögliche Berührungsängste.
-       Die Partner LongLeif, Caritasverband für München und Oberbayern
sowie Technische Universität München (TUM) erforschen in Garmisch
multidisziplinär neue Konzepte und Technologien für menschenwürdige,
individuelle Pflege und selbstbestimmtes Leben im Alter. Dazu gehört auch
die Entwicklung des neuen Garmi. Mehr erfahren: https://www.campus-
gapa.de/