DGIM: nach Knochenbrüchen braucht es internistische Anschlussversorgung – Osteoporose früh erkennen
Der Gehweg ist bei winterlicher Kälte spiegelglatt – und schon ist es
passiert: Glätteunfälle sind im Winter eine häufige Ursache für
Knochenbrüche – insbesondere bei älteren Menschen. Frakturen können auch
ein erstes Anzeichen für eine bislang unerkannte Osteoporose sein, warnt
die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).
Allerdings
erhalten viele Menschen nach Knochenbrüchen nicht die notwendige
internistische Anschlussversorgung, um eine Osteoporose als Ursache
frühzeitig zu erkennen. Eine Behandlung ist essenziell, um dem Verlust der
Knochenstabilität gezielt entgegenzuwirken und so weitere Brüche zu
verhindern, betont die Fachgesellschaft.
Ein Sturz auf glattem Untergrund wirkt wie ein Belastungstest für den
Knochen. Kommt es bereits bei einem Sturz aus dem Stand zu einem Bruch,
spricht dies häufig für eine verminderte Knochenstabilität. Bei
Osteoporose sind Knochenmasse und -qualität verringert; der Knochen wird
porös und bruchanfällig. „Ein solcher Bruch ist medizinisch betrachtet oft
kein Zufall, sondern ein deutliches Warnsignal“, sagt Professorin Dr. Dr.
med. Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende der DGIM. „Wird die zugrunde
liegende Osteoporose nicht erkannt und behandelt, steigt das Risiko für
weitere Frakturen erheblich.“
Besonders betroffen sind Frauen nach den Wechseljahren, ältere Männer
sowie Menschen mit hormonellen Erkrankungen oder einer längerfristigen
Kortisontherapie. Mit zunehmendem Alter kommen weitere Risikofaktoren wie
Muskelabbau, Gleichgewichtsstörungen und Seheinschränkungen hinzu. „Der
erste Knochenbruch gilt als stärkster Prädiktor für Folgefrakturen – vor
allem in den ersten ein bis zwei Jahren danach“, erläutert die Direktorin
der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am
Universitätsklinikum Essen.
Die Versorgungslücke nach dem Bruch
Trotz dieser bekannten Zusammenhänge bleibt die Osteoporose-Abklärung nach
Knochenbrüchen häufig aus. Studien zeigen, dass in Deutschland nur etwa 30
Prozent der Patientinnen und Patienten nach einer fragilitätsbedingten
Fraktur leitliniengerecht diagnostiziert oder behandelt werden. Die
Abklärung der Osteoporose erfordert internistische Expertise: Klinische
Untersuchung, Funktionstests, Knochendichtemessung, Laboruntersuchungen
und die Bewertung von Vorerkrankungen und individuellen Risikofaktoren
spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Wahrscheinlichkeit für
Knochenbrüche einzuschätzen.
„Eine frühzeitige medikamentöse Behandlung der Osteoporose zusätzlich zur
Basistherapie senkt nachweislich das Risiko weiterer Knochenbrüche“, so
die Essener Expertin. Ergänzend dazu ist eine knochengesunde Lebensweise
mit ausreichender Kalziumzufuhr über die Nahrung, optimaler
Vitamin-D-Versorgung und regelmäßiger körperlicher Aktivität, vor allem
Sport mit Kombination aus Ausdauer-, Koordinations- und Krafttraining
unverzichtbar, um Stürzen und Frakturen vorzubeugen.
„Wir versorgen den Bruch zwar chirurgisch oft sehr gut, verlieren aber
seine Ursache aus dem Blick“, sagt DGIM-Generalsekretär Professor Dr. med.
Georg Ertl. Gerade bei Menschen mit Risikofaktoren einer Osteoporose sei
es nach einer Fraktur besonders wichtig, die Knochengesundheit als
entscheidenden Faktor mitzudenken. „Andererseits kann auch regelmäßige
Bewegung – auch im Winter – helfen, weitere Stürze, Brüche und
Einschränkungen im fortschreitenden Alter zu vermeiden“, so der Würzburger
Internist.
Quellen
Thomasius F, Kurth A, Baum E, Drey M, Maus U, Schmidmaier R: Clinical
practice guideline: The diagnosis and treatment of osteoporosis. Dtsch
Arztebl Int 2025; 122: 12–8. DOI: 10.3238/arztebl.m2024.0222
Morin SN, Leslie WD, Schousboe JT. Osteoporosis: A Review. JAMA.
2025;334(10):894–907. doi:10.1001/jama.2025.6003
Sie finden diese Meldung auch online unter:
https://www.dgim.de/presse/pre
