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Der Boden ersetzt die Bäume zeitweise als Kohlenstoffsenke

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In den trockenen Jahren haben Deutschlands Wälder ihre Funktion als
Kohlenstoff-Senke weitestgehend verloren. Nun zeigt sich: Der Waldboden
hat in dieser Zeit so gut wie alle negativen Effekte ausgeglichen und so
die Senkenfunktion der Bäume übernommen. Für künftige Boden- und
Waldinventuren müssen daher die wissenschaftlichen Modelle angepasst
werden.

Eberswalde (6. Januar 2026). Während viele Bäume in Deutschlands Wäldern
in den Trockenjahren 2018 bis 2020 starben und als Kohlenstoffspeicher
ausfielen, hat der Waldboden ein Hoch in puncto Kohlenstoffspeicherung
erlebt: Neue Ergebnisse des Thünen-Institutes zur Bodenkohlenstoff-
Modellierung zeigen, dass der Boden fast alle Kohlenstoffverluste der
Bäume in den ersten Schadjahren ausgeglichen und die Senkenfunktion der
Bäume übernommen hat. „Das internationale Gutachter-Team zur Treibhausgas-
Berichterstattung hat uns bestärkt, die Auswirkungen der Schadereignisse
zwischen 2018 und 2020 auf den Bodenkohlenstoff noch einmal detaillierter
zu betrachten“, erläutert Dr. Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut für
Waldökosysteme den Hintergrund der Neumodellierung. In der Folge wurden
die Daten der Bodenzustandserhebung zum Kohlenstoff im Boden neu
berechnet. Dabei wurden insbesondere die Totholzvorräte und die
Wurzelbiomasse angepasst.

Während der Trockenjahre sind große Mengen an Bäumen abgestorben. In den
meisten Fällen wurden die Flächen geräumt, in anderen blieb das Totholz
jedoch auf der Fläche. Hinzu kamen Nadeln und Blätter sowie die im Boden
abgestorbenen Feinwurzeln. Diese reichlich vorhandene, sogenannte
Streuauflage wurde durch die höhere Sonneneinstrahlung und die damit
verbundenen höheren Temperaturen auf den Kahlflächen abgebaut, der
Kohlenstoff in den Boden exportiert. Die abgestorbenen Wurzeln wurden
durch Mikroorganismen zersetzt und als Humus im Boden gespeichert.
Insgesamt in Mengen, wie sie in normalen Jahren nicht vorkommen. „Wir
vermuten inzwischen, dass Bäume in trockenen Jahren eher in die
Wurzelmasse als in die Blattmasse investieren, um so besser an das Wasser
im Boden zu gelangen“, berichtet Bodenexpertin Wellbrock.

Beinahe so viel Kohlenstoff im Boden wie in den Bäumen gespeichert
Wälder sind weltweit eine wichtige Kohlenstoffsenke. Bäume benötigen für
ihr Wachstum das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) und binden es durch
Photosynthese in Kohlenstoff-Verbindungen im Holz, während Sauerstoff an
die Luft abgegeben wird. Über den Streufall von Laub und Nadeln, durch die
Zersetzung von Totholz sowie absterbende Wurzeln gelangt der Kohlenstoff
zudem in den Boden. Der Bodenkohlenstoff wird also im Wesentlichen durch
Waldwachstum gesteuert. Allerdings spielen auch Standorteigenschaften der
Böden und das Klima eine wichtige Rolle bei der Kohlenstoffbindung in
Böden. Auch der Klimawandel scheint sich über höhere
Durchschnittstemperaturen bemerkbar zu machen. Es wird mehr Kohlenstoff
aus organischem Material in Bodenkohlenstoff umgesetzt.

Derzeit ist beinahe so viel Kohlenstoff in der oberirdischen Biomasse der
Wälder wie in deren Böden gespeichert: insgesamt rund 2.200 Millionen
Tonnen Kohlenstoff oder 197,4 Tonnen Kohlenstoff je Hektar. In den
lebenden Bäumen sind 1.184 Millionen Tonnen Kohlenstoff oder 108 Tonnen
Kohlenstoff je Hektar gespeichert, in Streu und Mineralböden bis 30
Zentimeter Tiefe 936 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Als Totholz sind 46,1
Millionen Tonnen Kohlenstoff (4,2 Tonnen Kohlenstoff je Hektar) gebunden.
Alle Zahlen basieren auf Daten der Bundeswaldinventur 2022 und der
Modellierung der aktuellen Bodenzustandserhebung (BZE II).

Die erneuerte Modellierung zeigt allerdings auch, dass der Boden nicht
ungebremst Kohlenstoff aus der toten Biomasse aufnimmt. Der Prozess
schwächt sich schon nach wenigen Jahren wieder ab. Gleichzeitig wachsen
auf den Schadflächen neue Wälder heran, die wieder vermehrt Kohlenstoff in
der Biomasse speichern. „Die Ergebnisse basieren auf Modellberechnungen.
Erst die Auswertung der dritten BZE wird zuverlässige Daten liefern“,
betont Nicole Wellbrock. Zwischenergebnisse der BZE II, mit der der
Bodenkohlenstoffgehalt in Landwirtschaftsflächen, Waldböden und Mooren
erhoben wird, wollen die Forschenden des Thünen-Instituts Ende nächsten
Jahres vorlegen. Erste Ergebnisse zeigen schon heute: Trend und Höhe der
Kohlenstoffsenke nach der Neumodellierung stimmen überein.