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Das Fossil des Jahres wird im Jahr 2026 durch die Westfälischen Plesiosaurier repräsentiert, die ein Erfolgsmodell der Evolution darstellen. Die Westfälischen Plesiosaurier umfassen vier Gattungen, die vor über 135 Millionen Jahren in den Meeren des Mesoz

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Das Fossil des Jahres wird im Jahr 2026 durch die Westfälischen
Plesiosaurier repräsentiert, die ein Erfolgsmodell der Evolution
darstellen. Die Westfälischen Plesiosaurier umfassen vier Gattungen, die
vor über 135 Millionen Jahren in den Meeren des Mesozoikums in
unterschiedlichen Formen lebten, bis sie am Ende der Kreidezeit
ausstarben.

Vier Skelette, präsentiert in drei westfälischen Museen, sind unter
maßgeblicher Beteiligung von Bürgerwissenschaftlerinnen und
Bürgerwissenschaftlern erforscht worden und begeistern Besuchende der
Region seit Jahren für das Leben des Erdmittelalters. Als sogenannte
Holotypen dienten alle vier Fossilien zur Definition neuer Gattungen und
haben damit unser Wissen um die vergangene Biodiversität entscheidend
erweitert. Gut 200 Jahre nach der Ersterwähnung der Plesiosaurier rücken
die Westfälischen Plesiosaurier als Fossil des Jahres 2026 diese
faszinierende Tiergruppe in den Fokus.

Archiv eines evolutionären Sonderweges
Die Region Westfalen ist reich an Gesteinen aus den Zeitabschnitten Trias,
Jura und Kreide, die teilweise sehr viele Fossilien enthalten. Zu den
paläontologisch wertvollsten Funden zählen vier Plesiosaurier-Skelette,
die aufgrund ihres Alters und ihrer Erhaltung einen einmaligen Querschnitt
durch die Evolution dieser sehr erfolgreichen Gruppe von Meeresreptilien
bilden.
Plesiosaurier sind einerseits ein klassisches Beispiel für Landwirbeltiere
(Tetrapoden), die sich nachträglich an ein Leben im Wasser angepasst
haben, wie es auch bei Krokodilen, Schuppenkriechtieren, manchen Vögeln
und Säugern erfolgt ist. Andererseits zeigen die Plesiosaurier
einzigartige Innovationen. Hierzu zählen vier flossenartige Extremitäten,
die – unter den Tetrapoden eine Besonderheit – in Größe und Bau nahezu
identisch sind. Markant ist auch der Hals vieler Plesiosaurier, der
gegenüber dem Schwanz ungewöhnlich lang ausgebildet ist und aus mehr als
70 Wirbeln bestehen kann.
Die Westfälischen Plesiosaurier nehmen in mehrfacher Hinsicht
Schlüsselpositionen im Verständnis dieser Tiergruppe ein. So erhellt
Rhaeticosaurus mertensi als ältester und einziger Nachweis eines
zusammenhängenden Skelettes aus der Trias die evolutionäre Frühphase der
Plesiosaurier. Aus dem frühjurassischen Zeitabschnitt des Pliensbachiums
liegen weltweit nur sehr wenige Meeresreptilien vor. Gleich zwei Funde aus
Westfalen füllen diese Kenntnislücke: Das recht vollständige Skelett von
Westphaliasaurus simonsensii stammt aus einer Tongrube in der Nähe von
Höxter; ein Teilskelett von Arminisaurus schuberti stammt aus der Nähe von
Bielefeld. Der aus dem westmünsterländischen Gronau bekannte Brancasaurus
brancai ist eines der vollständigsten Skelette der Unterkreide und
dokumentiert die einstige Präsenz dieser Tiere auch im Brackwasser.

Nicht nur in Westfalen: Deutschlands Plesiosaurier
Fossile Überreste dieser Tiere sind auch aus anderen Regionen bekannt.
Hierbei sind insbesondere Schwaben, Franken, das Harzumland und Vorpommern
zu nennen, wo Jura und Unterkreide spektakuläre Funde geliefert haben.
Originale und Abgüsse entsprechender
Fossilien sind an viele verschiedene Museen gelangt, national wie
international. Als Fossil des Jahres 2026 heben die Westfälischen
Plesiosaurier daher nicht nur eine regionale Besonderheit und eine aus
evolutionsbiologischer Sicht außergewöhnliche Gruppe hervor. Vielmehr
stehen die vier Skelette stellvertretend für die über 120 Arten
umfassenden Plesiosauria als Ganzes und ihren umfangreichen Nachweis in
Deutschland.
Ausstellungsorte
Die vier Skelette werden an drei Standorten bewahrt, die einige von
Westfalens bedeutsamsten erdgeschichtlichen Sammlungen beherbergen: das
Geomuseum der Universität Münster, das LWL-Museum für Naturkunde (Münster)
und das Naturkunde-Museum Bielefeld. Die Häuser bieten im Jahr 2026
verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema Plesiosaurier an.

Fossilien des Jahres
Fossilien sind einmalige Zeugnisse der Entwicklung des Lebens auf unserem
Planeten. Sie liefern uns Hinweise auf oft dramatische Veränderungen der
Umwelt und der Lebensbedingungen über unvorstellbar lange Zeiträume.
Anschaulich zeigen sie, wie die heutige Vielfalt der Organismen im Laufe
der Evolution entstanden ist und dokumentieren auch Lebensformen, die
heute nicht mehr existieren. Fossilien haben einen großen praktischen
Nutzen, etwa in der Exploration von Rohstoffen oder in der
Klimaforschung,aber immer handelt es sich um besondere Objekte
naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Als Sinnbilder unseres Verständnisses
für die Weltgeschichte sind Fossilien ein unschätzbar wertvoller Zeuge der
Zeit.

Die Paläontologische Gesellschaft zeichnet seit 2008 jedes Jahr ein ganz
besonders Fossil mit dem Titel „Fossil des Jahres“ aus.
Die Paläontologische Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein und wurde
1912 in Greifswald gegründet. Die Gesellschaft ist eine
Interessenvertretung der Paläontologie in Deutschland, mit der zentralen
Aufgabe, die Bedeutung paläontologischer Forschungen in die Öffentlichkeit
und die Politik hineinzutragen. Die Paläontologische Gesellschaft ist eine
der Trägergesellschaften des Dachverbandes Geowissenschaften.