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Kinder wollen mitreden

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Die Stiftung Kindergesundheit informiert über Mitbestimmung in der
Gesundheitsversorgung und Ergebnisse einer repräsentativen Befragung

Kinder und Jugendliche wollen verstehen, was
mit ihrer Gesundheit geschieht, und sie möchten mitreden. Das zeigt der
aktuelle Kindergesundheitsbericht 2025 der Stiftung Kindergesundheit, für
den eine repräsentative forsa-Befragung von 1.006 Eltern sowie ihren
Kindern im Alter von 8 bis 17 Jahren durchgeführt wurde.

„Kinder sind nicht nur passive Patientinnen und Patienten, sondern aktive
Beteiligte ihrer eigenen Gesundheitsversorgung", betont Kinder- und
Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der in München
beheimateten Stiftung Kindergesundheit. „Wir wissen aus Studien, dass sie
von verständlicher Information und echter Mitsprache deutlich profitieren.
Es ist unsere Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Kindern
ermöglichen, ihre Stimme zu nutzen und gehört zu werden."

Kinder und Jugendliche sollten altersgerecht an Entscheidungen beteiligt
werden, die ihre Gesundheit betreffen. Dazu gehört, dass ihnen zugehört
wird, dass sie verständliche Informationen erhalten, Fragen stellen dürfen
und – abhängig von ihrem Alter – in Entscheidungen einbezogen werden.
Dieses Recht ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert und gilt für
alle Kinder.

Was Kinder heute erleben

Die von der Stiftung Kindergesundheit mit dem forsa-Institut durchgeführte
Befragung zeigt zwar ein überwiegend positives Bild. Fast alle Kinder (97
Prozent) wussten beim letzten Arztbesuch vorher, warum sie zum Arzt gehen.
Eine große Mehrheit (88 Prozent) fühlte sich ernst genommen, und etwa zwei
Drittel erhielten Erklärungen zu Untersuchungen und Behandlungen. Die
Einschätzungen der Eltern und der Kinder unterscheiden sich dabei nur
wenig.

Gleichzeitig wird aber deutlich, dass die Beteiligung oft nicht ausreicht:
Rund ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen berichtet, beim
Arzt nur wenig oder eher wenig mitentscheiden zu können. Mehr als die
Hälfte dieser Gruppe (55 Prozent) wünscht sich ausdrücklich mehr
Mitsprache. Auch viele Eltern sehen hier Verbesserungsbedarf. Unter den
Sorgeberechtigten, die den Eindruck haben, ihr Kind könne nur wenig
mitentscheiden, wünschen sich 47 Prozent eine stärkere Beteiligung für ihr
Kind.

Was Kinder vermissen

Besonders aufschlussreich sind die Hinweise, die die Kinder selbst geben.
Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) sagt, dass ihnen einfachere
Erklärungen helfen würden, medizinische Entscheidungen besser zu
verstehen. Viele Kinder wünschen sich außerdem, dass Ärztinnen und Ärzte
häufiger direkt mit ihnen sprechen (29 Prozent) und sich mehr Zeit für
ihre Fragen nehmen (27 Prozent).

Auffällig ist, dass acht- bis dreizehnjährige Kinder häufiger als ältere
Jugendliche angeben, dass ihnen einfache Erklärungen und eine direkte
Ansprache fehlen. Mädchen berichten häufiger als Jungen, dass sie sich
mehr Zeit für ihre Fragen wünschen.

Warum Partizipation wirkt

Diese Ergebnisse zeigen, dass Kinder und Jugendliche sehr gut in der Lage
sind, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern – vorausgesetzt, sie werden
gefragt, verständlich informiert und in die Gespräche einbezogen.
Partizipation ist dabei weit mehr als ein freundliches Entgegenkommen. Sie
stärkt das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in medizinisches Personal und
das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Kinder, die in Entscheidungen einbezogen werden, entwickeln ein besseres
Verständnis für ihre eigene Gesundheit, erleben weniger Angst und können
medizinische Empfehlungen leichter nachvollziehen und mittragen. Damit
steigt nicht nur ihre Zufriedenheit, sondern häufig auch der
Behandlungserfolg.

Wo es noch hakt

Aus Sicht der Eltern sind die größten Hindernisse für mehr Mitbestimmung:
Dass sich das Kind nicht traut, Fragen zu stellen oder Wünsche zu äußern
(38 Prozent), dass Ärztinnen und Ärzte nur oder vorwiegend mit den Eltern
sprechen (31 Prozent) und dass das Kind inhaltlich überfordert ist (29
Prozent). Jedes fünfte Elternteil (20 Prozent) sieht zudem ein Problem
darin, dass sich Ärztinnen und Ärzte zu wenig Zeit für die Fragen oder
Wünsche des Kindes nehmen.

Wie Eltern die Teilhabe ihres Kindes unterstützen können:

•       Vor dem Arztbesuch: Erklären Sie altersgerecht, was beim Termin
passieren wird – ehrlich, aber ohne Angstmacherei. Jüngeren Kindern helfen
Bilderbücher oder kleine Rollenspiele. Mit älteren Kindern können
gemeinsam Fragen vorbereitet werden, die sie der Ärztin oder dem Arzt
stellen möchten.

•       Während des Arztbesuchs: Ermutigen Sie die Ärztin oder den Arzt,
das Gespräch zunächst mit dem Kind zu beginnen. Lassen Sie das Kind selbst
Symptome schildern, bevor Sie als Eltern ergänzen. Viele Kinder können gut
beschreiben, was ihnen fehlt oder was ihnen Sorgen macht, sofern sie die
Gelegenheit dazu bekommen. Geben Sie dem Kind Zeit zu antworten, statt für
es zu sprechen.

•       Kleine Wahlmöglichkeiten einräumen: Das Kind kann in kleine
Entscheidungen einbezogen werden. Falls die behandelnde Ärztin/der
behandelnde Arzt nicht nachfragt, können Sie dies übernehmen – etwa
welcher Arm zuerst untersucht wird oder ob es lieber auf dem Stuhl oder
auf dem Schoß der Eltern sitzen möchte. Solche kleinen Wahlmöglichkeiten
stärken das Gefühl, mitbestimmen zu können. Ermutigen Sie Ihr Kind sich
auch mitzuteilen, wenn etwas zu schnell geht oder unangenehm ist.

•       Verständnis sicherstellen: Fragen Sie Ihr Kind während und nach
dem Gespräch: „Hast du das verstanden?“ oder „Möchtest du noch etwas
wissen?“

•       Selbstständigkeit fördern: Ältere Kinder und Jugendliche können
ihren Impfpass und ihr Untersuchungsheft selbst mitbringen. Bei der
Medikamentengabe können auch jüngere Kinder einbezogen werden, etwa beim
Tropfen zählen oder Saft abmessen. Bei chronischen Erkrankungen hilft ein
Symptomtagebuch, das das Kind je nach Alter selbst oder gemeinsam mit den
Eltern führt.

•       Nach dem Termin: Ein kurzes gemeinsames Gespräch hilft, den Besuch
einzuordnen: Was war gut, was vielleicht schwierig, und was könnte das
nächste Mal anders laufen? Diese Reflexion unterstützt Kinder darin, ihre
eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und fördert ihre
Selbstwirksamkeit.

Ein Grund für Optimismus: Der Kindergesundheitsbericht 2025 zeigt, dass in
vielen Arztpraxen und Kliniken bereits gute Grundlagen vorhanden sind. Mit
klarer, verständlicher Kommunikation und einer Haltung, die Kinder und
Jugendliche als aktive Partner ihrer eigenen Gesundheitsversorgung
begreift, können Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal gemeinsam mit
Eltern dazu beitragen, dass Mitbestimmung zum festen Bestandteil einer
kindgerechten Gesundheitsversorgung wird.