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Barmherzige Brüder ehren Abschlussarbeiten mit gesellschaftlicher Relevanz

Die Preisträgerinnen und Preisträger mit Frater Thomas Väth (rechts) und Dekan Prof. Dr. Nicolas Schöpf (2. von rechts).  Quelle: Simone Grebler  Copyright: OTH Regensburg
Die Preisträgerinnen und Preisträger mit Frater Thomas Väth (rechts) und Dekan Prof. Dr. Nicolas Schöpf (2. von rechts). Quelle: Simone Grebler Copyright: OTH Regensburg
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Von Autismus über Palliativversorgung bis zur Armutspolitik in Regensburg:
Fünf Abschlussarbeiten der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften
der OTH Regensburg ausgezeichnet.

Manchmal sind es kleine Beobachtungen, die zeigen, wo eine Gesellschaft
steht: ein Gespräch auf der Palliativstation, ein Blick in ein
Regensburger Armutsviertel, eine Begegnung mit Menschen im Autismus-
Spektrum oder der Schock einer Krebsdiagnose. Die fünf Abschlussarbeiten,
die in diesem Jahr mit dem Förderpreis der Barmherzigen Brüder Bayern KdöR
ausgezeichnet wurden, greifen genau solche Momentaufnahmen auf – und
machen sichtbar, was sonst leicht übersehen wird: die Verletzlichkeit, die
Vielfalt und die Stärke unserer Gemeinschaft.

Für diese herausragende Leistung wurden die Absolventinnen und Absolventen
der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften der OTH Regensburg am
Donnerstag, 13. November 2025, mit dem Förderpreis der Barmherzigen Brüder
ausgezeichnet. Die Preise, dotiert mit insgesamt 6000 Euro, würdigen
wissenschaftliche Arbeiten, die zentrale gesellschaftliche
Herausforderungen präzise analysieren und Impulse für eine solidarische
und menschenorientierte Zukunft setzen.

Studiendekanin Prof. Dr. Manuela Brandstetter begrüßte rund 100 Gäste im
Hörsaal D 001, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Barmherzigen
Brüder, Hochschulangehörige, Studierende sowie Freundinnen, Freunde und
Familien der ausgezeichneten Absolventinnen und Absolventen.

Engagement, das Hoffnung stiftet

In seinem Grußwort betonte Prior Frater Thomas Väth, Prior des Konvents
der Barmherzigen Brüder in Regensburg, wie wichtig gesellschaftliches
Engagement gerade in schwierigen Zeiten ist. Er sprach offen über
Herausforderungen in der Sozialen Arbeit, von steigenden Belastungen in
der Palliativversorgung bis hin zu fehlendem bezahlbarem Wohnraum in
Regensburg.

„Es ist entscheidend, dass wir Menschen haben, die sich im breiten Feld
der Sozialen Arbeit engagieren“, sagte Frater Thomas Väth. Und weiter:
„Gerade in Zeiten, in denen vieles im Argen liegt, brauchen wir jene, die
genau hinschauen und Verantwortung übernehmen. Die ausgezeichneten
Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wo Veränderung möglich ist – dort, wo
Menschen sich mit Herz und Verstand für andere einsetzen. Ich wünsche den
Preisträgerinnen und Preisträgern, dass dieser Preis ihnen Kraft und
Motivation gibt, unsere Gesellschaft in eine positive Richtung zu
bewegen.“

Die Zukunft der Sozial- und Gesundheitsberufe mitgestalten

Prof. Dr. Nicolas Schöpf, Dekan der Fakultät Sozial- und
Gesundheitswissenschaften, würdigte die wissenschaftliche Qualität der
eingereichten Arbeiten und verwies auf die dynamische Entwicklung der
gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge an der OTH Regensburg.

„Der Förderpreis steht für Engagement, Kreativität und die Bereitschaft,
über den Tellerrand hinauszublicken. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen,
wie vielfältig und relevant die Themen unserer Absolventinnen und
Absolventen sind – und wie sehr sie die Zukunft der Sozial- und
Gesundheitsberufe mitgestalten. Bleiben Sie neugierig, kritisch und
behalten Sie den Menschen im Blick – denn am Ende sind es nicht die
Fußnoten, die die Welt verändern, sondern die Haltung“, sagte Dekan
Schöpf.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2025:

3. Preis: Patricia Sonnleitner (Musik- und bewegungsorientierte Soziale
Arbeit, B.A.)
Thema: Innen- und Außensichten auf das Autismus-Spektrum – Zur
Notwendigkeit einer Annäherung
Sonnleitner verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit
gesellschaftlichen Forderungen. Sie zeigt, wie stark
Diskriminierungserfahrungen die Lebensrealität prägen, und plädiert für
ein Verständnis des Autismus-Spektrums als Teil menschlicher Vielfalt.

3. Preis: Daniel Demleitner (Pflegemanagement, B.Sc./B.A.)
Thema: Psychische Belastungen in der Palliativversorgung in der Region –
Eine systematische Untersuchung
Demleitner untersucht Belastungsfaktoren und Ressourcen stationärer und
ambulanter Palliativteams – von Autonomie und Teamkultur bis zu
strukturellen Engpässen. Seine Arbeit liefert konkrete Anhaltspunkte für
Arbeitgeber, Belastungen abzufedern.

2. Preis: Linda Weber (Soziale Arbeit, B.A.)
Thema: Einfluss der Bedingungen in Notunterkünften auf die psychische
Gesundheit
Weber konnte ihre Arbeit krankheitsbedingt nicht vorstellen. Ihre sensibel
geführten Interviews zeigen jedoch eindrücklich, wie sozialarbeiterische
Unterstützung Menschen in belastenden Lebenssituationen begleitet und
stärkt.

1. Preis: Clara Kappelmeyer (Soziale Arbeit, B.A.)
Thema: Erleben von Frauen bei der Übermittlung der Diagnose Brustkrebs
Kappelmeyer befragte sechs betroffene Frauen zu Erfahrungen im
Diagnosestadium. Ihre Analyse zeigt, wie stark Gesprächssettings,
Angehörige und Lebenssituationen den gesamten Krankheitsprozess
beeinflussen und wie wichtig individuell gestaltete Unterstützung ist.

Master-Preis: Tobias Kraus (Master Inklusion und Exklusion, M.A.)
Thema: Armutspolitik in Regensburg – Sozialraumanalyse und
Handlungsempfehlungen
Kraus analysierte Armutsstrukturen im Stadtgebiet und entwickelte konkrete
Empfehlungen für die Dezentralisierung sozialer Angebote. Seine Arbeit
verdeutlicht, dass soziale Segregation oft auf Mikroebene entsteht und
dass räumliche Nähe ein zentraler Faktor für Teilhabe ist.

Wertschätzende Dankesworte der Preisträgerinnen und Preisträger

In der gemeinsamen Dankadresse betonten Patricia Sonnleitner und Daniel
Demleitner die Bedeutung des Preises: Sonnleitner hob hervor, wie wertvoll
es sei, dass Studierenden mit ihren Themen ein öffentlicher Raum gegeben
werde. Demleitner beschrieb, wie sehr ihn das berufsbegleitende Studium
fachlich und persönlich geprägt habe: Theorie und Praxis müssten
zusammenspielen, um gesellschaftliche Relevanz zu entfalten.

Für den feierlichen musikalischen Rahmen sorgte eine Studierendenband des
Bachelorstudiengangs Musik- und bewegungsorientierte Soziale Arbeit mit
Nerea Freichel Nieto (Gesang, Bass), Caroline Davia (Gesang, Percussion),
Hannes Tischer (Schlagzeug) und Lorenz Breuer (Gesang, Gitarre, Saxofon).