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86% der Menschen im Ruhrgebiet sorgen sich um die Luftqualität, fahren aber weiter mit dem Auto

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Das Ruhrgebiet braucht dringend eine Verkehrswende: Wegen des zunehmenden
Autoverkehrs sorgen sich 86% der Menschen um die Luftqualität in den
Städten Doch der öffentliche Nahverkehr ist für Autofahrer immer noch
keine Alternative. Allerdings steigen sie nicht wegen der hohen
Ticketpreise ins Auto, sondern weil das Angebot des ÖPNV oft unzureichend
ist. Das zeigt eine aktuelle Studie des Duisburger
Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums, die von der Arbeitsgruppe
„Metropole in Bewegung“, der Global Young Faculty (GYF), einem Netzwerk
von Nachwuchswissenschaftlern der Universitätsallianz Ruhr und jungen
Vertretern aus der Wirtschaft in Auftrag gegeben wurde.

Zeit und Bequemlichkeit verhindern Umstieg auf ÖPNV

Zunehmender Straßenlärm und steigende Luftverschmutzung beeinträchtigen
die Gesundheit der Menschen und CO₂-Emissionen schädigen das Klima, mit
der Folge, dass Fahrverbote drohen. Angesichts dieser Herausforderungen
wollte die Arbeitsgruppe „Metropole in Bewegung“ der GYF mit einer Studie
herausfinden, warum nicht mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn
umsteigen. Der Ticketpreis – das zeigt die Umfrage – ist nicht der
entscheidende Faktor, warum man sich für die Fahrt mit dem Auto
entscheidet. 78% der befragten Personen geben an, dass sie aus
Bequemlichkeit nicht auf ihr Auto verzichten wollen. Wenn es keine
passenden Verbindungen gibt und man infolge dessen mehr als einmal
umsteigen muss, ist das für viele bereits ein Grund den öffentlichen
Nahverkehr nicht zu nutzen. Für 60% der Befragten dauern darüber hinaus
Fahrten mit Bus und Bahn häufig zu lange. Dagegen ist ein zu hoher
Ticketpreis nur für 42% der Studienteilnehmer ein Grund nicht zu wechseln.

Es gibt demnach noch viel zu tun, um den Nahverkehr attraktiver zu machen:
bessere, zuverlässigere und schnellere Verbindungen. Dazu müsste der
Nahverkehr erheblich ausgebaut werden. Das erfordert ein engeres Netz,
eine höhere Taktung und aufeinander abgestimmte Anschlussverbindungen, um
am Ende mit dem Auto nicht doch schneller und bequemer am Ziel zu sein.

Bei manchen Autofahrern genügt aber auch ein letzter Anstoß, um auf den
Öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Das belegen die Ergebnisse eines
Mobilitätsexperiments, welches die Arbeitsgruppe der GYF zusätzlich
durchführte. Knapp 70 Berufspendler aus verschiedenen Unternehmen im
Ruhrgebiet, die vorher überwiegend mit dem Auto zur Arbeit fuhren,
erhielten für vier Wochen ein kostenloses ÖPNV-Ticket. Im Zeitverlauf
nutzten immer mehr Pendler Bus und Bahn.Trotz höherem Zeitaufwand und
geringerer Flexibilität gaben nach dem Experiment die Hälfte der Pendler
an, auch zukünftig der Umwelt zuliebe öfter den Nahverkehr zu nutzen und
7% kauften sich selbst ein weiteres Monatsticket. Dagegen sahen die
anderen 50% der Teilnehmer Zeit und Kosten weiterhin als größtes Hindernis
für einen Wechsel an.

Über die Global Young Faculty
In der Global Young Faculty treffen sich herausragende
Nachwuchswissenschaftler/innen der Metropole Ruhr, um in
interdisziplinären Arbeitsgruppen Themen von gemeinsamem Interesse zu
bearbeiten. Das Netzwerk ist eine Initiative der Stiftung Mercator in
Zusammenarbeit mit der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) und wird vom
Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) in Essen koordiniert. In der
fünften Runde der Global Young Faculty vernetzen sich die
Nachwuchswissenschaftler erstmals auch mit jungen Vertretern aus der
Wirtschaft. Diese Kooperation wird vom Initiativkreis Ruhr unterstützt.

http://www.global-young-faculty.de