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Lifestyle

Gregory Porter und Band, KKL Luzern, 26. März 2018, besucht von Léonard Wüst

Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen
Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen

Besetzung:

Gregory Porter, Vocals – Chip Crawford, Piano – Ondřej Pivec, Hammond Organ – Tivon Pennicott, Saxophone – Jahmal Nichols, Bass – Emanuel Harrold, Drums

Rezension:

Gregory Porter  Kopfbedeckung
Gregory Porter Kopfbedeckung

Des Sängers Markenzeichen sind seine rau – melodiöse, raumfüllende  Baritonstimme und seine Kopfbekleidung. Und tatsächlich lässt Porters „Jazz Hat, wie er selbst ihn nennt, den Sänger aussehen wie das Mitglied einer religiösen Bruderschaft. Um seinen Kopf trägt er ein schwarzes Tuch, das nur sein Gesicht und seinen dichten, krausen, schwarzen Bart ausspart, obenauf sitzt eine dunkle Ballonmütze.

Warum? Die Erklärung fällt leicht. Gregory Porter ist ein Nachfahre des Hipsters. Des eigentlichen, ursprünglichen, echten und wahren. Des schwarzen, der dem Dandytum näher steht als den Subkulturen. Den gängigen, heutigen, blutleeren, ausverkauften. Er, der Hypster, jene Person der 40er und 50er Jahre, ist erwachsen, trägt Anzug und Herrenschuhe, nicht Sneakers. Hört Jazz – Bebop -, macht Jazz – Bebop -, und ist eigentlich heute längst ausgestorben. In seiner Ahnengalerie hängen: Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Cannonball Adderley, Miles Davis, Thelonious Monk.

Monk damals: ebenfalls Hühne, ebenfalls seltsame Mütze und Bart.

Porter heute: rosafarbenes Sakko, weisses Hemd und eben diese eigenwillige Kopfbedeckung.

Gregory Porter
Gregory Porter

Ein Bebopper? Nein. Ein Jazzer? Vielleicht. Zu gefällig sind seine anrührenden Balladen, zu massentauglich seine mitreißenden Up-tempo-Stücke. Zu viel Soul und Blues steckt in seiner Musik. Zu angenehm und unsperrig ist seine Person. Wenn er die Augen zusammenkneift, ein breites Grinsen aufsetzt, sein mächtiges Hepcat-Haupt durch die Songs schüttelt, die Brust rausstreckt und mit vollem Körpereinsatz den Gospel-Train anpeitscht – mit Schnippen, Pumpen und Klatschen sowie anderen Finger-, Hand- und Armgesten. Mit seinem umwerfenden Album «Liquid Spirit» schaffte er erst relativ spät,  nämlich 2013, den Durchbruch fast über Nacht. Heute ist Gregory Porter, der 46-jährige Hüne mit der Ballonmütze und der raumfüllenden Baritonstimme, der derzeit erfolgreichste Jazzsänger überhaupt.

Preisgekrönte Alben  in der Sparte Jazz

Mit den Alben «Liquid Spirit» und «Take Me to the Alley» holte er in England und Deutschland Gold sowie gar Platin und wurde beide Male mit dem ­Grammy für das beste Jazz-Gesangs­album des Jahres ausgezeichnet. Auch in der Schweiz schaffte es der Kali­fornier mit Letzterem auf Platz elf in den Charts. Parker ging die Sache, auf einem Barhocker sitzend, gelassen lässig an. Er pendelt zwischen jazzigen Oden an die Liebe und Black Power. Nebsts Songs von seinen Alben, coverte er u.a. solche von Nat King Cole (in Form eines Medleys), Nina Simone und Leon Thomas. Mit auf dem Set waren Tivon Pennicot am Saxophon, Chip Crawford am Piano, Jahmal Nichols mit dem Kontrabass, Emanuel Harrold am Schlagzeug und der versierte Hammondorgelvirtuose Ondřej Pivec. Von diesen bekamen der Pianist, der Saxophonist, wie auch der Bassist ausreichend Gelegenheit, sich in Szene zu setzen, während die Hammondorgel etwas zurückstehen musste und der Drummer wenig auffiel. Routiniert spielten sie das Set durch, einzelne Songs als eigentliche Highlights gabs keine.

Das Beste gabs zum Schluss

Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen
Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen

Nach dem grossen Schlussapplaus verliess Gregory Porter die Bühne, während seine Mitmusiker eine Zugabe in Form von Soli gaben und so ihr grosses musikalisches Können demonstrierten. Das sachkundige Publikum geizte denn auch nicht mit Extraapplaus für jedes einzelne Instrumentalsolo und schlussendlich, als der Sänger sich wieder zur Band gesellt hatte, auch nicht mit stürmischen Applauskaskaden und vereinzelten Bravorufen für alle Protagonisten.

Gregory Porter, KKL Luzern, 26. März 2018 Video 1 von Klaus Rothen

youtu.be/wWBy3flbEww

Gregory Porter, KKL Luzern, 26. März 2018 Video 2 von Klaus Rothen

youtu.be/iVUEnghn0yM

Fotos: www.allblues.ch und Klaus Rothen

und  http://www.gregoryporter.com/und www.jazzluzern.ch

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Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 5 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks | Mariss Jansons | Denis Matsuev, 25. März 2018, besucht von Léonard Wüst

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Foto Priska Ketterer
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Foto Priska Ketterer

Besetzung und Programm:

Robert Schumann (1810–1856)
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 Frühlingssinfonie
Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43
Leonard Bernstein (1918–1990)
Divertimento für Orchestra

 

Rezension:

Denis Matsuev, Solist am Piano
Denis Matsuev, Solist am Piano

Russische Pianisten, die russische Kompositionen spielen, immer ein besonderes Vergnügen. Wenn sie davor auch noch die „Frühlingssinfonie“ von Robert Schumann meisterhaft vortragen, danach noch Leonard Bernsteins „Divertimento für Orchestra“ perfekt interpretieren, ist es gleich Konzertvergnügen „hoch drei“. Dazu noch begleitet von einem gutaufgelegten Orchester, was will Musikliebhaber mehr.

Frühlingserwachen in der Innerschweiz

Dirigent Mariss Jansons  Foto  Peter Meisel
Dirigent Mariss Jansons Foto Peter Meisel

Im praktisch ausverkauften Konzertsaal führte uns das Symphonieorchester des bayerischen Rundfunks unter der magistralen Leitung von Mariss Jansons mit Robert Schumanns Sinfonie Nr. 1 (auch Frühlingssinfonie genannt) musikalisch in den, auch in Luzern, an diesem Tag mit angenehmen Temperaturen und Sonnenschein sich meldenden Frühling. Der Komponist skizzierte das Werk in einem wahren euphorischen Schaffensrauch innerhalb von nur vier Tagen Ende Januar 1841, kurz nachdem er seiner angebeteten Clara Wieck begeistert von einer Sinfonie von Franz Schubert vorgeschwärmt hatte, deren Partitur er selbst anlässlich eines Wienaufenthaltes in dessen Nachlass gefunden hatte.

Skizziert innert vier Tagen, drei Wochen später auch instrumentiert

Konzertimpression, Dirigent Mariss Jansons Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Dirigent Mariss Jansons Foto Priska Ketterer

Für die Instrumentierung seiner eigenen Sinfonie brauchte er dann noch drei Wochen, bevor sie am 31. März desselben Jahres, nach ein paar kleineren Nachkorrekturen, im Leipziger Gewandhaus unter Leitung von Felix Mendelssohn uraufgeführt wurde, worauf Schumann in seinem Tagebuch notierte: Ein schöner, glücklicher Abend! Als Grundlage für seine Komposition diente ihm u.a.  das „Frühlingsgedicht“ des Leipziger Biedermeier – Poeten Adolf Böttger. Mächtig setzt Schumann die Fanfaren zu Beginn des ersten Satzes, der in der Folge breit aufgestellt, mächtig, ja fast wuchtig daherkommt, aber auch mal unvermittelt ins zart – frühlingshafte abgleitet, wobei sicher die Idee des Frühlings, der allmählichen Entfaltung der Natur aus kleinsten Keimzellen bei der Konzeption der diversen Themen eine Rolle spielte. Dirigent Mariss Jansons lebte das Frühlingserwachen psychisch , aber auch physisch voll mit, leitete er doch das Orchester mit ausschweifenden Gesten und vollem Körpereinsatz, mal streckte er sich, dann sackte er kurz zusammen und lebte die Partitur auch mimisch mit.

Oboe als Schlüsselinstrument der Sinfonie

Schumann wies der Oboe in allen Sätzen eine prägende Rolle zu, schwingt sie sich doch immer wieder in die Höhe, schwebt über dem Basisklang des Orchester, interagiert auch mal mit den Violinen, unterordnet sich wieder und fügt sich dann demütig ins Ganze ein. Die rassige, schwungvolle Umsetzung der Intentionen des Komponisten honorierte das Auditorium mit langanhaltendem, stürmischem Applaus, und beorderte so den Dirigenten noch ein paarmal auf die Bühne zurück, was diesen sichtlich emotional bewegte.

Der nahezu total besetzte Konzertsaal (sogar die Plätze auf der Empore unter der Orgel, im Rücken des Orchesters, waren voll belegt), zeigt, welch grosse, treue Fangemeine sich dieses Orchester, seit dem Jahre 2004 alljährlich „in residence“ beim Luzerner Oster Festival, aufgebaut, respektive erspielt hat. Ein wichtiger Grund dafür ist auch der richtige Spürsinn für die Werksauswahl.

Rachmaninow und Bernstein im 2. Konzertteil

Konzertimpression, Denis Matsuev, Solist am Piano Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Denis Matsuev, Solist am Piano Foto Priska Ketterer

Mit Denis Matsuev, im Moment wohl der ausgewiesenste Spezialist schlechthin für Rachmaninow Interpretationen, gesellte sich für den zweiten Konzertteil ein ebenbürtiger Partner zu den andern Musikern. Die 24 Variationen der „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ boten ihm ausreichend Gelegenheit, diesem Ruf gerecht zu werden. Wie er diese Höchstschwierigkeiten meisterte, nötigte selbst seinen Mitmusikern Respekt ab.

Matsuev ist auch Botschafter des FIFA World Cup 2018 in Russland, zu dessen Eröffnung er ein Konzert auf dem Roten Platz in Moskau gestalten wird. Auch hatte er schon die Ehre, auf Einladung der Rachmaninow Stiftung, die Werke des Komponisten auf dessen eigenem Konzertflügel in der Villa „Senar“ (Wohnsitz der Rachmaninows von 1932 bis 1939) in Hertenstein am Vierwaldstättersee zu spielen.

Das Publikum genoss und honorierte am Schluss die aussergewöhnliche Darbietung des Pianisten mit grossem, stürmischem Applaus

Zum Konzertabschluss eine Leonard Bernstein Komposition

Zum 100 Jahr Jubiläum des Boston Symphony Orchestra (BSO), das er seit seiner Jugend kannte und dem er sehr verbunden war, komponierte Bernstein im Jahre 1980  das „Divertimento for Orchestra“. Gegliedert in acht Sätze, vermittelt sie die Art neue, eigenständige amerikanische Musik, die George Gershwin „erfunden“ hatte. Er bediente sich Themen diverser Komponisten, die er virtuos variiert. So lehnt sich der 1. Satz an Richard Strauss` „Till Eulenspiegel“ und Strawinskys „Petrouschka“ an.

Der 2. Satz vermittelt einen Walzer in der Art Tschaikowskys, Bernstein verbiegt aber vom üblichen 3/4  weiter bis zu einem  7/8 Takt. Die darauffolgende „Mazurka“ verweist auf „Chopin“, die kurze Sequenz der Oboe zum Ende jedoch,  ist dem Kopfsatz von Beethovens 5. Sinfonie entnommen. Bezug auf seine eigene „West Side Story“ nimmt er im „Samba“, mit einer Zwölftonreihe verweist er in „Turkey Trot“ auf Arnold Schönberg. Die jazzigen Blechbläser im „Blues“ sind eine Hommage an Gershwin. Den Kanon der drei Flöten des finalen Satzes widmet er allen verstorbenen Orchestermitgliedern und Dirigenten des BSO, auf den er einen rassigen Marsch folgen lässt, eine Art Mixtur zwischen „Stars and Stripes forever“ und dem „Radetzky Marsch“.

Das bayerische Orchester machte daraus seinen persönlichen Triumphmarsch, dies sehr zur Freude des Auditoriums, das dieses grandiose Konzert mit einer wahren Applauskaskade und Bravorufen belohnte.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Luzerner Theater, Faust-Szenen von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche, Premiere, 24. März 2018, besucht von Noémie Felber

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Produktionsteam: Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Lene Schwind Video: Bert Zander Licht: Clemens Gorzella Choreinstudierung: Mark Daver Dramaturgie: Laura Schmidt, Sylvia Roth Besetzung: Sebastian Geyer (Faust / Dr. Marianus) Rebecca Krynski Cox (Gretchen / Sorge / Una Poenitentium) Vuyani Mlinde (Mephisto / Böser Geist / Pater Profundus) Magdalena Risberg (Elfe / Engel / Seliger Knabe / Sorge) Sarah Alexandra Hudarew (Engel / Schuld / Mater Gloriosa) Robert Maszl (Ariel / Engel / Geist / Pater Ecstaticus) Gianna Lunardi (Elfe / Mangel / Seliger Knabe) Bernt Ola Volungholen (Geist / Engel / Pater Seraphicus) Jeanette Neumeister (Not) Chor und Extrachor des LT Mitglieder des 21st Century Chorus Luzerner Sinfonieorchester Luzerner Mädchenchor und Luzerner Sängerknaben

Rezension:

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Ein gespenstisch geschminkter Kinderchor, eine Braut mit meterlanger Schleppe, Fausts Schuldregister, das vom Luzerner Theater hängt: Momentaufnahmen, die den Besuchern der Faust-Szenen noch lange in Erinnerung bleiben werden. Doch nicht nur diese einzelnen Bilder, das gesamte Konzept der Inszenierung unter Benedikt von Peter ist so aussergewöhnlich, dass es sich ins Gedächtnis einbrennt. Und zwar zu Recht, schliesslich wird nicht alle Tage ein Oratorium theatralisch dargestellt.

Altbekannt und doch neu

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Wie schon zahlreiche Komponisten vor ihm bediente sich Robert Schumann am Stoff von Goethes «Faust». Anders als seine Kollegen behandelt er allerdings nicht nur den ersten Teil, sondern auch die Fortsetzung «Faust II». Der Kompositionsprozess war langwierig und dauerte fast zehn Jahre. Die Uraufführung aller drei Teile und der Ouvertüre erfolgte 1862, sechs Jahre nach dem Tod des Komponisten. Der schwer depressive Schumann begann das Werk für Solostimmen, Chor und Orchester mit dem Ziel, eine Oper zu schaffen, näherte sich aber immer mehr einem Oratorium an. Schlussendlich entstand ein Werk, das zwischen den beiden musikalischen Formen steht, zwischen Licht und Schatten, zwischen Himmel und Hölle.

Zwischen den Welten

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Den Anfang macht eine Versammlung auf dem Platz vor der Jesuitenkirche. Der Luzerner Mädchenchor und die Luzerner Sängerknaben präsentieren Schumanns Choral «Wenn mein Stündlein vorhanden ist». Komponiert wurde dieser in Endenich in einer Anstalt für psychisch Erkrankte, wo der Komponist seine letzten beiden Lebensjahre verbracht hat. Aus der Jesuitenkirche ertönt nach Abschluss des Chorals das Luzerner Sinfonieorchester mit der Ouvertüre der Faust-Szenen und gemeinsam mit Gretchen im Brautkleid begibt sich das Publikum ins Theater.

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Die Zuschauenden finden sich in Fausts Erinnerungen wieder. Die Bühne ist komplett schwarz gehalten, bis auf einige eindrückliche Projektionen und die Darstellung des Sonnenaufgangs wird Licht nur sehr sparsam eingesetzt. Faust erinnert sich an Gretchen, ihre gemeinsame Zeit, seinen Verrat, ihre Hinrichtung. Er ist verzweifelt, heimgesucht von albtraumhaften Visionen und der Erscheinung Mephistos.
Nach 45 Minuten geht es wieder nach draussen, auf den Platz vor der «Box», von welcher herab ein mit Megaphon bestückter Faust eine Rede an die Menschheit hält. Vom gegenüberliegenden Theater aus antwortet ihm Mephisto und die beiden Protagonisten liefern sich ein gesangliches Duell.
Nach Fausts Tod beginnt die letzte Station in der Jesuitenkirche: die Himmelfahrt. Folgt auf Fausts ständigen Wechsel zwischen Schuldgefühl und Vergessen endlich die Erlösung durch einen Engel in Gestalt von Gretchen? Oder ist dies nur ein Trick seines ständigen Begleiters Mephisto?

Patchwork Truppe

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Die Inszenierung des Luzerner Theater fordert ein ausgefeiltes Zusammenspiel der Beteiligten. Unter der Leitung von Clemens Heil spielt das Luzerner Sinfonieorchester live in der Jesuitenkirche und wird akustisch an die anderen Spielorte übertragen. Der Chor des Luzerner Theaters wird sowohl von einem Extrachor als auch den Kinderchören und Mitgliedern des 21st Century Chorus’ unterstützt. Solistisch sind nicht nur festangestellte Ensemblemitglieder des Luzerner Theaters zu hören: Die Rolle des Fausts übernimmt Sebastian Geyer, der normalerweise an der Oper Frankfurt spielt. Doch egal woher die verschiedenen Musizierenden kommen, ihre Leistungen waren auf hohem Niveau und begeisterten.
Ohne Zweifel, die Faust-Szenen sind in dieser Inszenierung eine einmalige Angelegenheit. So sah es auch das Publikum, welches von der Aufführung begeistert war. Der Schlussapplaus der Premiere mit einer Standing Ovation ist wohl Beweis genug.

Szenenfotos von Ingo Hoehn

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/26/luzerner-theater-falstaff-szenenfotos-von-ingo-hoehn/

Trailer über die Produktion:

http://www.luzernertheater.ch/falstaff

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos:   Ingo Höhn  www.luzernertheater.ch

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Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 4 Ensemble intercontemporain | Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI | Matthias Pintscher | Solisten, 23. März 2018, besucht von Léonard Wüst

LUCERNE FESTIVAL, Oster-Festival 2018: Sinfoniekonzert 4; Matthias Pintscher dirigiert das Ensemble intercontemporain zusammen mit dem Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Priska Ketterer
LUCERNE FESTIVAL, Oster-Festival 2018: Sinfoniekonzert 4; Matthias Pintscher dirigiert das Ensemble intercontemporain zusammen mit dem Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Priska Ketterer

Besetzung und Programm:

Gilles Durot  Xylorimba
Samuel Favre  Glockenspiel
Ann Veronica Janssens  Visualisierung (Lichtkonzept)
Olivier Messiaen (1908–1992)
Des canyons aux étoiles für Klavier, Horn, Xylorimba, Glockenspiel und Orchester

 

Rezension:

Das Werk kann Messiaen-„Anfängern“ nicht empfohlen werden, es ist zu vielschichtig, zu kompliziert, wohl auch zu umfangreich für einen Einstieg, gleichwohl aber eines der bedeutendsten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts, so Edwin Baumgartner in der Wiener Zeitung. Also alles andere als leichte Kost, die das Auditorium im gut besetzten Saal erwartete.

Aussergewöhnliche Töne im Konzertsaal des KKL Luzern

Dirigent Matthias Pintscher  Foto Felix Broede
Dirigent Matthias Pintscher Foto Felix Broede

Es waren dann auch sehr aussergewöhnliche, ungewohnte Klänge, die den Konzertsaal erfüllten, hatte doch Olivier Messiaen u.a. 82 Vogelstimmen für seine Komposition transkribiert und in das Auftragswerk der amerikanischen Mäzenin Alice Tully eingefügt. „Des Canyons aux Étoiles . . .“ ist ein Wunder des Klanges: Mit außergewöhnlicher Besetzung, die auch eine Wind- und eine Sandmaschine einschließt, verleiht der Komponist der Musik eine einzigartige Textur, die sowohl die majestätische Landschaft, ihre Einsamkeit und die sie bewohnenden Vögel vor dem inneren Auge des Zuhörers Gestalt annehmen lässt. Einem normal bis groß besetzten Bläserensemble (mit u. a. immerhin 4 Flöten und 4 Klarinetten) stehen Solo-Klavier, umfangreiches Schlagzeug, aber nur 13 solistische Streicher gegenüber. Dazu hat der erste Hornist konzertante Aufgaben zu erfüllen. Das Werk enthält Kantilenen von nahezu riskanter Süße ebenso wie Choräle in grandios resonierenden Akkorden und virtuose Klavierkaskaden.

Messiaens transkribierte Vogelstimmen als Herzstück der Komposition

Dirigent und Pianist im Dialog
Dirigent und Pianist im Dialog

Vogelrufe, scheinbar abstrakter Konstruktivismus und Freude am Schönklang verbinden sich zu leuchtendem Gotteslob. Eben diese religiöse Botschaft begriffen die Musikkritiker anlässlich der New Yorker Uraufführung im November 1974 nicht, oder wollten sie nicht verstehen, wie sich der Komponist bitter beklagte. Dagegen reagierte das Publikum äusserst enthusiastisch auf das grandiose avantgardistische Klanggemälde. Es gibt kein Leitmotiv, woran sich der Zuhörer festhalten könnte, keine Repetitionen, alles ist im Fluss und unbeständig wie die Naturgewalten, die die beschriebenen Landschaften über Jahrmillionen geformt haben. Man wähnte sich eher an einem Zeremoniell, denn an einem Konzert. Dirigent Matthias Pintscher leitete eher passiv, viel mit Augenkontakt, statt mit Gesten. Besonders innig der lautlose Dialog mit dem Solisten am Konzertflügel.

Exzellente Solisten überzeugten durchwegs

Solist am Piano Hidéki Nagano Foto Franck Ferville
Solist am Piano Hidéki Nagano Foto Franck Ferville

Es war denn auch der japanische Pianist Hidéki Nagano, der die Aufführung am nachhaltigsten prägte, dies als Primus inter Pares, da am häufigsten als Solist in Aktion. Gefordert auch die Schlagwerke, ins besonders Gilles Durot am Xylorimba, Samuel Favre am Glockenspiel und dazu der grossartige Solist am Horn Jean-Christophe Vervoitte. Diese Protagonisten durften sich dann am Konzertende auch alle einen Extraapplaus abholen. Ein Schlussapplaus, der sehr kräftig und langanhaltend ausfiel, fast etwas ehrfürchtig das Gebotene würdigend.

 

Länge des Werkes fordert nicht nur die Musiker, sondern auch das Auditorium

Dirigent Matthias Pintscher Foto Priska Ketterer
Dirigent Matthias Pintscher Foto Priska Ketterer

Das Werk ist, mit einer Spieldauer von ca. 1 Stunde und 40 Minuten aussergewöhnlich lang, fast zu lang, widerspiegelt aber die von Messiaen tonal beschriebenen Landschaften wahrscheinlich bis in das kleinste Detail. Ihm hatten es ja vor allem auch die vielfältigen Rottöne angetan, wie er auch schriftlich festhielt. („Es gibt Schlösser, Türme, Verliese, es gibt Kanzeln, Brücken, Fenster und dann, noch schöner, gibt es die Farben! Alles ist rot, alle Arten von Rot, rot – violett, rosé, dunkles Karmesinrot, Scharlachrot, alle möglichen Nuancen von Rot, eine aussergewöhnliche Schönheit“) notierte er, während seine Frau, die bekannte Konzertpianistin Yvonne Loriod,  Fotos der Landschaften machte.

Unnötige Lichtinstallation  

Diriigent und Solisten holen sich den Spezialapplaus ab, Foto Priska Ketterer
Diriigent und Solisten holen sich den Spezialapplaus ab, Foto Priska Ketterer

Kleiner Wehmutstropfen: Die angekündigte Visualisierung (Lichtkonzept) des Konzertes der weltbekannten Art Performerin  Ann Veronica Janssens, hat diesen Namen nicht verdient, war eher störend, denn ergänzend oder gar bereichernd. Die an die Wände projizierten farbigen Lichtkegel wirkten wie die Spielerei eines Kindes mit einer grossen Taschenlampe.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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