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Gesundheit

Hitze geht an die Nieren: Schäden können sich unbemerkt summieren, deshalb Nieren schützen

Hitze kann die Nieren nachhaltig schädigen. Studien aus südlichen Ländern
zeigen eine Häufung von chronischer Nierenkrankheit (CKD) bei ansonsten
gesunden Menschen, die draußen in der Landwirtschaft arbeiten (1). Dies
lässt erahnen, was auch hierzulande auf uns zukommen könnte. Da sich
Nierenschäden über Jahre unbemerkt summieren können und dann oft nicht
mehr rückgängig zu machen sind, rät die Deutsche Gesellschaft für
Nephrologie e. V. (DGfN) dringend, die Nieren bei heißem Wetter zu
schützen und gibt Tipps.

Es wird wärmer und wärmer: Der 22. Juli 2024 war nach Angaben des EU-
Klimawandeldienstes Copernicus der heißeste Tag auf der Erde seit Beginn
der Aufzeichnungen (2). Die Zahl der "heißen Tage" – Tageshöchstwerte der
Lufttemperatur von mindestens 30 °C – hat sich seit den 1950er Jahren von
etwa drei Tagen pro Jahr auf derzeit durchschnittlich neun Tage pro Jahr
verdreifacht. Auch ausgeprägte Hitzeperioden haben in diesem Zeitraum
sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität zugenommen (3).

Risikofaktor: Kombination aus Hitzestress, Dehydrierung und
Überanstrengung
Was viele nicht wissen: Hitze kann auch den Nieren schaden. „Das Trio aus
Hitzestress, Dehydrierung und körperliche Überanstrengung ist für die
Nieren besonders gefährlich“, sagt Professor Dr. med. Julia Weinmann-
Menke, Pressesprecherin der DGfN und Leiterin der Klinik für Nephrologie,
Rheumatologie und Nierentransplantation (NTX) am Universitätsklinikum
Mainz. „Denn es kann wichtige Strukturen der Nieren schädigen.“ In der
Folge drohen narbige Veränderung des Entgiftungsorgans und später
möglicherweise sein irreversibler Funktionsverlust. Die Betroffenen
benötigen dann mehrmals wöchentlich eine künstliche Blutwäsche, die
Dialyse.

Mechanismen der Nierenschädigung durch Hitze
In Hitzeperioden fallen vermehrt schädliche Stoffwechselprodukte in den
Nieren an, etwa durch den stressbedingten Zerfall von Muskelfasern, auch
Rhabdomyolyse genannt. Durch Hitze und Austrocknung werden die
Ausscheidungsorgane schlechter durchblutet, was Zellen absterben lässt
(4). Oxidativer Stress entsteht, der Entzündungen und weitere
Gewebeschäden nach sich zieht. Der Urin selbst wird durch den
Flüssigkeitsmangel hochkonzentriert. Hierdurch kann es zu vermehrter
Bildung von Nierensteinen kommen, die sogenannte Nephrolithiasis. Außerdem
steigt die Anfälligkeit für Harnwegsinfekte. Prognosen gehen von bis zu
2,2 Millionen zusätzlichen Fällen von Nephrolithiasis in den Vereinigten
Staaten bis 2050 aus (5).

Auch junge gesunde Menschen sollten ihre Nieren schützen
Zu den Risikogruppen gehören neben Kindern Menschen, die an Diabetes,
Bluthochdruck, Herzschwäche oder einer chronischen Nierenkrankheit (CKD)
leiden sowie Ältere und stark Übergewichtige. Die Nierenexpertin betont:
„Aber auch junge Menschen sollten aufpassen, etwa, wenn sie Sport treiben
oder draußen arbeiten.“ Es sei wichtig, auf die Signale des Körpers zu
achten, wie Durst, Schwindel, Kopfschmerzen oder Herzrasen.

Zusätzliche Umweltbelastungen verschärfen Hitzeschäden an den Nieren
Und weiter: „Andere schädliche Umwelteinflüsse im Zusammenhang mit dem
Klimawandel wie Feinstaub und Umweltgifte können den Hitzeeffekt
verstärken, weil sie die Nieren schwächen“. An heißen Tagen mit Smog oder
Staubstürmen sei deshalb besondere Vorsicht geboten.

Schädigung bleibt lange unbemerkt
„Wir müssen lernen, unsere Nieren während Hitzewellen bewusst zu
schützen“, so Weinmann-Menke. Denn die Veränderungen der Niere spüre man
zunächst nicht. „Man ist nicht von einem auf den anderen Tag krank. Es
gibt verschiedene Stadien und Übergänge.“ Sie rät, grundsätzlich 1,5 – 2,0
Liter Flüssigkeit am Tag zu trinken (6). Bei Hitze entsprechend mehr.

Notwendigkeit weiterer Forschung
Dr. med. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN, betont den
Handlungsbedarf: „Pro 1 °C Temperaturanstieg rechnet man mit einer um 1
Prozent höheren Rate an Nierenkrankheiten. Die Bevölkerung muss darüber
aufgeklärt und geschützt werden. Deshalb ist es erforderlich, die
Auswirkungen von Hitzeperioden auf die Nieren weiter zu erforschen. Beides
könnte auch Aufgabe eines Deutschen Zentrums für Nierengesundheit sein,
für dessen Gründung wir uns einsetzen“.

Quellen:

(1)     Wilke, Russell A. et al.: Chronic Kidney Disease in Agricultural
Communities. The American Journal of Medicine; Volume 132, Issue 10, 2019,
Pages e727-e732, https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2019.03.036

(2)     https://pulse.climate.copernicus.eu/, Abruf 24.7.2024.

(3)
https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/klimawandel_node.html;jsessionid=A55195958D448ABBB15183091E0E7080.live11041,
Abruf 24.7.2024.

(4)     Chapman, Christopher et al.: Kidney physiology and pathophysiology
during heat stress and the modification by exercise, dehydration, heat
acclimation and aging. Temperature; 2021, VOL. 8, NO. 2, 108–159,
DOI:10.1080/23328940.2020.1826841.

(5)     Brikowski, Tom H. et al.: Climate-related increase in the
prevalence of urolithiasis in the United States. Proceedings of the
National Academy of Sciences; August 2008, 105(28):9841-6,
DOI:10.1073/pnas.0709652105.

(6)     Wagner S et al.: Wasser und die Niere: Was ist zuviel und was ist
zuwenig? Nephrol Dial Transplant; 2022 Mar 25;37(4):730–739.

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Medizinisch begleitete SeniorenWellnessRetreats Symbolbild

Erleben Sie Ruhe und Geborgenheit: Medizinisch begleitete Senioren-Wellness-Retreats mit Kati Care

Medizinisch begleitete SeniorenWellnessRetreats Symbolbild
Medizinisch begleitete SeniorenWellnessRetreats Symbolbild

Mit zunehmendem Alter steigt die Anfälligkeit der Menschen für eine Vielzahl von Gesundheitsproblemen, die ihr allgemeines Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen können. Ältere Menschen sind anfälliger für Faktoren wie eingeschränkte Mobilität, chronische Krankheiten, Trauer und Einsamkeit, die sich allesamt negativ auf ihre körperliche und geistige Gesundheit auswirken können. Eine vielversprechende Alternative dazu ist das Konzept der Senior-Wellness-Retreats, die speziell auf die gesundheitlichen Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind.

Einen unterstützenden Begleiter während der Besuche in diesen Wellness-Retreats, bei Arztbesuchen, bei alltäglichen Aktivitäten oder sogar auf Reisen zu haben, kann ungemein wertvoll sein. Das Team von Kati Care besteht aus medizinisch geschulten Fachkräften, die über umfassende Kenntnisse des medizinischen Systems, der verschiedenen Versorgungsmöglichkeiten und der alltäglichen Unterstützung der Patienten verfügen.

Die Bedeutung von Wellness für Senioren

Im Laufe unseres Lebens wird es immer wichtiger, unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden Priorität einzuräumen, um das Beste aus unseren Tagen zu machen. Für ältere Erwachsene bieten Senior-Wellness-Reisen die Möglichkeit, sich auf die Verbesserung ihres körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens zu konzentrieren.

Die Teilnahme an körperlichen Aktivitäten und das Bestreben, die Fitness zu verbessern, können erhebliche Vorteile für die allgemeine Gesundheit von Senioren mit sich bringen. Regelmäßige Bewegung spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung gegen chronische Krankheiten wie Herzkrankheiten, Osteoporose oder Diabetes. Gleichzeitig wird das Risiko von Stürzen und Verletzungen durch die Verbesserung von Gleichgewicht, Muskelkraft und Koordination verringert.

Wellness-Retreats für Senioren tragen zu Stärkung des emotionalen Wohlbefindens und der kognitiven Fähigkeiten der Senioren bei, indem sie bereichernde soziale Interaktionen fördern und Möglichkeiten zum Erwerb neuer Fähigkeiten bieten. Die strukturierte und zielgerichtete Umgebung, die diese Retreats bieten, kann häufige Probleme wie Depressionen und Angstzustände bei Senioren lindern.

Als Menschen haben wir ein angeborenes Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Interaktion. Der Alterungsprozess kann jedoch bei Senioren häufig zu einer zunehmenden Isolation und zu Gefühlen der Einsamkeit führen. Hier spielen diese Retreats eine entscheidende Rolle bei der Befriedigung der sozialen Bedürfnisse von Senioren. Dort haben Senioren die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, die ihre Interessen und Werte rund um das Wohlbefinden teilen.

Vorteile der medizinischen Begleitung im Alltag

Ältere Menschen profitieren sehr davon, in ihrem eigenen Zuhause zu bleiben und die Möglichkeit zu haben, Aktivitäten nachzugehen, die ihnen Freude bereiten, wie z.B. Geselligkeit und Reisen. Die begleitende Pflege bietet wichtige soziale Interaktion, sei es durch zwanglose Gespräche, gemütliche Spaziergänge oder gemeinsame Aktivitäten wie Kochen und Gartenarbeit.

Wenn ältere Menschen ein Alter erreichen, in dem sie nicht mehr sicher Auto fahren können kann die Angabe des Autoschlüssels ihre Unabhängigkeit stark beeinträchtigen. Diese Einschränkung kann einfache Aufgaben wie Lebensmitteleinkäufe, die Teilnahme an Gottesdiensten und Besuche bei Freunden zu einer Herausforderung machen. Professionelle Pflegekräfte können den Transport und die Begleitung übernehmen und so dafür sorgen, dass Senioren weiterhin an ihren täglichen Aktivitäten teilnehmen können.

Eine häusliche Pflegekraft spielt eine entscheidende Rolle bei der genauen Überwachung des Wohlbefindens Ihres Angehörigen. Sie sind darauf geschult, Veränderungen im Zustand Ihres Angehörigen zu bemerken und darauf zu reagieren. Persönliche Pflegehelfer werden speziell geschult, um subtile Signale zu erkennen, die auf eine Veränderung des geistigen oder körperlichen Zustands eines älteren Menschen hindeuten, so dass sie schnell und angemessen handeln können, um auf auftretende Probleme zu reagieren.

Wenn ein geliebter Mensch Anzeichen zeigt, dass es zu Hause Hilfe benötigt, egal ob in der Nähe oder weit weg wohnt, ist es nur natürlich, dass man sich Sorgen macht. Häusliche Pflegedienste bieten eine persönliche, individuelle Betreuung, die weit über das hinausgeht, was ein pflegender Angehörige in Vollzeit leisten kann.

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Stärke Dein Herz! Herzwochen widmen sich Volksleiden Herzschwäche

Atemnot, Abgeschlagenheit, Klinikeinweisung: bei Herzinsuffizienz sinken
meist die Lebensqualität und Prognose der Betroffenen. Bundesweite
Herzwochen im November informieren über Ursachen und Symptome und wie neue
Therapien, gesunder Lebensstil und digitale Technologien Menschen mit
Herzschwäche helfen

Das Treppensteigen wird zur Tortur und bei der sonst so erholsamen
Bergwanderung kommt man plötzlich nicht mehr mit. Nach Schätzungen leiden
hierzulande bis zu vier Millionen Menschen an Herzschwäche
(Herzinsuffizienz), bei der das Herz aus unterschiedlichen Gründen nicht
mehr in der Lage ist, den Körper mit ausreichend Blut und Sauerstoff zu
versorgen. Neben Schäden an Herz, Gehirn, Nieren und Muskeln kommt es bei
Betroffenen zu Symptomen wie Atemnot und Leistungsminderung. Zwar können
auch junge Menschen an einer Herzinsuffizienz erkranken, zum Beispiel nach
entzündlichen Herzmuskelerkrankungen wie Myokarditis. Größtenteils sind
aber Menschen im höheren Alter von Herzinsuffizienz betroffen. Besonders
ab 65 Jahren steigt die Zahl der Krankenhauseinweisungen steil an (13-mal
mehr Patienten im Vergleich zur Gruppe der 45- bis unter 65-Jährigen). Mit
über 440.000 vollstationären Fällen pro Jahr ist die Herzschwäche außerdem
die häufigste Einzeldiagnose für Krankenhausaufnahmen insgesamt. „In etwa
70 Prozent der Fälle gehen lange bestehende Grunderkrankungen wie die
koronare Herzkrankheit (KHK) und Bluthochdruck der Herzinsuffizienz
voraus, bis diese sich zunächst mit eher schleichenden Symptomen bemerkbar
macht: Kurzatmigkeit bei Belastung, Leistungsabnahme und
Flüssigkeitseinlagerungen in Form von geschwollenen Beinen und
Knöchelödemen. „In diesem Moment ist die Herzschwäche allerdings bereits
weit vorangeschritten“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
Um die Bevölkerung für die Herzschwäche zu sensibilisieren, stehen
gezieltes Wissen über die möglichen Ursachen, Symptome und Warnzeichen wie
auch zu aktuellen Therapien der Herzinsuffizienz im Zentrum der
bundesweiten Herzwochen der Herzstiftung. Diese finden unter dem Motto
„Stärke Dein Herz! Herzschwäche erkennen und behandeln“ vom 1. bis 30.
November statt. Infos (Ratgeber, Herz-Seminare, Podcasts, Videos) gibt es
ab Mitte Oktober unter https://herzstiftung.de/herzwochen und über soziale
Medien unter den Hashtags #herzwochen und #staerkedeinherz

Therapie der Herzinsuffizienz und ihrer Ursachen: Was ist neu?
Die Herzmedizin verfügt über moderne medikamentöse Therapien sowie
technische Geräte wie implantierbare Defibrillatoren (ICD) und
Herzschrittmacher zur Resynchronisation des Herzens (CRT), die
Lebensqualität und Prognose der chronisch schwer kranken Patienten
erheblich verbessern können. Mittlerweile spielen für die Versorgung von
Herzinsuffizienzpatienten auch digitale Technologien wie Telemonitoring
(und tragbare „Smart devices“ wie die Smartwatch) eine zunehmend wichtige
Rolle.

Endstadium bestehender Herzkrankheiten: Angriffspunkte für Therapien
Die chronische Herzschwäche ist in aller Regel das Endstadium anderer
Herz-Kreislauf Erkrankungen und entwickelt sich aus der KHK, der
Grunderkrankung des Herzinfarkts, und Bluthochdruck. Treten KHK und
Bluthochdruck gemeinsam mit Diabetes auf, dann nimmt die
Wahrscheinlichkeit einer Herzschwäche zu. Bei Diabetikern kommt die Gefahr
des stummen Herzinfarkts hinzu. Ebenso bedeutsam sind bauchbetontes
Übergewicht, Klappenerkrankungen, Rhythmusstörungen (Vorhofflimmern) oder
angeborene Herzfehler als mögliche Ursachen. „Wer herzkrank ist und diesen
Zusammenhang kennt, kann durch sein Verhalten ein Abgleiten in eine
Herzschwäche vermeiden“, erläutert Herzspezialist Prof. Voigtländer,
Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses Frankfurt am
Main. So kann ein Abgleiten in eine Herzinsuffizienz bei vielen
Erkrankungen mit Hilfe medikamentöser und moderner interventioneller
Therapien vermieden oder zumindest hinausverzögert werden. Die Herzwochen
informieren über die wichtigsten Therapien wie die Katheterablation bei
Vorhofflimmern, katheterbasierte und chirurgische Verfahren zur Behandlung
der KHK (Stent/Bypass) oder defekter Herzklappen (TAVI, Mitraclip).
„Um Patienten vor einer Herzschwäche zu schützen, bedarf es der gezielten
Behandlung der bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung mit Hilfe von
Medikamenten und gegebenenfalls interventioneller Verfahren. Zusätzlich
ist eine konsequente Lebensstil-Anpassung, allen voran durch
Rauchverzicht, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und Stress
Management mitentscheidend“, betont der Kardiologe. Über den aktuellen
medizinischen Kenntnisstand rund um die Vorbeugung und Therapie der
Herzschwäche sowie ihrer Grund- und Begleiterkrankungen informieren die
Herzwochen.

Service zu den Herzwochen
Die Herzwochen stehen unter dem Motto „Stärke Dein Herz! Herzschwäche
erkennen und behandeln“ und richten sich an Patienten, Angehörige, Ärzte
und alle, die sich für das Thema Herzschwäche interessieren. An der
Aufklärungskampagne beteiligen sich Kliniken, niedergelassene Kardiologen,
Krankenkassen und Betriebe. Infos zu Patienten-Seminaren, Online-
Vorträgen, Telefonaktionen und Ratgeber-Angeboten (Text, Video) sind ab
Mitte Oktober unter -https://herzstiftung.de/herzwochen abrufbar oder per
Tel. 069 955128-333 zu erfragen.

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S2k-Leitlinie zu hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft überarbeitet

Die S2k-Leitlinie zu „hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft:
Diagnostik und
Therapie“ wurde mit neuen Erkenntnissen und Empfehlungen überarbeitet.
Besonders
relevant sind die neuen Aspekte zum Blutdruckmanagement dieser
Erkrankungsformen.

Berlin, im Juli 2024 – Bluthochdruck-Erkrankungen (HES) treten in 6 bis 8
Prozent aller Schwangerschaften auf, tragen zu 20 bis 25 Prozent der
perinatalen Mortalität bei und sind in den Industrieländern die häufigste
aller mütterlichen Todesursachen. Man unterscheidet verschiedene Formen
der HES, die Präeklampsie gilt jedoch als die schwerwiegendste Form mit
einer jährlichen Sterberate von mehr als 50.000 Frauen und 500.000 Babys.
Abgesehen davon birgt die Erkrankung einige Langzeitfolgen, insbesondere
ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Gesundheit.

Obwohl die Prävention von HES laut der Leitlinie nur bedingt möglich sei,
ermögliche eine
erste Evaluation im ersten Trimester die Identifikation von Schwangeren
mit hohem Risiko.
Demnach könnten Maßnahmen zur Prophylaxe bereits frühzeitig eingeleitet
werden. Die
Einordnung in Risikogruppen gewähre außerdem eine individualisierte
Schwangerschaftsüberwachung, wodurch Komplikationen früh erkannt und
behandelt werden können.

Die überarbeitete Leitlinie richtet sich vor allem an Schwangere,
Patientinnen, die bereits HES hatten sowie an Frauen mit vorbestehender
Bluthochdruckerkrankung, aber auch an alle Fachkräfte, die in die
Versorgung von Patientinnen mit HES involviert sind.

Anpassung der Richtwerte zur Blutdruckmessung

Eine der wichtigen Änderungen, die mit der Aktualisierung einhergehen, ist
die Anpassung der Richtwerte für die Blutdruckmessung. Dabei wird zwischen
zwei Messarten unterschieden: Der standardisierte Praxisblutdruck wird in
der Schwangerenvorsorge routinemäßig in Arztpraxen und Kliniken
durchgeführt. Im Gegensatz dazu gibt es die Heimblutdruckmessung (HBDM)
für die weitere ambulante Betreuung der Schwangeren.

Die Grenzwerte der Hypertonie in der Praxis liegen laut den Expertinnen
und Experten bei 140 mmHg systolisch bzw. 90 mmHg diastolisch. In der HBDM
werden aber niedrigere Cut-OffWerte angesetzt: Werte ab 135 mmHg
systolisch und 85 mmHg diastolisch werden hier bereits als Hypertonie
betrachtet. Dies ist wichtig, da nun auch bereits bei diesen
Bluthochdruckwerten eine medikamentöse Therapie indiziert ist, um
Komplikationen von der Schwangeren abzuwenden.

Indikationsstellung zur Entbindung bei Blutdruckzielwerten

Die Indikationsstellung zur Geburt wurde in der Überarbeitung der S2k-
Leitlinie relativiert. Bei einfacher Hypertonie könne mit Hilfe von
verändertem Hypertonie-Management die
Geburtseinleitung vermieden werden.

„Die HYPITAT-Studie, die den früheren Empfehlungen zur Entbindung mit 37+0
SSW
zugrunde lag, verfolgte durch die Beendigung der Schwangerschaft das Ziel,
schwere
mütterliche Komplikationen und insbesondere die schwere Hypertonie zu
vermeiden.
Neue medikamentöse Konzepte mit niedrigeren Blutdruckzielwerten bieten
durch die
engere Blutdruckeinstellung das gleiche Ziel. Dies hat nach Auffassung der
Leitliniengruppe zur Konsequenz, dass für eine medikamentös gut
eingestellte Frau mit Schwangerschaftshochdruck das Abwarten über 37 SSW
hinaus anstelle von Geburtseinleitung eine echte Option darstellt.“
- Prof. Dr. med. Ulrich Pecks, Leitlinienkoordinator, Universitätsklinikum
Würzburg

Bei schweren Komplikationen im Rahmen einer Präeklampsie sei
selbstverständlich zu jedem Zeitpunkt die Beendigung der Schwangerschaft
indiziert. Die Vorteile der Prolongation sind gegen die Risiken einer HES
und assoziierten Komplikationen abzuwägen.

Fokus auf Langzeitgesundheit der Frauen gelegt

Frauen, die während ihrer Schwangerschaft an Hypertonie leiden, haben ein
erhöhtes Risiko für Langzeitfolgen. Neben Erkrankungen, die das
kardiovaskuläre System betreffen, könnten auch weitere Organsysteme
beeinflusst werden. Nicht zuletzt bestehe weiterhin die Möglichkeit, in
der nächsten Schwangerschaft wieder eine Bluthochdruckerkrankung mit
möglichen Komplikationen zu entwickeln.

Infolge der hohen Evidenz für Langzeitfolgen wird eine regelmäßige
kardiovaskuläre Kontrolle und Nachsorge der Mutter angeraten, die sich im
Idealfall lebenslang fortsetzen sollte.

„Die Einführung eines spezifischen und finanzierten Nachsorgekonzeptes
nach HES ist
dringend erforderlich. Dabei sollte die primäre Zuständigkeit für die
Nachsorge zumindest für die Zeit unmittelbar nach der Geburt in der Hand
der betreuenden frauenärztlichen Praxis liegen.“
- PD Dr. med. Dietmar Schlembach, Leitlinienkoordinator, Vivantes Netzwerk
für Gesundheit GmbH, Klinikum Neukölln

Anschließend sollte die Betreuung in Abhängigkeit von auftretenden
Befunden, wie z.B. eines persistierenden Hypertonus oder anderer
klinischer oder labormedizinischer Befunde, in die fach- oder
hausärztliche Betreuung übergeleitet werden. Da komplexe Gesundheitsfolgen
möglich seien, könne eine interdisziplinäre Versorgung aus
Frauenheilkunde, Allgemeinmedizin und Innerer Medizin erforderlich sein.

Die Nachbetreuung von Wöchnerinnen, deren kardiovaskuläres Risiko nach
Präeklampsie
langfristig überwacht werden sollte, soll jeweils sechs Wochen nach der
Entbindung beginnen.

„Hierfür haben wir in Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen und unter
Unterstützung
der Patientinnenvertretung EFCNI sowie der Arbeitsgemeinschaft der
Gestose-Betroffenen e.V. einen Nachsorgepass entwickelt, der der Leitlinie
beiliegt und an Patientinnen ausgehändigt werden kann.“
- Prof. Dr. med. Ulrich Pecks, Leitlinienkoordinator, Universitätsklinikum
Würzburg

Die Erstellung und Aktualisierung der S2k-Leitlinie erfolgte unter den
federführenden
Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
e.V. (DGGG),
Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG)
sowie Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG).
Finanziell unterstützt wurde die Handlungsempfehlung vom DGGG-
Leitlinienprogramm.

Leitlinien sind Handlungsempfehlungen. Sie sind rechtlich nicht bindend
und haben daher
weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

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