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Umknicken im Sport: Wenn die Bänder über dem Sprunggelenk reißen / GOTS Sportmedizin

Häufig passiert es in Sportarten mit schnellen Richtungswechseln: Fußball,
Handball, Tennis zum Beispiel. Einmal den Fuß nach außen weggedreht,
umgeknickt und schon ist es passiert - die Bandstruktur über dem oberen
Sprunggelenk hält den Zug nicht aus und reißt. Entweder teilweise oder
ganz. Warum eine Syndesmosen-Verletzung manchmal eine Horror-Diagnose ist
und wie sie behandelt wird, darüber berichtet Priv.-Doz. Dr. med. Raymond
Best, Facharzt für Orthopädie, Chirurgie, Unfallchirurgie, Notfallmedizin,
Sportmedizin (Sportklinik Stuttgart) auf dem 37. GOTS Kongress in Berlin.

Die Syndesmose ist die Verbindung zwischen Waden und Schienbein durch eine
straffe Bandstruktur, die insgesamt aus fünf Bändern besteht. Die
einzelnen Strukturen sind bindegewebsartig und haben unterschiedlichen
Bruchlasten und Steifigkeiten. Nur wenn alle fünf Bänder bei einer
Verletzung reißen, redet man genau genommen von einem kompletten
Syndesmosen-Riss, der in diesem Fall dann auch meist auch mit
Knochenbrüchen einhergeht. „Bei einem Teilriss, bei dem nur das vordere
oder mittlere Band betroffen sind, wird für die Diagnose aber oft der
gleiche Terminus verwendet.“ Das ist ein wenig irreführend, und mündet
nicht selten unberechtigt in der Bezeichnung „Horrordiagnose“, so PD Dr.
Best.

Meist sind Sportler zwischen 12 und 40 Jahren betroffen. Außer in den
Sportarten mit schnellen Richtungswechseln können Syndesmosen oft auch
beim Klettern, Wandern oder Skifahren vorkommen, wenn entsprechend hohe
Kräfte am Werk sind.

Während Ultraschall, -Röntgen und MRT-Untersuchungen recht schnell einen
kleinen Teilriss oder Komplett-Riss offenbaren, ist es bei einem Teilriss
von mehr als einem der 5 Bänder nicht immer gleich eindeutig. Sind nur 2
bis 3 Bänder betroffen, kann man die Folgen für die Stabilität der
„Sprunggelenksgabel“ oft nicht zweifelsfrei nur anhand von Bildern
belegen. In diesem Fall hilft eine Spiegelung des Sprunggelenkes
(Arthroskopie) weiter. Während dieser Sitzung testet der Operateur die
Stabilität der Bänder z.B.  durch leichtes „Gegendrücken“ des Wadenbeines
mit einem kleinen Stab.

Bei der operativen Versorgung wird das Wadenbein in seine Führung am
Scheinbein „gestellt“ und per Schrauben oder Fadensystemen eine
stabilisierende Verbindung geschaffen, die eine Heilung der syndesmosalen
Bandverbindungen sicherstellen soll.

Die Ausfallzeit wird in der Regel mit mindestens 8-12 Wochen angegeben.
4-6 Wochen müssen Betroffene nach OP bis zum Abschluss der reparativen
Phase teilentlasten, anschließend bis zu drei Monate langsam wieder
aufbelasten. Auch eine Teilverletzung, die konservativ behandelt wird,
muss entsprechend gut ausheilen und braucht Zeit.

Best: „Das Schlimmste, was passiert, wenn es nicht richtig ausheilt, ist,
dass die Syndesmose nicht stabil genug wird, was wiederum zu
belastungsabhängigen Schmerzen führen kann.“

Sportler und Nichtsportler unterliegen dabei den gleichen Naturgesetzen,
auch bei Sportlern heilt eine Syndesmosenverletzung nicht schneller und
erfordert daher eine entsprechend konsequente Belastungspause.

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Knorpelschäden bei Sportlern – was dem Gelenk wirklich hilft

Knorpeldefekte durch Sport sind eine ernste Sache. Gerade im Fußball,
Handball, beim Skifahren und zum Teil auch in den Laufsportarten haben
Sportler damit zu kämpfen. Während die Diagnose beim Leistungssportler oft
das Ende der Karriere bedeuten kann, droht Freizeitsportlern bei nicht
korrekter Behandlung und Rehabilitation eine frühzeitige Arthrose und
Unbeweglichkeit.

Oft kommen Sportler um die 50 zum Arzt, weil sie im Alter zwischen 30 und
40 mehrfach Knorpeldefekte, zum Beispiel an Knie oder Sprunggelenk
erlitten haben. Was es Neues aus der Knorpelforschung gibt, welche
Relevanz Operationen und Therapien mit gezüchteten Knorpelzellen,
Kollagen- und Hyaluron-Matrices haben, darüber berichtet Univ.-Prof. Dr.
Stefan Nehrer, Dekan der Fakultät für Gesundheit und Medizin der Donau-
Universität Krems, auf dem 37. GOTS Kongress in Berlin.

Stefan Nehrer forscht und lehrt unter anderem intensiv auf dem Gebiet von
Knorpelschäden. Er sagt: „Derzeit wird am häufigsten das Verfahren der
einfachen Mikrofrakturierung angewandt.  Wir wollen davon jedoch
wegkommen, da es für Menschen, die wieder Sport treiben wollen, nicht
ausreicht. Schon nach 3-4 Jahren kommen sie mit großen Schmerzen und
müssen erneut operiert werden.“

Bei der Mikrofrakturierung wird die Oberfläche des Knochens angebohrt, der
unter dem beschädigten Knorpel liegt. Aus dem Knochengewebe tritt Blut
aus, das im Knorpeldefekt gerinnt. Die Stammzellen aus dem Knochenmark,
die sich in dem Blut befinden, können sich in Knorpelzellen umwandeln und
bilden in dem Defekt einen faserigen Ersatzknorpel. Dieser ist jedoch
weniger belastbar als der ursprüngliche Gelenkknorpel.

Bessere Ergebnisse erzielt die sogenannte Minced Cartilage. „Mit einem
Shaver wird rund um den Defekt Knorpelgewebe entnommen, dieses wird in
einem Sieb aufgefangen, zerrieben, mit Blutprodukten gemischt und wieder
in den Defekt gegeben. Das Ganze in einer Sitzung“, so Nehrer. Der
Vorteil: man braucht keine Zellen im Labor anzuzüchten. Der Nachteil: das
Verfahren ist eher für mittelgroße Knorpelschäden geeignet und es gibt
dazu noch keine aussagefähigen Studien.

Wenn der Defekt größer und zu wenig Knorpelgewebe zur Entnahme vorhanden
ist, müssen andere Therapien herangezogen werden.

Hier kommt unter anderem das AMIC-Verfahren zum Einsatz. Nehrer: „Bei der
Autologen Matrixinduzierten Chondrogenese wird nach der Mikrofrakturierung
ein Fließ mit einer Kollagen- oder Hyaluron-Matrix auf den Defekt gegeben.
Darin wird das Blut wie mit einem Schwamm aufgesogen. Die Heilungschancen
verbessern sich, da sich mehr Gewebe nachbilden kann.“ Wie Minced eignet
sich auch AMIC dann, wenn es schneller gehen soll und nicht so aufwendig
und teuer sein darf.

Die größte Chance, dass der Knorpel wieder normal und sehr belastbar wird,
ist jedoch immer noch die Anzüchtung von Knorpelzellen im Labor, die dann
als kleine Zellhaufen (Sphäroide) in den Defekt gegeben werden. Bei dieser
Art kann die Knorpelzelltransplantation arthroskopisch erfolgen. Diese
Knorpelzelltransplantationen zeigen in vielen randomisierten Studien die
besten Ergebnisse und sind auch langfristig wirksam.

Wichtig für den Erfolg ist jedoch im Anschluss eine lange, gute und
intensive Rehabilitation. Der finanzielle und administrative Aufwand der
Knorpelzelltransplantation wird gesundheitsökonomisch mit der Verhinderung
der Arthrose ausgeglichen.

Zur Rehabilitation bewegt nach der OP am Anfang eine Motorschiene das
Gelenk passiv. In den ersten vier Wochen wird langsam eine Belastung
aufgebaut. Nach 5-6 Wochen kann das Gelenk erst voll belastet und
stabilisierender Muskelaufbau forciert werden. Erst nach 12 Wochen kann
wieder leichter Sport (am besten Radfahren) betrieben werden.
Laufbelastungen erst nach 6 Monaten, während man mit Fußball oder Ski
alpin bis zu einem Jahr warten muss.

Prof. Nehrer: „Die Message hierbei ist: es ist nicht wichtig, was du im
nächsten Jahr machst, sondern in den nächsten 10-20 Jahren machen kannst,
also die langfristige Prognose zählt!“

Werden Therapien nicht rechtzeitig angegangen oder die Rehabilitation
vernachlässigt, drohen im schlimmsten Fall eine frühe Arthrose und ein
künstliches Gelenk. Doch das ist im frühen Alter oft mit Komplikationen
und Wechseloperationen verbunden. Deshalb ist der Gelenkerhalt beim
Sportler die oberste Prämisse!

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Nationaler Sportkongress: Gesellschaftliche Verantwortung im Fokus

Sportwissenschaft diskutiert eigene Rolle zur Stärkung des
gesellschaftlichen Zusammenhalts

Unter dem Motto „Sport, Meer & Mehr – Sportwissenschaft in
gesellschaftlicher Verantwortung“ richtet das Institut für
Sportwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) vom
29. bis 31. März den 25. Sportwissenschaftlichen Hochschultag der
Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) aus. Die ursprünglich in
Kiel geplante, mehrtägige Veranstaltung mit nationalen und internationalen
Gästen findet pandemiebedingt virtuell statt.

„Wir möchten die aktuelle Zahl von 500 Teilnehmenden aus der
wissenschaftlichen Gemeinschaft unbedingt um Akteurinnen und Akteure aus
Gesellschaft, Politik und Wirtschaft erweitern“, sagt Professor Manfred
Wegner, Leiter des Organisationskomitees des größten nationalen und alle
zwei Jahre stattfindenden Sportkongresses. „Für den Wissensaustausch und
Dialog rund um sportwissenschaftliche Themen steht allen Teilnehmenden ein
interaktives, umfangreiches Begegnungsformat im virtuellen Raum zur
Verfügung“, freut sich der Sportwissenschaftler mit Blick auf die
Veranstaltung.

In fünf jeweils 45-minütigen Hauptvorträgen geben Expertinnen und Experten
Impulse und Überblicke zur Geschichte der dvs und zum Nutzwert der
wissenschaftlichen Gemeinschaft (Prof. em. Klaus Willimczik), zu
sexualisierter Gewalt im Sport (Prof.in Sabine Andresen), zur Bildung für
nachhaltige Entwicklung und Sport (Dr.in Julia Lohmann), zu Sport und
Klima (Prof. Mojib Latif) sowie zur Sportwissenschaft und Corona (Prof.
Ralf Brand). Im Anschluss können Fragen an die Vortragenden im Format
„Meet the Expert“ gestellt werden.

Vertiefung der thematischen Vielfalt in Arbeitskreisen, Workshops und
Postersessions

Eingebettet in das dreitägige Programm sind zudem sieben
Arbeitskreisblöcke mit insgesamt 60 Arbeitskreisen, zahlreiche Workshops
und zwei Postersessions, in denen noch einmal insgesamt 120
wissenschaftliche Arbeiten in Kurzform vorgestellt werden. Die
Themenvielfalt des Kongresses erstreckt sich von Sport und Gesundheit,
Biomechanik, Trainingswissenschaft, Sportpädagogik, Sportdidaktik,
Sportpsychologie, Digitale Angebote im Sport, Behinderung und Inklusion
bis hin zu sehr praktischen Inhalten wie Aktivitätsmessungen,
Präventivprogramme zur Gesundheitsförderung und Bewegungschecks für
Grundschulkinder.

Alle Interessenten am Sportkongress können auch ohne Fachkenntnisse an der
Veranstaltung teilnehmen. Die Teilnahme ist kostenpflichtig; Tagestickets
sind für 20 Euro buchbar.

Das Wichtigste in Kürze:
Was:    25. Sportwissenschaftlicher Hochschultag der DVS
Wann:   29.-31.3.2022
Wo:             Plattform WHOVA über ZOOM, ohne Aufzeichnung

Programm:       https://www.dvs2022.de/content.php?cont=1042
Anmeldung:      https://www.dvs2022.de/content.php?cont=1001

Weiterführende Links:
Webseite zum 25. Sportwissenschaftlichen Hochschultag der dvs,
https://www.dvs2022.de/index.php

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Olympische Gedanken

Drei Fragen, drei Experten, drei Perspektiven: Kann China den Charakter
der Völkerverständigung ausleben? Wie beeinflusst die Pandemie den
sportlichen Erfolg? Überwiegen Vorfreude oder Skepsis?

Auch kurz vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in China bleibt
das Großevent umstritten: Menschenrechtsverletzungen, eingeschränkte
Meinungsfreiheit, Corona-Restriktionen, Aspekte der Nachhaltigkeit,
zweifelhafte Fairness. Inwieweit kann man bei diesen Themen dem
eigentlichen Olympischen Gedanken noch gerecht werden?

Wir haben drei Experten befragt, wie sie auf diese besonderen Olympischen
Spiele blicken: Prof. Dr. Markus Breuer, Prorektor der SRH Hochschule
Heidelberg und Geschäftsführer des Arbeitskreises Sportökonomie e. V.,
Prof. Dr. Frank Musolesi, Dekan der Fakultät für Angewandte Psychologie
und Leiter des Studiengangs Sportpsychologie, sowie Prof. Hanns Michael
Hölz, Präsident von Snowboard Germany und Professor an der SRH Hochschule
Heidelberg im Studiengang BWL. So haben wir drei unterschiedliche
Perspektiven eingefangen:

Herr Prof. Breuer, welche immensen Herausforderungen stellt sich China bei
der Ausrichtung der Spiele? Wird es dem Land gelingen, den Charakter der
Völkerverständigung auszuleben?

„China verfolgt mit der Ausrichtung der Spiele das Ziel, an Soft Power zu
gewinnen, wie es andere Staaten – bspw. Katar – in gleicher Weise tun. Ob
diese Strategie erfolgreich ist, hängt aber nicht nur von der chinesischen
Regierung ab, sondern insbesondere auch von der Weltöffentlichkeit. Wenn
die Olympischen Spiele in Peking nur als Sportereignis gesehen werden und
die lokale Organisation beispielsweise für die perfekte Durchführung
gelobt wird, sind die Ziele Chinas erreicht. Wenn die Weltöffentlichkeit
die Spiele aber als Anlass nimmt, Menschenrechtsverletzungen und andere
problematische Aspekte noch stärker zu thematisieren, dann wird das Kalkül
der Staatsführung auch nicht aufgehen. Olympia kann als Instrument genutzt
werden, um politischen Druck auszuüben, und jeder von uns muss sich
überlegen, welche Stellung man beziehen möchte.“

Herr Prof. Musolesi, was bedeutet eine olympische Beteiligung in China für
die Sportler:innen unter Corona-Bedingungen? Wie beeinflusst die Pandemie
den Erfolg im Sport?

„In psychologischer Hinsicht sind die Olympischen Winterspiele in Peking
eine enorme Belastung für die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler.
Auf der einen Seite freuen sich die Athleten auf den Wettkampf. Viele
haben ihre Karriere darauf ausgerichtet, einmal an Olympischen Spielen
teilzunehmen. Auf der anderen Seite haben wir das Corona-Virus, das sich
mit großer Wahrscheinlichkeit wettbewerbsverzerrend auswirken wird.
Insbesondere die Null-Covid-Strategie der chinesischen Führung lässt
befürchten, dass über Quarantäneregelungen massiv in die Wettbewerbe und
damit in die Medaillenvergabe eingegriffen wird. Statt Freude und
Zuversicht könnten sich Misstrauen und Angst über die Spiele legen.“

Herr Prof. Hölz, nach den vielen Diskussionen und den sicherlich
begründeten Bedenken: Welches Gefühl überwiegt so kurz vor Beginn:
Vorfreude oder Skepsis?

„Um Emotionen freizusetzen, muss man sich von den Dingen lösen, die diese
einschränken. Wenn man sich andauernd mit Problemen und Bedenken
auseinandersetzt, kommt man nicht zu einer guten Abwägung zwischen
Freiheit und Verantwortung. Ich sage oft: Sport wird auch entschieden in
den 20 cm zwischen dem linken und dem rechten Ohr. Und wenn im Kopf die
Belastung zu groß ist wegen des Umfeldes, der politischen Situation, der
aktuellen Gesundheitsthemen im Umfeld der Pandemie – dann kann man als
Athletin oder Athlet nicht wie beabsichtigt performen! Dennoch glaube ich,
dass es ganz enorm wichtig ist, dass wir natürlich Meinung und Kritik zu
Menschenrechten, Nachhaltigkeit und sportlich fairen Spielen äußern und
sie an den Stellen platzieren, wo sie notwendig ist. Aber dann im
Wettbewerb zu sagen: `Jetzt konzentrieren wir uns auf den Sport, sind
dankbar und stolz dabei zu sein und haben Spaß dabei´, das sind die
Faktoren, von denen ich glaube, dass sie unsere Athletinnen und Athleten
in deren Disziplin wirklich voranbringen und zum sportlichen Erfolg
führen.“
Für ausführlichere Interviewanfragen stehen die drei Experten gerne den
Medien zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich dazu an
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Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Markus Breuer: https://www.srh-hochschule-
heidelberg.de/hochschule/hochschulteam/markus-breuer/
Prof. Dr. Frank Musolesi: https://www.srh-hochschule-
heidelberg.de/hochschule/hochschulteam/frank-musolesi/

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