Warum der starke Euro zu einem Risiko für Exportunternehmen im Ruhrgebiet wird
Deutschland exportierte im Jahr 2025 Waren im Wert von 1,56 Billionen Euro, wobei ein erheblicher Teil dieser Produktion aus Nordrhein-Westfalen (NRW) stammt, dem Bundesland, in dem sich das Ruhrgebiet befindet und das rund 15 % aller deutschen Exporte ausmacht. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor Deutschlands größter Einzelmarkt für Exporte, aber die Exporte in die USA waren in den letzten Monaten volatil und gingen im Oktober um 7,8 % zurück, bevor sie im Dezember 2025 wieder um 8,9 % anzogen. Zusätzlichen Druck übt der Euro aus, der 2025 gegenüber dem Dollar um rund 13 % zulegte und derzeit bei 1,19 $ gehandelt wird.
Ein stärkerer Euro verteuert deutsche Waren für amerikanische Käufer, drückt die Gewinnmargen exportorientierter Unternehmen im Ruhrgebiet und droht, die ohnehin schon fragile Erholung der industriellen Basis der Region zu untergraben.
Warum die Stärke des Euro ein wachsendes Problem für Exporteure aus dem Ruhrgebiet ist
Die exportorientierte Wirtschaft Deutschlands gerät durch den anhaltenden Anstieg des Euro erneut unter Druck. Forex Trading Diagramme zeigen, dass der Euro im Jahr 2025 gegenüber dem US-Dollar um rund 13 % zugelegt hat und auch gegenüber anderen wichtigen Währungen stark gestiegen ist. Während ein stärkerer Euro den Importeuren durch niedrigere Kosten für aus dem Ausland gekaufte Waren zugute kommt, verursacht er ernsthafte Probleme für Unternehmen, die auf internationalen Märkten verkaufen.
Eine stärkere Währung verteuert in Euro notierte Waren auf den Überseemärkten und zwingt Exporteure entweder dazu, die Preise anzuheben und damit den Verlust von Aufträgen zu riskieren, oder die Differenz zu absorbieren und geringere Margen in Kauf zu nehmen. Besonders schädlich sind die Auswirkungen in preissensiblen Branchen wie dem Maschinenbau und der Industriekomponentenherstellung, wo Verträge oft aufgrund geringer Kostenunterschiede gewonnen oder verloren werden.
Große Unternehmen schützen sich häufig mit ausgeklügelten Absicherungsstrategien vor Währungsschwankungen, indem sie Wechselkurse Monate oder sogar Jahre im Voraus festlegen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind jedoch weitaus stärker exponiert. Die meisten KMU verlassen sich bestenfalls auf teilweise oder kurzfristige Absicherungen, viele sichern sich gar nicht ab. Dies macht sie anfällig, wenn der Euro über einen längeren Zeitraum stark bleibt.
Im Ruhrgebiet und der gesamten Region Nordrhein-Westfalen sind über 750.000 kleine und mittlere Unternehmen ansässig. Viele davon sind sogenannte „Hidden Champions”, hochspezialisierte Hersteller, die in Nischenmärkten weltweit führend sind. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es rund 690 Hidden Champions. Diese KMU exportieren in der Regel Komponenten, Präzisionsteile, Spezialmaschinen, Industriewerkzeuge und technische Produkte in Märkte auf der ganzen Welt, darunter auch in die USA.
Kurzfristig können Exporteure ihre Preise anpassen oder Kosten senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine anhaltende Währungsaufwertung erschwert es jedoch, globale Ausschreibungen zu gewinnen und langfristige Lieferverträge zu halten. Ein stärkerer Euro bringt zwar eine gewisse Entlastung, da er die Kosten für importierte Rohstoffe, Energie und Zwischenprodukte senkt, die in der Regel in Dollar berechnet werden. Für die meisten Exporteure gleichen diese Einsparungen jedoch nicht vollständig den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit im Ausland oder die Unsicherheit aus, die volatile Wechselkurse für die Geschäftsplanung und Vertragsverhandlungen mit sich bringen.
Finanzminister Merz äußert sich besorgt über den schwachen Dollar
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich kürzlich alarmiert über die starke Schwächung des US-Dollars, der gegenüber dem Euro auf ein Vierjahrestief gefallen ist. „Ich beobachte den Dollarkurs seit einiger Zeit mit Sorge“, sagte Merz auf einer Pressekonferenz. „Der Dollarkurs ist eine erhebliche zusätzliche Belastung für die deutsche Exportwirtschaft.“
Seine Äußerungen spiegeln ähnliche Warnungen von Dirk Jandura, dem Vorsitzenden des BGA, des deutschen Groß- und Außenhandelsverbandes, wider. Jandura sagte, die Stärke des Euro bereite den Exporteuren „große Sorgen“, da sie die Kosten deutscher Waren auf den internationalen Märkten in die Höhe treibe. „Ein starker Euro verteuert deutsche Produkte auf den Weltmärkten und verschärft die Wettbewerbsprobleme. Insbesondere für mittelständische Exporteure mit geringen Margen ist dies ein ernstes Risiko, da sie Wechselkursrisiken oft nicht abfedern können.”
Vor diesem Hintergrund sind diese Warnungen umso dringlicher. Die exportabhängige deutsche Wirtschaft hat seit Jahren zu kämpfen und kehrte nach zwei aufeinanderfolgenden Rezessionsjahren erst 2025 wieder zu einem positiven Wachstum zurück. Die Exporteure kämpfen an mehreren Fronten und sehen sich einer verschärften Konkurrenz aus China, steigenden US-Zöllen und einem zunehmend unsicheren globalen Handelsumfeld gegenüber, während der Euro gegenüber dem Dollar weiter steigt.
EU-Handelsabkommen und digitaler Euro bieten einen Hoffnungsschimmer
Das Europäische Parlament hat am 10. Februar eine Einigung über das EU-US-Handelsabkommen erzielt, das im Juli 2025 zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geschlossen wurde. Das Abkommen sieht US-Zölle in Höhe von 15 % auf EU-Exporte vor, während die EU sich verpflichtet hat, ihre Zölle auf US-Waren auf null zu senken.
Der Weg zur Genehmigung war nicht einfach und das Abkommen muss noch formell ratifiziert werden. Das Parlament hatte den Prozess im Januar eingefroren, nachdem Trump in den sozialen Medien angekündigt hatte, acht europäischen Ländern, die sich an einer Militärmission in der Arktis beteiligen, einen Zoll von 10 % aufzuerlegen. Die Gespräche wurden einige Wochen später wieder aufgenommen, und seitdem haben die Fraktionen an der Feinabstimmung der für die Umsetzung des Abkommens erforderlichen Rechtsvorschriften gearbeitet. Über den endgültigen Kompromiss soll am 24. Februar im Ausschuss für internationale Partnerschaft formell abgestimmt werden, eine Abstimmung im Plenum wird bereits für März erwartet.
Die Ratifizierung wäre ein bedeutender Schub für deutsche Exporteure. Ein festgelegtes Handelsabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten würde mehr Vorhersehbarkeit für den transatlantischen Handel bringen und dazu beitragen, den Warenfluss zwischen den beiden größten Handelsblöcken der Welt zu stabilisieren. Für exportstarke Regionen wie das Ruhrgebiet, wo viele KMU auf einen stetigen Auftragseingang von amerikanischen Kunden angewiesen sind, könnte sich diese Stabilität in einer Zeit, in der Währungsschwankungen und Zollunsicherheiten eine langfristige Planung extrem erschweren, als entscheidend erweisen.
Was dies für die Exporteure im Ruhrgebiet für die Zukunft bedeutet
Der starke Euro erhöht den Druck auf die ohnehin schon schwierige Lage der Exportunternehmen im Ruhrgebiet. Das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA und die fiskalische Expansion bieten zwar eine gewisse Entlastung, doch die Währungsstärke bleibt ein Risiko, das viele KMU nicht alleine bewältigen können. Wie Politik und Wirtschaft in den kommenden Monaten reagieren, könnte die Exportaussichten der Region für die nächsten Jahre prägen.
