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Reise/Travel

Die Frau ohne Schatten, Szenenfoto von Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, Richard Strauss Die Frau ohne Schatten, 18. Oktober 2019, besucht von Léonard Wüst

Die Frau ohne Schatten, Szenenfoto von Michael Pöhn
Die Frau ohne Schatten, Szenenfoto von Michael Pöhn

Besetzung:

Dirigent Christian Thielemann
Regie Vincent Huguet
Bühne Aurélie Maestre
Kostüme Clémence Pernoud
Licht und Video Bertrand Couderc
Dramaturgie Louis Geisler
 
Der Kaiser Andreas Schager
Die Kaiserin Camilla Nylund
Die Amme Mihoko Fujimura
Geisterbote Clemens Unterreiner
Barak Tomasz Konieczny
Sein Weib Nina Stemme
Hüter der Schwelle des Tempels Daniela Fally
Stimme eine Jünglings Jörg Schneider
Stimme des Falken Maria Nazarova
Stimme von oben Monika Bohinec
Der Einäugige Rafael Fingerlos
Der Einarmige Marcus Pelz
Der Bucklige Michael Laurenz
1. Stimme der Ungeborenen Ileana Tonca
2. Stimme der Ungeborenen Mariam Battistelli
3. Stimme der Ungeborenen Stephanie Houtzeel
4. Stimme der Ungeborenen Szilvia Vörös
5. Stimme der Ungeborenen Bongiwe Nakani
1. Solostimme Ileana Tonca
2. Solostimme Mariam Battistelli
3. Solostimme Stephanie Houtzeel
4. Solostimme Szilvia Vörös
5. Solostimme Bongiwe Nakani
6. Solostimme Zoryana Kushpler

 

Rezension:

Camilla Nylund als Die Kaiserin
Camilla Nylund als die Kaiserin

Nachdem ich fünf Tage zuvor mit Bejamin Brittens „A midsummer nights dream“ meine Feuertaufe an einem der weltberühmtesten Opernhäuser der Welt erlebt hatte, begab ich mich deutlich entspannter zum Haus am Ring, obwohl „meine“ Strassenbahn, aufgrund der „Fridays for future“ Demos nicht fahren konnte und ich mir kurzfristig einen andern Anfahrtsweg suchen musste, was sich dann aber als nicht allzu kompliziert erwies, führte doch auch eine U Bahnlinie von meinem Ausgangspunkt Schwedenplatz zum Karlsplatz.

Auch die alte Wiener Dame am Ring  ist technisch à jour

Mihoko Fujimura als die Amme, Nina Stemme als Baraks Weib
Mihoko Fujimura als die Amme, Nina Stemme als Baraks Weib

Ich war trotzdem genug früh vor Ort, sodass auch noch für einen Imbiss im Opern Café genügend Zeit verblieb bis zum Beginn von Richard Strauss` schattenloser Frau, die in ersten Kritiken gefeiert und von einer mir bekannten Wiener Kulturjournalistin hochgelobt wurde. Auch dieses traditionsreiche Haus verschliesst sich neuesten Techniken nicht und so konnte man sich mittels eines kleinen Bildschirms an seinem Platz  über die Staatsoper per se und die Aufführung im Detail informieren und während der Aufführung auch die Texte der Arien und Dialoge genauer ansehen.

Relativ zurückhaltende Regie und eher unspektakuläres Bühnenbild

Andreas Schager als der Kaiser
Andreas Schager als der Kaiser

Vor einer Art Voliere, hinter deren Behang die Kaiserin verborgen ist, trifft sich die Amme mit dem Geisterboten (resolut gesungen von Clemens Unterreiner). Im Hintergrund ist ein mächtiges, dunkles Gemäuer zu sehen, das sich später als eine Wand aus grauen Styroporfelsen entpuppt. Kombiniert mit den wallenden Umhängen, die alle Protagonistinnen und Choristinnen tragen (Kostüme: Clémence Pernoud), erweckt das Bühnenbild von Aurélie Maestre den Eindruck, als wohne man der Aufführung einer Antikentragödie um 1960 bei. Die statischen Arrangements von Vincent Huguet, der weder Chöre bewegt noch die Darsteller die große Bühne mit Leben füllen lässt, verstärken dies noch. Und seine Idee zum Stück erschöpft sich darin, zu zeigen, dass die Kaiserin wohl etwas mehr als bloß Mitleid mit dem von der Färberin attackierten Barak empfindet, so sind Huguets konzeptlose Arrangements einfach zu wenig für eine wirklich festliche Aufführung. Das Gute daran: das Regiekonzept von Vincent Huguet überlässt der Musik ungehindert das Feld, interpretiert nicht und behält die schauermärchenhafte Welt dieser vierten Zusammenarbeit von Strauss und Hofmannsthal bei. Christian Thielemann verwendet  die Schalk’sche Originalpartitur, verzichtet auf Striche und führt das großartige Staatsopernorchester und das formidable Sängerensemble meisterhaft hin zu grandiosen Spitzenleistungen, auch wenn er es, für meinen Geschmack, einmal mehr, mit der Lautstärke etwas übertrieb.

Besetzung und das Staatsopernorchester brillieren

Clemens Unterreiner als Geisterbote
Clemens Unterreiner als Geisterbote

Camilla Nylund ist eine wahrlich anmutige Kaiserin, die durch Verzicht schließlich alle erlöst. Sie meistert die Herausforderungen ihrer Rolle mit bravouröser Ausdauer, silbrig blühender Stimmkraft und phänomenaler Aura. Nina Stemme als Färberin ist eine Klasse für sich: ausdrucksstark, wortdeutlich und ungeheuer präsent. Die Szenen zwischen ihr und ihrem Mann Barak (erstmals Tomasz Konieczny mit seinem außergewöhnlichen, metallischen Timbre) gehen zu Herzen.

Mihoko Fujimura als Amme agiert mit stolzer Entschlossenheit, setzt mehr auf milde Kühle denn auf aufwieglerische Glut aber als Figur bleibt sie etwas eindimensional und verbreitet kaum dämonische Aura. Auf Andreas Schager als stattlichem Kaiser ist Verlass. Musikdramatik pur!

Unterschiedliche Diven im Jubiläumsjahr

Marcus Pelz als der Einarmige, Rafael Fingerlos als der Einäugige, Tomasz Konieczny als Barak, Michael Laurenz als der Einarmige
Marcus Pelz als der Einarmige, Rafael Fingerlos als der Einäugige, Tomasz Konieczny als Barak, Michael Laurenz als der Einarmige

Der Wiener Staatsoper erging es im Mai ähnlich wie dem US-amerikanischen Gesamtkunstwerk „Cher“: Teile von ihr feiern Geburtstag. Im Falle der Wiener Institution ist es heuer der hundertfünfzigste. Doch wichtiger als der makellos renovierte Gebäudekörper des Hauses am Ring sind seine inneren Werte. „O Welt in der Welt!“ ruft die Färberin in der Frau ohne Schatten aus, als ihr die Amme für kurze Zeit ein luxuriöses Eigenheim vorgaukelt. (Zitat Stefan Ender) Ein halbes Hundert an verschiedenen Bühnenwelten zaubert man dem Publikum an der Wiener Staatsoper in jeder Spielzeit in den Abendstunden vor. Bezüglich der Jubiläums-Premiere – entschied man sich daher logischerweise für eine Märchenoper mit der Frau ohne Schatten von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Diese Oper feiert wiederum selbst einen runden Geburtstag: Im Oktober 1919 wurde sie zu Beginn von Strauss‘ Direktionszeit an der Wiener Staatsoper uraufgeführt.

Besetzung: das Nonplusultra

Christian Thielemann Foto Matthias Creutziger
Christian Thielemann Foto Matthias Creutziger

Wen bittet denn der aktuelle Hausherr Dominique Meyer für eine so prestige- und geschichtsträchtige Unternehmung ans Dirigentenpult? Natur- bzw. kunstgemäß Christian Thielemann, den Mann für alle deutsch-romantischen Fälle. Und der gebürtige Berliner brachte zwei Frauen mit, die für diese Oper nah dran sind am besetzungstechnischen Nonplusultra: Nina Stemme und Camilla Nylund.

Xanthippenhaft

Tomasz Konieczny als Barak, Camilla Nylund als die Kaiserin
Tomasz Konieczny als Barak, Camilla Nylund als die Kaiserin

Nina Stemmes Sopran ist dichter, markanter als der von Mihoko Fujimura (liegt deren Stärke doch eher im Mezzobereich) und im Fortissimo von stählerner Tragfähigkeit. Stemme schafft mit der Färberin, Strauss‘ Hommage an seine Gattin Pauline, die berührendste und auch die menschlichste Figur des Triummulierats. Überraschenderweise bleibt nicht die im Libretto dominierende xanthippenhafte Seite ihres Wesens haften, sondern ihre Verzweiflung und ihr Leid. Eine Idealbesetzung für die Kaiserin ist Camilla Nylund. Ihre hohen Töne sind glasklar und fadengrad. Wundervoll nicht nur die Souveränität, mit der die Finnin ihre Partie durchmisst, auch die Schlichtheit bei der Prüfungsszene berührt.

Dreifaltigkeit

Tomasz Konieczny als Barak, Nina Stemme als sein Weib
Tomasz Konieczny als Barak, Nina Stemme als sein Weib

Die Männer fallen gegenüber dieser Dreifaltigkeit weiblichen Idealgesangs leicht ab: Andreas Schager singt als Kaiser viele durchsetzungsstarke, wohlklingende Töne, gestaltet aber manche Phrasenenden wie nebenbei. Wenn er höher und lauter singt, wirkt es, als hätte ihn jemand dazu zu fest getreten. Für Wolfgang Kochs Färber wünscht man sich Selbiges: Sein Barak fällt, auf hohem Niveau, etwas ab, erinnert körpersprachlich eher an einen Weinconnaisseur, als an einen gutherzigen Arbeitsesel. Exzellent die mittleren und kleinen Partien, herausragend der Staatsopernchor, sowohl die engelsgleichen Frauen als auch die heldenstarken Männer.

DetailfuchsThielemann

Camilla Nylund als die Kaiserin
Camilla Nylund als die Kaiserin

Zu einer der berührendsten Szenen, musikalisch wie auch szenisch, wird die Annäherung, die Regisseur Vincent Huguet dem Färberpaar im 1. Akt gönnt. Der scheue Kuss, die kurze Innigkeit, und dazu die zärtlichen Klänge des Orchesters: wundervoll. In Summe agiert Thielemann aber zu detailfuchsig und kontrollfixiert, als dass man als Hörer vollkommen berauscht aus der Vorstellung hätte herausstolpern können. Und das will bei dieser Besetzung etwas heißen.

Vincent Huguet ist, trotz allen Schwächen, insgesamt eine stimmungsvolle, eingeschränkt abwechslungsreiche Einrichtung der Märchenoper gelungen. Selbst Laien verstehen die Handlung, und es gibt kein Einheitsbühnenbild: Das ist doch schon mal was. Dass der Franzose im 2. Akt mit den dazu gedichteten toten Soldaten mutmaßlich an die Entstehungszeit der Oper erinnern und einen Schuss Realismus in Hofmannsthals Märchenspiel bringen wollte, wirkt fremdkörperartig und zu gesucht. Die Bühne von Aurélie Maestre zeigt meist einen vielseitig bespielten Steinbruch, die Kostüme von Clémence Pernoud sind in einem einigermaßen geschmackvollen indifferent zeitlos angesiedelt.

Beifall und vereinzelte Bravorufe

Mihoko Fujimura als die Amme
Mihoko Fujimura als die Amme

Nach viereinhalb Stunden hat das Märchen ein Ende. Die Kaiserin hat gelernt, dass Menschsein bedeutet, sich zu plagen und zu stinken: Aber sie will trotzdem dazugehören. Die beiden aufsässigen Frauen haben sich in die patriarchale Ordnung gefügt: Die Färberin wird von der Keifzange zur devoten Dienerin ihres Gatten, die Kaiserin hat die Prüfungen ihres Vaters, des Geisterkönigs Keikobad, tipptopp absolviert. Zur Belohnung dürfen die beiden endlich zueinander finden.

Musikalisch im Rang des Außergewöhnlichen, szenisch einfach gestrickt, austauschbar: Auf diesen Nenner lässt sich die  „Frau ohne Schatten von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal bringen. Ein Ereignis: Dirigent Christian Thielemann und das philharmonisch aufspielende, sensationelle  Orchester der Wiener Staatsoper. Wie Klangmagier Thielemann bei diesem komplexen Werk alle Register seine Könnens zieht, welch herrliche Klangfarben, welch fantastische Nuancen, welch dramatische Ausbrüche  hier hörbar werden, sucht seinesgleichen. Ein verdienter beifallssturm für Dirigent und Orchester war die logische Folge.

Tomasz Konieczny als Barak
Tomasz Konieczny als Barak

Ebenso verdient, wie die Jubelstürme für die meisten Sänger. So ist Camilla Nylund eine Kaiserin von Weltformat, sie singt diese Partie mit traumhafter Sicherheit, höchster Intensität  und atemberaubender vokaler Klarheit. Wie auch Nina Stemme eine Färberin der Extraklasse ist. Die Sopranistin bewältigt diese unfassbar anspruchsvolle Partie mit einer  selten gehörten, packenden Souveränität. Als Amme hat es Mihoko Fujimura da stimmlich schon etwas schwerer, sie meistert die Rolle aber mehr als achtbar. Tenor Andreas Schager gibt einen fabelhaften Kaiser mit fast allen geforderten Höhen, Tomasz Konieczny glänzt als überaus lyrischer Barak, Clemens Unterreiner ist ein sehr markanter Geisterbote.

Zwar zündet das orchestrale Giftgemisch nicht von Anbeginn, doch Thielemann, der alte Alchemist und Hexenmeister, weiß ganz genau, welche Hebel und Kräuter er in Bewegung setzen muss. Wenn der deutsche Klangzauberer, der in Salzburg, und, nach seinem Disput mit Andris Nelsons im Sommer 2016, teilweise auch in Bayreuth in Ungnade gefallen ist, sich aus seinem Arsenal an schier unermesslicher Energie und Geheimrezepturen bedient, verwandeln sich die Wiener Philharmoniker in einen Organismus, der gemeinsam atmet und das Prädikat weltbestes Opernorchester einmal mehr verdient.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Michael Pöhn, Wiener Staatsoper GmbH:

fotogalerien.wordpress.com/2019/12/21/wiener-staatsoper-richard-strauss-die-frau-ohne-schatten-18-oktober-2019-besucht-von-leonard-wuest/

 

Text : www.leonardwuest.ch   Fotos:https://www.wiener-staatsoper.at/

 

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Kernmarke des Reiseveranstalters Thomas Cook Deutschland ‚Neckermann Reisen’ geht an ANEX-Gruppe

Türkischer Reiseveranstalter ANEX Tour erwirbt bekannte und beliebte Traditionsmarke und Domains - Verkauf aller wesentlichen Vermögenswerte des Reiseveranstalters Thomas Cook Deutschland damit noch in 2019 abgeschlossen -
- Verkauf steht noch unter Genehmigungsvorbehalt des Bundeskartellamtes -

 Unmittelbar vor Weihnachten 2019 konnten die Insolvenzverwalter der Thomas Cook Touristik GmbH, der Thomas Cook GmbH sowie der Neckermann Urlaubwelt GmbH nun auch die Kernmarke ‚Neckermann Reisen’ sowie diverse Domains an die türkische ANEX Gruppe veräußern. Dies teilte die den M&A Prozess federführend für die Verwalter begleitende Rechtsanwältin Julia Kappel-Gnirs für die Insolvenzverwaltung mit.

 

Damit gelang es innerhalb weniger Monate, alle werthaltigen Vermögenswerte der deutschen Unternehmensgruppe noch in 2019 gewinnbringend im Interesse der Gläubiger zu veräußern und etliche Bereiche des deutschen Reiseveranstalters zu erhalten sowie an Investoren zu übertragen. „Mit dem erfahrenen Reiseveranstalter ANEX, der im Besonderen im russischen Markt sehr stark ist, wird die Marke Neckermann sicher eine weiterhin starke Marktpräsenz erfahren“, so Rechtsanwalt Ottmar Hermann, der als Insolvenzverwalter für die Thomas Cook Touristik GmbH verantwortlich ist.

 

Der Verkauf der Traditionsmarke ‚Neckermann Reisen’ steht noch unter dem Vorbehalt der Kartellamtsgenehmigung. Andere Gremienvorbehalte bestehen nicht mehr.

 

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Slovak Philharmonic Reduta Konzerthalle

Slovak Philharmonic Konzert zum 70. Geburtstag , 25. Oktober 2019, besucht von Léonard Wüst

Slovak Philharmonic Reduta Konzerthalle
Slovak Philharmonic Reduta Konzerthalle

Besetzung und Programm:
Slovak Philharmonic
James Judd Dirigent
Martin Ruman Viola
Jozef Lupták Cello
Vladimír Godár  Dariachanga’s Orchard. A myth after Othar Chiladze for viola, cello and orchestra
Antonín Dvořák Symphony No. 8 in G Dur, Op. 88

Rezension:

Dirigent James Judd
Dirigent James Judd

Begrüsst zu diesem Jubiläumskonzert zum 70sten Geburtstag der „Slowakischen Philharmonie“ wurden wir in der Reduta, der Konzerthalle des Staatsorchesters, von deren Präsidenten im prächtigen, mit vielen Blumen geschmückten grossen Konzertsaal, der natürlich voll besetzt war.

1. Konzertteil Dariachanga’s Orchard. A myth after Othar Chiladze for viola, cello and orchestra

Dariachanga’s Orchard Vladimír Godár
Dariachanga’s Orchard Vladimír Godár

Reichlich futuristische Klänge hörten wir beim „Der Obstgarten von Dariahangin, der Mythos von Otar Ciladze für Solobratsche, Solocello und Orchester von 1986 bis 1987, ist eine Synthese aus einem Doppelkonzert, einem symphonischen Gedicht und einer Symphonie. Die Komposition der Komposition wurde von dem ersten Roman des georgischen Schriftstellers Otar Čiladze Gzaz erthi kaci midioda (1972) inspiriert, der in tschechischer Sprache unter dem Titel Ich gehe zu meinem Zorn (übersetzt von Václav A. Černý, Prag 1978) und in slowakischer Sprache unter dem Titel Kam ideš, muž … Pavel Branko, Bratislava 1985 erschien).

Uraufführung 1086 in Anwesenheit des Autors der Grundlage der Vertonung

Martin Ruman Solo Bratschist der Slowakischen Philharmonie
Martin Ruman Solo Bratschist der Slowakischen Philharmonie

Die Uraufführung des Stückes wurde, in Anwesenheit von Otar Čiladze am 7. Januar 1988 in Bratislava gespielt, die Bratsche von Ladislav Kyselák, das Cello von Jozef Podhoranský, das Orchester von Andrew Parrott geleitet. Nach 31 Jahren stand  die Komposition zum zweiten Mal im Programm der Slowakischen Philharmonie “.Es gibt eine ästhetische Beziehung zur alten Musik, auch vorbarock, ohne jedoch in eine unpersönliche und nutzlose Nachahmung abzuweichen. Der Komponist weiß, wie man mit den Streichern die nötige Intensität mit kleiner oder mittlerer Wirkung erzeugt, um  auch diese Melodienbögen mit auffälligen Effekten zu verschönern. von diesen Konstruktionen und Entwicklungen, die einen in diesem Zeitfenster festsetzen. Denn darum geht es bei Vladimir Godars Intention, einer Musik, die aus der Zeit, aus den Zeiten reist.

Solist am Cello Jozef Lupták
Solist am Cello Jozef Lupták

Sie stoppt, bildlich gesprochen  Uhren und andere Zeitmesser jeglicher Art, verbindet gestern und heute in einem esoterischen Moment, das Alte mit dem Modernen in einem Akt der Erinnerung oder entfernt in gewisser Weise vorübergehend jede Bedeutung von Worten, eine Musik, die über Worte und Noten hinausgeht, fast schon spirituell. Diesen (Zeit) Geist des Komponisten zu transportieren, respektive eben, anzuhalten, war die Herausforderung für die Musiker, welche sie souverän lösten, die beiden Solisten harmonierten perfekt mit dem Orchester, zusammengeführt – und gehalten vom amerikanischen  Chef Dirigenten James Judd. Das Publikum wusste die Darbietung zu würdigen mit kräftigem, langanhaltendem Applaus, der sich noch steigerte, als der Dirigent den anwesenden Komponisten auf die Bühne bat.

2. Konzertteil mit der Symphonie Nr. 8 in G Dur, Op. 88 vonAntonín Dvořák

Wie bei Brahms steht der Kopfsatz im Dreivierteltakt und ist als leuchtendes Naturidyll angelegt. Das Hauptthema erwächst aus einem Quarten Ruf, fast wie ländliches Musizieren. In seiner Terzen Seligkeit gemahnt es an die Themen im Kopfsatz der Zweiten von Brahms. Ein Cellowalzer und eine H-Dur-Melodie der Oboe gesellen sich im Seitensatz hinzu und machen das melodische Glück in diesem herrlichen Satz perfekt.

Dvorak orientiert sich an Vorbild Johannes Brahms

Slovak Philharmonic
Slovak Philharmonic

Das Adagio offenbart, wie sehr sich Dvorak hier – zwei Jahre nach seiner „Entdeckung“ durch Brahms – am großen Vorbild orientierte. In einem Bläser-„Vorhang“ wird das Kopfmotiv bereits bedeutungsvoll verarbeitet, bevor die Geigen daraus das herrliche Hauptthema entwickeln. Immer wieder kommt es zu solchen „Brahmischen“ Momenten der Themenverarbeitung in einem melodisch wundervollen Satz, der zu den großen Adagios in Dvoraks Schaffen gehört.

Der erste Satz beginnt mit einem verhaltenen Thema von Flöte und Cello. Sein dreiteiliger Aufbau enthält alle wichtigen motivischen Bausteine für die Gesamtkonzeption des Satzes, welcher in Sonatensatzform steht. Dieses Thema wird erweitert und vom ganzen Orchester aufgenommen und ausführlich bearbeitet. Ein zweites Thema in h-Moll (aus y und z abgeleitet) wird nach Dur geführt und schließlich jubelnd vom ganzen Orchester vorgetragen.

Im Scherzo siegte Dvoraks böhmisches Temperament über formale Skrupel: Es ist ein Furiant, ein Volkstanz, der zwischen Zweier- und Dreiermetrum in aufreizender Weise schwankt. Der rustikale Mollton wird im Trio von duftigen Holzbläsern verdrängt. Im Finale ist die Parallele zu Brahms wiederum deutlich: ein verhaltenes Hauptthema im Alla breve, das später strahlend hervortritt und einer gründlichen Verarbeitung unterzogen wird.

Die Wiener Philharmoniker werteten die Symphonie als unaufführbar.

Übrigens lehnten die Wiener Philharmoniker die Symphonie nach einer ihrer berüchtigten Durchspielproben als unaufführbar ab. Dvorak und Hans Richter dirigierten das Werk daraufhin höchst erfolgreich in Prag und London. (Karl Böhmer). Mit seiner sechsten Sinfonie wollte Dvorak, der seinen deutsch/österreichischen Nachbarn als eher undisziplinierter melodienseliger böhmischer Musiker galt, dem eine „ernsthafte“ sinfonische Verarbeitung von Motiven fremd ist, beweisen, dass seine Sinfonik mit nicht weniger Disziplin einhergeht als die Sinfonik eines Johannes Brahms.

Die ideale Komposition für das Orchester um Glanzpunkte zu setzen

Die Musiker*innen des slowakischen Nationalorchesters nutzten das Werk des, zwar in Nelahozeves, im heutigen tschechischen Teil der ehemaligen Tschechoslowakei geborenen, aber trotzdem irgendwie nationalen Komponisten, zur Demonstration ihrer musikalischen Virtuosität, dies bar jeglicher böhmelnder Anmutung, ein präzises Abbild der kompositorischen Vorlage abliefernd. Das klingt mitunter in der Tat eher nach Brahms als nach Dvorak. Einer, der seine slawische Seele der Romantik unterordnete, ohne aber zu verleugnen, denn trotzdem  schimmern seine Wurzeln durch. Diese glanzvolle Umsetzung des Werkes durch das Orchester, mit einem unaufgeregten, souveränen Dirigenten am Pult, überzeugte das begeisterte Publikum, dessen Schlussapplaus in eine verdiente stehende Ovation mündete.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.filharmonia.sk/en/

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Szenenfoto von Pavol Breier

Nationaltheater Bratislava, Wolfgang Amadeus Mozart Così fan tutte, 23. Oktober 2019, besucht von Léonard Wüst

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Inszenierung und Besetzung:

Dirigent Ondrej Olos
Regie Marek Weiss
Bühne und Kostüme Hanna Szymczak
Chorleiter Ladislav Kaprinay
Dramaturgie Martin Bendik
Fiordiligi Eva Hornyáková
Dorabella Monika Fabianová
Guglielmo Daniel Čapkovič
Ferrando Martin Gyimesi
Despina Andrea Vizvári
Don Alfonso Jozef Benci

 

Rezension:

Die Handlung der Mozart Oper

Zu Beginn der Oper „Così fan tutte“ schließen die beiden Offiziere Ferrando und Guglielmo mit ihrem Mentor Don Alfonso eine Wette ab. Sie behaupten, dass ihre Geliebten, Fiordiligi und Dorabella, immer treu wären. Die beiden Männer täuschen vor, in den Krieg ziehen zu müssen, um von der Bildfläche verschwinden zu können. Als verkleidete Fremde kreuzen sie wieder auf und machen sich jeweils an die andere Schwester ran. Das „kreuzweise“ Betrügen auf Zeit wird durch Don Alfonso und die in verschiedenen Verkleidungen daher kommende Kammerzofe Despina unterstützt.

Trotz verschiedenster romantischer Bemühungen bleiben die Schwestern standhaft. Erst als sich die verkleideten Freunde Ferrando und Guglielmo schon sicher sind, dass die Wette gewonnen ist, werden die angehimmelten Schwestern schwach. Die angesetzte Blitzhochzeit endet im Desaster. Die demaskierten Offiziere sind wieder da und sehen den von Despina aufgesetzten „Ehevertrag“. Don Alfonso gewinnt die Wette, Ferrando und Guglielmo sind wütend und die untreuen Schwestern schämen sich in Grund und Boden.

Ludwig van Beethoven nannte sie bereits „frivol“, und auch andere Zeitgenossen mokierten sich über das Unmoralische in Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte, als in der Zeit des beginnenden Bürgertums in einer zunächst typischen Buffo-Handlung ein solcher Umgang von Liebe, Treue und Moral abgebildet wurde. Dabei hatte der aufgeklärte österreichische Kaiser Joseph II. selbst Mozart und seinem Textdichter Lorenzo da Ponte diesen (angeblich auf wahren Begebenheiten basierenden) Stoff zur Vertonung angetragen.

Über die Inszenierung

Historisches Slowakisches Nationaltheater, Bratislava, Slowakei Foto Teres Maria Kristan
Historisches Slowakisches Nationaltheater, Bratislava, Slowakei Foto Teres Maria Kristan

Die Aufführung fand nicht im Neubau des Staatstheaters statt, sondern in der Altstadt im historischen Gebäude. Das Opernhaus Bratislavas – offiziell bekannt als das alte Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters – ist ein Bauwerk im Neorenaissance Stil, welches im Jahr 1886 als Stadttheater eröffnet wurde. Etwas verblasst ist das Interieur schon, was früher, wie in fast allen Opernhäuser dieser Welt,  bordeaux – farben war, ist jetzt eher dunkelbraun und abgewetzt, trotzdem nicht ohne diese gewisse Würde und Charme, die solch traditionsreichen  Häusern halt innewohnt. Ob diese Bühne nur noch aus Nostalgie bespielt wird, oder aus anderen Gründen,  hat  sich mir nicht erschlossen, war auch nicht in Erfahrung zu bringen.

Das neue Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters (2007)
Das neue Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters (2007)

Dabei stünde doch ein komplett neues, modernes Haus zur Verfügung, das am 14. April 2007 offiziell eröffnet wurde und nahe dem Donauufer prominent platziert ist. Der Entwurf des  neuen Gebäudes des Slowakischen Nationaltheaters stammt vom Architekten-Team Martin Kusý, Pavol Paňák und Peter Bauer, der aus 53 Einsendungen gewählt wurde. Das Gebäude hat sieben Stockwerke, über zweittausend Räume und drei Hauptsäle (Opern- und Ballettsaal, Schauspielsaal, Studio). Außerdem verfügt es über ein Restaurant für 120 Gäste, Klub, Café, Libresso und Küche.

 

 

 

 

 

 

Mässig besuchte Aufführung

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Erstaunlich wenig Besucher waren anwesend an diesem schönen Spätherbstabend, dies trotz sehr moderaten Eintrittspreisen, ab 10 Euro,  im europäischen Vergleich,  aber eben, Mittwoch ist halt nicht Wochenende. Das Orchester, fast unsichtbar in seinem Graben, intonierte die Ouvertüre schwungvoll und selbstbewusst, der Vorhang öffnete sich und es bot sich uns der Blick auf ein doch recht braves, konservatives Bühnenbild für das Hanna Szymczak, ebenso wie für die Kostüme,  verantwortlich zeichnete.

Rasante Inszenierung durch Regisseur Marek Weiss

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Das Geschehen, zügig, aber nicht atemlos inszeniert von Regisseur Marek Weiss, nahm unmittelbar Fahrt auf, dominiert von Don Alfonso, der unverzüglich zur Erläuterung seines Plans schritt und die Strippen zog in diesem Spiel um Liebe, (Un) Treue, Verwechslungen und Wirrungen. Gebaut ist der Abend um die Figur des Alfonso, verkleidet als zynischer, wenn nicht gar sadistischer General, er ist der Oberbefehlshaber des Abends, die Figuren um ihn herum bewegen sich wie von ihm geführte Puppen ohne Fäden. Kein einziger Gang, keine Geste wirkt normal, alles ist leicht überzeichnet und reine Behauptung. Alles gaga, das aber in Perfektion.

Ausgezeichnete Sänger*innen mit grossem schauspielerischem Talent

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Viel Spaß machten an diesem Abend gerade die sängerischen Qualitäten, mit denen, ganz im Sinne von Mozarts Komposition, die sechs Solisten ihre Rollen charakterisierten: in ausdrucksvoller klarer Höhe das „Come scoglio“ der Fiordiligi, mit betörend dunklem Mezzo Dorabellas „Smanie implacabili“, in perfekter vokaler Abstimmung auch in den Duetten ein glaubhaftes Geschwisterpaar. Wandlungsfähig und stimmlich überzeugend besetzt ebenfalls Ferrando (ein traumhaft schönes „Un’aura amorosa“) sowie Guglielmo, dessen Enttäuschung in „Tradito, schernito“ anrührte. Mit viel Drama im Bodycheck finden die Freunde als vorgeführte Verführer im zweiten Akt eine Wahrheit, die sie eigentlich gar nicht wissen wollten. Hier blitzte die existentielle Dimension des Experiments für Partner im 18. Jahrhundert auf, dessen Dramma giocoso bei der Verlegung in Zeiten freier Liebe eher gemildert wird.

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Absolut selbstbewusst, geradezu artistisch beweglich und mit facettenreicher Höhe gestaltete Andrea Vizvári die Kammerzofe Despina, ein raffiniertes Kätzchen, das schnell Zweifel an der Treue der Männer sät. Ebenso, wenn sie fix als herbeigerufener Arzt mit magnetischem Mesmerismus die scheinbar sterbenden Freunde auferweckt oder als durchtriebener Notar den Ehevertrags buchstabiert, hat sie die meisten Lacher auf ihrer Seite. Jozef Benci ist als Don Alfonso umtriebiger Strippenzieher, der beim Raufen im Knock-Out auch mal zu Boden geht; in seinem voluminös-markanten Bass war er ein hochkultivierter Gegenspieler der Partnertausch-Probanden.

Kongeniales Orchester ermöglichte sängerische Glanzleistungen

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Ondrej Olos ließ schon in der Ouvertüre einen athletischen Orchesterklang im staatsphilharmonischen Orchestergraben erblühen, der in kraftvollen Tutti ebenso Mozartsches Brio ausstrahlte wie in mühelos fein seidigen Kommentaren zu den Arien. Naturhörner und Naturtrompeten rauhten die Klangflächen apart auf, herrliche Kantilenen der Holzbläser glichen den Perlenketten des abschließenden Festes. Da wurde das komödiantische Spiel ebenso wie die finale Ent-Täuschung der Paare behutsam auf goldenem Klangteppich getragen. Ladislav Kaprinays bestens einstudierter Chor des Staatstheaters umrahmte das Verwirrspiel in heiterem Schwung.

Szenenfoto von Pavol Breier
Szenenfoto von Pavol Breier

Während sich die Damen ganz links und rechts auf der Bühne zwischendurch an ihren Spiegeltischchen aufbrezelten, bzw. verkleidete, wie Despina für ihre verschiedenen Rollen, spulten die Herren der Schöpfung ihre Dialoge ab, diskutierten ihre Taktik und das weitere Vorgehen. Neben der rasant-schauspielerischen Präsenz waren es die Terzette, Quartette und Sextette, die an diesem Abend unendlich zart und austariert gelangen, die Mozarts Musik vokal wie instrumental so perfekt Klang und Gefühl gaben und in Erinnerung bleiben.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Pavol Breier:

fotogalerien.wordpress.com/2019/11/06/nationaltheater-bratislava-wolfgang-amadeus-mozart-cosi-fan-tutte-23-oktober-2019-besucht-von-leonard-wuest/

Text : www.leonardwuest.ch  Fotos: http://www.snd.sk/de

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