Zum Hauptinhalt springen

Silvesterkonzert des ZKO mit Thomas Hampson & Daniel Hope, KKL Luzern, 31.12.025, besucht von Léonard Wüst

KKL Konzertsaal

Das ZKO mit Daniel Hope Foto Nikolaj Lund

Thomas Hampson Bariton

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Besetzung:
Daniel Hope (Music Director) Thomas Hampson (Bariton)
Johannes von Ballestrem (Klavier) Dimitri Monstein (Schlagzeug)
Zürcher Kammerorchester
Programm:
Aaron Copland Hoe-Down, aus: Rodeo für Streichorchester
Leonard Bernstein America, aus: West Side Story-Suite, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Jessie Montgomery Starburst für Streichorchester
Florence Price Adoration, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Stephen Foster Beautiful Dreamer, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Harold Arlen Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Bernard Herrmann Vertigo-Suite, bearbeitet für Violine, Klavier, Streichorchester und Perkussion von Paul Bateman
Kurt Weill Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
George Gershwin Song-Suite, bearbeitet für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman

Aaron Copland – Hoe-Down aus „Rodeo“

Amerikanischer Geist trifft europäische Raffinesse

Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester präsentieren Aaron Coplands legendären „Hoe-Down“ aus dem Ballett „Rodeo“ in einer bemerkenswerten Interpretation für Streichorchester. Die Adaption des ursprünglich für großes Orchester konzipierten Werks offenbart neue Facetten von Coplands Werk.

Virtuose Streicherkunst im Western-Gewand

Die Reduktion auf Streicher zwingt die Musiker zu höchster Präzision und Ausdruckskraft. Jede Stimme wird hörbar, die charakteristischen Synkopen und rhythmischen Akzente treten plastisch hervor. Das Zürcher Kammerorchester meistert diese Herausforderung mit beeindruckender Homogenität.

Hopes sensible Interpretation

Daniel Hope Leitung
Daniel Hope Leitung

Daniel Hope versteht es meisterhaft, die wilde Energie des Square Dance zu kanalisieren, ohne die kammermusikalische Intimität zu verlieren. Seine Dirigiersprache ist klar und präzise, lässt aber Raum für spontane Momente. Besonders gelungen sind die dynamischen Kontraste zwischen den tänzerischen Passagen

Klangliche Brillanz und rhythmische Präzision

Die technische Perfektion des Ensembles ist beeindruckend. Schwierige Pizzicato-Passagen werden mit spielerischer Leichtigkeit gemeistert, die komplexen Rhythmen sitzen perfekt. Die Intonation bleibt selbst in den virtuosesten Momenten tadellos ebenso die Balance zwischen den Stimmgruppen

Amerikanische Folklore neu entdeckt

Thomas Hampson Bariton
Thomas Hampson Bariton

Diese Umsetzung beweist eindrucksvoll, dass Coplands Musik auch in reduzierter Besetzung ihre volle Wirkung entfaltet. Der „Hoe-Down“ wird hier nicht als nostalgische Americana präsentiert, sondern als zeitlos gültige Komposition von universeller Ausstrahlung in Verbindung mit folkloristischen Elementen. Hope sein Orchester liefern eine Interpretation ab, die sowohl Copland-Kenner als auch Neuentdecker begeistert. Die kammermusikalische Fassung eröffnet neue Hörperspektiven auf ein Meisterwerk der amerikanischen Klassik und beweist die zeitlose Qualität von Coplands Kompositionskunst

Jessie Montgomery Starburst für Streichorchester

Funkelnder Auftakt voller Energie
Jessie Montgomerys Starburst für Streichorchester entfacht vom ersten Ton an einen wahren Wirbel aus Klang und Bewegung. Unter der Leitung ihres Leiters präsentiert das ZKO eine Aufführung, die den Titel des Stücks – ein aufblitzender Stern – wörtlich nimmt. Die Musik scheint zu explodieren, funkelnd, unruhig, dabei stets kontrolliert und rhythmisch präzise.

Rhythmische Impulse und klangliche Transparenz

Zürcher Kammerorchester Foto Thomas Entzeroth
Zürcher Kammerorchester Foto Thomas Entzeroth

Montgomerys Komposition lebt von kurzen, aufblitzenden Motiven, die sich ineinander verweben, überlagern und wiederholen. Das Ensemble formt daraus ein dynamisches Netz aus Energie und Bewegung. Besonders beeindruckend ist die rhythmische Spannung, die trotz der schnellen Wechsel stets klar gezeichnet bleibt. Jede Gruppe des Orchesters erhält ihren Moment des Leuchtens, was dem Stück eine schillernde Vielschichtigkeit verleiht.

Daniel Hope als Klangarchitekt
Daniel Hope führt mit spürbarem Feingefühl für Struktur und Ausgewogenheit. Er lenkt das Ensemble mit präzisen Gesten, ohne den natürlichen Fluss der Musik zu ersticken. Seine Interpretation betont die modernistische Kraft von Montgomerys Tonsprache, lässt aber zugleich lyrische Momente aufscheinen. Hier wird nicht nur Energie entfesselt – sie wird geformt, beleuchtet und gezielt eingesetzt.

Ein Orchester in Bestform
Kaum ein Ensemble versteht es, zwischen barockem Repertoire, klassischer Tradition und moderner Musik so mühelos zu wechseln wie das Zürcher Kammerorchester. In „
Starburst“ zeigen die Musiker*innen ihre technische Finesse und ihr präzises Zusammenspiel. Besonders die klangliche Balance überzeugt: Das Werk funkelt, ohne zu überstrahlen; es vibriert, ohne seine Klarheit zu verlieren.

Komprimierte Moderne mit emotionalem Kern
Bei aller rhythmischen Dringlichkeit besitzt „
Starburst“ auch eine emotionale Tiefe. In den ruhigeren Passagen blitzt eine fast meditative Qualität auf, als gönne sich der helle Stern für einen Moment Ruhe, bevor er erneut aufstrahlt. Diese feinen Kontraste fängt Hope sensibel auf und formt sie zu einem Ensembleklang von großer Intensität.

Fazit: Ein kurzer, aber leuchtender Triumph
In kaum vier Minuten gelingt Montgomery ein kompaktes Klanggedicht – strahlend, vital und poetisch. Daniel Hope und das ZKO verleihen dem Stück eine elektrisierende Energie, die modern wirkt, aber nie kalt. „
Starburst“ in dieser Interpretation ist kein bloßes Feuerwerk, sondern eine helle musikalische Explosion: präzise gezündet und voller Leben.

Leonard Bernstein America, aus: West Side Story-Suite, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman

Rhythmische Energie und orchestraler Glanz
Schon die ersten Takte von „America“sprühen vor rhythmischer Vitalität. Das Orchester entfacht ein mitreißendes Klangbild, das sofort in Bewegung versetzt. Das berühmte Wechselspiel zwischen beschwingtem Tanzrhythmus und jazzig-synkopischem Puls ist präzise artikuliert und gleichzeitig voller Spielfreude.

Virtuose Solovioline als erzählerische Stimme

Leitung Daniel Hope
Leitung Daniel Hope

Daniel Hopes Violine übernimmt dabei eine zentrale, fast theatralische Rolle. In seiner Interpretation wird die Solostimme nicht bloß als technisches Schaustück präsentiert, sondern als lebendige Figur, die zwischen Ironie, Leidenschaft und Temperament vermittelt. Hope phrasiert mit federnder Leichtigkeit und lässt sein Instrument singen, tanzen und schalkhaft aufblitzen. Dabei bleibt sein Spiel stets im Dialog mit dem Ensemble – ein echtes musikalisches Gespräch statt eines Monologs.

Paul Batemans raffinierte Bearbeitung
Bateman gelingt in seiner Fassung eine eindrucksvolle Balance zwischen Originalität und Respekt gegenüber Bernsteins Vorlage. Die Übertragung auf ein Streichensemble verstärkt die rhythmische Klarheit und bringt die melodischen Linien stärker zum Leuchten. Besonders auffällig ist, wie geschickt Bateman die perkussive Energie des Originals in rhythmisch pointierte Strichbewegungen der Streicher übersetzt. Das Ergebnis ist ein Arrangement, das sowohl elegant als auch temperamentvoll wirkt – eine Hommage ohne nostalgische Schwere.

Klangkultur und Präzision des Zürcher Kammerorchesters
Das ZKO beweist erneut seine enorme stilistische Flexibilität. Jeder Einsatz ist glasklar, jede dynamische Nuance sorgfältig modelliert. Trotz der mitreißenden Geschwindigkeit bleibt das Ensemble klanglich transparent. Diese Präzision verleiht dem Stück einen urbanen, fast elektrisierenden Charakter – ganz im Sinne von Bernsteins musikalischem Porträt des New Yorker Lebensgefühls.

Ein Beispiel moderner Klassikvermittlung
Insgesamt ist diese Darbietung ein Paradebeispiel für gelungene Brückenbildung zwischen klassischer Virtuosität und populärer Energie. Daniel Hope und das ZKO schaffen es, Bernsteins Musik zeitgemäß und zugänglich zu präsentieren, ohne ihre künstlerische Tiefe zu schmälern. So wird aus einem bekannten Klassiker ein neu belebtes Stück amerikanischer Klangkultur – frisch, prägnant, unwiderstehlich lebendig und wurde mit langanhaltendem Applaus belohnt,

Florence Price Adoration

Zarte Hommage an die Innerlichkeit
In „
Adoration“ von Florence Price, hier in der Bearbeitung von Paul Bateman für Violine und Streichorchester, entfaltet sich eine stille, ergreifende Schönheit. Unter der Leitung von Daniel Hope formt das ZKO einen Klangraum von leuchtender Ruhe. Jede Phrase scheint ein Gebet, jede Note atmet Demut und Wärme – ein Moment stiller Andacht in musikalischer Form.

Dialog zwischen Solovioline und Ensemble
Daniel Hope übernimmt die Solostimme mit jener sensiblen Klangsprache, die sein Spiel auszeichnet. Sein Ton ist weich, schwebend, mit einer feinen Melancholie durchzogen. Im Dialog mit dem Orchester entsteht kein Gegensatz, sondern ein behutsames Miteinander: Die Streicher hüllen die Violine in einen sanften Klangteppich, der sie trägt, aber niemals überlagert. Es ist eine zärtliche Zwiesprache zwischen Stimme und Raum.

Paul Batemans feinfühlige Bearbeitung
Batemans Arrangement bewahrt das intime Wesen der Originalfassung und überträgt es wirkungsvoll auf das größere Ensemble. Die Streicher öffnen das Werk harmonisch, ohne ihm seinen kammermusikalischen Charakter zu rauben. Besonders die fein abgestimmte Dynamik lässt die Musik atmen und schafft Momente von gläserner Transparenz, in denen Prices pastorale Tonsprache vollkommen zur Geltung kommt.

Klangliche Reinheit und emotionale Tiefe
Das Orchester zeigt hier seine unvergleichliche Fähigkeit zur Zurücknahme. Jeder Ton ist kontrolliert, jede Linie bewusst geformt. Die Aufführung lebt von schlichter Eleganz – fern jeder Sentimentalität, doch voller Empathie. Hope gelingt es, Florence Prices Spiritualität in eine universelle Sprache zu übersetzen: human, mild und tief empfunden.

Ein stilles Leuchten
Diese Interpretation von „
Adoration „ ist kein großes Drama, sondern ein leises Leuchten – ein musikalisches Innehalten inmitten einer oft lauten Welt. Daniel Hope und das ZKO schenken Florence Prices Musik die Andacht, die sie verdient: schlicht, ehrlich, strahlend in ihrer Ruhe.

Stephen Foster Beautiful Dreamer, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman

Ein Klassiker in neuem Licht
Stephen Fosters Beautiful Dreamer erfährt in Paul Batemans Bearbeitung eine behutsame, zugleich erfrischend moderne Neuinterpretation. Unter der Leitung von Daniel Hope entfaltet das ZKO einen fein schimmernden Klang, der den romantischen Charakter des Liedes wahrt, aber in ein elegantes, orchestrales Gewand kleidet.

Thomas Hampsons noble Stimme im Mittelpunkt
Bariton Thomas Hampson verleiht dem bekannten Lied eine berührende Tiefe. Sein Timbre, warm und edel, trägt den Text mit jener Mischung aus Wehmut und Zärtlichkeit, die Fosters Musik innewohnt. Hampson phrasiert mit kontrollierter Emotionalität, nie übersteigert, sondern stets natürlich. Er lässt die Figur des „beautiful dreamer“ nicht nur erklingen, sondern lebendig werden – als Sinnbild zarter Sehnsucht.

Daniel Hopes Violine als leuchtendes Gegengewicht

Bariton Thomas Hampson herzt Music Director Daniel Hope
Bariton Thomas Hampson herzt Music Director Daniel Hope

Neben der Stimme fungiert Daniel Hopes Violine als klangliche Gesprächspartnerin. Sie reflektiert, antwortet, tröstet – ein schimmerndes Echo auf Hampsons Gesang. In Hopes Händen wird die Violine zur Trägerin stiller Emotionen, zu einer zweiten Stimme, die das Unausgesprochene artikuliert. Seine Tongebung ist samtig und klar, von lyrischer Schlichtheit geprägt.

Paul Batemans subtile Orchestrierung
Bateman behält den intimen Charakter des Originals bei, erweitert ihn aber um eine feine orchestrale Farbigkeit. Die Streicher schaffen warme Flächen, die zwischen Traum und Wirklichkeit oszillieren. Trotz romantischer Süße bleibt die Musik zurückhaltend und transparent. Dadurch entsteht eine Klanglandschaft, die Nostalgie nicht verklärt, sondern verweht wie eine sanfte Erinnerung.

Ein Lied voller zeitloser Sanftmut
Diese Interpretation verbindet Kunstlied-Intimität und orchestrale Eleganz zu einer feinsinnigen Hommage an Fosters Melodik. Hampson, Hope und das ZKO begegnen dem Stück mit schlichter Würde und spürbarer Liebe zum Detail. „
Beautiful Dreamer„ wird hier nicht als sentimentales Relikt präsentiert, sondern als leuchtendes, zeitloses Lied über Ruhe, Trost und Träumen.

Harold Arlen Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman

Ein Rendezvous zwischen Broadway und Konzertsaal
Das „Harold Arlen Medley“, vereint einige der schönsten Melodien des großen amerikanischen Songwriters (Over the rainbow, let’s fall in love, I’ve got the world on a string). Unter der Leitung von Daniel Hope gelingt dem Ensemble eine Gratwanderung zwischen Swing, Sentiment und klassischer Eleganz – eine musikalische Verneigung vor Arlens unverwechselbarem Stil.

Thomas Hampson: Charme und Ausdruckskraft

Thomas Hampson bedankt sich bei seinen Mitmusikern
Thomas Hampson bedankt sich bei seinen Mitmusikern

Bariton Thomas Hampson führt durch das Medley mit charismatischer Bühnenpräsenz und geschmeidigem Timbre. Seine Stimme bewegt sich mühelos zwischen jazzigem Flair und liedhafter Empfindsamkeit. Mal klingt er augenzwinkernd und charmant, mal von bittersüßer Nostalgie erfüllt. Hampson versteht, Arlens Songs nicht bloß zu singen, sondern sie erzählerisch aufblühen zu lassen.

Daniel Hope und die Violine als zweite Stimme
Daniel Hopes Violine agiert nicht nur als Begleitung, sondern als gleichberechtigter Partner. In ihrem leuchtenden Ton spiegelt sich die emotionale Bandbreite der Songs – von himmelblauer Sehnsucht bis zu tänzerischem Überschwang. Hope versteht es, sein Instrument zwischen Jazz-Anklängen und klassischer Phrasierung wandern zu lassen, wodurch feine Zwischentöne entstehen, die die vokale Linie umspielen.

Paul Batemans geschmackvolle Verbindung von Stilen
Batemans Arrangement bewahrt die Leichtigkeit des amerikanischen Songbooks und verleiht ihm zugleich orchestrale Noblesse. Die Streicher klingen warm und transparent, verzichten auf Rührseligkeit und setzen stattdessen auf rhythmische Präzision und schimmernde Klangfarben. So entsteht ein funkelndes Mosaik, das Arlens Melodien in neuem Licht zeigt – elegant, aber nie distanziert.

Ein Abend zwischen Traum und Tanz
Das Ergebnis ist ein stilvoller Brückenschlag zwischen Konzertsaal und Broadway. Hampson, Hope und das ZKO verwandeln das Medley in einen feinsinnigen Dialog von Stimme und Instrumenten. Arlens Musik erscheint hier als zeitloser Ausdruck amerikanischer Sehnsucht – leichtfüßig, berührend und mit einem Hauch von Sternenstaub.

Bernard Herrmann Vertigo-Suite, bearbeitet für Violine, Klavier, Streichorchester und Perkussion von Paul Bateman

Psychologische Spannung in Klang gegossen
Bernard Herrmanns „Vertigo-Suite“ entfaltet eine suggestive Klangwelt zwischen Traum, Obsession und Abgrund. Unter Daniel Hopes Leitung lässt das ZKO dieses Meisterwerk filmischer Musik als auskomponiertes Drama lebendig werden – intensiv, düster und faszinierend klar.

 

Ein Klanglabyrinth zwischen Wahn und Wirklichkeit
In der „Vertigo-Suite“, öffnet sich eine eindringliche Klangwelt voller psychologischer Spannung. Unter der Leitung von Daniel Hope verwandelt das Orchester die Filmmusik in ein intensives Konzertstück, das innere Zerrissenheit und hypnotische Anziehung meisterhaft spürbar macht.

Die Violine als emotionales Zentrum
Daniel Hope führt seine Solovioline mit erzählerischer Präzision. Sein Ton ist gläsern, schwebend, oft von einer beinahe körperlosen Zartheit. Zwischen suchenden Linien und abrupten Ausbrüchen zeichnet er die fragile Seele der Hauptfigur nach. Es ist, als würde die Violine selbst zwischen Sehnsucht und Angst taumeln – ein psychologisches Porträt in Klang.

Dimitri Monstein: Rhythmus der Obsession
Die Perkussion, virtuos gespielt von Dimitri Monstein, wirkt wie das pochende Herz des Werkes. Seine subtilen Akzente, das leise Grollen und die scharfen rhythmischen Impulse verleihen der Musik eine fast körperliche Präsenz. Monstein versteht es, Spannung aufzubauen, ohne die Kontrolle zu verlieren – seine klangliche Präzision erhöht die Dramatik des gesamten Ensembles.

Paul Batemans detailreiche Orchestrierung
Bateman erweitert Herrmanns Filmsprachenkosmos um ein kammermusikalisches Raffinement. Das Klavier verstärkt die harmonische Dichte, während die Streicher atmosphärische Schleier bilden. Die Musik schillert zwischen klaren Linien und nebulöser Düsternis (ganz Alfred Hitchcock),zwischen Abgrund und Auflösung – ein Wechselspiel aus Struktur und Instinkt.

Ein sinfonischer Albtraum mit Sogwirkung
Das ZKO formt unter Hope eine spannungsgeladene, atmende Interpretation. Jede Phrase ist bewusst modelliert, jede Stille besitzt Gewicht. Diese „
Vertigo-Suite“ ist keine bloße Filmmusik-Adaption, sondern ein psychologisches Klangdrama: kühl, verführerisch, erschreckend schön – ein strahlend dunkler Höhepunkt orchestraler Erzählkunst.

Kurt Weill Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman

Zwischen Kabarett und Konzertsaal
Das „
Kurt Weill Medley“ vereint einige der bekanntesten Melodien des Komponisten, wie u.a. „Mackie Messer“ zwischen Theater und Jazz. Unter der Leitung von Daniel Hope bewegt sich das ZKO souverän zwischen den Welten – mit klarer Struktur, rhythmischem Schwung und einem feinen Gespür für Weills ironische Untertöne.

Thomas Hampson – der erzählerische Bariton
Thomas Hampson gestaltet die verschiedenen Stücke mit beeindruckender stimmlicher Wandlungsfähigkeit. Mal klingt er charmant und lässig, dann wieder beißend oder melancholisch. Jede Phrase trägt erzählerisches Gewicht, jede Nuance ist bewusst gesetzt. Hampson versteht es, die gesellschaftskritische Schärfe Weills mit menschlicher Wärme zu verbinden – Musiktheater auf höchstem Niveau.

Daniel Hope als lyrischer Gegenpart
Daniel Hopes Violine agiert nicht als bloßer Begleiter, sondern als gleichberechtigte Klangfigur. Mit fein geschwungenem Ton und präziser Artikulation spinnt er emotionale Fäden zwischen Gesang und Orchester. In seinem Spiel leuchtet jene Zwiespältigkeit auf, die Weills Musik auszeichnet – Schönheit mit einem Schatten von Bitterkeit.

Paul Batemans stilistische Balance
Batemans Arrangement bewahrt den Charakter des Originals, ohne ihn zu glorifizieren. Die orchestrale Textur bleibt transparent, die Streicher verleihen dem Ganzen einen Hauch von Eleganz, ohne den Biss der Vorlage zu glätten. So entsteht eine kluge, respektvolle Neuinterpretation.

Ein Hauch von Berlin im KKL

Thomas Hampson freut sich über den Applaus
Thomas Hampson freut sich über den Applaus

Diese Aufführung ist mehr als ein Medley: Sie ist ein atmosphärisches Porträt der Weill’schen Welt – zerrissen, charmant, tragisch und zeitlos modern. Hampson, Hope und das ZKO verwandeln Weills Facettenreichtum in ein glänzendes, klanglich pointiertes Erlebnis.

Glanzvoller Abschluss

George Gershwin Song-Suite, bearbeitet für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman

Ein Funkeln zwischen Jazz und Klassik

In der „Song-Suite verschmelzen Welten. Unter Daniel Hopes Leitung gelingt dem Zürcher Klangkörper eine stilistisch brillante Balance zwischen symphonischem Glanz und jazziger Leichtigkeit – ein musikalisches Schaulaufen voller Rhythmus, Farbe und Eleganz.

Daniel Hope – die Violine als Klangbrücke
Hope führt seine Solovioline mit leuchtendem, geschmeidigem Ton, der mühelos zwischen lyrischem Ausdruck und swingender Spielfreude pendelt. Er formt Gershwins Melodien mit Gespür für deren vokale Herkunft und lässt sie zugleich improvisatorisch frei wirken. So entsteht ein spannender Dialog zwischen Klassik und amerikanischer Jazztradition.

Jazz-Trio mit pulsierendem Herzschlag

Johannes von Ballestrem Piano Symbolbild
Johannes von Ballestrem Piano Symbolbild

Pianist Johannes von Ballestrem bringt warme Harmonie und elegante Leichtigkeit ins Spiel, während Dimitri Monstein am Schlagzeug mit subtiler Präzision, zusammen mit Bassistin Seon-Deok Baik, das rhythmische Fundament legt. Ihre Interaktion mit den Streichern wirkt spontan und organisch – kein Bruch, sondern ein lebendiger Austausch. Dazu gesellte sich Daniel Hope, erweiterte so das Trio zu einem Jazzquartett, indem er mit seiner Guarneri del Gesù von 1742 im virtuosen Stil eines Stéphane Grappelli mitimprovisierend brillierte.

Ein orchestraler Swingmoment
Bateman gelingt eine Instrumentation, die Gershwins Geist respektiert und zugleich neu beleuchtet: üppig, aber nie überladen. Diese „
Song-Suite“ ist kein museales Arrangement, sondern eine Hommage an das vibrierende Lebensgefühl der 1920er – mitreißend, delikat und voller Charme.

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von  Ballestrem Klavier seon Deok  Baik  Bass  Dimitri Monstein Schlagwerk
von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Das beigeisterte Auditorium belohnte die Darbietenden mit einer „Standig Ovation“ die auch Bariton Thomas Hampson auf die Bühne zurück holte, was den Applauspegel nochmals erhöhte und das Orchester zu einer Zugabe im neoamerikanischen Stil animierte. Das aber reichte dem Publikum im vollbesetzten Saal noch nicht und es erreichte mit seiner Applauskaskade, dass alle Ausführenden noch Cole Porters „Begin the Beguine“ intonierten.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:  MaxThürig    www.zko.ch Homepage von https://thomashampson.com/

Homepages der andern Kolumnisten: www.marinellapolli.ch

www.gabrielabucher.ch www.herberthuber.ch www.maxthuerig.ch

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Pianist Johannes von Ballestrem und Daniel Hope im Hintergrund

Die Ausführenden geniessen die stehende Ovation beim Schlussapplaus

  • Aufrufe: 132

Die Fledermaus,Johann Strauss Libretto Karl Haffner und Richard Genée, neue Texte im dritten Akt von Patti Basler, Opernhaus Zürich, besucht von Marinella Polli

Die Fledermaus Opernhaus Zürich

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Musikalische Leitung: Lorenzo Viotti Inszenierung: Anna Bernreitner
Bühnenbild und Video: Hannah Oellinger, Manfred Rainer
Arthur Arbesser Choreografie: Ramses Sigl
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger Lichtgestaltung: Martin Gebhardt Dramaturgie: Jana Beckmann
Besetzung: Gabriel von Eisenstein Matthias Klink Rosalinde Golda Schultz
Regula Mühlemann  Frank Ruben Drole Prinz Orlofsky Marina Viotti
Alfred Andrew Owens  Dr. Falke Yannick Debus  Dr. Blind Nathan Haller
Ida Rebeca Olvera  Schicksal 1 Lucia Kotikova  Schicksal 2 Melina Pyschny
Schicksal 3 Barbara Grimm
>Tänzerinnen und Tänzer: Sara Pennella   Sophie MelemGabriela Hinkova
Roberto Tallarigo
Roberto Tallarigo Lukas Bisculm
Chor der Oper Zürich
Orchester der Oper Zürich
Statistenverein am Opernhaus Zürich

Johann Strauss‘ ‚Die Fledermaus‘(1874 am Theater an der Wien uraufgeführt) ist seit letztem Sonntag am Opernhaus zu sehen. Lorenzo Viotti dirigiert das ‘Orchester der Oper Zürich’, die österreichische Opernregisseurin und Opernproduzentin Anna Bernreitner inszeniert.  

Die ‚Königin der Operetten‘ oder die ‚Operette aller Operetten‘

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer
Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Die Bausteine der ‚Fledermaus‘, der ‚Königin der Operetten‘, oder der ‚Operette aller Operetten‘ sind sicher vor allem, Witz, Intrigen, und lustige Verwechslungsspiele; Ironie, Tiefe und Psychologie fehlen jedoch auch nicht; in der ‘Fledermaus‘ bringt Strauss alle diese Elemente genial zusammen.

 

 

 

 

 

Eine beeindruckende musikalische und gesangliche Leistung

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer
Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Am Dirigentenpult steht Maestro Lorenzo Viotti, der mit Puls und Kompetenz für funkelnde musikalische Momente sorgt. Er leitet ein sehr aufmerksames, präzises und involviertes ‘Orchester der Oper Zürich’ durch die mit anderen Stücken (darunter Bernsteins ‚Mambo‘ und Offenbachs ‚Cancan‘) ergänzte sensationelle Partitur; und die SängerInnen machen mit. In primis Regula Mühlemann als fröhliche, muntere und quicklebendige Zofe Adele. Die Sopranistin aus Luzern glänzt schauspielerisch mit ihrem charmanten Selbstvertrauen, und berauscht das zahlreiche Premierenpublikum mit der Ausdruckskraft ihrer beweglichen und brillanten Stimme. Auch die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz gibt ihr Debüt als Rosalinde mit einer wunderbar höhensicheren, runden und unverwechselbar timbrierten Stimme, und dies nicht nur im Moment des berühmten Csárdás ‚Klänge der Heimat‘. Nicht alle gut, für unsere Begriffe, die Männer: Matthias Klink enttäuscht schauspielerisch (aber dies hat wahrscheinlich mit dem Inszenierungskonzept zu tun) als Gabriel von Eisenstein, Rosalindes Ehemann; dasselbe gilt für Yannick Debus als Dr. Falke. Viel besser sowohl schauspielerisch als auch stimmlich, sind Ruben Drole als Gefängnisdirektor Frank sowie Andrew Owens als Alfred. Der amerikanische Tenor begeistert besonders mit dem bekannten Ohrwurm ‘Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist‘. Für unsere Begriffe, nicht wirklich vollkommen entspannt als bizarrer, zynischer Prinz Orlofsky ist Marina Viotti, die uns mit ihrem fantastischen Mezzo vor einiger Zeit als Carmen so gefallen hatte.

Eine ziemlich chaotische Inszenierung

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer
Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Im Mittelpunkt der Handlung steht bekanntlich die ‘Freundschaft’ zwischen Gabriel von Eisenstein und Dr. Falke. Dieser hat nur Rache im Kopf, und zwar dafür, dass er mal stark betrunken und mit einem Fledermaus-Kostüm von Gabriel von Eisenstein auf einer Strasse in Wien zurückgelassen wurde. Die Regisseurin Anna Bernreitner verwandelt jedoch die aristokratische Wiener Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in eine Art Disneyland mit viel Kolorit und Klamauk (buntes Bühnenbild und Video von Hannah Oellinger und Manfred Rainer, sehr farbige 70er Kostüme vom Wiener Modedesigner Arthur Arbesser, Light Design von Martin Gebhardt). Mit anderen Worten wird das Premierenpublikum nicht mit einer klassischen, traditionellen Inszenierung der Johann Strauss‘ Operette, sondern eher mit einer Revue konfrontiert, in welcher Spass, Schwank, Farce, Frivolitäten und Champagner im Vordergrund stehen. In einem Video während der Ouverture sieht man zum Bespiel Rosalinde, Eisenstein, Falke und Alfred als Clubbesucher, eigentlich zwanzig Jahre bevor die Handlung anfängt. Last but not least, wird im dritten Akt die Figur des Gerichtsdieners Frosch weggelassen und mit den drei Nornen Skuld, Verdandi und Urd (Lucia Kotikova, Melina Pyschny und Barbara Grimm) ersetzt. Diese sollen mit ziemlich banalen Worten und Sprüchen (neue Texte der Schweizer Autorin, Komikerin und Kabarettistin Patti Basler) die Protagonisten zu ihren Träumen, Sehnsüchten und persönlichen Chancen führen.

Ovationen und nur einige Buhs

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer
Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Für alle Mitwirkende gab es am Ende der dreistündigen Vorstellung einen nicht endend wollenden Applaus, vor allem für die SängerInnen, den Maestro Viotti und das ‚Orchester der Oper Zürich‘, für den von Ernst Raffelsberger (hier das letzte mal vor seiner Pensionierung) perfekt vorbereiteten Chor der Oper Zürich, sowie für Ramses Siegls Choreographien. Einige starke Buhs gab es für das Regieteam. 

Text: https://marinellapolli.ch/

Fotos: Herwig Prammer    www.opernhaus.ch 

Homepages der andern Kolumnisten:  www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch  www.maxthuerig.ch www.leonardwuest.ch

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

Die Fledermaus Szenenfoto von Herwig Prammer

  • Aufrufe: 194

Xavier de Maistre kommt zu adventlichem Saisonkonzert der Festival Strings Lucerne am Mi., 10. Dez. 2025 in das KKL Luzern

Xavier de Maistre Foto Gregor Hohenberg

Harfen-Weltstar Xavier de Maistre kommt nicht nur zu einem adventlichen Saisonkonzert der Festival Strings Lucerne in das KKL Luzern, sondern stellt auch die Ende August erschienene gemeinsame CD mit Instrumentalkonzerten von Georg Friedrich Händel dem Luzerner Publikum vor.

Xavier de Maistre ist sicherlich der zurzeit bekannteste Harfenist und kreativer Musiker. Als leidenschaftlicher Verfechter seines Instruments hat er das Repertoire für Harfe erweitert und neue Werke in Auftrag gegeben. Ausserdem erstellt er oder veranlasst zahlreiche Transkriptionen wichtiger Instrumentalwerke.

Weiterlesen

  • Aufrufe: 91

The Count Basie Orchestra, KKL Luzern, 18.11. 2025. besucht von Léonard Wüst

The Count Basie Orchestra Bild Allblues Konzert AG

Die  Bühne ist bereit Foto  Maria Ulrich

Sängerrin Gunhild Carling

Scotty Barnhart und sein Orchester

The Count Basie Orchestra Bild Allblues Konzert AG

 

Besetzung:
Scotty Barnhart, trumpet/musical director – Gunhild Carling, vocals & The Count Basie Orchestra

 

Scheidender Präsident des Jazz Club Luzern  Roman Schmidli
Scheidender Präsident des Jazz Club Luzern Roman Schmidli

Die Begrüssung startete mit einem Dank an den (Noch)Präsidenten des www.jazzuzern.ch, Roman Schmidli, der das Präsidenten Zepter nach sagenhaften 51 Jahren (1974 bis Ende 2025) im Dienste der Freunde des Jazz, notabene ehrenamtlich, also unentgeltlich, in jüngere Hände, namentlich an Roli Bühler & Peter Wespi (im Co Präsidium) übergeben wird, mit ein Grund, dass das heutige Konzert der Legende Roman Schmidli und seiner Frau Monika gewidmet sei.

Der neue Vorstand des Jazz Clubs Luzern ab 2026
Der neue Vorstand des Jazz Clubs Luzern ab 2026

Das Konzert des Count Basie Orchestra im KKL Luzern war ein Ereignis, das Tradition, Virtuosität und pure Spielfreude auf unverwechselbare Weise vereinte. Bereits mit den ersten Takten wurde klar, dass diese Formation – unter der musikalischen Leitung von Scotty Barnhart und mit der charismatischen Gunhild Carling als Special Guest – weit mehr ist als ein bloßes Erbe des großen Count Basie. Sie ist ein lebendiger Organismus, der Swing und Big-Band-Jazz mit unerschütterlicher Eleganz und modernem Drive in die Gegenwart trägt. Der akustisch perfekte Saal des KKL verstärkte diesen Eindruck noch, indem er jede Feinheit hörbar machte: den präzisen Punch der Trompeten und den federnden Puls der Rhythmusgruppe.

Scotty Barnhart – Präzision, Persönlichkeit und musikalische Vision

Scotty Barnhart Trompete und Leitung
Scotty Barnhart Trompete und Leitung

Barnhart, ein Musiker von beispielloser Klarheit und Wärme im Ton, führte das Orchester mit einer Mischung aus Autorität und partnerschaftlicher Offenheit. An der Trompete brillierte er sowohl in lyrischen Linien als auch in scharf artikulierten Akzenten, die den typischen Basie-Swing aufblühen ließen. Als musikalischer Leiter gelang es ihm, die Balance zwischen Traditionspflege und aktualisierter Klangsprache zu halten: Klassiker wie „Corner Pocket“ und unbekanntere Nummern, mitunter von Quincy Jones geprägt, erklangen in frischer, nie musealer Gestalt. Barnhart gab seinem Ensemble Raum, und dieses gab ihm Tiefe zurück. Die einzelnen Mitmusiker erhielten ausreichend Geegenheit, ihr Können solistisch am vorderen Bühnenrand zu demonstrieren, immer durch Gesten des Bandleaders aufgemuntert und das Auditorium beklatscht. Seine moderierenden Worte zwischen den Stücken waren knapp, sein Akzent leider schwer verständlich – stets auf die Musik ausgerichtet, nie auf sich selbst.

 

 

Gunhild Carling – Virtuosin, Entertainerin, Stimmwunder

Gunhild Carling
Gunhild Carling

Der Auftritt von Gunhild Carling war einer der magischen Momente des Abends. Ihre Präsenz ist eine Mischung aus Vintage-Charme, Entertainment und atemberaubender musikalischer Präzision. Mit ihrer kraftvollen, warmen Stimme interpretierte sie Standards wie „Something’s Gotta Give“ nicht nur technisch perfekt, sondern emotional glaubwürdig und spielerisch frei. Carling interagierte tänzerisch mit dem Orchester, forderte hier ein Lächeln, dort eine kleine rhythmische Überraschung heraus – und das Ensemble reagierte sofort. Zudem glänzte sie mit instrumentalem Können, das weit über einen Show-Effekt hinausging. Besonders ihre Fähigkeit, zwischen Gesang, Posaune und Steptanz-Rhythmen zu wechseln, sorgte beim Publikum für Enthusiasmus, der sich in langem und lautem Applaus entlud. Dann verblüffte sie uns, als sie auch noch den „Mackie Messer“von Kurt Weil, aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ intonierte

Das Orchester – kollektive Meisterschaft und individuelle Klasse

Count Basie Orchestra Konzertimpression von Maria Ulrich
Count Basie Orchestra Konzertimpression von Maria Ulrich

Das Count Basie Orchestra zeigte erneut, weshalb es seit Jahrzehnten zur Weltspitze gehört. Die Saxophon-Sektion überzeugte mit geschmeidigen Ensemblepassagen und expressiven Soli, die an frühere Größen erinnerten, ohne sie zu kopieren. Die Trompeten glänzten mit strahlenden Höhen und unerbittlicher Präzision, während die Posaunen eine satte, erdige Klangfarbe beisteuerten. Die Rhythmusgruppe – mit federndem Schlagzeug, wandelbarem Bass und klarem, ökonomischem Klavierspiel – verlieh jedem Stück jenen charakteristischen Basie-Groove, der gleichzeitig entspannt und glühend ist. Die Arrangements lebten von dynamischem Feingefühl: mächtige Tutti-Stellen, filigrane Solopassagen und elegante Übergänge, die den Abend dramaturgisch perfekt strukturierten.

Die Lady is a Tramp und begeistert am schottischen Nationalinstrument
Die schwedische Gesangsdiva Gunhild Carling, an diesem Abend in vier verschiedenen Outfits agierend, toppte ihren Auftritt noch indem sie bei einem Rockn Roll als Dudelsacksolistin mit viel „Pfuus“ brillierte.

Als krönenden Abschluss intonierten die 18 Musiker Billy Strayhorn`s „Take the A Train“, Duke Ellintons Erkennungsmelodie. Den hab ich dann aber nicht mehr erreicht, aber für die S Bahn hats gereicht.

Fazit – ein Abend, der bleibt

Gunhild Carling hat jedezeit genügend Puste
Gunhild Carling hat jedezeit genügend Puste

Dieses Konzert im KKL war mehr als eine musikalische Darbietung: Es war ein Statement. Ein Statement für die Lebendigkeit des Swing, für das Potenzial der Big-Band-Kunst im 21. Jahrhundert und für die Verbindung von Tradition und Innovation. Mit Scotty Barnhart als souveränem Leiter und Gunhild Carling als emotionalem Zentrum des Abends erlebte das Publikum ein Konzert, das gleichermaßen begeistert, berührt und elektrisiert hat. Ein Abend, der noch lange nachhallt – im Ohr, im Herzen und im Rhythmus des eigenen Schritts.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Maria Ulrich www.allblues.ch    und Homepage https://thecountbasieorchestra.com/

Homepages der andern Kolumnisten: www.marinellapolli.chwww.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.chwww.maxthuerig.ch

veranstaltet von: www.allblues.ch und https://www.jazzluzern.ch/

Count Basie Orchestra Konzertimpression von Maria Ulrich

Count Basie Orchestra Konzertimpression von Maria Ulrich

Scotty Barnhart Trmpete und Leitung

Gunhild Carling beherrscht sogar noch den Dudelsack

  • Aufrufe: 281