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Lucerne Festival, Rezital Hayato Sumino, KKL Luzern, 1.9.2026, besucht von Léonard Wüst

Pianist Hayato Sumino am Lucerne Festival
Pianist Hayato Sumino am Lucerne Festival
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Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) bei Nacht

Hayato Sumino völlig entrückt am Konzertflügel Foto Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Hayato Sumino Foto Johanna Berghorn Sony Music

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Besetzung & Programm:
Hayato Sumino Klavier

Frédéric Chopin (1810–1849)
Scherzo Nr. 1 h-Moll op. 20
Etüde As-Dur op. 25 Nr. 1
Hayato Sumino (*1995)
Lydian Harp
Raindrop Postlude
Frédéric Chopin
Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35<
Camille Saint-Saëns (1835–1921)
Danse macabre op. 40
Frédéric Chopin
Mazurka a-Moll op. 59 Nr. 1
Mazurka As-Dur op. 59 Nr. 2
Mazurka fis-Moll op. 59 Nr. 3
Thomas Adès (*1971)
Mazurka op. 27 Nr. 2
Frédéric Chopin
Etüde Ges-Dur Op. 10 Nr. 5
Hayato Sumino
White Keys
Imaginary Polonaise
Improvisation über das Ostinato aus Frédéric Chopins Berceuse Des-Dur op. 57
Frédéric Chopin
Etüde a-Moll op. 25 Nr. 11
Igor Strawinsky (1882–1971)
Danse infernale, Berceuse und Finale aus dem Ballett Der Feuervogel, für Klavier bearbeitet von Guido Agosti

Hayato Sumino im KKL Luzern – Ein Tastentsunami auf Chopins Umlaufbahn

Manche Experimente gehen vollkommen auf, andere hinterlassen zumindest gemischte Gefühle. Das Rezital des japanischen Pianisten Hayato Sumino im KKL Luzern gehört für mich eher zur zweiten Kategorie. Der 1995 geborene Künstler, international auch unter seinem Namen „Cateen“ bekannt und als YouTube-Star einem Millionenpublikum vertraut, verfügt ohne Zweifel über eine geradezu unglaubliche technische Begabung. Seine Finger scheinen über die Tastatur zu fliegen, als gäbe es kaum pianistische Grenzen. Doch bei aller Bewunderung für diese überragende Technik fehlte mir über weite Strecken etwas Entscheidendes: Dramatik, Tiefe und jene emotionale Unmittelbarkeit, welche gerade die Musik Frédéric Chopins so unverwechselbar macht.

Sumino hatte sein Programm unter den Titel „Chopin Orbit“ gestellt. Die Idee dahinter ist ebenso ungewöhnlich wie interessant: Chopin bildet das Zentrum eines musikalischen Sonnensystems, um das sich eigene Kompositionen Suminos und Werke anderer Komponisten bewegen. Der Pianist nimmt Motive, Klangfarben und musikalische Gedanken Chopins auf, verarbeitet sie mit seiner eigenen modernen Sensibilität und lässt daraus neue musikalische Umlaufbahnen entstehen.

Das Konzept ist klug und originell. Nur im Konzertsaal stellte sich für mich immer wieder die Frage, ob die faszinierende Idee auch emotional jene Wirkung erreichte, die sie auf dem Papier versprach.

Chopin als lebenslanger Begleiter

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Frédéric Chopin begleitet Hayato Sumino nach eigenen Aussagen seit seiner frühesten Kindheit. Bereits mit fünf Jahren hörte er dessen Musik zum ersten Mal, wenig später begann er selbst Klavier zu spielen. Chopin wurde zu einer musikalischen Konstante seines Lebens, und beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau 2021 machte Sumino erstmals international besonders nachhaltig auf sich aufmerksam.

Dabei ist sein Verhältnis zu Chopin keineswegs museal. Sumino möchte den grossen polnischen Romantiker nicht einfach imitieren. Seine eigenen Kompositionen entstehen vielmehr aus einer Auseinandersetzung mit Chopins musikalischem Denken. Ein Motiv kann auftauchen, eine harmonische Farbe wiedererkannt werden, eine bestimmte Atmosphäre weitergeführt werden – doch anschliessend beginnt Suminos eigene musikalische Welt.

Das ist die Grundidee von „Chopin Orbit“: Chopin steht im Zentrum, und von dort aus führen verschiedene Wege in die Gegenwart. Eigene Werke reagieren auf Chopin, andere Komponisten zeigen dessen Wirkung über Generationen hinweg. So entsteht ein Programm, das bewusst zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt.

Ein Auftakt mit enormer Wucht

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Den Beginn machte Chopins Scherzo Nr. 1 h-Moll op. 20, eines der dramatischsten Werke des jungen Komponisten. Schon die ersten Akkorde wirken wie ein Aufschrei. Mit einem Scherzo im ursprünglichen Sinn, also mit etwas Heiterem oder Spielerischem, hat dieses Werk kaum mehr etwas zu tun.

Sumino liess von Beginn an seine technischen Fähigkeiten aufblitzen. Rasante Läufe, gewaltige Sprünge und explosive Akkorde schienen für ihn keinerlei Hindernis zu sein. Zeitweise hatte man tatsächlich den Eindruck eines regelrechten Tastentsunamis, der durch den Konzertsaal fegte.

Doch gerade hier begann für mich auch das Problem des Abends. Alles war vorhanden: Geschwindigkeit, Präzision und unglaubliche Beweglichkeit. Was mir dagegen etwas fehlte, war das Gefühl wirklicher Gefahr. Chopins eruptive Musik darf nicht nur perfekt funktionieren – sie muss den Eindruck erwecken, als könne sie im nächsten Augenblick auseinanderbrechen.

Virtuosität oder wirkliche Dramatik?

Im lyrischen Mittelteil des Scherzos öffnet sich plötzlich eine ganz andere Welt. Nach der Unruhe und den Ausbrüchen erscheint ein ruhiger, beinahe inniger Choral. Gerade dieser Kontrast macht das Werk so faszinierend.

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Sumino gestaltete diese Passagen zweifellos schön und kontrolliert. Doch auch hier schien mir sein Spiel manchmal etwas zu sehr auf die makellose Oberfläche konzentriert. Die Musik blieb elegant, klangvoll und technisch bewundernswert – aber nicht immer wirklich existenziell.

Vielleicht liegt gerade darin ein Teil von Suminos pianistischem Charakter. Er ist ein aussergewöhnlicher Klanggestalter und ein Pianist von geradezu übermenschlicher technischer Sicherheit. Doch Perfektion und emotionale Tiefe sind nicht immer dasselbe.

Das Publikum allerdings liess sich von seiner unglaublichen Beherrschung des Instruments sofort mitreissen.

Eine Äolsharfe als Ausgangspunkt

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Mit Chopins Etüde As-Dur op. 25 Nr. 1, der berühmten „Äolsharfe“, wechselte die Atmosphäre völlig. Fliessende Arpeggien ziehen sich durch das gesamte Werk und erzeugen den Eindruck einer schwebenden Klanglandschaft.

Hier liegt die Schwierigkeit gerade darin, dass die Technik möglichst unsichtbar werden muss. Der Pianist muss ausserordentlich viel leisten, aber der Zuhörer soll davon möglichst nichts bemerken. Die Musik soll wie selbstverständlich fliessen.

Diese Seite lag Hayato Sumino ausgesprochen gut. Seine Fähigkeit, Klänge fein zu modellieren und grosse Bewegungen leicht erscheinen zu lassen, kam dieser Etüde entgegen. Die Tastatur wurde zur schimmernden Klangfläche, über der sich die musikalischen Linien beinahe schwerelos bewegten.

Hier zeigte sich einer der grossen Vorzüge seines Spiels: Sumino kann dem Klavier eine aussergewöhnliche Transparenz verleihen.

Von Chopin zu „Lydian Harp“

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Unmittelbar anschliessend folgte Suminos eigene Komposition „Lydian Harp“. Damit wurde das Grundprinzip des gesamten Abends besonders deutlich.

Sumino nimmt Chopins Idee nicht einfach auf, um sie nachzuahmen. Er verändert die harmonische Perspektive und führt den Gedanken in eine eigene Klangwelt weiter. Aus der „Äolsharfe“ wird gewissermassen eine moderne Schwester.

Das Stück besitzt tatsächlich eine faszinierende Atmosphäre. Man konnte Einflüsse impressionistischer Klangwelten heraushören, ohne dass Sumino deshalb zum blossen Nachahmer Debussys geworden wäre. Die Musik schwebt, öffnet Räume und scheint sich bewusst von den festen Formen des traditionellen Klavierstücks zu lösen.

Hier wurde auch deutlich, dass Hayato Sumino nicht nur Pianist, sondern ein ausgesprochen fantasievoller musikalischer Denker ist.

Ein Dialog mit dem Regen

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Eine ähnliche Idee stand hinter „Raindrop Postlude“. Das Werk bezieht sich auf Chopins berühmtes „Regentropfen-Prélude“. Wieder entsteht keine einfache Bearbeitung, sondern eine persönliche musikalische Reaktion.

Sumino führt einen Gedanken weiter, nachdem Chopin ihn scheinbar beendet hat. Der Regen tropft nicht einfach weiter – er verändert seine Gestalt.

Besonders interessant ist Suminos Fähigkeit, klassische und moderne Klangwelten miteinander zu verbinden. Seine Musik öffnet sich gelegentlich in Richtung Jazz und improvisatorischer Freiheit. Gerade darin liegt der eigentliche Reiz von „Chopin Orbit“: Chopin wird nicht in einer Vitrine ausgestellt, sondern bleibt lebendig.

Ob allerdings jede dieser modernen Reaktionen im Konzertsaal dieselbe zwingende Wirkung entfaltete, blieb für mich offen. Die Idee überzeugte mich oft stärker als das emotionale Resultat.

Die grosse b-Moll-Sonate – Chopin im Zentrum

Mit der Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35 erreichte das Programm einen seiner grossen Höhepunkte. Dieses Werk verlangt weit mehr als Virtuosität. Es verlangt dramatische Fantasie, grosse Spannungsbögen und den Mut zu extremen Gegensätzen.

Der erste Satz ist voller Unruhe und innerer Spannung. Gewaltige Ausbrüche wechseln mit Momenten von grosser melodischer Schönheit. Sumino bewältigte die technischen Anforderungen selbstverständlich souverän – daran bestand nie der geringste Zweifel.

Doch gerade bei einem solchen Werk stellte sich erneut die Frage, ob technische Souveränität allein genügt. Für mich blieb die Sonate stellenweise etwas zu glatt. Chopins Musik besitzt Abgründe, und diese Abgründe hätten für meinen Geschmack noch deutlicher sichtbar werden dürfen.

Der Trauermarsch ohne Pathos

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Das emotionale Zentrum der Sonate bildet selbstverständlich der berühmte Trauermarsch. Hier ist Zurückhaltung wichtiger als äusserliche Übertreibung. Die unerbittliche Einfachheit des Themas besitzt eine Kraft, die gerade durch ihre Klarheit wirkt.

Sumino vermied glücklicherweise jedes billige Pathos. Sein Spiel blieb kontrolliert und konzentriert. Der lyrische Mittelteil erhielt eine schöne, gesangliche Qualität.

Doch auch hier vermisste ich etwas jene tiefe Erschütterung, die dieser Musik innewohnen kann. Vielleicht war es gerade die fast perfekte Kontrolle, die einer stärkeren emotionalen Unmittelbarkeit im Weg stand.

Das kurze Finale mit seinen flüchtigen, schattenhaften Bewegungen dagegen lag ihm wieder ausgezeichnet. Hier konnte seine unglaubliche Beweglichkeit uneingeschränkt wirken.

Saint-Saëns und der Tanz der Toten

Mit Camille Saint-Saëns‘ „Danse macabre“ op. 40 öffnete sich plötzlich eine völlig andere musikalische Welt. Der makabre Totentanz, ursprünglich für Orchester komponiert, verlangt in der Klavierfassung geradezu übermenschliche Fähigkeiten.

Was im Orchester durch unterschiedlichste Instrumentalfarben entsteht, muss hier ein einziger Pianist hörbar machen. Sumino schien diese Herausforderung geradezu zu geniessen.

Die Musik besitzt nicht nur düstere Seiten, sondern auch schwarzen Humor. Der Tod bittet zum Tanz, die Skelette klappern, und alles bewegt sich mit grotesker Energie durch die Nacht.

Hier passten Suminos Spielfreude und seine technische Brillanz hervorragend zusammen. Die Virtuosität war nicht bloss Mittel zum Selbstzweck, sondern Teil des musikalischen Charakters.

Drei Mazurken – Chopins intimere Welt

Nach diesem spektakulären Ausflug kehrte das Programm mit den drei Mazurken op. 59 wieder zu Chopin zurück.

Die Mazurka a-Moll beginnt beinahe schlicht und entwickelt aus einer zurückhaltenden Melodie eine erstaunlich komplexe musikalische Welt. Die Mazurka As-Dur wirkt auf den ersten Blick einfach, ist aber voller harmonischer Raffinesse. Die Mazurka fis-Moll verbindet schliesslich tänzerische Bewegung mit Momenten von Nachdenklichkeit und Sehnsucht.

Hier ging es nicht mehr um Geschwindigkeit oder pianistisches Feuerwerk. Chopin verlangt in diesen kleinen Meisterwerken Klangfarben, Rubato und die Fähigkeit, die feinsten Veränderungen hörbar zu machen.

Sumino zeigte sich von einer zurückhaltenderen Seite. Vielleicht lagen ihm diese intimeren Stücke sogar besonders gut. Seine Klangkultur und sein Sinn für feine Schattierungen konnten sich entfalten.

Thomas Adès – Chopin in der Gegenwart

Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart setzte sich mit Thomas Adès‘ Mazurka op. 27 Nr. 2 fort.

Adès nimmt die traditionelle polnische Tanzform als Ausgangspunkt, verwandelt sie jedoch in eine moderne, rhythmisch und harmonisch ausserordentlich komplexe Sprache. Der Geist der Mazurka bleibt vorhanden, doch er erscheint wie durch einen Spiegel der Gegenwart betrachtet.

Gerade in diesem Zusammenhang ergab Suminos „Chopin Orbit“ besonders viel Sinn. Nach drei originalen Mazurken Chopins folgte eine moderne Antwort auf dieselbe Gattung.

Sumino meisterte auch dieses hochvirtuose Stück mit unglaublicher Präzision. Seine technische Welt scheint tatsächlich kaum Grenzen zu kennen.

Die schwarzen Tasten als Feuerwerk

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival
Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Mit Chopins Etüde Ges-Dur op. 10 Nr. 5, der berühmten „Schwarzen-Tasten-Etüde“, war dann wieder höchste Virtuosität gefragt.

Die rechte Hand bewegt sich fast ausschliesslich über die schwarzen Tasten und erzeugt jene perlende, fast schwerelose Klangwirkung, die das Stück so unverwechselbar macht.

Für Sumino schien diese Musik geradezu geschaffen. Seine Finger jagten mit unglaublicher Leichtigkeit über die Tastatur. Dabei wirkte nichts angestrengt.

Hier konnte man sich einfach freuen und staunen. Vielleicht war dies einer jener Momente, in denen technische Perfektion und musikalischer Charakter vollkommen zusammenfanden.

Strawinskys „Feuervogel“ als spektakuläres Finale

Zum Abschluss wartete nochmals ein pianistisches Schwergewicht: „Danse infernale“, „Berceuse“ und Finale aus Igor Strawinskys Ballett „Der Feuervogel“, in der berühmten Klavierbearbeitung von Guido Agosti.

Was Strawinsky ursprünglich mit einem riesigen Orchester an Farben und Klangmassen geschaffen hatte, musste nun ein einziger Pianist bewältigen.

Und Sumino bewältigte es.

Die „Danse infernale“ geriet zu einem wahren Feuerwerk. Rhythmische Energie, explosive Akkorde und rasante Bewegungen erfüllten den Saal. Hier war der eingangs erwähnte Tastentsunami endgültig zurück.

Die anschliessende „Berceuse“ bildete dazu den denkbar grössten Kontrast. Plötzlich wurde die Musik ruhig, geheimnisvoll und entrückt.

Im Finale schliesslich öffnete sich Strawinskys Klangwelt zu einer grossen Steigerung. Sumino konnte noch einmal alles zeigen, was ihn als Pianisten auszeichnet: unglaubliche Technik, Klangfantasie und eine fast grenzenlose Beweglichkeit.

Standing Ovations und zwei Zugaben

Das Auditorium war am Ende begeistert. Hayato Sumino wurde mit stehenden Ovationen gefeiert – eine Reaktion, die nach diesem technisch spektakulären Abend mehr als verdient war.

Der Pianist bedankte sich mit zwei Zugaben. Besonders die zweite blieb in Erinnerung: eine ganz eigene Hayato-Sumino-Adaption von Mozarts „Ah, vous dirai-je, Maman“ KV 265.

Damit schloss sich ein Konzertabend, der zweifellos aussergewöhnlich war.

Ein grosser Pianist mit eigener musikalischer Welt

Hayato Sumino ist kein gewöhnlicher Pianist. Er gehört einer Generation an, die selbstverständlich zwischen Konzertsaal, Aufnahmestudio, YouTube, Komposition und Improvisation wechselt. Er besitzt zudem einen ungewöhnlichen technischen Hintergrund und beschäftigt sich intensiv mit Klang und den Möglichkeiten moderner musikalischer Kommunikation.

Sein Projekt „Chopin Orbit“ ist deshalb mehr als ein herkömmliches Chopin-Rezital. Es versucht, einen grossen Komponisten nicht einfach zu interpretieren, sondern mit ihm ins Gespräch zu treten.

Das verdient Respekt.

Für mich persönlich blieb allerdings ein zwiespältiger Eindruck zurück. Ich bewunderte Hayato Suminos geradezu unglaubliche technische Fähigkeiten. Ich staunte über seine Präzision, seine Geschwindigkeit und seine Klangfantasie. Seine eigenen Kompositionen und die Idee des „Chopin Orbit“ fand ich spannend und intelligent.

Doch gerade bei Chopin fehlte mir stellenweise jene Tiefe, jene Dramatik und jene emotionale Verletzlichkeit, die diese Musik für mich so gross machen.

Vielleicht war alles einfach ein wenig zu spektakulär, zu perfekt.

Und dennoch: Einen Pianisten wie Hayato Sumino erlebt man nicht alle Tage. Sein Konzert war keineswegs belanglos – im Gegenteil. Es regte zum Nachdenken an, überraschte, faszinierte und liess einen immer wieder staunen.

Ob man seinem musikalischen „Orbit“ vollständig folgen möchte, bleibt letztlich Geschmackssache.

Dem Tastentsunami aber konnte sich im KKL Luzern kaum jemand entziehen.

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Priska Ketterer, Peter Fischli und Patrick Hürlimann  www.lucernefestival.ch

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Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Hayato Sumino Rezitalfoto von Patrick Hürlimann Lucerne Festival

Hayato Sumino bedankt sich für die Ovationen Foto Patrick Hürlimann Lucerne Festival