Adipositas: Neue Medikamente helfen – doch viele müssen sie selbst bezahlen
DDG fordert Kostenübernahme für Menschen mit hohem gesundheitlichem Risiko
Fast jeder 5. Erwachsene in Deutschland hat Adipositas, also starkes
Übergewicht. Medikamente wie Semaglutid können nicht nur das Gewicht
senken, für bestimmte Wirkstoffe und Menschen mit bestimmten
Vorerkrankungen ist auch ein Schutz vor schweren Folgeerkrankungen belegt.
Doch die Behandlung kostet nach einer AOK-Schätzung rund 4.000 Euro
jährlich und muss zur Gewichtsregulation selbst bezahlt werden. Die
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert deshalb eine Kostenübernahme
für Menschen mit hohem gesundheitlichem Risiko.
Darüber informiert sie anlässlich der Diabetes Herbsttagung auf ihrer
Vorab-Pressekonferenz am 3. November 2026.
Adipositas ist eine chronische Krankheit, die unter anderem das Risiko für
Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Medikamente wie
Semaglutid und Tirzepatid ahmen körpereigene Hormone nach, die unter
anderem Hunger und Sättigung steuern. Dadurch können sie die
Gewichtsabnahme unterstützen. „Die Gewichtsabnahme ist Mittel zum Zweck.
Entscheidend ist, wie die Behandlung den Stoffwechsel verbessert und
Organe schützt“, erklärt Universitätsprofessorin Dr. med. Susanne Reger-
Tan, Tagungspräsidentin und Direktorin der Klinik für Diabetologie und
Endokrinologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen,
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum und Medizinische Fakultät
OWL der Universität Bielefeld.
Weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle
Dass die Behandlung mehr bewirken kann als eine Gewichtsabnahme, zeigt die
SELECT-Studie. Sie untersuchte den Wirkstoff Semaglutid bei Menschen mit
Übergewicht oder Adipositas, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung,
aber keinen Diabetes hatten. Über rund 3 Jahre erlitten 6,5 Prozent der
mit Semaglutid Behandelten einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder starben an
einer Herz-Kreislauf-Ursache. In der Vergleichsgruppe mit einem
Scheinmedikament waren es 8 Prozent. Ob Menschen ohne diese Vorerkrankung
oder unter anderen Medikamenten ebenso profitieren, beantwortet die Studie
nicht.
Krankheitsrisiko statt Geldbeutel
Dennoch schließt das Sozialgesetzbuch V (§ 34) Medikamente zur
Gewichtsregulation von der gesetzlichen Erstattung aus. „Der medizinische
Bedarf muss über den Zugang zur Therapie entscheiden und sollte nicht von
monetären Mitteln jedes beziehungsweise jeder Einzelnen abhängig sein“,
fordert Reger-Tan. Die DDG verlangt eine gezielte Ausnahme für Menschen
mit hohem gesundheitlichem Risiko – etwa nach einem Herzinfarkt oder
Schlaganfall, wenn das Medikament nachweislich das Risiko weiterer
schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse senkt. Medikamente sollen dabei eine
langfristige Therapie mit Ernährung, Bewegung und Unterstützung bei
Verhaltensänderungen ergänzen.
Strukturierte Betreuung muss im Alltag ankommen
Damit Betroffene diese umfassende Behandlung erhalten, braucht es neben
der Finanzierung auch verlässliche Versorgungsstrukturen. Das
strukturierte Behandlungsprogramm für Erwachsene mit Adipositas, kurz DMP
Adipositas, soll die Betreuung koordinieren. Seit Juli 2024 können
Krankenkassen dafür regionale Verträge schließen. Bis Ende August 2026
wurde das Programm laut einer gemeinsamen Mitteilung von DDG und der
Deutschen Adipositas-Gesellschaft jedoch in keinem Bundesland angeboten.
Eine strukturierte Adipositasbehandlung erfordert klare Zuständigkeiten
und eine verlässliche Abstimmung zwischen den beteiligten Praxen und
Kliniken. Bei Bedarf sollten spezialisierte Praxen und Zentren einbezogen
werden. „Es muss klar sein, wer die Behandlung koordiniert und die
nächsten Schritte mit den Betroffenen bespricht. Dafür brauchen die Teams
ausreichend Zeit für Beratung und eine gesicherte Finanzierung“, betont
Dr. med. Sandra Schlüter, Tagungspräsidentin und Vorstand der
Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie der DDG sowie Fachärztin für
Innere Medizin und Diabetologin in der Diabetespraxis Northeim,
Behandlungs- und Schulungszentrum Süd-Niedersachsen.
Wie neue Adipositasmedikamente vor Folgeerkrankungen schützen können und
wie Betroffene Zugang zu einer wirksamen Behandlung erhalten, erläutern
Expertinnen und Experten auf der Online-Vorab-Pressekonferenz am 3.
November 2026 von 11 bis 12 Uhr. Anlass ist die 20. Diabetes Herbsttagung,
die am 13. und 14. November in Dresden stattfindet.
Weitere Informationen:
Lincoff AM et al. Semaglutide and cardiovascular outcomes in obesity
without diabetes. N Engl J Med 2023; 389(24):2221–2232. doi:
10.1056/NEJMoa2307563. PMID: 37952131
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20. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Termin: 13. bis 14. November 2026
Ort: Messe Dresden
Anmeldung unter https://ddght.virtual-meeting.
Pressekonferenz im Vorfeld der Diabetes Herbsttagung 2026 (online)
„Diabetologie vernetzt denken: neue Wege für eine bessere Versorgung“
Termin: Dienstag, 3. November 2026, 11:00 bis 12:00 Uhr
Hier zur Online-Pressekonferenz anmelden:
https://events.teams.microsoft
43c4-80e3-a1703f0a789e@1495922
422448450fb1?source=copyLinkLe
Zum vollständigen Programm: https://www.ddg.info/pressekon
pressekonferenz-der-20-diabete
Kongress-Pressekonferenz der Diabetes Herbsttagung 2026 (hybrid)
„Diabetologie der Zukunft: KI nutzen, Teilhabe sichern, nachhaltig
handeln“
Termin: Freitag, 13. November 2026, 12:30 bis 13:30 Uhr
Ort: Festsaal in der Messe Dresden oder hier online:
https://us06web.zoom.us/webina
Nm9MiQw#/registration
Zum vollständigen Programm: https://www.ddg.info/pressekon
/kongress-pressekonferenz-der-
Weitere Informationen finden Sie im Pressebereich auf der DDG Website:
https://www.ddg.info/presseber
