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Vorhofflimmern: Wie kann man sich schützen?

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Auf natürliche Weise Vorhofflimmern vermeiden: Mit Sport und gesundem
Lebensstil Bluthochdruck und Übergewicht abbauen und das Risiko senken.
Intensiver Leistungssport kann in seltenen Fällen bei Männern die Gefahr
der Rhythmusstörung erhöhen
Kann man dem Störfeuer im Herzen, Vorhofflimmern, sprichwörtlich
davonlaufen: sich mit Hilfe eines gesunden Lebensstils vor dieser
Herzrhythmusstörung schützen oder eine bestehende Erkrankung positiv
beeinflussen?

Vorhofflimmern ist mit über 1,6 Millionen Betroffenen in
Deutschland eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbehandelt
zur lebensbedrohlichen Gefahr werden und zum Schlaganfall führen kann. Für
viele Betroffene geht sie mit belastenden Symptomen wie Herzstolpern,
einem unregelmäßigen und chaotischen Herzschlag bis in den Hals, Luftnot
oder Druckgefühl im Brustkorb einher. Doch es gibt wirksame Maßnahmen, mit
denen wir alle selbst etwas gegen die Erkrankung tun oder auf bereits
bestehendes Vorhofflimmern positiv einwirken können. „Vorhofflimmern
entwickelt sich über Jahre hinweg auf Grundlage verschiedener Ursachen.
Bei erblicher Veranlagung verstärken Bluthochdruck, Übergewicht und
übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko. Gäbe es diese schädlichen
Risikofaktoren in unserem Lande nicht, wäre Vorhofflimmern nur halb so
häufig“, betont Herzspezialist Prof. Dr. Heribert Schunkert,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung
anlässlich der bundesweiten Herzwochen.  Diese widmen sich in diesem Jahr
dem Motto „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern erkennen und handeln“ der
Volkskrankheit mit umfangreichen Patienteninformationen zu Risikovorsorge,
Diagnose und Therapie unter <https://herzstiftung.de/herzwochen>

Beeinflussbare Risikofaktoren minimieren, Begleiterkrankungen behandeln
Vorhofflimmern entwickelt sich meist schleichend und ist die Folge von
gefährlichen Umbauprozessen (atriales Remodeling) in den Vorhöfen des
Herzens. Verschiedene Lebensgewohnheiten und ihre Folgen wie Bluthochdruck
oder Übergewicht bringen aber Mehrarbeit, eine höhere Belastung für die
Vorhöfe mit sich. Das führt zu Umbauvorgängen, es kommt nach und nach zur
Erweiterung der Vorhöfe (Dilatation) und Verdickung der Vorhofwand;
Vernarbungen (Fibrose) und Veränderungen der Herzmuskelzellen sind die
Folge. „Insgesamt wirken sich diese Veränderungen negativ auf die
elektrische Erregungsausbreitung im Herzmuskel aus und können
Vorhofflimmern auslösen“, erklärt Schunkert, emeritierter Professor am TUM
Klinikum Deutsches Herzzentrum München, und betont: „Ein gesunder
Lebensstil ist ein sehr wirksamer Hebel, um diese nachteilige
Mehrbelastung und den unguten Umbau der Vorhöfe zu vermeiden.“ Ziel müsse
sein, die beeinflussbaren Risikofaktoren, allen voran Bluthochdruck,
Diabetes mellitus oder Übergewicht konsequent durch Lebensstilmaßnahmen –
wenn nötig zusätzlich medikamentös – zu minimieren. Bei bestehendem
Vorhofflimmern sind zusätzlich Begleiterkrankungen wie beispielsweise
Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzschwäche zu behandeln. „Allein schon
Blutdruck und Übergewicht in den Griff zu bekommen, sich regelmäßig
sportlich zu betätigen und wenig oder am besten keinen Alkohol zu trinken,
verdoppelt die Chance, das Vorhofflimmern wieder loszuwerden“, rechnet
Prof. Schunkert vor.

Risikofaktor Nr. 1: Bluthochdruck
Bluthochdruck ist der Top-Risikofaktor für Herzkrankheiten wie KHK,
Herzschwäche („Hochdruckherz“) sowie für Komplikationen wie Herzinfarkt
und Schlaganfall. Bluthochdruck ist auch der wichtigste beeinflussbare
Risikofaktor für Vorhofflimmern. Bei zirka 60 Prozent der Patienten mit
langjährigem Vorhofflimmern liegt Bluthochdruck vor. Dauerhaft erhöhter
Druck in den Gefäßen führt zu Veränderungen im Herzmuskel (Verdickung) und
zur Versteifung der Herzkammern, was den Druck auch in den Vorhöfen erhöht
und dort zu strukturellen Veränderungen führt. Entzündliche Prozesse
werden aktiviert und die Bildung von schädlichem Bindegewebe in den
Vorhöfen wird gefördert. „Das Zusammenspiel aus Vergrößerung der Vorhöfe,
Vernarbung und Veränderungen in der elektrischen Erregungsausbreitung im
Herzen sorgt dafür, dass sich Vorhofflimmern leichter entwickeln und
aufrechterhalten kann“, erklärt der Kardiologe und Hochdruckspezialist
Schunkert. „Indem man den Blutdruck konsequent auf normale Werte
einstellt, wirkt das nicht nur vorbeugend, sondern kann auch das
Fortschreiten bestehender Rhythmusstörungen verlangsamen“, erklärt der
Vize-Vorstandsvorsitzende der Herzstiftung. Auch Vorerkrankungen anderer
Organe wie eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), eine
chronische Nierenfunktionsstörung oder das Schlafapnoe-Syndrom begünstigen
das Auftreten von Vorhofflimmern.

Auch ein „Multi-Risikofaktor“: Übergewicht
Wer zu viel auf die Waage bringt, steigert sein Risiko für Vorhofflimmern
deutlich. Bei Übergewicht benötigt der Körper ein höheres
Herzminutenvolumen, auch Herzzeitvolumen genannt, das heißt, das Herz muss
pro Minute mehr Blut durch den Körper pumpen. Die Vorhöfe müssen für jeden
Herzschlag mehr Blut aufnehmen und werden deshalb größer. Zudem setzt das
bei Übergewicht vorhandene Fettgewebe in unmittelbarer Nähe des Herzens
und im Bauchraum entzündungsfördernde Stoffe frei, die die elektrische
Stabilität des Herzmuskels negativ beeinflussen. Auch ist Übergewicht
häufig mit einer Insulinresistenz verbunden, bei der die Zellen des
Körpers nicht mehr richtig auf das Hormon Insulin reagieren, wodurch die
entzündlichen Prozesse zusätzlich verstärkt werden. „Eine Abnahme bei
Übergewicht kann die Häufigkeit von Vorhofflimmern deutlich reduzieren“,
sagt Prof. Schunkert. „Denn Übergewicht steht als Ursache für
Bluthochdruck und Schlafapnoe mit weiteren wichtigen Risikofaktoren von
Vorhofflimmern in Verbindung.“ Unterstützend hierbei wirkt neben
regelmäßiger körperlicher Aktivität – nach längerer Sportabstinenz am
besten in Absprache mit dem Hausarzt – eine ausgewogene Ernährung
(Mittelmeerküche) mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie eher
wenig Salz und Zucker. Infos unter <https://herzstiftung.de/abnehmen-
herzpatient>

Der Präventionshebel gegen Vorhofflimmern: Sport und Ausdauerbewegung
Regelmäßige körperliche Bewegung ist einer der effektivsten Ansätze, um
Vorhofflimmern vorzubeugen. Das sehen Herzspezialisten auch so. „Die
positiven Effekte sind vielfältig: Regelmäßige körperliche Aktivität senkt
den Blutdruck, verbessert den Stoffwechsel und unterstützt die
Gewichtskontrolle. Darüber hinaus wirkt sie entzündungshemmend und
verbessert die Funktion der Blutgefäße“, so der stellvertretende
Herzstiftungs-Vorsitzende Schunkert. Auch Stressreaktionen werden
reduziert. „Zudem verbessert Bewegung die Pumpfunktion des Herzens und
entlastet die Vorhöfe.“
Bewegungsmuffel erhöhen hingegen ihr Risiko. „Ein inaktiver Lebensstil
ohne Sport erhöht das Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern um das
2,5-Fache – und das unabhängig vom Geschlecht“, bestätigt Dr. Dr. Jonas
Zacher, Kardiologe und Sportmediziner, der am Institut für
Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Sporthochschule Köln forscht.
„Regelmäßige moderate körperliche Aktivität senkt hingegen das Risiko,
Vorhofflimmern zu entwickeln: um ungefähr 10 Prozent bei Frauen und um
rund 20 Prozent bei Männern, im Vergleich zu körperlich inaktiven
Menschen.“ Optimal zum Schutz vor Vorhofflimmern erscheinen aus
Forschersicht ungefähr 1,5 bis 4 Stunden Ausdauertraining pro Woche. Dabei
sind sowohl moderates („laufen ohne zu schnaufen“) Training als auch
intensives („aus der Puste kommen“) Training mit positiven Effekten
verbunden. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt moderates Ausdauertraining
(z. B. Joggen/Walken, Radfahren) circa 30 Minuten mindestens 5-mal pro
Woche (= mindestens 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität).
Für Nichtleistungssportler ist die Gefahr, durch zu viel Sport das
Vorhofflimmerrisiko zu erhöhen, äußerst gering.
Aber Achtung: Studien zeigen, dass extrem intensiver Ausdauersport über
viele Jahre negative
Veränderungen in den Vorhöfen verursachen kann, Extremsport kann
Vorhofflimmern begünstigen. Bei Männern besteht möglicherweise ein
Zusammenhang zwischen extremem Ausdauertraining (mehr als acht Stunden pro
Woche) und einem langfristig etwas erhöhten Risiko für Vorhofflimmern.
„Selbst bei ambitionierten Ausdauersportlern mit sehr hohen
Trainingsumfängen überwiegen jedoch die Gesundheitsvorteile deutlich das
möglicherweise gesteigerte Vorhofflimmerrisiko“, betont Sportmediziner Dr.
Dr. Zacher. Auch Patienten, die bereits Vorhofflimmern haben oder hatten,
sollten Sport – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – auf jeden Fall in
ihren Alltag integrieren. „Studien zeigen, dass körperliches Training die
Häufigkeit von Wiederauftreten der Herzrhythmusstörung sowie die spürbaren
Symptome reduziert und die Lebensqualität insgesamt verbessert“, so Dr.
Dr. Zacher.

Alkohol und Rauchen begünstigen Vorhofflimmern – am besten verzichten!
Alkohol beeinflusst das Herz kurz- und langfristig. Alkohol verändert die
elektrische Stabilität der Herzmuskelzellen und aktiviert das autonome
Nervensystem, das die unwillkürlichen Körperfunktionen wie Herzschlag,
Atmung, Verdauung und Blutdruck steuert, wodurch Vorhofflimmern begünstigt
wird. „Bereits einzelne Episoden mit höherem Alkoholkonsum können
Vorhofflimmern auslösen – das sogenannte Holiday-Heart-Syndrom. Bei
empfindlichen Personen können sogar moderate Mengen ausreichen, um
Rhythmusstörungen zu provozieren“, warnt Prof. Schunkert und betont: „Eine
risikofreie oder risikoarme Alkoholmenge gibt es nicht.“ Die aktuellen
medizinischen Leitlinien empfehlen daher, nur wenig Alkohol zu trinken
oder ganz darauf zu verzichten. Schon geringe Mengen können sich ungünstig
auf das Auftreten und den Verlauf von Vorhofflimmern auswirken. Als
Grenzwert für einen risikoarmen Konsum gelten pro Tag für Männer maximal
20 g reinen Alkohols, für Frauen 10 g bei mindestens zwei alkoholfreien
Tagen pro Woche (zur Orientierung: 0,5 l Bier oder 0,2 l Wein enthalten
circa 20 g Alkohol). Studien zeigen, dass schon ein kurzfristiger Verzicht
die Anzahl von Vorhofflimmerepisoden reduzieren kann. Infos:
<https://herzstiftung.de/podcast-holiday-heart-syndrom>
„Auch Rauchen begünstigt das Auftreten von Vorhofflimmern, indem es
schädliche Umbauprozesse in den Vorhöfen fördert, insbesondere durch
Vernarbungen“, erklärt Schunkert. Es kommt zu vermehrten Entzündungen, was
die Bildung von schädlichem Bindegewebe in den Vorhöfen fördert.
Gleichzeitig schadet Nikotinkonsum der elektrischen Stabilität der
Herzmuskelzellen, was Rhythmusstörungen leichter entstehen lässt. Auch
Vapen muss als gefährlich angesehen werden. „Grundsätzlich erhöht Rauchen
auch das Risiko für eine koronare Herzkrankheit. Die dadurch gestörte
Durchblutung des Herzens beeinträchtigt die elektrische Stabilität der
Vorhöfe ebenfalls“, erklärt Schunkert. Der Verzicht aufs Rauchen reduziere
zudem das Risiko für Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und auch
das Blutungsrisiko unter einer Therapie mit Gerinnungshemmern.

(wi)

Quellen

Schunkert, H., Kantenwein, V., „Gesund leben im richtigen Takt“, in:
Deutsche Herzstiftung (Hg.), „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern erkennen
und handeln“, (Begleitbroschüre zu den Herzwochen 2026), Frankfurt am Main
Nov. 2026.

Zacher, J., „Sport schützt!“, in: Deutsche Herzstiftung (Hg.), „Herz aus
dem Takt: Vorhofflimmern erkennen und handeln“, (Begleitbroschüre zu den
Herzwochen 2026), Frankfurt am Main Nov. 2026.

Chung, M. K. et al. (2020): Lifestyle and Risk Factor Modification for
Reduction of Atrial Fibrillation: A Scientific Statement From the American
Heart Association.doi: 10.1161/CIR.0000000000000748

Buckley, B. et al. (2025): Exercise based cardiac rehabilitation for
atrial fibrillation: Cochrane systematic review, meta-analysis, meta-
regression and trial sequential analysis. doi: 10.1136/
bjsports-2024-109149

Tipp: Broschüre „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern erkennen und handeln“
Die Herzwochen-Begleitbroschüre „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern
erkennen und handeln“ der Deutschen Herzstiftung informiert über neueste
Erkenntnisse zu Risikovorsorge, Ursachen, Diagnose und Therapie von
Vorhofflimmern. Die 110-seitige Broschüre kann kostenfrei
per Tel. 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestellung
(E-Mail
: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden. Infos zu
Vorhofflimmern unter <https://herzstiftung.de/herzwochen> und
https://herzstiftung.de/vorhofflimmern

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema
Vorhofflimmern:
<https://herzstiftung.de/herzwochen>
<https://herzstiftung.de/vorhofflimmern>
<https://herzstiftung.de/smartwatches-herzpatienten>
<https://herzstiftung.de/pulseday>

Podcasts zum Thema Vorhofflimmern begleitend zu den Herzwochen mit einer
neuen Folge pro Woche gibt es unter <https://herzstiftung.de/podcasts>

Die Patientenleitlinie „Vorhofflimmern: Verstehen, behandeln, mitwirken“
der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
(DGK) ist abrufbar unter
<https://herzstiftung.de/patientenleitlinie-vorhofflimmern>

Service für Medien: Die vollständige Pressemappe zu den Herzwochen 2026
mit Text- und Bildmaterial erhalten Sie direkt im Pressebereich unter
<https://herzstiftung.de/herzwochen-pressemappe> (oder bei der
Pressestelle unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>).

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Formulierung der weiblichen Form zumeist verzichtet. Wir möchten darauf
hinweisen, dass die Verwendung der männlichen Form explizit als
geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.