Gefahr durch Schlaganfall und Herzschwäche bei Vorhofflimmern: Was tun?
Herzwochen: Vorhofflimmern erhöht Risiko für ernste Komplikationen wie
Schlaganfall und Herzschwäche. Herzstiftungs-Experten zeigen auf, wie
insbesondere Medikamente und der Abbau von Risikofaktoren die Gefährdung
minimieren und welche Warnzeichen für Schlaganfall und Herzschwäche jeder
kennen sollte
Vorhofflimmern ist eine tückische Volkskrankheit. Manche Patienten
versetzt der unregelmäßige Herzschlag in Panik, manche verspüren
Schwindel, Luftnot oder Druck in der Brust. Bei anderen Betroffenen –
Schätzungen gehen von bis zu 50 Prozent der über 1,6 Millionen Patienten
mit Vorhofflimmern in Deutschland aus – tritt Vorhofflimmern ohne
Beschwerden oder mit kaum merklichen Symptomen auf. „Bleibt Vorhofflimmern
aufgrund ausbleibender Symptome unbemerkt oder unbehandelt, ist das
lebensbedrohlich. Denn Vorhofflimmern begünstigt die Bildung von
Blutgerinnseln im Herzen. Werden diese mit dem Blutstrom ins Gehirn
gespült und verschließen dort ein Gefäß, kommt es zu einem Schlaganfall –
viele dieser Hirninfarkte enden mit dauerhaften Schäden oder gar tödlich“,
warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender
der Deutschen Herzstiftung. 20 bis 30 Prozent aller ischämischen
Schlaganfälle in Deutschland werden durch Vorhofflimmern verursacht. „Aber
Vorhofflimmern geht auch mit einem erhöhten Risiko für weitere
Komplikationen einher, allen voran Herzschwäche. Darüber hinaus kann diese
Herzrhythmusstörung zu einer eingeschränkten Nierenfunktion und einer
Verschlechterung der geistigen Leistung führen“, so der Herzstiftungs-
Vorsitzende Prof. Voigtländer anlässlich der bundesweiten Herzwochen.
Diese widmen sich in diesem Jahr dem Motto „Herz aus dem Takt:
Vorhofflimmern erkennen und handeln“ der Volkskrankheit mit umfangreichen
Patienteninformationen zu Risikovorsorge, Diagnose und Therapie unter
<https://herzstiftung.de/herzw
Neben einer blutverdünnenden Therapie zum Schutz vor Schlaganfällen gilt
es in den meisten Fällen, den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) zu
stabilisieren und ein erneutes Auftreten von Vorhofflimmern zu verhindern
oder die Häufigkeit und Dauer der Vorhofflimmerepisoden zu reduzieren. „Um
dieses Ziel zu erreichen, stehen im Wesentlichen eine medikamentöse
Therapie, eine Katheterablation oder eine Kombination aus beidem zur
Verfügung“, so der Frankfurter Herzspezialist.
Erhöhtes Schlaganfallrisiko: Was kann man dagegen tun?
Bei Vorhofflimmern werden die Vorhöfe des Herzens nicht regelmäßig erregt,
wodurch das Blut nicht zügig durch die Vorhöfe gepumpt wird. „Das Blut
kann sich in den Vorhöfen stauen und bei verringerter Geschwindigkeit des
Blutflusses können sich Gerinnsel bilden. Löst sich das Gerinnsel, gelangt
es über die Herzkammer und die Blutgefäße auf direktem Weg ins Gehirn.
Dort verstopft es Arterien und unterbricht die Sauerstoffversorgung in den
dahinterliegenden Bereichen: ein ischämischer Schlaganfall“, erläutert
Professorin Dr. Renate Schnabel im Expertenbeitrag im Herzwochen-Ratgeber
„Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern erkennen und handeln“. Die
Herzstiftungs-Expertin ist stellvertretende Direktorin der Klinik und
Poliklinik für Kardiologie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg
(UKE). Der ischämische Schlaganfall macht 80 bis 85 Prozent aller
Schlaganfälle aus. Hingegen sprechen Mediziner von einem hämorrhagischen
Schlaganfall, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und es zur Einblutung
kommt. „Der ischämische Schlaganfall ist die größte Gefahr, die vom
Vorhofflimmern ausgeht. Daher ist die frühe Diagnose und umgehende
Behandlung dieser häufigsten Rhythmusstörung so wichtig“, betont der
Frankfurter Kardiologe und Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer.
Vor allem ältere Patienten über 65 Jahre, bei denen gehäuft Herz-
Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit (KHK)
sowie Diabetes mellitus auftreten, haben ein hohes Risiko, Vorhofflimmern
zu bekommen und sollten sich regelmäßig daraufhin untersuchen lassen und
ihren Puls regelmäßig selbst durch Tasten am Handgelenk oder mit Hilfe
eines Wearables oder einer Smartwatch messen. „Ist der Puls unregelmäßig
oder liegt er in Ruhe über 100 Schläge pro Minute, sollte man zeitnah
seinen Arzt aufsuchen, um klären zu lassen, ob Vorhofflimmern vorliegt“,
so Voigtländer. Infos unter <https://herzstiftung.de/pulse
Schlaganfall-Warnzeichen rechtzeitig erkennen: Jede Minute zählt!
Kommt es zum Schlaganfall zählt für die betroffene Person jetzt jede
Minute. „Klassische Symptome bei einem Schlaganfall sind plötzlich
auftretende Sprachstörungen wie verwaschene Sprache und
Wortfindungsstörungen, Lähmungen wie ein hängender Mundwinkel oder
Schwäche auf einer Körperseite, Sehstörungen, beispielsweise Doppeltsehen,
starker Schwindel oder plötzliche, heftige Kopfschmerzen“, erläutert die
UKE-Kardiologin und Herzstiftungs-Expertin Prof. Schnabel. „Wer ein
Schlaganfall-Symptom bei sich oder einer anderen Person bemerkt, sollte
sofort den Rettungsdienst durch Wählen des Notrufs 112 alarmieren.“ Auch
mit dem sogenannten BEFAST-Test (engl. be fast = schnell sein) unter
<https://herzstiftung.de/befas
dringende Verdacht auf einen Schlaganfall besteht (siehe
Zusatzinformation).
Achtung: Nicht immer kommt der Schlaganfall aus heiterem Himmel. „Ein
Warnzeichen für eine Durchblutungsstörung im Gehirn können kurzanhaltende
Symptome eines Schlaganfalls sein, die spontan wieder verschwinden:
transitorische ischämische Attacke, kurz TIA genannt. Sie können bei
Vorhofflimmern auftreten“, erklärt Prof. Schnabel. Anzeichen einer TIA
sollte jeder Herzpatient kennen. Ihr Auftreten ist stets als Notfall wie
ein echter Schlaganfall zu werten und es sollte sofort der Notruf 112
gewählt werden. Tipps, wie sich Herzpatienten vor einem Schlaganfall
schützen, sind nachzulesen in der Herzwochen-Begleitbroschüre „Herz aus
dem Takt: Vorhofflimmern erkennen und handeln“, anzufordern unter
<https://herzstiftung.de/herzw
Der beste Schutz: Auch Begleiterkrankungen konsequent behandeln
Wichtigste erste Maßnahme nach der Diagnose Vorhofflimmern ist die
Behandlung mit einem gerinnungshemmenden Medikament („Blutverdünner“).
Heute werden bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern in erster Linie die
direkten oralen Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien), abgekürzt DOAK,
verordnet: Dabigatran, Apixaban, Edoxaban oder Rivaroxaban. „Für nahezu
alle Patienten mit Vorhofflimmern sind die DOAK mittlerweile als
einfachere und sicherere Tablettenbehandlung zur Blutgerinnungshemmung
etabliert“, bestätigt der Hamburger Kardiologe PD Dr. Gerian Grönefeld vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Nur noch wenige
Patienten benötigen die Vitamin-K-Antagonisten aus der Wirkstoffgruppe der
Cumarine wie Phenprocoumon (Handelsname: Marcumar oder Falithrom).
„Diese vorbeugende Therapie wird allerdings nicht per se jedem Patienten
mit Vorhofflimmern verordnet, sondern auf Grundlage des individuellen
Schlaganfallrisikos der betroffenen Person“, erklärt Dr. Grönefeld. Dieses
wird mit Hilfe einer Zählskala, dem CHA2DS2-VA-Score, bestimmt. Ab zwei
Punkten wird zu einer Therapie mit oralen Gerinnungshemmern geraten.
Risikorelevante Punkte sind: Chronische Herzinsuffizienz (1 Punkt),
Bluthochdruck (1 Punkt), fortgeschrittenes Alter: 75 Jahre oder älter (2
Punkte), Diabetes mellitus (1 Punkt), Früherer Schlaganfall, TIA oder
arterielle Thromboembolie (2 Punkte), Durchblutungsstörung (1 Punkt) und
fortgeschrittenes Alter: 65 bis 74 Jahre (1 Punkt). Neben der Einnahme
gerinnungshemmender Medikamente ist es ebenso wichtig, die Grund- oder
Begleiterkrankung der Vorhofflimmerpatienten konsequent zu behandeln.
Neben Bluthochdruck fallen darunter insbesondere die KHK,
Herzklappenerkrankungen, Herzschwäche, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion,
COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), das Schlafapnoesyndrom und
Fettleibigkeit/Übergewicht.
Ganz wichtig: Selbst aktiv werden! Neben der Gabe von Medikamenten können
Patienten mit Vorhofflimmern auch selbst einiges tun, um einem
Schlaganfall vorzubeugen – vor allem durch eine ausgewogene Ernährung und
ein gesundes Maß an Bewegung. Vermeiden sollten Betroffene hingegen
Rauchen, Alkoholkonsum, Schlafmangel und Stress.
Herzschwäche neben Schlaganfall schwerwiegendste Komplikation
Vorhofflimmern und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) treten häufig zusammen
auf. Mehr als ein Drittel der Patienten mit Vorhofflimmern entwickeln
langfristig eine Herzinsuffizienz und umgekehrt. Von Herzinsuffizienz sind
in Deutschland über drei Millionen Menschen betroffen. Dass es bei
Vorhofflimmern zu einer Herzschwäche kommen kann, hat unterschiedliche
Ursachen. Der oft schnelle und unregelmäßige Herzschlag bei Vorhofflimmern
ist einer der Faktoren, der zu Herzinsuffizienz führen kann. „Eine hohe
Herzfrequenz verkürzt die Füllungszeit der Herzkammern und jeder
Herzschlag wird weniger effektiv in seiner Auswurfleistung, er kann also
weniger Blut in den Körper pumpen“, erklärt Prof. Schnabel. Zusätzlich
komme es bei Vorhofflimmern zu einer vorübergehenden oder dauerhaften
Stressreaktion des Körpers und zu Entzündungsprozessen, die den Herzmuskel
schädigen. „Auf Dauer führt dieser Zustand zu einem Umbau des gesunden
Herzgewebes: Der Vorhof vergrößert sich, das Gewebe vernarbt, die
Rhythmusstörung verstetigt sich, was zu einer Verschlechterung der
Herzfunktion führt.“ Typische Symptome einer Herzinsuffizienz ähneln denen
bei Vorhofflimmern: beispielsweise Müdigkeit, Leistungsminderung und
Atemnot. Zudem können Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und
Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge Zeichen einer Herzschwäche sein.
Infos unter <https://herzstiftung.de/herzi
Therapie nimmt gezielt beide Erkrankungen und Risikofaktoren in den Fokus
Das gemeinsame Auftreten von Vorhofflimmern und Herzschwäche
verschlechtert die Prognose von Vorhofflimmern, führt zu einer stärkeren
Einschränkung der Lebensqualität und zu mehr Krankenhausaufenthalten. Auch
ist die Herzinsuffizienz bei Patienten mit Vorhofflimmern eine der
häufigsten Todesursachen. „Tritt eine Herzschwäche in Verbindung mit
Vorhofflimmern auf, kommt es bei der Therapie sehr auf einen individuell
abgestimmten Behandlungsplan an: Insbesondere die zugrundeliegenden
Erkrankungen und Risikofaktoren sind zu berücksichtigen und die beiden
Herzerkrankungen müssen gezielt behandelt werden“, erklärt Prof. Schnabel.
Vorhofflimmern und Herzschwäche hängen von Risikofaktoren wie hohem Alter,
Bluthochdruck, KHK und Diabetes ab.
Beispiel Bluthochdruck: Bluthochdruck ist der wichtigste beeinflussbare
Risikofaktor für Vorhofflimmern. Bei ca. 60 Prozent der Patienten mit
langjährigem Vorhofflimmern liegt Bluthochdruck vor. Eine Erweiterung des
linken Vorhofs ist ein erstes Zeichen dafür, dass das Herz durch den
dauerhaft erhöhten Blutdruck bereits geschädigt ist. Auch führt der
dauerhaft erhöhte Druck langfristig dazu, dass der Herzmuskel dicker und
die Herzkammern steifer werden. „Patienten mit Bluthochdruck sollten daher
ihren Blutdruck und Puls regelmäßig messen und therapeutisch gut
eingestellt sein, um ihr Risiko für Vorhofflimmern und das damit
verbundene Komplikationsrisiko für Schlaganfall und Herzschwäche zu
minimieren“, rät Kardiologe Prof. Voigtländer.
(wi)
Zusatzinformation
Schlaganfall erkennen und mit dem BEFAST-Test richtig handeln
B (Balance) – Gleichgewicht: Bitten Sie die betroffene Person, auf einer
Linie zu gehen oder kurz auf einem Bein zu stehen. Fällt auf, dass das
Gleichgewicht gestört ist, etwa durch Schwanken, eine Links- oder
Rechtsneigung beim Gehen? Auch plötzlicher starker Schwindel kann ein
Warnzeichen sein.
E (Eyes) – Augen: Sieht die betroffene Person plötzlich schlechter: zum
Beispiel doppelt, verschwommen, eingeschränkt oder nur noch auf einem
Auge? Die Ursache plötzlich auftretender Sehstörungen liegt bei einem
Schlaganfall in einer gestörten Verarbeitung von visuellen Informationen
im Gehirn oder einer Lähmung der Augenmuskeln. Die Augen selbst sind
intakt.
F (Face) – Gesicht: Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Sieht das
Gesicht asymmetrisch aus? Hängt ein Mundwinkel herab? Der Schlaganfall
kann die Gesichtsmuskeln beeinträchtigen.
A (Arms) – Arme: Kann die betroffene Person beide Arme gleichzeitig nach
vorne heben und die Handflächen nach oben drehen? Sinkt ein Arm herab,
dreht er sich weg oder hängt ein Arm tiefer, kann das auf eine Lähmung
oder Koordinationsstörung hinweisen.
S (Speech) – Sprache: Lassen Sie die betroffene Person einen einfachen
Satz nachsprechen. Kann sie die Worte korrekt wiederholen? Klingt die
Sprache undeutlich oder verwaschen? Auch Wortfindungsstörungen, fehlende
Sprachproduktion oder Verwirrtheit können Warnzeichen sein. Der
Schlaganfall kann das Sprachzentrum im Gehirn stören.
T (Time) – Zeit: Hat ein Mensch mit einer dieser Aufgaben Probleme, wählen
Sie sofort den Notruf 112. Teilen Sie der Leitstelle den Verdacht auf
einen Schlaganfall mit, damit schnell die richtige Hilfe eingeleitet
werden kann.
Link zur Seite: https://herzstiftung.de/befast
Tipp: Broschüre „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern und erkennen und
handeln“
Die Herzwochen-Begleitbroschüre „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern und
erkennen und handeln“ der Deutschen Herzstiftung informiert über neueste
Erkenntnisse zu Risikovorsorge, Ursachen, Diagnose und Therapie von
Vorhofflimmern. Die 110-seitige Broschüre kann kostenfrei
per Tel. 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestel
(E-Mail
Vorhofflimmern unter https://herzstiftung.de/herzwo
https://herzstiftung.de/vorhof
Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema
Vorhofflimmern:
<https://herzstiftung.de/herzw
<https://herzstiftung.de/vorho
<https://herzstiftung.de/schla
<https://herzstiftung.de/smart
<https://herzstiftung.de/pulse
Podcasts zum Thema Vorhofflimmern begleitend zu den Herzwochen mit einer
neuen Folge pro Woche gibt es unter: <https://herzstiftung.de/podca
Die Patientenleitlinie „Vorhofflimmern: Verstehen, behandeln, mitwirken“
der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
(DGK) ist abrufbar unter <https://herzstiftung.de/patie
vorhofflimmern>
Service für Medien: Die vollständige Pressemappe zu den Herzwochen 2026
mit Text- und Bildmaterial erhalten Sie direkt im Pressebereich unter
<https://herzstiftung.de/herzw
Pressestelle unter <
Gendern: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die zusätzliche
Formulierung der weiblichen Form zumeist verzichtet. Wir möchten darauf
hinweisen, dass die Verwendung der männlichen Form explizit als
geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.
