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Grippeschutz ist Sepsisschutz – wenn aus einer Grippe ein lebensbedrohlicher Notfall wird

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Grippe betrifft nicht nur die Atemwege. Sie kann in den medizinischen
Notfall Sepsis übergehen. Zum Beginn der Grippesaison macht die Sepsis-
Stiftung auf diesen Zusammenhang aufmerksam und ruft zur Wahrnehmung der
empfohlenen Schutzimpfungen auf.

Berlin, 8. Oktober 2026. Fieber, Husten, einige Tage im Bett: So stellen
sich viele Menschen eine Grippe vor. Dass ein lebensbedrohlicher
Grippeverlauf häufig auf eine Sepsis zurückgeht, ist weit weniger bekannt.
Die potentielle Gefährlichkeit von Influenza wird häufig noch immer
unterschätzt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Sepsis als
die gemeinsame Endstrecke der meisten tödlich verlaufenden Infektionen –
auch der Influenza.

Eine Sepsis entsteht, wenn der Abwehrkampf des Körpers gegen eine
Infektion eigene Gewebe und Organe schädigt. Unbehandelt führt Sepsis
meistens innerhalb kürzester Zeit zu Multiorganversagen, Schock und Tod.

„Eine schwere Influenza bleibt nicht auf eine primäre Infektion der
Atemwege beschränkt, sondern kann durch das Eindringen von Viren in die
Blutbahn zu einer viralen Sepsis/‚Blutvergiftung‘ führen. Durch
Schädigungen der Schleimhäute begünstigt eine Influenza außerdem auch
bakterielle Superinfektionen, z. B. durch Pneumokokken oder Staphylokokken
und muss dann zusätzlich durch Antibiotika behandelt werden“, erklärt
Gründungspräsident der Sepsis-Stiftung Prof. Konrad Reinhart und betont:
„Die in Deutschland im internationalen Vergleich viel zu niedrigen
Impfraten gegen Grippe und Pneumokokken tragen zur überhöhten
Sepsissterblichkeit in Deutschland bei.“

Grippewellen fordern Tausende Menschenleben
„Während der COVID-19-Pandemie 2020/2021 und 2021/2022 fiel die
Grippewelle aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen nahezu komplett aus.
Das verdeutlicht die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen“, betont die
Hausärztin und Vorstandsmitglied der Sepsis-Stiftung Dr. Irmgard Landgraf.
„Aus diesem Grund kann ich in meiner Praxis nahezu alle Patientinnen und
Patienten, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, von der Schutzwirkung
von Impfen überzeugen“, so Dr. Landgraf weiter.

Die Zahl der Todesfälle schwankt erheblich. Als Orientierungswert für
durchschnittliche Grippewellen werden in Deutschland jährlich etwa 3.000
bis 10.000 Todesfälle angegeben.  Für 1968/1969 („Hongkong-Grippe“) werden
bis zu 40.000 Todesfälle in Deutschland geschätzt, für 1995/1996 etwa
30.000 und für 2014/2015 rund 21.300. Die Grippewelle 2017/2018, die
stärkste der letzten Jahrzehnte, forderte schätzungsweise 25.100
Menschenleben. Für 2022/2023, eine starke Welle nach der Pandemie, werden
etwa 9.300 Todesfälle angegeben. Demgegenüber ergab die Schätzung für
2013/2014 nahezu keine Übersterblichkeit.

Überleben bedeutet oft nicht vollständige Genesung
Viele Überlebende schwerer Grippe-Erkrankungen leiden unter langfristigen
Organschäden, kognitiven Beeinträchtigungen, chronischer Fatigue,
kardiovaskulären Folgeschäden sowie einer deutlich erhöhten Reinfektions-
und Sterblichkeitsrate in den Monaten nach dem Klinikaufenthalt.

„Die oft als Long Flu oder Long COVID bezeichneten Beschwerden
überschneiden sich stark mit den Folgen einer Sepsis, dem Post-Sepsis-
Syndrom“, ergänzt Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Bernd Böttiger, ML,
Vorstandsvorsitzender der Sepsis-Stiftung. „In Deutschland sterben
jährlich etwa 140.000 Menschen an Sepsis. Von den rund 360.000
Überlebenden leiden etwa 75 Prozent unter teils schweren Langzeitfolgen.“

Vorbeugen, bevor aus einer Grippe eine Sepsis wird
Die Grippeschutzimpfung senkt das Risiko einer Influenza-Erkrankung und
schwerer Verläufe. Damit ist sie ein wichtiger Teil der Sepsisprävention.
Die Sepsis-Stiftung ruft dazu auf, die Impfempfehlungen der Ständigen
Impfkommission wahrzunehmen. Wo eine Pneumokokken-Impfung empfohlen ist,
gehört auch sie zur Vorsorge.