Rheuma kann auch aufs Herz gehen – DGRh rät Betroffenen, ihr Herz- Kreislauf-Risiko frühzeitig ärztlich abzuklären
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können nicht nur Gelenke, sondern
auch Organe wie das Herz und die Gefäße belasten. Zum Welt-Rheuma-Tag am
12. Oktober rät die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische
Immunologie e. V. (DGRh) Betroffenen, ihr persönliches Herz-Kreislauf-
Risiko frühzeitig ärztlich prüfen zu lassen. Grundlage ist die
S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-
rheumatischer Erkrankungen“.
Sie empfiehlt, bestehende Risikofaktoren
strukturiert zu erfassen und konsequent zu behandeln.
Die Pressemitteilung finden Sie auch auf der Website:
https://www.dgrh.de/pressemitt
In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Erwachsene mit einer entzündlich-
rheumatischen Erkrankung. Häufig sind rheumatoide Arthritis (RA) und
Spondyloarthritiden mit jeweils etwa 700 000 Betroffenen. Was viele nicht
wissen: Neben den klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte
Blutfette, Diabetes, Rauchen oder Übergewicht kann die rheumatische
Entzündung selbst das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen.
Wie deutlich dieses Risiko ausfallen kann, zeigt die Leitlinie an mehreren
Beispielen: Für Menschen mit rheumatoider Arthritis wird etwa ein um rund
40 Prozent erhöhtes Herzinfarktrisiko berichtet, bei Spondyloarthritiden
liegt es je nach Auswertung um 21 bis 51 Prozent höher. Auswertungen
beschreiben zudem ein moderat erhöhtes Schlaganfallrisiko.
Risiken kennen, regelmäßig prüfen lassen
„Wer eine entzündlich-rheumatische Erkrankung behandelt, muss Herz und
Gefäße von Anfang an mitdenken“, sagt Prof. Dr. med. Jan Leipe,
Leitlinienkoordinator der DGRh und leitender Rheumatologe am
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. „Die Leitlinie macht
deutlich: Entscheidend ist nicht ein einzelner Laborwert, sondern das
gesamte Risikoprofil.“ Übliche Risikorechner berücksichtigen die
klassischen Risikofaktoren und könnten deshalb das Risiko bei Menschen mit
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unterschätzen. Deshalb sei eine
ärztliche Einschätzung besonders wichtig, die Rheuma mitdenkt, so Leipe.
Was Betroffene selbst ansprechen können
Für Betroffene heißt das: Beim nächsten Termin in der rheumatologischen
oder hausärztlichen Praxis lohnt sich die Frage, wie hoch das eigene Herz-
Kreislauf-Risiko ist – und was sich konkret dagegen tun lässt. Dazu
gehören regelmäßige Blutdruckkontrollen, die Bestimmung der Blutfette und
gegebenenfalls der Blutzuckerwerte, ein Rauchstopp, Bewegung,
Gewichtsreduktion bei Übergewicht und eine gute Einstellung der
entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Auch Beschwerden wie Brustschmerzen,
Luftnot, Herzstolpern oder Beinschmerzen beim Gehen sollten ärztlich
abgeklärt werden.
Therapie und Vorsorge zusammendenken
„Herzvorsorge beginnt, bevor das Herz Probleme macht“, betont auch PD Dr.
med. Fabian Proft, Rheumatologe und Leitlinienkoordinator der DGRh.
„Patientinnen und Patienten gewinnen, wenn Risiken frühzeitig erkannt
werden.“ Die Leitlinie setzt dafür auf eine kombinierte Strategie: Die
rheumatische Entzündung soll möglichst gut kontrolliert, klassische
Risikofaktoren sollen regelmäßig überprüft und behandelt werden. Bei
Beschwerden oder Befunden, die auf Herz- oder Gefäßprobleme hindeuten,
empfiehlt sie gezielte weiterführende Untersuchungen.
Auch antirheumatische Medikamente bewertet die Leitlinie mit Blick auf
Herz und Gefäße. Kortisonpräparate und entzündungshemmende Schmerzmittel
sollten niedrig dosiert und nur so kurz wie nötig eingesetzt werden.
Patientinnen und Patienten sollten Medikamente aber nicht eigenständig
absetzen, sondern die passende Therapie gemeinsam mit ihrer Ärztin oder
ihrem Arzt besprechen.
Leitlinien bringen Wissen in die Versorgung
Damit solche Empfehlungen im Versorgungsalltag ankommen, erarbeitet die
DGRh medizinische Leitlinien und bringt Fachwissen aus der Rheumatologie
zusammen. „Leitlinienarbeit ist eine der Hauptaufgaben der DGRh“, sagt
Professorin Dr. med. Ina Kötter, Präsidentin der DGRh, Leiterin der
Sektion Rheumatologie der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie Direktorin der Klinik für
Rheumatologie und Immunologie am Klinikum Bad Bramstedt. „Sie übersetzt
wissenschaftliche Evidenz für den Versorgungsalltag, gibt Ärztinnen und
Ärzten Orientierung und befähigt Patientinnen und Patienten, fundierte
Fragen zu stellen. Diese wichtige Arbeit wird von vielen Expertinnen und
Experten der DGRh ehrenamtlich getragen.“
Bei Abdruck Beleg erbeten.
Rheuma und Herz: 7 Fragen für den nächsten Arzttermin
1. Wie hoch ist mein persönliches Herz-Kreislauf-Risiko?
2. Liegen die Werte für Blutdruck, Blutfette und Blutzucker im
Normbereich?
3. Ist meine entzündlich-rheumatische Entzündung gut genug
eingestellt?
4. Was kann ich selbst tun – etwa in Bezug auf Bewegung,
Gewichtsreduktion oder Rauchstopp?
5. Gibt es Warnzeichen, bei denen Herz oder Gefäße untersucht werden
sollten?
6. Beeinflussen meine Medikamente mein Herz-Kreislauf-Risiko?
7. Wer koordiniert meine Vorsorge: Rheumatologie, Hausarztpraxis oder
Kardiologie?
Literatur:
Literatur: S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten
entzündlich-rheumatischer Erkrankungen“, AWMF-Register Nr. 060-010.
Link zur AWMF: https://register.awmf.org/de/l
