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Gerontologie-Nachwuchspreis: Vera Gallistl für innovative Forschung zu Alter(n), KI und Hochaltrigkeit ausgezeichnet

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Der mit 2.500 Euro dotierte Margret- und Paul-Baltes-Preis der Deutschen
Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) geht 2026 an Dr. Vera
Gallistl vom Kompetenzzentrum Gerontologie und Gesundheitsforschung der
Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems/Österreich. Die
Assistenzprofessorin verbindet innovative Forschung zu Alter(n) im Kontext
aktueller, gesellschaftlicher Transformationen – wie Künstliche
Intelligenz, De-Industrialisierung und Klimawandel – mit internationaler
Vernetzung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und besonderem Engagement
für den wissenschaftlichen Nachwuchs.



Die Auszeichnung wurde ihr nun im Rahmen des gemeinsamen Jahreskongresses
der DGGG und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Frankfurt
am Main überreicht.

„Vera Gallistl steht beispielhaft für eine junge Gerontologie, die
wissenschaftlich anspruchsvoll, gesellschaftlich relevant und
interdisziplinär ausgerichtet ist“, betonte DGGG-Präsident Dr. Hans-Werner
Wahl bei der Preisverleihung. „Sie greift Fragen auf, die unsere
Gesellschaft heute und in Zukunft beschäftigen – von Künstlicher
Intelligenz über Klimawandel und De-Industrialisierung bis hin zur
zunehmenden Hochaltrigkeit – und macht sichtbar, welche Bedeutung diese
Entwicklungen für ältere Menschen haben. Mit ihrem Engagement in
Forschung, Lehre, Wissenschaftsorganisation und Gesellschaft verkörpert
Vera Gallistl in besonderer Weise den Geist von Margret und Paul Baltes.“

Alter(n) neu denken: Forschung an gesellschaftlichen Zukünften und
Widersprüchen

Gallistls Weg in der verhaltens- und sozialwissenschaftlichen Gerontologie
beginnt früh: Bereits während ihres Studiums beschäftigte sie sich etwa
mit gemeinschaftlichen Wohnformen oder dem Ausgleich von
Bildungsungleichheit im späteren Leben. In ihrer mit dem so:wi Doc Preis
der Universität Wien ausgezeichneten Dissertation entwickelte sie Ansätze
des „Doing Age“ weiter und untersuchte, wie Alter im kulturellen Feld
hergestellt und erlebt wird. Seit ihrem Wechsel vom Institut für
Soziologie der Universität Wien zum Kompetenzzentrum für Gerontologie an
der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems hat sie in den vergangenen
sechs Jahren neun Projekte eingeworben und eine hochkompetente
Forschungsgruppe für internationale gerontologische Projekte aufgebaut und
geleitet. „Gerontologie kann gesellschaftliche Veränderungen nicht nur
beobachten. Sie muss sich aktiv in die Debatten über unterschiedliche
gesellschaftliche Zukünfte einbringen und Stellung beziehen“, sagt
Gallistl. „Mich interessiert deshalb besonders, was Alter(n) an der
Schnittstelle zu gesellschaftlichen Transformationen wie die Entwicklung
hin zur Künstliche Intelligenz oder der Klimawandel für ältere Menschen
bedeuten und wie wir diese Transformationen aus gerontologischer
Perspektive kritisch und konstruktiv mitgestalten können.“

Künstliche Intelligenz und Hundertjährigkeit im Fokus

Beispielsweise im Projekt ALGOCARE untersuchte ihr Team frühzeitig die
Perspektiven älterer Menschen auf KI. Gemeinsam mit internationalen
Kollegen entwickelte und publizierte Gallistl zudem das Konzept einer
„Political Economy of Ageing and AI“. Seit 2026 leitet sie den
österreichischen Teil des Marie-Skłodowska-Curie-Doktorandennetzwerks
Digi4Age, das die Rolle älterer Menschen in der Entwicklung Künstlicher
Intelligenz untersucht. Im Projekt CLARA entwickelte ihr Team einen
praxistheoretischen Zugang zur Hundertjährigkeit und bezog Menschen über
100 Jahre aktiv und partizipativ in den Forschungsprozess ein. Damit trägt
Gallistl zugleich zur Weiterentwicklung der Kulturgerontologie im
deutschsprachigen Raum bei. „Mich fasziniert, wie vielfältig Alter(n)
sozial, kulturell und materiell sein kann, wie widersprüchlich, fluide und
gestaltbar es ist, und wie stark gesellschaftliche Vorstellungen unsere
Wahrnehmung des Alters prägen“, erklärt die Preisträgerin.
„Gerontologische Forschung sollte deshalb nicht nur über ältere Menschen
forschen, sondern gemeinsam mit ihnen neue Perspektiven entwickeln.“

Nachwuchsförderin und interdisziplinäre Netzwerkerin

Neben ihrer Forschung zeichnet sich Gallistls Arbeit durch ein besonderes
Engagement für Nachwuchswissenschaftler aus. Sie hat bislang zahlreiche
Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen betreut und unterstützt
junge Forschende bei Publikationen und wissenschaftlichen Präsentationen.
Ihre Lehrveranstaltungen verbinden gerontologisches Wissen mit
Perspektiven aus Soziologie, Psychologie, Medizin, Ernährungswissenschaft
und Innovationsmanagement. Auch institutionell setzt Gallistl auf
Vernetzung: Sie gehört zu den Gründerinnen des internationalen Socio-
Gerontechnology-Netzwerks und engagiert sich innerhalb der DGGG unter
anderem als Sprecherin der Arbeitskreise Materielle Gerontologie und
Geragogik.

Über den Margret- und Paul-Baltes-Preis

Der Margret- und Paul-Baltes-Preis wird von der DGGG alle zwei Jahre an
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die bereits zu Beginn
ihrer beruflichen Laufbahn herausragende Beiträge zur verhaltens- und
sozialwissenschaftlichen gerontologischen Forschung geleistet haben. Der
Preis ist mit 2.500 Euro und einer Urkunde verbunden. Mit der Auszeichnung
erinnert die DGGG an das Ehepaar Margret M. und Paul B. Baltes, die
international bedeutende Beiträge zur psychologischen Alternsforschung
leisteten.

Mehr Informationen über den Preis: Margret- und Paul-Baltes-Preis -
Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V.: https://www
.dggg-online.de/ueber-uns/ehrungen-preise/margret-und-paul-baltes-
preis.html