Dresdner Schlaganfalltag zeigt, wie moderne Versorgung funktioniert
Stroke Unit am Uniklinikum verbindet hochspezialisierte Akutversorgung,
wissenschaftliche Studien und europäische Qualitätsstandards.
Zusammenspiel von Vorsorge, Akutversorgung und Nachsorge ist Teamwork
vieler Bereiche. Schlaganfallversorgung am Uniklinikum als Stroke Centre
durch die European Stroke Organisation (ESO) zertifiziert.
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute – je früher Betroffene die
Symptome erkennen und untersuchen lassen, desto weniger schwer fallen
Folgeschäden aus. Dabei endet moderne Schlaganfallmedizin nicht mit der
Akuttherapie. Entscheidend sind spezialisierte Versorgungsstrukturen, eine
präzise Diagnostik, individuell abgestimmte Behandlungskonzepte und die
konsequente Weiterentwicklung der Therapien. Das Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus Dresden bündelt dafür neurologische, neuroradiologische und
neurochirurgische Expertise und ist Teil eines überregionalen Netzwerks
der Schlaganfallversorgung. Beim 18. Dresdner Schlaganfalltag am 25.
September 2026 steht auch in diesem Jahr nicht nur Aktuelles aus der
Medizin im Fokus, sondern auch die Frage, wie neue Erkenntnisse möglichst
schnell bei den Patientinnen und Patienten ankommen.
Moderne Schlaganfallversorgung verbindet heute klinische Forschung und
Patientenversorgung, Vor- und Nachsorge. Patientinnen und Patienten
erhalten eine Behandlung nach den jeweils gültigen medizinischen Standards
und können über klinische Studien zugleich dazu beitragen, neue Therapien
wissenschaftlich zu überprüfen und die Erkenntnisse schnell in die
Regelversorgung zu überführen. Vor- und Nachsorgeprogramme sensibilisieren
für Risikofaktoren und erste Anzeichen eines Schlaganfalls.
„In unserer täglichen Arbeit sehen wir immer wieder, wie wichtig es ist,
einen Schlaganfall so schnell wie möglich zu versorgen. Das schließt ein,
dass Betroffene Warnsignale kennen und ernst nehmen“, sagt Prof. Hagen
Huttner, Direktor der Klinik für Neurologie. Die Behandlung eines
Schlaganfalls ist dabei immer eine interdisziplinäre Aufgabe: Neurologie,
Neuroradiologie, Neurochirurgie, Gefäß- und Notfallmedizin, Pflege und
therapeutische Berufsgruppen arbeiten eng zusammen.
Die European Stroke Organisation (ESO) hat die Versorgung von
Schlaganfallpatientinnen und -patienten am Universitätsklinikum Dresden
nun mit dem Zertifikat als Stroke Centre ausgezeichnet. Ein ESO-
zertifiziertes Stroke Centre beschreibt eine Struktur, die die gesamte
Versorgungskette des Schlaganfalls koordiniert – von der präklinischen
Versorgung und Akutbehandlung über neurochirurgische und gefäßmedizinische
Interventionen bis zu Rehabilitation und Sekundärprävention. Zugleich
übernimmt ein Stroke Centre die Funktion eines überregionalen
Referenzzentrums für Krankenhäuser in der Region, wenn dort benötigte
spezialisierte Leistungen nicht verfügbar sind. „Die Zertifizierung ist
eine große Wertschätzung für unsere Arbeit. Sie zeigt, dass wir die
Verantwortung in der Schlaganfallversorgung in Dresden und Sachsen ernst
nehmen und funktionierende Versorgungsstrukturen geschaffen haben. Das
macht uns stolz und ist und ist zugleich Ansporn“, sagt Prof. Timo
Siepmann, leitender Oberarzt an der Klinik für Neurologie.
„Wenn wir uns mit der Schlaganfallversorgung beschäftigen, müssen wir
verschiedene Perspektiven zusammenführen. Unser Anspruch ist ein nahtloses
Zusammenspiel aus Prävention, Akutversorgung, Nachsorge und Forschung.
Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie unsere Auszeichnung als
ESO-zertifiziertes Stroke Centre schaffen einen spürbaren Mehrwert, der zu
einer optimalen Patientenversorgung beiträgt“, sagt Prof. Uwe Platzbecker,
Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum.
Wie komplex die Entscheidung über die richtige Behandlung sein kann, zeigt
der Fall von Frank Tichter. Im April 2024 hat der heute 58-Jährige einen
sogenannten Wake-up-Schlaganfall erlitten. Er war auf Dienstreise in
Dresden unterwegs. „Am Abend im Hotel war noch alles in Ordnung. Doch beim
Aufwachen habe ich gemerkt, dass meine rechte Körperseite schwächer war
als die linke. Ich konnte die Zahnbürste nicht mehr richtig bedienen“,
erinnert er sich. Der alarmierte Rettungsdienst brachte ihn zur weiteren
Abklärung ins Uniklinikum Dresden. Bei der neurologischen Untersuchung
zeigten sich neben der Schwäche und einer Störung der Feinmotorik des
rechten Arms auch eine motorische Sprechstörung sowie eine leichte
Sensibilitätsstörung der rechten Körperhälfte. Das Ärzteteam entschied
sich aufgrund des vergleichsweisen milden Schlaganfalls auf die
intravenöse Lysetherapie zu verzichten. Der Patient wurde stattdessen zur
weiteren Diagnostik, Behandlung und Frührehabilitation auf die Stroke Unit
aufgenommen.
Dort eröffnete sich für ihn die Möglichkeit zur Teilnahme an der
internationalen OCEANIC-STROKE-Studie. Das Ziel dieser Studie war die
Untersuchung von Effektivität und Sicherheit eines neuartigen Medikaments
zur Verhinderung weiterer Schlaganfälle. „Gerade bei Studien zu akuten
Erkrankungen sind die Zeitfenster sehr eng. Gleichzeitig müssen Ein- und
Ausschlusskriterien sorgfältig geprüft, die Patientinnen und Patienten
umfassend aufgeklärt und alle Anforderungen guter klinischer und
wissenschaftlicher Praxis eingehalten werden. Das ist auch organisatorisch
eine Herausforderung“, sagt der behandelnde Arzt Dr. Martin Arndt,
Facharzt für Neurologie.
Heute geht es Frank Tichter wieder gut. Der Unternehmer aus Solingen
versucht, ruhiger zu leben. Im Rahmen der Studienvisiten über anderthalb
Jahre konnte das Ärzteteam Risikofaktoren besprechen, sodass sie nun ein
gutes Gefühl hinsichtlich des medizinischen Zustands haben. Frank Tichter
ist dankbar für die Unterstützung und die medizinische Hilfe. „Ich habe
viel Glück gehabt. Und hatte hier eine Top-Versorgung. An dieser Stelle
möchte ich gern etwas zurückgeben“, sagt er. Deshalb hat er in diesem
Sommer das Uniklinikum erneut besucht und auch beim Team auf der Stroke
Unit vorbeigeschaut. Mit im Gepäck hatte er einen Scheck über 25.000 Euro,
die der Stiftung Hochschulmedizin Dresden für Projekte in der Klinik für
Neurologie zugutekommen. „Frank Tichter ist in vielerlei Hinsicht ein
tolles Beispiel für gelungene Patientenversorgung. Der Fall zeigt, wie
moderne Medizin helfen kann. Und Frank Tichter beweist, was Dankbarkeit
bewirken kann. Wir freuen uns sehr über dieses Engagement“, sagt Dr.
Andreas Sperl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Hochschulmedizin
Dresden.
