Sommerhitze: So schützen sich Herzkranke
Vorsichtsmaßnahmen bei Hitze: Auf welche Beschwerden ältere Menschen und
Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche,
Rhythmusstörungen oder Koronare Herzkrankheit (KHK) achten sollten.
Herzstiftung gibt Hitze-Tipps für Herzkranke
Hitzeperioden mit Temperaturen über 35 Grad mehren sich diesen Sommer.
Besonders alarmierend ist die Zahl von rund 12.000 Hitzetoten allein in
diesem Jahr (Robert-Koch-Institut). Umso wichtiger sind effektive
Maßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zum Schutz vor
vermeidbaren Risiken durch Hitze. Sehr hohe Temperaturen von 30 Grad
Celsius und mehr sind eine Herausforderung besonders für ältere Menschen
und diejenigen, die bereits wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einer
Herzschwäche, einer koronaren Herzkrankheit (KHK), Niereninsuffizienz oder
wegen Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Betroffene sollten deshalb
Warnzeichen für Komplikationen kennen, um durch Vorsichtsmaßnahmen früh
gegenzusteuern. Die Deutsche Herzstiftung informiert unter
https://herzstiftung.de/herzpr
wichtige Warnzeichen und wie Betroffene Trinkmenge, Blutdruck, Puls und
Medikamente im Blick behalten.
Besondere Aufmerksamkeit brauchen bei Hitze Menschen mit chronischen
Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Menschen, die
allein leben, bettlägerig sind oder sich bei großer Hitze nicht gut selbst
versorgen können. „Wer dement oder stark pflegebedürftig ist, kann oft
nicht selbständig ausreichend trinken, er kann kühlere Räume nicht allein
aufsuchen oder rechtzeitig Hilfe holen. Angehörige sollten ihnen deshalb
in Hitzeperioden besondere Aufmerksamkeit schenken und sich in kürzeren
Zeitabständen nach ihrem Wohlbefinden erkundigen“, rät der Kardiologe und
Intensivmediziner Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Herzstiftung. „Wenn Betroffene ungewöhnlich schläfrig, verwirrt,
schwach oder kaum ansprechbar wirken, sollte medizinische Hilfe geholt
werden.“
Zusatzbelastung durch Hitze: Warnzeichen erkennen!
Hitze fordert den ohnehin durch die Herzerkrankung geschwächten Körper
zusätzlich: Ein körpereigenes Kühlsystem lässt bei Hitze die Gefäße
weiten, um überschüssige Wärme aus dem Blut über die kleinen Hautgefäße
abzugeben. Besteht schon eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, kann die Wärme
vom Kreislauf nur unter erheblicher Anstrengung aus dem Körper
transportiert werden und das Herz muss schneller und kräftiger schlagen,
um Gehirn, Nieren, Muskeln und andere Organe ausreichend mit Blut zu
versorgen. Gleichzeitig schwitzt der Körper und verliert dadurch Wasser
und Salze: das Blutvolumen nimmt ab und das Blut kann zähflüssiger werden.
Der Blutdruck sinkt, der Kreislauf wird instabiler. „Bei einem
vorgeschädigten Herzen sind die Reserven kleiner, solche Veränderungen zu
tolerieren. Ein Herz, das ohnehin schwächer pumpt, kann bei Hitze somit
schneller an seine Grenzen kommen“, erklärt der Ärztliche Direktor der
Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken. „Auch bei verengten
Herzkranzgefäßen kann ein schnellerer Puls Beschwerden begünstigen, etwa
Brustenge, Luftnot oder Herzrhythmusstörungen.“
Um Warnzeichen zu kennen und rechtzeitig gegenzusteuern, sollten
Betroffene mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Kardiologen spezielle
Vorsichtsmaßnahmen für extreme Sommerhitze rechtzeitig besprechen. Diese
können je nach Herzerkrankung unterschiedlich sein. Für wen gelten diese
Empfehlungen besonders? Das sind zum einen ältere Menschen, unter anderem
weil mit zunehmendem Alter die Fähigkeit nachlässt, Hitze wahrzunehmen.
Auch das Durstempfinden ist verringert. Häufig bestehen außerdem mehrere
Erkrankungen. Zum anderen besteht bei folgenden Erkrankungssituationen ein
erhöhtes Risiko durch Hitze:
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- koronarer Herzkrankheit (KHK)
- früherem Herzinfarkt
- Herzrhythmusstörungen
- Bluthochdruck
- Diabetes
- chronischen Lungenerkrankungen
- Nierenerkrankungen
- eingeschränkter Mobilität oder Pflegebedürftigkeit
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen sind neben einer kühleren Umgebung
insbesondere das Anpassen der Trinkmenge und das Achten auf den
Elektrolyte-Haushalt. „Eventuell sind auch Dosierungsänderungen bei
Medikamenten – unbedingt in Absprache mit dem behandelnden Arzt –
notwendig. Das gilt etwa bei Einnahme von Blutdruck- oder wassertreibenden
Medikamenten, den sogenannten Diuretika“, so der Herzstiftungs-
Vorsitzende.
Auf welche Beschwerden bei Hitze achten?
Hitze kann unterschiedliche Beschwerden auslösen oder bestehende Symptome
verstärken. Dazu gehören:
- Müdigkeit, starke Erschöpfung, Konzentrationsstörungen
- Schwindel oder Kreislaufprobleme
- Muskelkrämpfe
- Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
- Blutdruckabfall
- Luftnot
- Brustdruck oder Brustenge
- Verwirrtheit oder Benommenheit
- sehr wenig Urin (intensiv gelb gefärbt)
- trockene, heiße Haut
- Ohnmacht
Bei ersten Beschwerden sollte man nicht abwarten, sondern sich sofort in
den Schatten oder in einen kühlen Raum begeben und die Beine hochlegen.
Auch gut ist, die Haut mit einem feuchten Tuch oder durch das Besprühen
mit Wasser zu kühlen und langsam etwas Wasser zu trinken.
Vorsicht bei Anzeichen eines Hitzschlags
Steigt die Körpertemperatur stark an, kann es im Extremfall zu einem
lebensgefährlichen Hitzschlag kommen. Alarmierende Anzeichen sind hier
eine heiße, trockene Haut, wenn Betroffene nicht mehr schwitzen und
gleichzeitig Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen,
Verwirrtheit, Atemnot oder starke Schwäche auftreten. Als kritische
Schwelle gilt eine Körperkerntemperatur von über 40 Grad. Oberhalb von 42
bis 43 Grad Celsius Körperkerntemperatur besteht Lebensgefahr.
„Herzpatienten sollten bei Hitze aufmerksam bleiben und Beschwerden ernst
nehmen. Ärztlich abgeklärt werden sollten neu auftretende oder zunehmende
Symptome wie Luftnot, Brustdruck, Herzrasen, ausgeprägter Schwindel,
starke Schwäche, Verwirrtheit oder deutlich weniger Urin“, erklärt Prof.
Voigtländer.
Achtung: Bei starken Beschwerden wie Brustschmerz, schwerer Atemnot,
Ohnmacht, Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsstörungen sofort den
Notruf 112 wählen!
Blutdruck und Puls regelmäßig messen! Hitze kann Blutdruck und Puls
verändern
Generell sollten Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ältere
Menschen die Hitze möglichst meiden, sich körperlich schonen und
anstrengende Aktivitäten wie Sport in kühlere Räume (z. B. Ergometer zu
Hause, klimatisiertes Fitnessstudio) oder – falls es die Temperatur dann
erlaubt – in nicht zu heiße Phasen wie den Morgen oder den Abend
verlagern.
Extreme Hitze setzt den Körper so unter Stress, dass der Blutdruck weiter
steigen kann. Anderseits kann der Blutdruck auch deutlich abfallen, wenn
sich die Blutgefäße weiten, um Wärme über die Haut abzugeben. „Das kann
dann zu Ohnmacht, Schwindel, Schwäche oder Herzrhythmusstörungen führen.
Auch deshalb leiden Bluthochdruck-Patienten in Hitzeperioden besonders“,
so Prof. Voigtländer. „Manchmal fällt der Blutdruck so stark ab, dass die
Dosis der blutdrucksenkenden Medikamente angepasst werden muss. Deshalb
sollte man seinen Blutdruck durch regelmäßiges Messen gut im Blick haben,
um gegebenenfalls rasch reagieren zu können.“ Fällt der Blutdruck unter
einen Wert von 100 mmHg (systolisch), ist die Rücksprache mit einem Arzt
ratsam. Dosisänderungen sind nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt
vorzunehmen. Mehr Infos: https://herzstiftung.de/podcas
herzmedikamente
Auch der Puls kann sich verändern, weil das Herz bei Hitze häufig
schneller schlagen muss, um die Körpertemperatur zu regulieren und die
Organe weiter ausreichend zu versorgen. „Bei Menschen mit
Herzrhythmusstörungen, KHK, Herzschwäche sowie mit Blutdruck- und
Entwässerungsmedikamenten ist es sinnvoll, an heißen Tagen nicht nur den
Blutdruck, sondern auch den Puls im Blick zu behalten“, so Voigtländer.
Bei Herzinsuffizienz und Hitze: Vorsicht vor Flüssigkeitsverlust
Menschen mit Herzschwäche, Nierenerkrankungen oder mit aus anderen Gründen
begrenzter Trinkmenge sollten vor Hitzewellen mit dem Arzt klären, welche
Trinkmenge für sie an diesen Tagen dann persönlich gilt. Denn für sie kann
sowohl zu wenig als auch zu viel Flüssigkeit problematisch sein. „Speziell
bei Patienten mit Herzschwäche, die wassertreibende Medikamente einnehmen
und bei denen die Trinkmenge ohnehin eingeschränkt ist, kann es zu einer
ungünstigen Kombination des Wasserverlustes kommen. Der Körper kompensiert
die Hitze durch Schwitzen und verliert zusätzlich an Flüssigkeit durch die
Diuretika“, verdeutlicht Prof. Voigtländer. „Um einen Flüssigkeitsverlust
zu vermeiden, sollten Herzpatienten auf eine ausreichende Trinkmenge
achten. Aber sie sollten auch nicht zu viel trinken, denn eine übermäßige
Flüssigkeitszufuhr kann bei Herzkranken zur Verschlechterung ihrer
Herzleistung führen.“
Wichtige Tipps für Herz-Kreislauf-Patienten rund um das Thema Hitze und
Themenpunkte wie Trinken/Trinkmenge und Elektrolyte (Blutsalze)-Haushalt
bietet die Seite https://herzstiftung.de/herzpr
(wi/ne)
Zusatz-Information
Auf Elektrolyte (Blutsalze) achten
Herzpatienten sollten bei heißem Wetter vor allem ihren Kalium-Haushalt im
Blick haben. Kalium zählt zu den wichtigsten Elektrolyten des Körpers; es
ist wichtig für die Funktion des Herzens und die Regulation des
Blutdrucks. Zu wenig Kalium im Blut (Hypokaliämie) kann daher die
Herzfunktion beeinträchtigen und zu Herzrhythmusstörungen führen. Bei
höheren Elektrolyt-Verlusten sind Gemüsebrühen und kaliumreiches Obst
(Bananen, Aprikosen, Pfirsiche) empfehlenswert. Die Einnahme von Kalium-
Tabletten empfiehlt die Deutsche Herzstiftung nur nach Absprache mit der
Ärztin oder dem Arzt. Weitere Infos unter: https://herzstiftung.de/kalium
und-magnesiummangel
Lagerung von Medikamenten bei Hitze: Was ist zu beachten?
Die Lagerung von Medikamenten ist wichtig: Arzneimittel sollten nicht in
direkter Sonne oder in stark aufgeheizten Räumen aufbewahrt werden. Die
meisten Arzneimittel sollen bei Raumtemperatur, das heißt bei 15 bis 25 C
gelagert werden. Trockene und kühle Plätze sind ideal. Während einer
Hitzewelle sollte man Medikamente im kühlsten Raum lagern.
Konkrete Hinweise zur richtigen Lagerung eines Medikamentes können in der
Apotheke erfragt werden und finden sich zudem in der Packungsbeilage.
Weitere Infos: https://herzstiftung.de/podcas
herzmedikamente
Service
Der kostenfreie Ratgeber „Herzkrank jedem Wetter trotzen“ ist bei der
Herzstiftung telefonisch unter 069 955128-400 oder unter
https://herzstiftung.de/bestel
Aus der Podcast-Reihe imPULS zum Schwerpunkt Hitze
In der imPULS-Episode „Herzschutz bei Hitze - Was Sie als Patient wissen
sollten“ erläutert der Kardiologe Prof. Thomas Voigtländer, worauf
Senioren und Herzkranke bei Hitzeperioden achten sollten, um sich vor
kritischen Situationen schützen zu können: https://herzstiftung.de
/podcast-herzschutz-hitze
Tipps und Informationen für herzkranke Menschen rund um die Hitze sind
erreichbar unter: https://herzstiftung.de/herzpr
