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Nicht jeder profitiert: Diabetes Risiko trotz langfristigen Gewichtsverlusts

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Gesunde Ernährung, Abnehmen und mehr Bewegung können Typ 2 Diabetes
wirksam vorbeugen. Allerdings profitieren nicht alle Menschen mit erhöhtem
Diabetesrisiko in gleichem Maße von Lebensstil-Interventionen. Personen
des Tübinger Typ 2 Diabetes Risikoclusters 5 weisen trotz eines über Jahre
stabilen und deutlichen Gewichtsverlusts einen Anstieg der
Blutzuckerwerte, den stärksten Rückgang der Insulinsekretion sowie
weiterhin ein hohes Diabetesrisiko auf. Das berichten Forschende des
Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Zentrums für
Diabetesforschung (DZD) und von Helmholtz Munich in der Fachzeitschrift
Diabetes.

Bereits vor einigen Jahren konnten DZD Forschende Menschen mit einem
erhöhten Risiko für Typ-2- Diabetes sechs klar voneinander abgrenzbaren
Risikogruppen zuordnen, die sich hinsichtlich der Manifestation des
Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen deutlich
unterscheiden.* Dabei weisen die Cluster 3 und 5 ein besonders hohes
Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes auf. In der aktuellen
Analyse untersuchte das Forschungsteam nun, ob sich die Wirksamkeit der
Diabetesprävention auch bei dauerhaftem Gewichtsverlust zwischen den
Risikogruppen unterscheidet.

Hohes Diabetesrisiko bleibt in Cluster 5 bestehen
Grundlage der Studie waren Daten aus dem Tübinger Lebensstil-
Interventionsprogramm (TULIP). Teilnehmende mit erhöhtem Typ 2 Diabetes
Risiko absolvierten eine zweijährige Lebensstil-Intervention und wurden
anschließend über einen Zeitraum von etwa neun Jahren nachbeobachtet. Im
Fokus der Auswertung standen Personen, die ihr Körpergewicht langfristig
deutlich reduzieren konnten.
„Wir waren besonders daran interessiert, ob sich Personen aus den
Risikocluster 3 und 5 im Vergleich zu den anderen Clustern hinsichtlich
der Verbesserung der Blutzuckerwerte und der Prävention von Typ-2-Diabetes
unterscheiden“, erläutert Professor Norbert Stefan, der Hauptautor dieser
Studie. „Wir waren sehr überrascht festzustellen, dass trotz eines großen
und anhaltenden Gewichtsverlusts von 8 % nach einer sehr langen
Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren bei Personen aus dem Risikocluster 5 die
Blutzuckerwerte stiegen, die Insulinsekretion sank und sie ein hohes
Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen.“

Fettleber und Insulinresistenz könnten die Ergebnisse erklären
Doch warum schützt eine Lebensstil-Intervention Menschen des
Risikoclusters 5 weniger gut vor Diabetes? Die Autoren untersuchten die
Mechanismen, die den negativen Verlauf bei Personen des Clusters 5
erklären könnten. Ihre Daten deuten darauf hin, dass eine Insulinresistenz
– höchstwahrscheinlich bedingt durch eine ausgeprägte Fettleber und eine
durch die Fettleber verursachte Beeinträchtigung der Insulinsekretion aus
den Betazellen – bei Personen dieses Clusters zu einem Anstieg des
Blutzuckerspiegels führte. Diese Ergebnisse stimmen mit früheren
Beobachtungen überein, wonach Fettleber und Insulinresistenz die
vorherschenden Pathomechanismen bei Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-
Risikoclusters 5 sind, wodurch diese anfällig für Typ-2-Diabetes und Herz-
Kreislauf-Erkrankungen werden.

Präzise Präventionsstrategien
Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen aus dem
Risikocluster 5 trotz eines deutlichen und anhaltenden Gewichtsverlusts
nicht im gleichen Umfang von einer Lebensstil-Intervention profitieren wie
Personen aus anderen Clustern – insbesondere mit Blick auf den
Glukosestoffwechsel. Sollte sich dieses Ergebnis in einer prospektiven
Studie bestätigen, ist ein maßgeschneiderter Ansatz zur Diabetesprävention
erforderlich, bei dem Hochrisikophänotypen wie Cluster 5 möglicherweise
intensivere oder gezieltere Interventionen erfordern.

* Wagner R, ..., Häring HU, Fritsche A. Pathophysiology-based
subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nat
Med. 2021 Jan;27(1):49-57. doi: 10.1038/s41591-020-1116-9. Epub 2021 Jan
4. PMID: 33398163.