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Neuer Ansatz gegen Abwehrreaktion nach Stammzelltransplantation

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2,5 Millionen Euro Förderung für CAR-T-Zell-Studie unter Erlanger Leitung
am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) fördert die
multizentrische Studie CURE-GvHD unter Leitung des Uniklinikums Erlangen
mit 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung,
Technologie und Raumfahrt. Geprüft wird ein CAR-T-Zell-Ansatz für
Patientinnen und Patienten mit schwerer chronischer Transplantat-gegen-
Wirt-Erkrankung (cGvHD).



Die allogene Blutstammzelltransplantation – also die Übertragung von
gespendeten Stammzellen – ist für viele Patientinnen und Patienten mit
Leukämien oder Lymphomen die einzige Chance auf Heilung. Die Wirksamkeit
dieser Therapie beruht auf dem sogenannten Transplantat-gegen-Leukämie-
Effekt (Englisch: Graft-versus-Leukemia, GvL): Mithilfe der Immunzellen
der Spenderin oder des Spenders bekämpft das Immunsystem der Patientin
oder des Patienten die Tumorzellen. Leider kommt es dabei häufig zu einem
unerwünschten Effekt, bei dem die Immunzellen der spendenden Person
gesundes Gewebe der empfangenden Person attackieren: Die sogenannte
Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Englisch: Graft-versus-Host Disease,
GvHD) ist eine Komplikation, die akut (aGvHD) bzw. chronisch (cGvHD)
verlaufen kann und eine hohe Sterblichkeitsrate aufweist.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Klinik 5 –
Hämatologie und Internistische Onkologie des Uniklinikums Erlangen möchten
nun gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus dem NCT im Rahmen der
Studie CURE-GvHD einen innovativen Therapieansatz mit CD19-CAR-T-Zellen
prüfen. Ziel ist es, eine neue und effektive Behandlungsoption für
Patientinnen und Patienten mit schwerer cGvHD zu entwickeln. CURE-GvHD
steht dabei für „A multicenter phase I study of autologous CD19 CAR T
cells for therapy refractory chronic GvHD“.

„Die cGvHD kann in einer Vielzahl von Organen auftreten und bekannte
Autoimmunerkrankungen nachahmen“, erläutert Prof. Dr. Silvia Spörl. Die
Oberärztin der Medizinischen Klinik 5 und Leiterin der Early Clinical
Trial Unit des CCC Erlangen-EMN ist die verantwortliche Studienleitung.
„Wir wissen, dass die cGvHD ähnliche pathologische Merkmale aufweist wie
Autoimmunerkrankungen, in deren Pathogenese die B-Zellen eine wichtige
Rolle spielen.“ Diese immunologischen Zusammenhänge und die guten
Erfahrungen, die die Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
bereits mit CAR-T-Zellen gemacht haben, führten zu der Studienhypothese,
die nun im Rahmen von CURE-GvHD klinisch geprüft werden soll.

„Bereits seit einigen Jahren forschen wir an CAR-T-Zellen, also den
T-Zellen des eigenen Immunsystems. Mithilfe von Gentechnik verändern wir
sie so, dass sie Zielzellen wie die B-Zellen erkennen und zerstören
können“, erklärt Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen
Klinik 5, in der die Studie primär durchgeführt wird. „Wir stellen die
CAR-T-Zellen in unseren eigenen Reinräumen her und setzen sie in der
Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Leukämien, Lymphomen sowie
Autoimmunerkrankungen ein.“ Erst im September 2025 publizierten die
Erlanger Expertinnen und Experten die Ergebnisse der weltweit ersten
Behandlung einer therapieresistenten, schweren chronisch-entzündlichen
Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) mit CD19-CAR-T-Zellen.

Zur Gewinnung der CD19-CAR-T-Zellen werden den Patientinnen und Patienten
Immunzellen (T-Lymphozyten) entnommen und diese gentechnisch so verändert,
dass sie das Oberflächenmolekül CD19 erkennen. CD19 ist charakteristisch
für B-Lymphozyten, aber auch für die sogenannten Plasmablasten, die bei
vielen Autoimmunerkrankungen fehlgesteuert sind. Bereits im Vorfeld konnte
gezeigt werden, dass Plasmablasten bei der cGvDH ebenfalls vermehrt
vorliegen. „Aufgrund dieser immunologischen Zusammenhänge vermuten wir,
dass CD19-CAR-T-Zellen auch bei der cGvHD wirksam sein können“, sagt Prof.
Spörl. „Im Rahmen unserer multizentrischen Phase-I-Studie wollen wir die
Machbarkeit einer solchen Therapie und vor allem ihre Sicherheit und
Verträglichkeit bewerten.“

Expertise aus ganz Deutschland

Hauptverantwortlich für die Studie ist das Team des Uniklinikums Erlangen.
Darüber hinaus beteiligen sich Forscherinnen und Forscher aus dem NCT WERA
(Uniklinika Regensburg, Würzburg und Augsburg), dem NCT Berlin (Charité –
Universitätsmedizin Berlin) und dem NCT West (Uniklinikum Köln). Zudem
sind eine Patientenvertreterin und ein Patientenvertreter aus dem NCT
Dresden sowie ein Patientenvertreter aus dem NCT WERA involviert und
begleiten die Durchführung der Studie aus Patientensicht.

Über das NCT

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) ist eine langfristig
angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum
(DKFZ), exzellenten Partnern in der Universitätsmedizin und weiteren
herausragenden Forschungspartnern an verschiedenen Standorten in
Deutschland. Das Uniklinikum Erlangen ist Teil des NCT WERA, dessen Träger
neben dem DKFZ die Universitätsklinika und Universitäten Würzburg,
Erlangen, Regensburg und Augsburg sind. Ziel des NCT ist es, Innovationen
in der Krebsforschung in Deutschland zielgerichtet und schnell in Studien
zu überführen, um Krebs nach neuestem Stand der Forschung erfolgreich zu
diagnostizieren und unter Beibehaltung einer hohen Lebensqualität zu
behandeln. Patientinnen und Patienten sind dabei Forschungspartner auf
Augenhöhe.