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Internistenkongress 2026: Neue Therapie verzögert erstmals Typ-1-Diabetes

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Neue Technologien und eine erstmals verfügbare Immuntherapie verändern die
Diabetesversorgung grundlegend – und machen das Leben für Betroffene
spürbar sicherer. Automatisierte Insulinsysteme wirken wie eine digitale
Bauchspeicheldrüse: Sie stabilisieren den Blutzucker, reduzieren
gefährliche Unterzuckerungen und entlasten den Alltag. Gleichzeitig kann
eine neue Therapie den Ausbruch von Typ-1-Diabetes bei Risikopersonen um
Jahre verzögern. Das hilft Betroffenen und ihren Familien, sich auf den
künftigen Therapiealltag vorzubereiten.



Diese Entwicklungen stehen auch im Fokus des 132. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) vom 18. bis 21. April 2026 in
Wiesbaden und werden unter anderem auf der Vorab-Pressekonferenz am
morgigen Donnerstag, 9. April, sowie beim Patiententag am 18. April
verständlich aufbereitet und diskutiert. Für die Vorab-Pressekonferenz zum
Thema Prävention statt Reparatur können sich interessierte Medien hier
anmelden: https://events.teams.microsoft.com/event/067fb611-351b-4bf3
-85bd-dd343c83f93d@1495922a-4378-45e9-a32a-422448450fb1


Das Leben von Menschen mit Diabetes verändert sich spürbar: Digitale
Systeme steuern zunehmend die Therapie, neue Ansätze greifen früher ein –
und machen den Alltag sicherer. Für Deutschland ist diese Entwicklung
hochrelevant: Laut International Diabetes Federation lebten hierzulande im
Jahr 2024 mindestens 6,5 Millionen Erwachsene im Alter von 20 bis 79
Jahren mit Diabetes. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit der
höchsten Krankheitslast in Europa.

Wenn Technik Therapie übernimmt: Automatisierte Insulinsteuerung wird
Standard
Für viele insulinbehandelte Menschen mit Diabetes, darunter viele Kinder
und Jugendliche, bedeutet der Alltag bislang vor allem eines: ständig
messen, rechnen, anpassen – und trotzdem bleibt die Unsicherheit, ob der
Blutzucker stabil bleibt. Besonders belastend sind Unterzuckerungen, etwa
in der Nacht, wenn sie häufig unbemerkt auftreten. Neue Systeme zur
automatisierten Insulinsteuerung nehmen Betroffenen und ihren betreuenden
Angehörigen einen großen Teil dieser Verantwortung ab. Sie funktionieren
wie eine „digitale Bauchspeicheldrüse“: Ein Sensor misst kontinuierlich
den Glukosewert, ein Algorithmus berechnet in Echtzeit den Insulinbedarf,
und eine Pumpe passt die Abgabe automatisch an – rund um die Uhr.

Diese Systeme haben sich inzwischen etabliert. Internationale Leitlinien
empfehlen sie ausdrücklich als bevorzugte Therapieform – sowohl für
Menschen mit Typ-1-Diabetes als auch für Patientinnen und Patienten mit
Typ-2-Diabetes unter intensivierter Insulintherapie. Der Nutzen ist
unmittelbar spürbar: Der Blutzucker bleibt stabiler, gefährliche
Unterzuckerungen treten seltener auf. „Für viele Patientinnen und
Patienten bedeutet das erstmals ein deutliches Gefühl von Sicherheit im
Alltag – insbesondere nachts“, sagt Dr. med. Annie Mathew, Oberärztin am
Universitätsklinikum Essen. Damit verändert sich die Therapie grundlegend:
Statt ständiger Eigenkontrolle unterstützt ein System die Steuerung – und
schafft so mehr Sicherheit, mehr Freiheit und eine deutlich höhere
Lebensqualität.

Der nächste Schritt: Diabetes verzögern, bevor er beginnt
Doch die Entwicklung geht noch weiter – in die Zeit vor dem eigentlichen
Krankheitsausbruch. Mit dem Wirkstoff Teplizumab steht seit Anfang 2026 in
der EU erstmals eine Therapie zur Verfügung, die bei Menschen im
Frühstadium eines Typ-1-Diabetes das Fortschreiten zur klinisch manifesten
Erkrankung deutlich verzögern kann. Studien zeigen: Der Ausbruch lässt
sich im Durchschnitt um etwa zwei Jahre hinauszögern. „Das verschafft
Betroffenen wertvolle Zeit – ohne Insulinpflicht und mit mehr
Möglichkeiten zur Vorbereitung“, erklärt Mathew. Das verändert auch den
Umgang mit der Diagnose: weniger abrupt, besser planbar und mit mehr
Kontrolle von Anfang an.

Mehr Sicherheit durch frühzeitiges Handeln - Thema auch beim Patiententag
Beide Entwicklungen folgen einer gemeinsamen Linie: Risiken früher
erkennen, Therapie intelligenter steuern und Krankheitsverläufe aktiv
beeinflussen. „Die moderne Diabetologie zeigt sehr eindrücklich, wie sich
Medizin verändert: hin zu mehr Prävention, mehr Individualisierung und
mehr Sicherheit für die Patientinnen und Patienten“, sagt Professorin Dr.
Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Kongresspräsidentin des 132.
Internistenkongresses, selbst Endokrinologin und Diabetologin und DGIM-
Vorsitzende 2025/2026.

Damit diese Fortschritte alle Betroffenen erreichen, bleiben jedoch
zentrale Aufgaben: ein einfacher Zugang zu modernen Therapien, gute
Schulungsangebote und vor allem eine bessere Früherkennung von
Risikopersonen. Denn klar ist: Der medizinische Fortschritt ist da – jetzt
muss er im Alltag der Patientinnen und Patienten ankommen. Welche
Bedeutung moderne Diabetestherapien insbesondere für ältere Menschen
haben, wird auch beim Patiententag des Internistenkongresses thematisiert
– unter anderem in der Veranstaltung „Moderne Diabetestherapie beim
älteren Menschen“.

Hier geht es zur Online-Version dieser Pressemeldung:
https://www.dgim.de/presse/pressemitteilungen/08042026-diabetespraevention