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In Dresden entwickelte Nabelschnur Stammzellen reduzieren Sterblichkeit bei schwerer COVID Infektion

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Zellen aus Dresden zeigen, welche Wirkung Mesenchymalen Stamm- oder
Stromazellen (MSC) aus der Nabelschnur Neugeborener haben. Ergebnisse der
Studie sind jetzt in Stem Cell Reports erschienen. Medizinerinnen und
Mediziner aus dem Zentrum für feto-neonatale Gesundheit am Uniklinikum
erforschen weitere Einsatzgebiete.

Patientinnen und Patienten mit einer schweren Covid-Infektion haben ein
sehr hohes Risiko, daran zu versterben. Eine wesentliche Ursache dafür ist
die überschießende Immunreaktion des Körpers. Eine aktuelle Studie zeigt,
dass die Behandlung mit Mesenchymalen Stamm- oder Stromazellen (MSC) aus
der Nabelschnur Neugeborener die Sterblichkeit bei diesen Patientinnen und
Patienten deutlich reduziert hat. Dresdner Medizinerinnen und Mediziner
sind Teil dieser wissenschaftlichen Erkenntnis. Denn die für die in Kanada
durchgeführte Studie verwendeten Zellen wurden in Dresden entwickelt. „Wir
sind stolz, dass der in Dresden entwickelte Ansatz für eine zelluläre
Therapie bei Frühgeborenen, das Potential hat, auch das Leben Erwachsener
zu retten“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Direktor Zentrum für feto-neonatale
Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden.

Den Einsatz von Stammzellen aus der Nabelschnur (Mesenchymalen
Stromazellen – MSC) haben die Medizinerinnen und Mediziner aus dem Zentrum
für feto-neonatale Gesundheit am Uniklinikum schon länger im Blick.
Ursprünglich wurde diese Therapie entwickelt, um Früh- und kranken
Neugeborenen zu helfen. Hierbei sollen insbesondere die
entzündungsmodulierenden Eigenschaften der MSC helfen, eine chronische
Lungenerkrankung bei extrem unreif Geborenen zu vermeiden.
Im Rahmen der Covid-Pandemie hat sich das Team am Zentrum für feto-
neonatale Gesundheit aber schnell auf die globale Herausforderung
fokussiert und gemeinsam mit Partnern am Ottawa Health Research Institute
(OHRI) in Kanada eine Studie zur Behandlung schwer erkrankter Erwachsener
mit Covid initiiert. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt im
renommierten Journal Stem Cell Reports veröffentlicht und zeigen, dass die
in Dresden entwickelten MSC-Therapie die Sterblichkeit dieser Patientinnen
und Patienten senken konnte.

Da die Pandemie glücklicherweise vor Erreichen der geplanten Fallzahlen
beendet war, reichen die Ergebnisse noch nicht aus um diese neue Therapie
in die klinische Praxis zu überführen. Aus diesem Grunde führen die
Partner in Kanada derzeit eine große Phase II Studie für Patientinnen und
Patienten mit schwerer Sepsis durch. Diese Studie ist im Jahr 2024
gestartet und hat das Ziel, insgesamt 296 Teilnehmende zu rekrutieren.
Grundlage für die dort untersuchte Therapie sind ebenfalls Zellen, die in
Dresden aus Nabelschnüren gesunder Neugeborener isoliert werden. Dafür
arbeitet das Team mit Partnern in der Industrie zusammen.

Während die Verwendung von MSC als Zelltherapeutikum vielfach erprobt ist,
scheiterte diese Therapie bisher immer daran, dass nicht ausreichend junge
Zellen in entsprechender Qualität für die Routineanwendung zur Verfügung
standen. Durch ein neuartiges Verfahren, welches das Team in Dresden unter
der Leitung von Dr. Marius A. Möbius und Dr. Daniel Freund entwickelt hat,
ist es gelungen, sehr junge Zellen aus dem Nabelschnurgewebe in einer
Menge zu isolieren, die eine Anwendung am Menschen ermöglicht. Im Rahmen
des vom BMFTR geförderten Cluster4Future SaxoCell, welches die Etablierung
einer zellbasierten Industrie in Sachsen zum Ziel hat und bald in die
dritte Runde gehen soll, arbeitet das Team daran, die Produktion so
weiterzuentwickeln, dass die Therapie – sobald sie in der Klinik als
wirksam befunden wurde – in die Routineanwendung überführt und damit dann
nicht nur Frühgeborenen effektiv geholfen werden kann.

„Wenn sich die Daten der Covid-Studie auch bei Erwachsenen mit schwerer
Sepsis reproduzieren lassen, dann würde eine ursprünglich aus der
Neonatologie stammende Therapie, die Behandlung bei Erwachsenen
revolutionieren“, erläutert Prof. Mario Rüdiger. „Damit hätten wir
gleichzeitig ein wichtiges Ziel im Rahmen des Projektes SaxoCell erreicht,
zelluläre Therapien Made in Saxony.“
„Die jetzt publizierten Ergebnisse zeigen einmal mehr, welche Chancen
zell-basierte Therapeutika für die Industrie bieten – für die Patientinnen
und Patienten im Rahmen einer zukunftsorientierten Versorgung und für den
Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Sachsen“, sagt Prof. Martin
Bornhäuser, Co-Sprecher von SaxoCell.
Prof. Frank Buchholz, SaxoCell Sprecher ergänzt: „Diese Ergebnisse
unterstreichen das enorme Potenzial zellbasierter Therapien und zeigen
zugleich, welche Innovationskraft in Sachsen entsteht. Mit SaxoCell
bündeln wir Wissenschaft, Klinik und Industrie, um solche Ansätze von der
Forschung bis zur industriellen Anwendung zu beschleunigen.“
„Die vorliegenden Ergebnisse sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass
innovative zellbasierte Therapien neue Wege in der Behandlung schwerer
systemischer Entzündungsreaktionen eröffnen können. An der
Universitätsmedizin Dresden bringen wir uns vielfältig ein, um diese neuen
Erkenntnisse in die Krankenversorgung zu bringen“, sagt Prof. Uwe
Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. „Die in
Dresden entwickelten Nabelschnur Stammzellen sind ein vielversprechendes
Beispiel dafür, das es nun in weiteren klinischen Studien sorgfältig zu
validieren gilt.“