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Demenzen: Aktualisierte S3-Leitlinie ordnet neue Antikörpertherapien ein

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Die Living Guideline Demenzen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
(DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ermöglicht den etwa 1,8
Millionen Menschen, die in Deutschland erkrankt sind, eine adäquate
Diagnostik und optimale Therapie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft.
Die S3-Leitlinie wurde jetzt aktualisiert und enthält erstmals auch einen
Vorschlag zur Behandlung von Alzheimer-Frühstadien mit den neu
zugelassenen Antikörpern Lecanemab und Donanemab – auch wenn die Frage der
Übernahme der Behandlungskosten für diese Therapien noch nicht
letztendlich geklärt ist.



Jedes Jahr erhalten etwa 450.000 Menschen in Deutschland die Diagnose
Demenz, aktuell sind mehr als 1,8 Millionen Menschen erkrankt. Die
Alzheimer-Demenz macht den größten Teil der Demenz-Erkrankungen aus. Sie
ist nicht heilbar; mit einer guten medizinischen, pflegerischen und
therapeutischen Versorgung kann aber die Symptomlast verringert und die
Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessert werden.
Empfehlungen zur nach dem aktuellen Wissensstand optimale Diagnostik und
Therapie werden seit 2023 jährlich als Living Guideline in der
S3-Leitlinie Demenzen veröffentlicht. Nun ist die zweite Aktualisierung
der Living Guideline erschienen; sie enthält jetzt auch einen Vorschlag
zum Umgang mit den neuen Anti-Beta-Amyloid-Antikörpern.

Die Expertinnen und Experten aus 37 Fachgesellschaften, Verbänden sowie
Betroffenen- und Angehörigenorganisationen haben sich mit einer großen
Mehrheit darauf geeinigt, die Behandlung mit den Antikörpern Lecanemab und
Donanemab für die Frühstadien der Alzheimer-Erkrankung vorzuschlagen.
Diese Wirkstoffe reduzieren Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, die
(mit-)ursächlich für die Beeinträchtigungen durch die Alzheimer-Demenz
sind. Die Antikörper binden spezifisch an Vorstufen der Beta-Amyloid-
Aggregate bzw. Amyloid-Plaques und fördern deren Abbau durch das
Immunsystem.

Prof. Dr. Frank Jessen, Koordinator der Leitlinie für die Deutsche
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und
Nervenheilkunde (DGPPN), erläutert: „Wir haben erstmalig die Möglichkeit,
die Alzheimer-Erkrankung kausal zu behandeln – also die Ursachen zu
therapieren und nicht lediglich die Symptome. Studien zeigen, dass sich
das Fortschreiten der Erkrankung durch die Antikörpertherapien um etwa 30
% verlangsamen lässt. Für Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen
ist das ein Gewinn an Lebensqualität, ein klarer klinischer Nutzen.“

Die neuen Antikörper eignen sich allerdings nur für einen Teil der
Betroffenen: Die Alzheimer-Diagnose muss durch den Nachweis von Beta-
Amyloid gesichert sein und Betroffene dürfen keine zwei Kopien des
Alzheimer-Risikogens APOE-ε4 aufweisen; der Gentest muss vorab
durchgeführt werden. Zudem muss die Antikörperbehandlung der Leitlinie
zufolge in einen umfassenden medizinischen und psychosozialen
Behandlungsplan eingebettet sein und darf derzeit nur durch Fachärztinnen
und -ärzte für Neurologie oder Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie
und Psychotherapie erfolgen, die Erfahrung in der Alzheimer-Behandlung und
Möglichkeiten zu einer zeitnahen MRT-Diagnostik haben. Entsprechend der G
-BA-Richtlinie darf die Behandlung nur an geeigneten Zentren durchgeführt
werden, die diese Rahmenbedingungen gewährleisten können.

Warum der G-BA Mitte Februar, anders als die Mehrheit der Expertinnen und
Experten der Leitliniengruppe, keinen Zusatznutzen von Lecanemab
festgestellt hat, erklärt Prof. Dr. Richard Dodel, Koordinator der
Leitlinie für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN),
folgendermaßen: „Der G-BA ist dem Gutachten des Instituts für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gefolgt, doch das hat nur
die Subgruppen analysiert, die entweder eine leichte kognitive Störung
ohne Begleitmedikation oder eine leichte Demenz mit
Acetylcholinesterasehemmer-Begleitmedikation haben. So wurden am Ende nur
44 % der Studienpatienten vom IQWiG analysiert – und es ist eine
statistische Gesetzmäßigkeit, dass durch eine Verringerung der
Stichprobengröße bestehende Gruppenunterschiede nicht mehr sicher
nachgewiesen werden können. Wir hoffen, dass trotz der G-BA-Entscheidung
das Medikament auch perspektivisch für Kassenpatienten verfügbar bleibt.“
Die Bewertung des Antikörpers Donanemab ist noch nicht abgeschlossen. Hier
hatte das IQWiG ebenfalls angeführt, dass kein Zusatznutzen nachweisbar
sei; die Entscheidung des G-BA wird demnächst erwartet.

Die aktualisierte Living Guideline Demenzen enthält insgesamt 117
Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Menschen mit Demenzen und
zur Unterstützung ihrer Angehörigen. Neben der Empfehlung der
Antikörperbehandlung wurde eine weitere Empfehlung neu hinzugefügt: Mit
hohem Konsens wird empfohlen, Betroffene nicht mit transkranieller
Ultraschallpulsstimulation zu behandeln, da für deren Wirksamkeit keine
Evidenz vorliegt.

Insgesamt waren an der Aktualisierung der Leitlinie 37 Fachgesellschaften,
Verbände und Organisationen unter gemeinsamer Federführung von DGN und
DGPPN beteiligt. Die Living Guideline Demenzen wurde turnusgemäß
aktualisiert; die nächste Aktualisierung wird in einem Jahr stattfinden.
Die Leitlinie Demenzen wird außerdem auf der nicht kommerziellen Online-
Plattform MAGICApp publiziert. Die digitale Darstellung ermöglicht es,
unmittelbar auf die Leitlinie und jede einzelne Empfehlung zuzugreifen.
Auch die Studien, die den Empfehlungen zugrunde liegen, können direkt aus
der App aufgerufen werden.

Weitere Informationen:
•       S3-Leitlinie Demenzen AWMF-Reg.-Nr. 038-013 | Die Leitlinie
Demenzen auf MAGICApp | 09.03.2026:
https://app.magicapp.org/#/guideline/nYPaxL
•       S3-Leitlinie Demenzen – Living Guideline Leitlinien-Details | Die
Leitlinie Demenzen auf der Website der AWMF | 09.03.2026:
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013

Pressekontakte

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Dr. Bettina Albers, Budapester Str. 7/9, 10787 Berlin, Tel.: +49 (0)174
2165629, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Peter Berlit

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und
Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN)
Katja John, Reinhardtstraße 29, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 2404772-11,
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN)
ist mit ihren über 13.500 Mitgliedern die Stimme der Neurologie in
medizinischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung und
steht für beste neurologische Versorgung und Hirngesundheit in
Deutschland. Sie fördert als offene, praxisnahe, digital vernetzte,
interprofessionell und interdisziplinär arbeitende Fachgesellschaft
neurologischen Fortschritt, bildet kulturelle Vielfalt ab und ist sowohl
wissenschaftlich als auch gesundheitspolitisch wirksam. Die DGN wurde im
Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
www.dgn.org

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Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Dr. Sven Meuth
Past-Präsident: Prof. Dr. Lars Timmermann
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Geschäftsführer: David Friedrich-Schmidt
Geschäftsstelle: Budapester Str. 7/9, 10787 Berlin, Tel.: +49 (0)30
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Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde
e. V. (DGPPN)
ist die größte deutsche medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft auf
dem Gebiet der psychischen Gesundheit. Sie bündelt die Kompetenzen von
mehr als 13.000 Fachärztinnen und Fachärzten, Therapeutinnen und
Therapeuten sowie Forschenden. Die DGPPN vertritt die Interessen ihrer
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Weiterbildung und bringt sich aktiv in die Gesundheitspolitik ein. Immer
steht die ganzheitliche Sicht auf den Menschen mit allen individuellen
psychischen, körperlichen und sozialen Aspekten im Zentrum. Darüber hinaus
gibt die DGPPN Leitlinien zur Sicherung der Qualität bei der Diagnostik
und Therapie psychischer Erkrankungen heraus und entwickelt Richtlinien
für ethisches Verhalten in Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik
und Nervenheilkunde. www.dgppn.de