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Zucker fördert Entzündungen – trotz Zähneputzen

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7. März: Tag der gesunden Ernährung
Zum Tag der gesunden Ernährung ruft die Deutsche Gesellschaft für Zahn-,
Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu einem erweiterten Blick auf
Prävention auf. Zucker ist nicht nur ein Auslöser für Karies – er treibt
Entzündungen im Mund und im gesamten Körper an. Aktuelle wissenschaftliche
Erkenntnisse zeigen, dass selbst sorgfältiges Zähneputzen allein die
negativen Folgen eines hohen Zuckerkonsums nicht vollständig ausgleichen
kann.



Zwar ist Karies in Deutschland dank Präventionsprogrammen und
Fluoridierung deutlich zurückgegangen. Doch auch bei guter Mundhygiene
kann ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum Zahnfleischentzündungen begünstigen
und steht zudem in engem Zusammenhang mit Volkskrankheiten wie
Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas.

„Die Daten zeigen klar, dass wir Prävention breiter denken müssen", betont
Prof. Dr. Dr. Peter Proff, Präsident der DGZMK. „Wenn Ernährungsfaktoren
entzündliche Erkrankungen beeinflussen, brauchen wir neben individueller
Aufklärung auch strukturelle Maßnahmen, die den Zuckerkonsum in der
Bevölkerung wirksam reduzieren. Mundgesundheit ist Teil der
Allgemeingesundheit – und Prävention bedeutet mehr als Mundhygiene.“

Warum der Zahnbelag nicht das eigentliche Problem ist

„Eine gute Mundhygiene ist durchaus effektiv“, erklärt Prof. Dr. Johan
Wölber, Zahnarzt, Ernährungsmediziner und Leiter des Bereichs
Parodontologie am Universitätsklinikum Dresden. „Doch Zähneputzen ist
evolutionsbiologisch betrachtet ein junges kulturelles Hilfsmittel. Die
Mundgesundheit wird grundsätzlich vor allem aber durch unsere Ernährung
beeinflusst.“

Eine viel zitierte „Steinzeit-Studie“ [1] zeigte: Probanden verzichteten
vier Wochen lang auf moderne Mundhygiene, ernährten sich aber ohne
raffinierten Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate. Obwohl sich mehr
Zahnbelag bildete, gingen Zahnfleischbluten und Entzündungszeichen
deutlich zurück. Das klassische Modell „mehr Plaque gleich mehr
Entzündung“ ließ sich unter diesen Ernährungsbedingungen nicht bestätigen.

Auch Analysen historischer Zahnsteinproben belegen, dass sich das
Mundmikrobiom mit der Industrialisierung und steigendem Zuckerkonsum
deutlich verändert hat [2]. Zahnbelag ist aus biologischer Sicht normal –
die dauerhaft hohe Zuckerexposition hingegen nicht.

Weniger Zucker – weniger Zahnfleischentzündung

Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit mit Metaanalyse [3]
zeigt, dass die Reduktion freier Zucker signifikant mit weniger
Zahnfleischentzündung verbunden ist. Bereits 2019 hatte eine klinische
Studie nachweisen, dass eine vierwöchige zuckerarme, entzündungshemmende
Ernährung Zahnfleischbluten deutlich senken kann – selbst ohne Zahnpflege
[4].

Zucker wirkt dabei doppelt: Im Mund fördert er Stoffwechselprozesse von
Bakterien. Gleichzeitig löst er im Körper Blutzuckerspitzen aus, die
entzündliche Reaktionen verstärken. Chronische, niedriggradige Entzündung
gelten heute als gemeinsamer Risikofaktor für Parodontitis,
Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie
sogar für Tumor- und Demenzerkrankungen.

Karies sinkt – Zuckerkonsum bleibt hoch

Dank der modernen Zahnmedizin sind 78 Prozent der Zwölfjährigen in
Deutschland heute kariesfrei [5]. Gleichzeitig konsumiert die Bevölkerung
durchschnittlich rund 100 Gramm Zucker pro Tag – viermal so viel wie von
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen [6].

„Es ist heute möglich, kariesfreie Zähne zu haben und dennoch
ernährungsbedingte Gesundheitsrisiken zu entwickeln“, sagt Wölber. „Wenn
wir über Mundgesundheit sprechen, müssen wir auch über Ernährung
sprechen."

Zuckerreduktion als Ziel

Vor diesem Hintergrund sieht auch die DGZMK gesundheitspolitischen
Handlungsbedarf in Sachen einer Reduktion von Zucker in Softgetränken.
Während das Vereinigte Königreich nach Einführung einer Zuckersteuer den
Zuckergehalt in Softdrinks um 29 Prozent senkte, blieb Deutschland mit
freiwilligen Vereinbarungen bei einer Reduktion von nur 2 Prozent [7].

„Wir haben gesellschaftlich gelernt, Tabakkonsum kritisch zu
hinterfragen“, sagt Wölber. „Rauchen ist heute nicht mehr normal. Eine
ähnliche Sensibilisierung für übermäßigen Zuckerkonsum wäre der nächste
konsequente Schritt.“

Literatur
[1] Baumgartner S, Imfeld T, Schicht O, Rath C, Persson RE, Persson GR.
The impact of the stone age diet on gingival conditions in the absence of
oral hygiene. J Periodontol. 2009 May;80(5):759-68. doi:
10.1902/jop.2009.080376.

[2] Alt KW, Al-Ahmad A, Woelber JP. Nutrition and Health in Human
Evolution-Past to Present. Nutrients. 2022 Aug 31;14(17):3594. doi:
10.3390/nu1417359

[3] Woelber JP, Gebhardt D, Hujoel PP. Free sugars and gingival
inflammation: A systematic review and meta-analysis. J Clin Periodontol.
2023 Sep;50(9):1188-1201. doi: 10.1111/jcpe.13831.

[4] Woelber JP, Gärtner M, Breuninger L, Anderson A, König D, Hellwig E,
Al-Ahmad A, Vach K, Dötsch A, Ratka-Krüger P, Tennert C. The influence of
an anti-inflammatory diet on gingivitis. A randomized controlled trial. J
Clin Periodontol. 2019 Apr;46(4):481-490. doi: 10.1111/jcpe.13094.

[5] IDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte): 6. Deutsche
Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Köln, 2025. Verfügbar unter: https://www
.deutsche-mundgesundheitsstudie.de

[6] Fischbacher et al.: "Zuckersteuer – Wie lange können wir es uns noch
leisten, nichts zu tun?", Aktuel Ernährungsmed 2025; 50: 29-35, Thieme

[7] von Philipsborn P, Huizinga O, Leibinger A, Rubin D, Burns J, Emmert-
Fees K, Pedron S, Laxy M, Rehfuess E. Interim Evaluation of Germany's
Sugar Reduction Strategy for Soft Drinks: Commitments versus Actual Trends
in Sugar Content and Sugar Sales from Soft Drinks. Ann Nutr Metab.
2023;79(3):282-290. doi: 10.1159/000529592.