Gute Chirurgie braucht gute Weiterbildung: Positionspapier erschienen
Die Qualität chirurgischer Eingriffe – und damit auch die
Patientensicherheit – hängen entscheidend von der Ausbildung der Ärztinnen
und Ärzte ab. Doch wie gut diese Weiterbildung tatsächlich funktioniert,
wird in Deutschland bislang kaum systematisch erfasst. Ein neues
Positionspapier des Perspektivforums Junge Chirurgie der Deutschen
Gesellschaft für Chirurgie e. V. (DGCH) schlägt nun erstmals konkrete
Qualitätsindikatoren vor, mit denen sich Struktur, Ablauf und Ergebnisse
der chirurgischen Weiterbildung messen lassen.
Ziel ist der Aufbau einer
datengestützten, lernenden Weiterbildungsstruktur, die Transparenz
schafft, Stärken sichtbar macht und gezielt auf Verbesserungsbedarfe
reagiert.
Auf dem 143. Deutschen Chirurgie Kongress (DCK 2026) vom 22. bis 24. April
2026 in Leipzig ist Weiterbildung eines der Hauptthemen und Gegenstand
verschiedener Sitzungen (Terminhinweise siehe unten).
Anspruchsvolle Ausbildung mit Tausenden von Eingriffen
Chirurginnen und Chirurgen müssen in ihrer mehrjährigen Weiterbildung zum
Facharzt eine Vielzahl anspruchsvoller Kompetenzen erwerben: Sie stellen
Diagnosen, entwickeln Therapiepläne, führen Aufklärungsgespräche mit
Patientinnen und Patienten und lernen operative Eingriffe zunehmend
eigenständig durchzuführen – von der Blutstillung und Wundversorgung bis
zu komplexen Operationen an Magen-Darm-Trakt oder Gehirn.
Eine wichtige Orientierung bietet der sogenannte OP-Katalog der jeweiligen
Fachrichtung. Er legt fest, wie viele und welche Eingriffe eine angehende
Fachärztin oder ein angehender Facharzt während der Weiterbildung
durchführen muss. In der Praxis sollten erfahrene, von der Ärztekammer zur
Weiterbildung ermächtigte Fachärztinnen und Fachärzte die jungen
Kolleginnen und Kollegen dabei verlässlich begleiten und anleiten.
Strukturelle Defizite im Klinikalltag stehen einer geregelten
Weiterbildung im Weg
Doch genau hier liegen häufig strukturelle Probleme. Die Supervision
operativer Eingriffe erfordert Zeit – ein knappes Gut im eng getakteten
Klinikalltag. Zudem kostet sie Geld. Gleichzeitig fehlen vielerorts
verbindliche Strukturen, etwa klare Weiterbildungscurricula,
Mentorenmodelle oder systematische Weiterbildungsgespräche. Die Folge:
Weiterbildung hängt häufig stark vom jeweiligen Vorgesetzten ab und dauert
oft deutlich länger als vorgesehen. Entsprechend unterschiedlich sind die
Qualität der Betreuung – und damit auch die Lernergebnisse.
Qualitätsindikatoren in der Weiterbildung
Das nun veröffentlichte Positionspapier „Qualitätsindikatoren für die
chirurgische Weiterbildung“ schlägt deshalb ein strukturiertes Set von
Indikatoren vor, mit denen sich Weiterbildung erstmals transparent und
vergleichbar abbilden ließe. Dazu gehören unter anderem:
• strukturierte und verbindliche Weiterbildungscurricula
• definierte Betreuungsverhältnisse zwischen Fachärzten und
Weiterzubildenden
• dokumentierte Weiterbildungsgespräche und operative Supervision
• Erfolgsquoten bei Facharztprüfungen sowie Zufriedenheit der
Weiterzubildenden.
„Die chirurgische Weiterbildung ist die Grundlage für die Qualität der
Versorgung von morgen“, sagt Dr. med. Sebastian Schaaf, Sprecher des
Perspektivforums Junge Chirurgie der DGCH. „Trotzdem wissen wir bisher
erstaunlich wenig darüber, wie gut Weiterbildung tatsächlich funktioniert.
Mit klar definierten Qualitätsindikatoren und Zahlen können wir erstmals
Transparenz schaffen und Verbesserungen gezielt anstoßen.“
Gesundheitspolitische Relevanz der Weiterbildung
Auch gesundheitspolitisch gewinnt das Thema an Bedeutung. Bereits heute
sieht das Krankenhausfinanzierungsgesetz vor, dass Qualität stärker in die
Finanzierung der medizinischen Versorgung einfließen soll (§17b).
Perspektivisch könnten Qualitätsindikatoren daher auch eine Rolle bei der
Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung spielen.
„Eine gute Weiterbildung entsteht nicht zufällig, sondern braucht
verlässliche Strukturen“, erklärt Dr. med. Frederik Schlottmann,
stellvertretender Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie. „Digitale
Instrumente wie e-Logbücher oder Weiterbildungsregister könnten helfen,
Weiterbildung bundesweit vergleichbar zu machen und Qualitätsentwicklung
systematisch zu fördern.“
Geregelte Weiterbildung erhöht Attraktivität der Chirurgie
Über die Qualität der Weiterbildung entscheidet sich jedoch auch, wie
attraktiv das Fachgebiet für junge Ärztinnen und Ärzte ist. „Chirurgie ist
ein äußerst erfüllendes Fach mit großen Gestaltungsmöglichkeiten – aber
junge Kolleginnen und Kollegen erwarten heute nachvollziehbare Strukturen
und eine verlässliche Weiterbildung“, sagt Professor Dr. med. Thomas
Schmitz-Rixen, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.
„Wenn Weiterbildung transparent organisiert und qualitätsgesichert ist,
stärkt das die Attraktivität der Chirurgie und hilft, dringend benötigten
Nachwuchs zu gewinnen.“
International längst etabliert
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass entsprechende Systeme bereits
erfolgreich umgesetzt werden. Länder wie Großbritannien, die Niederlande
oder die USA nutzen digitale Logbücher, standardisierte Assessments und
regelmäßige Evaluationen, um Weiterbildung und Versorgungsqualität eng
miteinander zu verknüpfen.
Die Autorinnen und Autoren sehen in den vorgeschlagenen
Qualitätsindikatoren daher einen wichtigen Schritt hin zu einer
transparenten, datenbasierten und verlässlichen Weiterbildungskultur in
der Chirurgie. Ziel sei es nicht, Weiterbildung stärker zu kontrollieren,
sondern Strukturen zu schaffen, die kontinuierliche Verbesserung
ermöglichen – und damit langfristig auch die Patientensicherheit stärken.
Das Thema wird auch auf dem 143. Deutschen Chirurgie Kongress (DCK) vom
22. bis 24. April 2026 in Leipzig eine zentrale Rolle spielen.
Quelle:
(1) Schlottmann, F., Mulorz, J., Braun, B. et al. Qualitätsindikatoren
für die chirurgische Weiterbildung. Chirurgie (2026).
https://doi.org/10.1007/s00104
Ausgewählte Terminhinweise zum Thema Weiterbildung auf dem DCK 2026:
Crossing Borders - European Perspectives on Surgical Training Quality
Termin: Mi., 22.04.2026, 11:45 - 12:45 Uhr
Ort: DCK Arena
Link: https://pag.virtual-meeting.or
DE/pag/session/126066
Gute Weiterbildung messbar machen: Definition & Design von
Qualitätsindikatoren
Termin: Do., 23.04.2026, 17:15 - 18:15 Uhr
Ort: Saal 1 (Liveübertragung vom Kongress in Leipzig)
Link: https://pag.virtual-meeting.or
DE/pag/session/126125
Was muss in der Weiterbildungsordnung geändert werden? Podiumsdiskussion
Termin: Do., 23.04.2026, 15:30 - 17:00 Uhr
Ort: Saal 1 (Liveübertragung vom Kongress in Leipzig)
Link: https://pag.virtual-meeting.or
DE/pag/session/126116
