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Gefäßkiller LDL-Cholesterin: Sind Butter, Eier, Käse Übeltäter?

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Hohes Cholesterin im Blut erhöht das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
Neben medikamentösen Therapien zur Cholesterinsenkung ist ein gesunder
Lebensstil wichtig. Welche Rolle spielt dabei gesunde Ernährung und wozu
raten Herz- und Gefäßspezialisten beim Schutz vor Infarkten? – Zum Tag der
gesunden Ernährung am 7. März



Cholesterinreiche Lebensmittel wie beispielsweise Eier, Käse und Butter
galten lange als Hauptursache für erhöhte LDL-Cholesterinwerte, einem
wichtigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Heute wissen wir,
dass die Zufuhr von Cholesterin über die Nahrung den LDL-Cholesterinwert
im Blut bei den meisten Menschen nur geringfügig erhöht“, sagt der
Kardiologe und Lipidspezialist Prof. Dr. Ulrich Laufs, Mitglied des
Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Nur ein Drittel des
Cholesterins nimmt der Körper über die Nahrung auf, zwei Drittel des
Blutfetts stellt er über die Leber selbst her. Diese passt die für die
diversen Körperfunktionen nötige Cholesterinproduktion entsprechend der
Cholesterinzufuhr an: „Je mehr Cholesterin im Blut ist, desto weniger
Cholesterin stellt die Leber selbst her“, erläutert der Direktor der
Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig in
der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute mit dem
Titel „Zu viel Fett im Blut – Wie ein gesunder Fettstoffwechsel Herz und
Gefäße schützt“. Belegt ist aber auch: Zirkuliert zu viel ungenutztes LDL-
Cholesterin (LDL-C) im Blut, lagert es sich in den Wänden der Blutgefäße
ab und trägt dort zur Bildung sogenannter Plaques bei. Diese erhöhen auf
unterschiedliche Weise zum Beispiel das Herzinfarktrisiko.
In der Therapie zu hoher Cholesterinwerte, der Hypercholesterinämie,
stehen zwar Veränderungen des Lebensstils generell an erster Stelle. Aber
allein mit gesundem Lebensstil, etwa durch regelmäßige Bewegung und
gesunde Ernährung, ist dem damit verbundenen Infarktrisiko nicht
beizukommen. „Dafür stehen uns heute sehr wirkungsvolle und gut
verträgliche cholesterinsenkende Medikamente zur Verfügung“, so Laufs. Er
betont: „Studien belegen: Je niedriger das LDL-C gesenkt wird, desto
geringer ist die Zahl der Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle.“
Allein Herzinfarkte führen jedes Jahr zu über 185.000 Klinikeinlieferungen
(Deutscher Herzbericht – Update 2025). Infos rund um Cholesterin
(Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten) sind abrufbar unter
https://herzstiftung.de/cholesterin

Rolle der Ernährung „bedeutend, aber nicht entscheidend“
Insbesondere hohe Werte des LDL (LDL=Low Density Lipoprotein)-Cholesterins
steigern das Risiko für Herz und Gefäße. Denn überschüssiges LDL-C im Blut
lagert sich in den oberen Schichten der Gefäßwand ein. Als „stiller
Gefäßkiller“ schädigt hohes LDL-C – gemeinsam mit anderen Risikofaktoren
wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Rauchen – über die Dauer die
Gefäße ohne merkliche Beschwerden für die Betroffenen, bis es im Zuge von
Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) zu Herzinfarkt, Schlaganfall, pAVK
oder gar Tod kommt. „Um diese Gefahr durch Infarkte in Herz und Gehirn zu
vermeiden, kommt es darauf an, den Cholesterinwert im Blut regelmäßig zu
kontrollieren und bei erhöhtem LDL-C möglichst früh durch
Lebensstilmaßnahmen und mit Medikamenten gegenzusteuern, damit es gar
nicht erst zu Ablagerungen in den Gefäßen und zu deren Schädigung kommt“,
betont Prof. Laufs. „In Bezug auf die LDL-C-Senkung spielt die Ernährung
zwar eine wichtige, jedoch nicht die entscheidende Rolle.“

Kombination aus mehreren Faktoren
Hohe Cholesterinwerte führt man heute nicht mehr allein auf das
Essverhalten zurück, sondern auf eine Kombination aus genetischer
Veranlagung, körpereigener Regulation, dem Einfluss von Erkrankungen und
des Lebensstils. Entsprechend sind neben zu viel LDL-C im Blut generell
auch andere Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, hoher Blutzucker,
Bluthochdruck und Übergewicht regelmäßig zu kontrollieren beziehungsweise
zu regulieren. Eine gute Chance, Fettstoffwechselstörungen mit hohen
Cholesterinwerten und weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und hohen
Blutzucker frühzeitig zu erkennen, sehen Kardiologen und die Deutsche
Herzstiftung im regelmäßigen Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren beim
Hausarzt, den die Krankenkassen kostenfrei alle drei Jahre anbieten. „Bei
bekannten Fettstoffwechselstörungen oder schweren Herz-Kreislauf-
Ereignissen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen bei noch jungen
Familienmitgliedern sollte allerdings bereits früher eine engmaschige
ärztliche Kontrolle erfolgen“, unterstreicht Prof. Laufs.

Info: Blutfette (Lipide)
Lipide haben im Körper viele lebenswichtige Aufgaben. Sie dienen u.a. als
Energiespeicher, sind Bausteine von Zellwänden und Grundstoffe für
Hormone. Zu den wichtigsten Lipiden im Blut gehören:
- LDL-Cholesterin (das sogenannte schlechte Cholesterin),
- HDL-Cholesterin,
- Triglyzeride (Neutralfette, diese werden vor allem über die Nahrung
aufgenommen und sind durch eine Ernährungsumstellung mit Alkoholreduktion
gut zu beeinflussen) sowie
- Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ein erblich bedingter Risikofaktor

Jeder kann aktiv für ein gesundes Herz werden: Dazu raten Kardiologen
Wer seine Herzgesundheit aktiv fördern möchte, sollte neben dem Verzicht
auf das Rauchen sich regelmäßig bewegen und gesund ernähren. Optimal sind
mindestens fünf Mal die Woche 30-60 Minuten Ausdaueraktivität (flottes
Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen etc.) und eine insgesamt aktive
Lebensweise, die sitzende Tätigkeiten durch Bewegungseinheiten ausgleicht
(Spazierengehen in der Mittagspause). Ergänzend zum Ausdauertraining sind
zu empfehlen:
- ein moderates Krafttraining (Kraftübungen mit niedriger Belastung und
hoher Wiederholungsrate: z.B. 30 Prozent der Maximalkraft bei 20
Wiederholungen – Pressatmung unbedingt vermeiden),
- Mobilitäts- und Beweglichkeitstraining (z.B. Gleichgewichts- und
Dehnübungen) oder ein
- isometrisches Krafttraining (z. B. 4 x 2 Minuten Wandsitzen; die
Belastungsdauer sollte sich an der individuellen Kraft orientieren und
kann daher auch kürzer sein)

Die mediterrane Küche erleichtert den Einstieg in eine gesunde Lebensweise
mit ihren präventiven Vorteilen für die Herzgesundheit. Sie ist reich an
frischem Gemüse, Obst, Salaten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch,
Nüssen, Kräutern und gesunden Fetten (z.B. Leinöl, Olivenöl), die mehrfach
ungesättigte Fettsäuren enthalten. Insgesamt werden zudem nur wenige
tierische Produkte genutzt. Infos unter https://herzstiftung.de
/mediterrane-ernaehrung

Unterstützen bei erhöhtem Cholesterin:  Ballaststoffe und gesunde
Pflanzenöle
Ballaststoffe können die LDL-Konzentration im Blut etwas senken. Als
unverdauliche Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel binden sie im Darm
die für die Verdauung wichtigen Gallensäuren, die überwiegend aus
Cholesterin bestehen. Die gebundenen Gallensäuren werden mit dem Stuhl
ausgeschieden, der Körper muss nun die Gallensäuren neu aus Cholesterin
bilden. „Das lässt bei regelmäßigem Konsum ballaststoffreicher
Lebensmittel den Gesamtcholesterinspiegel im Blut messbar sinken: bis
maximal zehn Prozent, abhängig vom Ausgangszustand“, berichtet die
Herzstiftung in HERZ heute. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 bis 40 Gramm.
Besonders ballaststoffreich sind
- Haferflocken, Haferkleie,
- Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen,
- Obst, vor allem Äpfel, Birnen, Rhabarber und Beeren,
- Steinpilze, Pfifferlinge und
- Karotten, Brokkoli und Artischocken.

Für Omega-3-reiche Öle werden ebenfalls positive Effekte für Herz und
Gefäße diskutiert. Omega-3 ist eine ungesättigte Fettsäure, die der Körper
nicht selbst herstellen kann und die mit der Nahrung aufgenommen werden
muss. Reich an Omega-3 ist vor allem Leinöl, auch Walnuss-, Raps- und
Hanföl. Die Vorteile von Omega-3-Fettsäuren beruhen darauf, dass sie
Triglyzeride (Neutralfette), die vor allem über die Nahrung aufgenommen
werden, senken, und so die Gefäßfunktion schützen und Entzündungen hemmen.
(wi)

Zusatzinformationen für Redaktionen

Welcher LDL-C-Zielwert ist anzustreben?
Für eine Behandlung bei hohen LDL-C-Werten ist immer die individuelle
Person, also auch ihr Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu
betrachten. Ist zum Beispiel nur das LDL-C leicht erhöht oder liegen noch
zusätzliche Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und/oder Begleiterkrankungen
(Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus, Bluthochdruck) sowie extreme
Risiken wie eine ausgeprägte Arteriosklerose vor? Aktuelle
Therapieempfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften stimmen darin
überein, dass folgende LDL-Werte anzustreben sind:
- Für gesunde Menschen mit niedrigem Risiko, ohne Risikofaktoren gilt ein
LDL-Cholesterinwert unter 116 mg/dl (<3,0 mmol/l) als Zielwert.
- Bei mittlerem Risiko sollte ein LDL-Cholesterin-Zielwert unter 100 mg/dl
(unter 2,6 mmol/l) angestrebt werden.

Zusätzlich relative Senkung um mindestens 50 Prozent gegenüber dem
Ausgangswert:
- Bei hohem Herz-Kreislauf-Gesamtrisiko (z.B. Rauchen, ausgeprägter
Bluthochdruck, genetisch bedingt hohe Cholesterinwerte) sollte ein LDL-
Cholesterin-Zielwert unter 70 mg/dl (unter 1,8 mmol/l) angestrebt werden.
- Bei sehr hohem Herz-Kreislauf-Gesamtrisiko (z.B. Diabetes oder schon
vorhandene Herz-Kreislauf-Erkrankung) sollte ein LDL-Zielwert unter 55
mg/dl (unter 1,4 mmol/l) angestrebt werden.
- Bei extrem hohem Herz-Kreislauf-Gesamtrisiko (z.B. bei kardialen
Ereignissen trotz Statintherapie, bei Mehrgefäßerkrankungen oder
ausgeprägter Arteriosklerose in der Bildgebung) sollte ein LDL-Zielwert
unter 40 mg/dl (unter 1,0 mmol/l) angestrebt werden.

„Für einen Diabetes-Patienten ist die Senkung des LDL-C mindestens genauso
wichtig wie die seines Blutzuckers, weil beides gefäßschützend wirkt und
das Infarktrisiko senkt“, erklärt Laufs.

Service
Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute
Mehr Informationen rund um den gesunden Fettstoffwechsel bietet die
aktuelle Ausgabe 1/2026 der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute mit dem
Titel „Zu viel Fett im Blut – Wie ein gesunder Fettstoffwechsel Herz und
Gefäße schützt“. Ein Probe-Exemplar dieser Ausgabe kann kostenfrei unter
Tel. 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestellung
angefordert werden.

Jetzt reinhören! Podcasts mit wichtigem Wissen zu Cholesterin
Zwei Podcasts mit Prof. Dr. Ulrich Laufs im Expertengespräch mit wichtigen
Informationen für Patienten rund um Cholesterin sind zu hören unter:
https://herzstiftung.de/wichtiges-wissen-cholesterin

Informationen über Ursachen und Folgen hoher Cholesterinwerte sowie
Möglichkeiten der Therapie finden Betroffene und Interessierte unter
https://herzstiftung.de/cholesterin und
https://herzstiftung.de/cholesterinsenker

Literatur:
2025 ESC Guidelines for the “Focused update of the 2019 dyslipidaemias”,
European Heart Journal, 2025, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf190
Authors/Task
Force Members; ESC Committee for Practice Guidelines (CPG);
ESC National Cardiac Societies. 2019 ESC/EAS guidelines for the management
of dyslipidaemias: Lipid modification to reduce cardiovascular risk.
Atherosclerosis. 2019 Nov;290:140-205.