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Damit der Lkw nicht leer fährt

Dr. Markus Meßmer.  Quelle: DHBW Ravensburg
Dr. Markus Meßmer. Quelle: DHBW Ravensburg
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Seit 2021 ist Markus Meßmer Forschungsgruppenleiter am Zentrum für
Digitalisierung in Mobilitätssystemen (ZDM) an der DHBW Ravensburg. Sein
Thema war die Auslastungserhöhung von transportlogistischen Lkw. Seine
Doktorarbeit ist ein gutes Beispiel, wie an der der DHBW anwendungs- und
transferorientiert geforscht wird. Seine Arbeit wurde von zehn Unternehmen
mit Daten, Know-how und bei der Praxiserprobung engagiert und vielfältig
unterstützt. Ein Ergebnis war eine DHBW Patentanmeldung zur
Bedarfsauslastung von Frachten. Und schließlich haben zwei Absolventen,
basierend auf den Ergebnissen, ein Start-up gegründet – deepmatics freut
sich gerade über die ersten Aufträge.

2021 haben Lkw in Deutschland sage und schreibe 68 Milliarden Kilometer
auf den Straßen zurückgelegt. 30 bis 50 % davon allerdings leer und
gänzlich ohne Fracht. „Das gibt´s doch nicht“, dachte sich Markus Meßmer
und machte die Optimierung der Lkw Auslastungen zum Thema seiner
Doktorarbeit. Zur Unterstützung einer Branche unter enormem Kostendruck
und für eine nachhaltigere Transportlogistik.
Das Ergebnis der Arbeit ist ein Tool, um zukünftige Fahrten mit geringer
Auslastung und Leerfahrten treffsicher vorherzusagen. Im ersten Schritt
ging darum, das Gewicht und das Volumen der Fracht mit einfach
handhabbaren und günstigen Technologien digital zu erfassen und so eine
Optimierung möglich zu machen. Beim Gewicht hatten sich die breit
eingesetzten Messverfahren, die auf das Lkw-Bremssystem aufbauen, in den
Praxistests als nicht geeignet erwiesen. Doch es gelang Meßmer und seinem
Team, durch das Auslesen weniger Daten aus Lkw-Standardschnittstellen eine
sehr gut funktionierende Lösung zum Erfassen des mitgeführten
Frachtgewichts zu entwickeln. In Bezug auf das Frachtvolumen als zweitem
Faktor schieden 3D-Kameras unter anderem wegen zu hoher Anschaffungskosten
aus. Robuste und Lkw-taugliche Sensoren mit geringen Anschaffungskosten
übernehmen nun diesen Part. Basierend auf dem identifizierten
Frachtgewicht und dem Frachtvolumen können nun zukünftige Fahrten mit
geringer Auslastung über ML Methoden vorhergesagt und besser ausgelastet
werden.
Das Ergebnis: Eine erfolgreiche Doktorarbeit an der Uni Aveiro in
Kooperation mit dem Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) in
München. Dazu ein Patent für das Gesamtsystem. Und schließlich das Start-
up deepmatics von den DHBW-Absolventen Sebastian Bublies und Raimund Lau.
„Wir forschen auch, um die Lehre aktuell zu halten“, meint Dr. Markus
Meßmer. Viele Studierende waren über Vorlesungen und Projekte eingebunden.
Anwendungs- und transferorientiert zu forschen – das hat sich die DHBW auf
die Fahnen geschrieben. Große Stärke dabei ist das Netzwerk an
Partnerunternehmen. Auch in diesem Fall waren sie vielfältig und
bereitwillig eingebunden. DB Schenker lieferte etwa einen umfassenden
logistischen Datensatz. Bei Rolls-Royce, Kühne + Nagel oder Grieshaber
Logistik wurde alles möglich gemacht, um die Praxisanwendung auf den
Prüfstand zu stellen. Vom Mini-Truck im Labor am Technikcampus
Friedrichshafen ging es so nahtlos in die Erprobung in der Praxis.
Finanziert wurde seine Stelle über die Zeppelin-Stiftung – ebenfalls ein
starker Link in die Region.
Nach fast 30 Berufsjahren mit Stationen in der Unternehmensberatung KPMG
Consulting und in leitenden Positionen bei Unternehmen wie Siemens, Hilti
und Zumtobel ist Markus Meßmer nun Doctor of Business Innovation. Seine
Arbeit hat das Portfolio um die DHBW Lehre und vor allem um die Forschung
erweitert. Neben der Doktorarbeit sind auch sechs Einreichungen für
Publikationen entstanden.
Diese Unternehmen haben die Forschungsarbeit unterstützt: DB Schenker, ZF
Friedrichshafen AG, Transics Deutschland GmbH, Rolls-Royce Solutions GmbH,
Kühne + Nagel KG, Wabco, Gomm Fahrzeugbau GmbH, idem telematics GmbH, Max
Müller Logistic & Spedition, Grieshaber Logistik GmbH